Kindergarten in Deutschland

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Hendrik
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von Hendrik »

andy hat geschrieben:Wenn sich das Alphabet lernen in Kindergärten etabliert, wird aus dem "nice to have" eine Notwendigkeit. Die Schule wird dann nämlich Ihren Stoff dementsprechend darauf einstellen.
Wenn ich heute eine Sache 1 Stunde lerne und die gleiche Sache in einem Monat nochmals eine Stunde lerne, kann ich sie leichter dauerhaft merken, als wenn ich nur heute 3 Stunden lernen würde. Das ganze nennt sich spaced repition und liesse sich praktisch nutzen, wenn man Kindergartenkindern ein leichtes Lernpensum gibt und das über einen großen Zeitraum streckt. Die Kinder müssen nicht schwitzen und haben doch schon einiges auf dem Kasten wenn sie die erste Klasse erreichen. Stattdessen macht man im Kindergarten gar nix und dann muss plötzlich das Alphabet in 3 Monaten reingepresst werden.
http://en.wikipedia.org/wiki/Spaced_repetition" target="_blank
Es sind ein paar interesannte Links am Ende des Wikiartikels, wenn man sich mal ernsthaft dafür interessiert.

andy hat geschrieben: Bei mir im Studium ( und das wird wohl überall so sein ) wurden zb. keine spezifischen Sachen verlangt.
Jein.

Ja, in der Beschreibung zu meinem Informatikstudium steht, dass man keine Grundkenntnisse braucht.
Ja, im Bereich programmieren wird alles durchgenommen und erklärt.

Aber...

Die Regeln des Programmierens zu kennen und das Denken in einer Programmiersprache sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe. Letzteres entwickelt man erst über eine gewisse Zeit. Während Leute mit Programmiererfahrung sich tot gelangweilt haben, sind Leute mit Null (ja die gibts) Programmiererfahrung reihenweise durch die Prüfungen durchgefallen. Im Bereich Mathe, wo alle Grundkenntnisse hatten gabs das Problem nicht.
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Linnea
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von Linnea »

andy hat geschrieben:Wenn sich das Alphabet lernen in Kindergärten etabliert, wird aus dem "nice to have" eine Notwendigkeit. Die Schule wird dann nämlich Ihren Stoff dementsprechend darauf einstellen.
Ich glaube kaum, dass sich dies durchsetzen wird. Wir haben keinerlei Kindergartenpflicht (was ich persönlich für richtig halte), deswegen wird es auch kein Curriculum geben, das sich in den Kindergärten verbreiten wird. Trotz allem werden im Kindergarten sicher Dinge vorausgesetzt. Ich würde beispielsweise erwarten, dass ein Kind mit drei Jahren so halbwegs (!) in der Lage ist sich anzuziehen, aufs Klo zu gehen und sich sprachlich verständig zu machen. Bei allen Punkten muss man Einschränkungen machen, denn manchmal dauert es beim ein oder anderen eben länger. Für Kinder mit nicht deutschen Elternteilen gilt in meinen Augen: Besser die Muttersprache altersgemäß beherrschen als ein Mischmaschdeutsch zu lernen.

Von einem Schüler wird erwartet, dass er die Vokabeln in einer Fremdsprache zu Hause lernt, auch die Hausaufgaben soll er selbständig bearbeiten können. Ein Student sollte einen Text lesen können, den er bearbeiten muss, oder eben die Rechenaufgabe versuchen zu lösen, die für die nächste Übung aufgegeben war. In diesem Kontext kann nicht erwartet werden, dass alles vorgekaut werden muss.
andy
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von andy »

Hendrik hat geschrieben: Wenn ich heute eine Sache 1 Stunde lerne und die gleiche Sache in einem Monat nochmals eine Stunde lerne, kann ich sie leichter dauerhaft merken, als wenn ich nur heute 3 Stunden lernen würde. Das ganze nennt sich spaced repition ....
Wohl war.
Aber da man ja eh mindestens die folgenden 10 Jahre mit dem Stoff arbeitet, hat man da ja genug "spaced repition". Reicht doch oder? Jedenfalls kenne Ich keinen Fallbeispiel aus meiner Schulzeit, wo ich mir dachte, es wäre besser für Ihn gewesen die Buchstaben bereits vorher zu lernen.

