wuseltiger hat geschrieben:Aber hifi, deine Kritik ist doch etwas übertrieben (auch wenn sie sarkastisch gemeint war). Gerade hier im Forum (ich kann natürlich nicht für alle sprechen), gibt es viele Leute, deren Sichtweise nicht so beschränkt und einseitig ist wie du behauptest. Trotzdem machen diese Leute die Erfahrung, dass man auf eine riesige Mauer stößt, wenn man politische Themen bei Chinesen anspricht.
Das ist richtig. Auch meine Aussage war gewollt sehr überspitzt.
Die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich sehr wohl die Meinungen und Kritik hier in Westen verstehe. Und ich schätze auch die Werte und Gedanken in den freien westlichen Ländern.
Allerdings bin ich nicht ganz sicher, ob eine solche Diskussion um die Richtigkeit der Werte wirklich sinnvoll ist, um einen bilateralen Dialog zwischen völlig unterschiedlichen Lebensläufen und verschiedenen Weltanschauungen herzustellen.
Das Problem ist, dass eine Grundsatzdiskussion um die Werte in der Politik immer um eine Beurteilung zwischen Gut und Böse geht. Aber die Welt selbst ist weder gut noch böse, eine Beurteilung liegt lediglich in den Augen des Betrachters. Sie ist jenach Perspektiven veränderlich und jenachdem wie die Menschen aufgewachsen sind und was sie erlebt haben, ganz anders zu empfinden. Auch die Zeit verändert die Werte von Dingen und Bewertungen von Ereignissen. In dem Hinsicht, sind solche Diskussionen für mich durchaus vergleichbar wie die Diskussionen zwischen den Gläubigen von verschiedenen Religionen. Als George W. Bush die Welt in Gut und Böse einteilte, würde wahrscheinlich die Mehrheit in diesem Forum ihn widersprechen wollen, aber dennoch beurteilen auch wir ununterbrochen alles auf der Welt und versuchen sogar manchmal unserere Sichtweise der Dingen andere Menschen aufzuzwingen.
Das zweite Problem für mich ist, dass ich nicht ganz sicher bin, ob die Ideale wie Demokratie und Menschenrecht so komplett 1:1 von außen übertragbar wäre. Ich selbst zweifle an diese Werte nicht, weil ich sie zu schätzen gelernt habe, aber dennoch bin ich die Meinung, dass das Wertsystem und die gesellschaftlichen Ideale nicht einfach grenzenlos übertragbar ist. Als die "Amerikaner" versuchten die "wilden" Idianer zu kultivieren und zu zivilisieren, zerstörten sie die Kultur und Identität von dieser Menschen. Auch wenn die Ideale noch ganz edel war, richtete man dennoch die Zerstörung eines ganzen Volks an. Natürlich bedeutet jede Übertragung von Ideale und Weltanschauung auch den Verlust von der alten Identität, aber dieser Vorgang müsste man von sich aus wollen und nicht von außen gedrängt werden. Annährung durch gegenseitige Assimilation, das ist die Grundlage für eine gut funktionierende Ehe. Das gleiche gilt auch für einen Dialog bzw. für eine ehrliche Partnerschaft. Wenn ein Gesprächspartner zu sehr dominant ist, wird der andere Beteiligte früher oder später sich unwohl fühlen.
Wenn wir das Beispiel Japan nehmen und ihre Reform und Modernisierung Mittel des. 19. Jahrhunderts anschauen, ist ebenfalls die Übernahme von technische Denkweise wesentlich leichter als die Übernahme von kultureller und ideologischer Gedankengut. Auch Japan hatte einen Demokratisierungsversuch nach dem 1. Weltkrieg und auch dieser scheiterte zu der damaligen Zeit, weil die meisten Menschen sie nicht verstanden haben. Heute ist Japan zwar eine recht stabile Demokratie, aber die obrigkeitsfügsamkeit ist bei den meisten Japanern immer noch sehr bemerkenswert. Zu diesem Thema gab es vor zwei Jahren eine ziemlich interessante Dokumentation "Campaign" (Die Wahlkampagne) von einem in New York lebenden Japaner.
Der einzige zwangshafte Ideologietransfer, der anscheinend funktioniert hat, war die Demokratisierung von Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg. Wobei es sich in diesem Fall doch um recht ähnliche kulturelle Wurzel handelt. Und viele Ideen und Gedanken der modernen westlichen Demokratie stammten sogar aus Deutschland. (die Aufklärung) Außerdem wurde Deutschland (auch wegen seiner Position im Kaltenkrieg) recht schnell als gleichgestellten Bündnispartner akzeptiert und auch so behandelt.
Ich denke, dass einfach nur zu sagen, was richtig und was falsch ist, bringt keine Diskussion wirklich weit. Nur zu behaupten, dass man die Wahrheit kennt, ist einfach, aber das kann genau so gut auch die anderen behaupten. Vielleicht sollte man seinem Gesprächspartner einfach nur zeigen, dass es auch andere Sichtweise der Dingen gibt und es auch noch andere Perspektive außerhalb der Bekannten gibt, ohne voreilig zu beurteilen. wenn man die Idee der Demokratie verbreiten möchte, dann muss man auch dafür sorgen, dass die Menschen, die sie annehmen sollen, die Idee hinter dem Begriff auch wirklich versteht. Und man sollte auch selbst ein Verständnis dafür haben und darauf achten, dass der gewünschte Dialog nicht zu einer Diktatur des guten Willens wird. Nur wenn die Menschen es auch von sich aus wollen, dann kommt die Demokratie schon fast von alleine.
Vielleicht ist es genau so, wie in dem Film "Matrix" lautet: "Ich kann Dir nur die Tür zeigen. Durchgehen mußt Du selber."