Ni hao aus München

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Angelika
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Ni hao aus München

Beitrag von Angelika » 24.09.2009, 15:45

Hallo alle zusammen und Ni hao,

ich heiße Angelika, lebe in München, unterrichte Leute aus eigentlich der ganzen Welt (also auch China :D ) in der Deutschen Sprache und schreibe außerdem einen Roman, der zum größten Teil in China spielt, in Beijing und auf Teilen der Großen Mauer.

Es ist schon 5 Jahre her, dass ich zuletzt in China war, von daher herrscht einiger Recherchebedarf. An wen oder wohin könnte ich mich denn mit meinen Fragen wenden?

Vielen Dank schon mal jetzt,
Angelika

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Re: Ni hao aus München

Beitrag von ingo_001 » 24.09.2009, 15:54

Angelika hat geschrieben:An wen oder wohin könnte ich mich denn mit meinen Fragen wenden?
Na an uns natürlich :)
Erstmal: Herzlich willkommen in unserem Forum.

Zu Deinen Fragen: Nutz bitte erstmal die "SuFu" (Such-Funktion) oder stell konkret die Fragen, die Dir unter den Nägeln brennen.

Wir sind hier sowas wie eine große Familie, die, wenn sie kann, gerne weiter hilft :wink:

Über die Höhe der %-ualen Beteiligung am (hoffentlichen) Erfolg Deines Romans reden wir dann, wenn es soweit ist :mrgreen: :wink:
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.

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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika » 24.09.2009, 16:23

Danke, Ingo, für die nette Begrüßung, ich hab schon mal SUFU (klingt ja fast wie der Glücksdrache in der "Unendlichen Geschichte") aufgesucht und werde mich später mit konkreten Fragen melden, wenns recht ist.

Angelika

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Re: Ni hao aus München

Beitrag von ingo_001 » 24.09.2009, 16:26

Aber immer doch.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika » 24.09.2009, 18:43

Gut, also da wäre ich wieder.
Mit folgenden Fragen an die Experten unter euch:


Auf der Chinesischen Mauer muss es neben den allseits bekannten Strecken, auf denen die Touristen herumlaufen auch etwas wildere, also nicht ausgebaute Teile geben, wo nichts oder mindestens weniger los ist? Ich meine, ich bin in der Nähe von Gou Bei Kou da mal gewandert. Muss man dafür extra Papiere haben, gibt es so was wie einen „Eingang“, an dem man sich ausweisen muss? (Wir mussten damals so eine Art Pforte passieren, aber dann ging es auch durch Dörfer, die sicher von außen passierbar waren)

In der gleichen Ecke muss es einen alten Wehrturm geben, in denen etwas härter gesottene Touristen (auf dem Foto, das ich gesehen habe, waren es recht durchtrainiert wirkende japanische Ornithologen) übernachten können. Muss man dazu irgendwelche Auflagen erfüllen bzw. wird der Zugang überwacht?

Ich weiß, dass China immer noch ein ausgesprochen sicheres Land ist. Dennoch wird sich in der letzten Zeit über die massive Verarmung vieler Bevölkerungsteile in Sachen Kriminalität wohl was getan haben (die Mutter meiner chinesischen Freundin wurde vor drei Jahren in Beijing ausgeraubt).
Dazu ein paar spezielle Fragen:
1. Kommt auch so was wie Raubmord vor?
2. Ist Kriminalität auch außerhalb von richtig großen Gangs denkbar? Also Einzelgänger oder etwa ein Brüderpaar?
3. Wie würde die Polizei in China reagieren, nachdem in einer touristisch interessanten Gegend ein schwereres Delikt begangen wurde? Wie, wenn sie einen Hinweis erhält, dass da demnächst Ausländer herumlaufen, die möglicherweise in Gefahr sind?

Und schließlich: Wie verhält sich ein chinesischer Polizist (am besten vom Lande), wenn ein Ausländer ihm frech kommt (sprich: aufgeregt herumschreit – nicht auf Chinesisch, dennoch verstehbar den Standpunkt vertritt, dass der Herr in Uniform gefälligst den Arsch hochkriegen und ihm zu seinem Recht verhelfen soll)?