Wie gesagt, wenn sich das in den Kindergärten etabliert wird der Schulstoff darauf angepasst. D.h im Klartext, die Zeit die man dann in dem ersten Monat mit dem üben von Buchstaben verwendet ( zb. über Tiernamen ) wird dann einfach ausgelassen und der Stoff dementsprechend angezogen.
Hendrik hat geschrieben: Ja, im Bereich programmieren wird alles durchgenommen und erklärt.

Aber...
Ich studiere Kryptografie und IT-S
Bezüglich des programmieren stand es so bei mir auch so in der Studienbeschreibung :D.

Man kann programmieren durchaus während des Studiums lernen. Dies hat aber auch zur Folge das man sich dafür wirklich interessieren sollte ( und das ist eben eine Vorraussetzung für jedes Studium , das Interesse, nicht aber das Fachspezifische).
Wenn dann da Leute sitzen die noch nie programmiert haben und auch nicht wissen was das genau ist, kann man dann vom wirklichen Interesse für das Studium sprechen? Ich denke gerade in dem Fall nicht, weil:

1. Man programmieren schon während der Mittelschule lernt, Fachbereich Informatik ( wenn denn aus Interesse gewählt ).

oder

2. Jeder der sich für Informatik interessiert, sich irgendwann automatisch fragt, "hey wie entsteht eigentlich eine Software" und dann automatisch reinschnuppert. Es gibt da ja inzwischen sogar Kinderbücher für.

Ab dann weiß man automatisch ob es einen liegen könnte oder nicht ( wenn Punkt 1 und 2 nicht vorhanden ist, woher wissen die Leute dann ob sie Interesse an der Informatik haben ? ).

Leute die dann da sitzen und nichtmal wissen wie man einen PC an und ausschaltet, haben schlichtweg in der Wahl des Studienfaches gefailed.
Wenn Ich vorher weiß dass ich Höhenangst und Flugangst habe, bewerbe ich mich auch nicht als angehender Pilot.
Es liegt also am Interesse, nicht an den Anforderrungen.

Und nur damit ich nicht den Anschein erwecke ich würde mir selber widersprechen:
Programmieren lernen kann man während des Studiums ohne Probleme, vorausgesetzt das Interesse besteht und man hat keine Probleme mit logischen Denkvermögen ( was zb. als Vorraussetzung für ein Informatik Studium mit angegeben ist ).
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andy
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von andy »

Linnea hat geschrieben: Von einem Schüler wird erwartet, dass er die Vokabeln in einer Fremdsprache zu Hause lernt, auch die Hausaufgaben soll er selbständig bearbeiten können. Ein Student sollte einen Text lesen können, den er bearbeiten muss, oder eben die Rechenaufgabe versuchen zu lösen, die für die nächste Übung aufgegeben war. In diesem Kontext kann nicht erwartet werden, dass alles vorgekaut werden muss.
Es ging ja auch nicht um Hausaufgaben oder Schulstoff den man Parallel lernen muss, sondern um die Vorraussetzung überhaupt den Unterricht das erste mal besuchen zu können.
Damit man auch die Chance hat am Ball bleiben zu können und nicht direkt erschlagen zu werden, weil alle einen Vorsprung haben und der Lehrer diesen Vorsprung bereits als selbstverständlich ansieht.
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Hendrik
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von Hendrik »

andy hat geschrieben:Es gibt da ja inzwischen sogar Kinderbücher für.
Womit wir an der Quelle des Problem sind. Eltern die Zeit haben um den Kindern verschiedene Sachen zu zeigen, oder zumindest jemanden bezahlen können der den Kinder was zeigt und den Familien in denen beide Elternteile arbeiten müssen und das Kind sich selbst überlassen wird. Ich denke das haben wir schon mal durch gekaut in irgendeinem Thread.
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andy
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von andy »

Hendrik hat geschrieben:
andy hat geschrieben:Es gibt da ja inzwischen sogar Kinderbücher für.
Womit wir an der Quelle des Problem sind...
Mein geschriebenes aus dem Kontext zu ziehen, ist dir sehr gut gelungen. Das war aber nicht meine Aussage.

Ich wollte damit eher sagen, das man kein Nerd sein muss und nicht notwendig ist sich durch 1500 Seiten Dicke Bücher schlagen, um zu wissen wie man programmiert. Den es gibt Bücher die man lesen kann, ohne in dem Bereich die Leuchte zu sein.
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Hendrik
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von Hendrik »

Setzt aber einen PC vorraus und der war zu meiner Jugendzeit noch nicht so alltäglich in jedem Haushalt (und ich bin wirklich nicht alt).
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andy
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von andy »

Hendrik hat geschrieben:Setzt aber einen PC vorraus und der war zu meiner Jugendzeit noch nicht so alltäglich in jedem Haushalt (und ich bin wirklich nicht alt).
Wie gesagt, wenn kein PC vorhanden ist kann man sich schlichtweg nicht sicher sein ob man sich für Informatik interessiert. Denn dieses Interesse kommt ja meistens erst wenn man sich über die Möglichkeiten die so ein Teil bietet auch bewusst wird.
Sind dann jetzt die Anforderrungen schuld oder die Leute?

Aber mal ganz ehrlich, geh mal durch die Klassen und frag in welchem Haushalt kein PC steht. Selbst jugendliche die keinen PC haben sie da eher die große Ausnahme.

In den letzten Jahren hat sich das stark geändert, da die PC Industrie versucht PC Preise für jeden Haushalt erschwinglich zu machen. Gibt ja inzwischen schon 200€ PC`s, oder gebraucht für 100 Euro.
Vor 10-12 Jahren noch fast undenkbar ( da hatten wir bei uns im Haushalt auch nur einen PC, inzwischen hat bei uns jedes Familienmitglied seinen eigenen ).
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Linnea
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von Linnea »

andy hat geschrieben:sondern um die Vorraussetzung überhaupt den Unterricht das erste mal besuchen zu können.
Dazu hatte ich mich bereits geäußert. So lange es keine Verplichtung zum Kindergartenbesuch geben wird, so lange wird die Schule auch keine Rechtsgrundlage haben auf deren Basis sie entscheiden kann, dass beispielsweise das Alphabet bereits beherrscht werden muss. Die Spanne bei ABC-schützen ist nunmal sehr weit, siehe mein Beispiel mit den Äpfeln. Es geht bei den Kleinen darum einen kleinstmöglichen Nenner zu finden, der dennoch mittels Differenzierung im Unterricht - wie man das bei 30 Kindern machen soll ist mir jedoch auch ein Rätsel - für alle den größtmöglichen Fortschritt erzielt.
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Hendrik
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von Hendrik »

andy hat geschrieben: Aber mal ganz ehrlich, geh mal durch die Klassen und frag in welchem Haushalt kein PC steht. Selbst jugendliche die keinen PC haben sie da eher die große Ausnahme.
Ein verpflichtender Teil meines Hauptstudiums war es, Studenten aus dem Grudnstudium zu betreuen. Im Wintersemester 2009/2010 habe ich ein paar Erstis betreute im Fach "Grundlagen der Programmierung", die noch keinen eigenen PC hatten. Ich glaube es waren drei oder vier. Diese Kandidaten hatten alle Migrationshintergrund (Afrikaner und Türken).
.
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von andy »

Hendrik hat geschrieben:
andy hat geschrieben: Aber mal ganz ehrlich, geh mal durch die Klassen und frag in welchem Haushalt kein PC steht. Selbst jugendliche die keinen PC haben sie da eher die große Ausnahme.
Ein verpflichtender Teil meines Hauptstudiums war es, Studenten aus dem Grudnstudium zu betreuen. Im Wintersemester 2009/2010 habe ich ein paar Erstis betreute im Fach "Grundlagen der Programmierung", die noch keinen eigenen PC hatten. Ich glaube es waren drei oder vier. Diese Kandidaten hatten alle Migrationshintergrund (Afrikaner und Türken).
Den Leuten kann man dann auch nicht helfen.
Zwei Wochenden Teller waschen in einem Restaurant, und du kannst dir so ein Teil kaufen. Monitore kriegst du auch schon für 30 Euro hinterher geschmissen.
Ich hab damals als ich noch jünger war, nichts anderes gemacht ( nicht weil meine Eltern sich keinen leisten konnten, sondern weil sie wussen das ich wahrscheinlich nur PC Spiele darauf spiele... und sinnloser Spaß gibts eben nur mit Arbeit).

Die 3 oder 4 sind schlichtweg eine Ausnahme, und deine Uni hat ja mit dir als Auffangstation entsprechend reagiert.

Man muss halt eben mal einen Punkt machen.
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andy
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von andy »

Linnea hat geschrieben: Dazu hatte ich mich bereits geäußert. So lange es keine Verplichtung zum Kindergartenbesuch geben wird, so lange wird die Schule auch keine Rechtsgrundlage haben auf deren Basis sie entscheiden kann
Einleuchtend.
Hast mich überzeugt :wink:
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Linnea
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von Linnea »

Oder nehmen wir noch andere Beispiele:
In China ist der Kindergarten meines Wissens nach in vielen Fällen dem Alter nach getrennt. Also in einer Art Klassenverband strukturiert; während in Deutschland meist drei- bis sechsjährige Kinder zusammen in einer Gruppe sind, die eher selten getrennt wird. Da wird es schon schwieriger inhaltlich vor allem auf die älteren Kinder einzuwirken.
Und die andere Frage ist auch: Wollen Lehrer sich tatsächlich die Vermittlung der ersten Schriftkenntnisse (bei der Mehrzahl der Schüler) aus der Hand nehmen lassen? Wenn man den Rahmen dieses Threads noch ein wenig weiter sprengt und sich einige Argumente gegen Hausunterricht ansieht, dann gehen diese gern in die Richtung nicht studierten Lehrkräften jegliche Befähigung abzusprechen, Kinder unterrichten zu können. Ich glaube nicht, dass sich das so schnell ändert...
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Hendrik
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von Hendrik »

andy hat geschrieben: Zwei Wochenden Teller waschen in einem Restaurant, und du kannst dir so ein Teil kaufen. Monitore kriegst du auch schon für 30 Euro hinterher geschmissen.
könnte auch eine kulturelle Frage sein. Du sagst ja selber, die Eltern vermuten das der PC zum Spielgerät verkommt. Un din der Tat ist da Anleitung durch Eltern nötig. Und dann gibts da Eltern die mit einem PC umgehen können und solche die es einfach nicht können.
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andy
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Re: Kindergarten in Deutschland

Beitrag von andy »

Hendrik hat geschrieben:
andy hat geschrieben: Zwei Wochenden Teller waschen in einem Restaurant, und du kannst dir so ein Teil kaufen. Monitore kriegst du auch schon für 30 Euro hinterher geschmissen.
könnte auch eine kulturelle Frage sein. Du sagst ja selber, die Eltern vermuten das der PC zum Spielgerät verkommt. Un din der Tat ist da Anleitung durch Eltern nötig. Und dann gibts da Eltern die mit einem PC umgehen können und solche die es einfach nicht können.
Ich glaube wir drehen uns im Kreis.
Besser wir kommen wieder zum Back to Topic.
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