Gespannt auf Antwort wartend sage ich schon mal xie xie,
Angelika

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Re: Ni hao aus München

Beitrag von bossel » 24.09.2009, 18:58

Angelika hat geschrieben:1. Kommt auch so was wie Raubmord vor?
2. Ist Kriminalität auch außerhalb von richtig großen Gangs denkbar? Also Einzelgänger oder etwa ein Brüderpaar?
3. Wie würde die Polizei in China reagieren, nachdem in einer touristisch interessanten Gegend ein schwereres Delikt begangen wurde? Wie, wenn sie einen Hinweis erhält, dass da demnächst Ausländer herumlaufen, die möglicherweise in Gefahr sind?
1) Natürlich. Wo nicht?
2) Natürlich. Ich habe so die Vermutung, daß der weitaus größte Teil der Kriminalität nicht von Banden ausgeht. Wanderarbeiter ohne Stelle zB, die sich irgendwie durchschlagen müssen.
3) Kommt drauf an...
Wie verhält sich ein chinesischer Polizist (am besten vom Lande), wenn ein Ausländer ihm frech kommt (sprich: aufgeregt herumschreit – nicht auf Chinesisch, dennoch verstehbar den Standpunkt vertritt, dass der Herr in Uniform gefälligst den Arsch hochkriegen und ihm zu seinem Recht verhelfen soll)?
Kommt auch drauf an. Ob Du's glaubst, oder nicht, aber auch in China haben Polizisten individuelle Züge. Vom Grinsen wegen des lächerlichen Barbaren bis zur Verhaftung (wg. Erregung öffentlichen Ärgernisses oder Beleidigung einer Amtsperson, was weiß ich) dürfte da alles möglich sein.
Außerdem, wie soll das Geschrei verständlich sein, wenn es nicht chinesisch ist? Die meisten Polizisten können kein Englisch (von Deutsch ganz zu schweigen).

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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika » 24.09.2009, 19:18

Lieber Bossel aus Kanton,

gleich schon mal schönen Dank für deine prompte Antwort. Wenn ich nochmal nachhaken darf:

zu (1) Hättest du da vielleicht einen (am besten schön triefenden) wahren Fall (aus der Zeitung vielleicht)?

Zu (2) Ja, an Wanderarbeiter hatte ich auch gedacht. Die erste Assoziation dazu war allerdings eher Kleinkriminalität. Eine chinesische Studentin, die schon mal als Fremdenführerin gearbeitet hatte, erzählte mir, dass es inzwischen Spezialisten von Taschendieben gibt, die sich mit Langnasen zusammen fotografieren lassen, während der Langfinger seinen Weg sucht. So was würde mir zur Not helfen, aber lieber wäre mir ein schwererer Junge ...

Zu (3) Worauf - äh - kommt es an? :?:

Zu (4) Verhaftung wäre sehr gut! Auch da würde ich mich überglücklich preisen, wenn du vielleicht irgendein konkretes Ereignis bei der Hand hättest, eine Konfrontation mit einem uniformierten Herrn aus dem Reich der Mitte, dem der schreiende Ausländer zu weit ging (selbst Erlebtes oder aus zweiter Hand).

Um das schnell noch klar zu stellen: Es geht mir in keinster Weise darum, die chinesischen Verhältnisse zu blamieren, eher schon eine bestimmte Sorte deutscher Touristen, die die entferntesten Erdenwinkel bereisen, um dann entrüstet festzustellen, das es da anders ist als zu Hause.

Wie spät ist es in Kanton jetzt (19.00 in München)? Es muss doch schon Nacht sein, oder?
Herzlich,
Angelika

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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Grufti » 24.09.2009, 19:35

Hallo Angelika
in Guangzhou ist es 1.33 Uhr am 25.09. also im Augenblick bis zur Zeitumstellung Ende Oktober + 6 Stunden, dann wieder + 7 Stunden

Grufti, auch aus München
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !


I MISS MY MOUSE!!! :(

Nr. 5 lebt !

Roger
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Roger » 24.09.2009, 20:05

Hallo Angelika,
Zu (1)
Raubmord ist ein durchaus nicht seltenes Delikt. In China Daily kann man meist Montags in der Rubrik "Sentenced to death" einige Delinquenten und die Gründe dazu finden. Ein ahktueller fall aus Sanya, der in der Zeitung stand: Ein 24 Jahre alter Student hat bereits vier Personen ausgeraubt und umgebracht, nach ihm wird derzeit noch gesucht.
Zu (2)
Wanderarbeiter sind das eher nicht, da ist leider die Assoziation zum fahrenden Volk in Europa geknüpft worden. Wanderarbeiter sind meist brave Familienväter, die für wenig Lohn, weitab von der Familie ihr Leben fristen und sich auch noch was für die Familie vom Munde absparen. Man braucht nur auf die Bahnhöfe zu gehen, dort sieht man sie in Gruppen zusammenhocken, immer freundlich und ehrlich, bis vielleicht auf ein paar wenige.
Kleinkriminelle suchen sich erst gar keine Arbeit, sie stehlen dort, wo viele Menschen zusammengedrängt sind und sind meistens Einzelgänger. Ich bin bislang in China 3mal bestohlen worden: 1mal im Bus, Geld weg, 1mal in der U-Bahn, Kamera weg. Das 3. Mal war es ein Trickdieb auf dem Markt, vorne wurde ich abgelenkt, hinten bestohlen.
Besonders gefährlich mit Dieben ist es in Fernzügen, da fährt deshalb immer in den Schlafabteils Polizei mit.
Wohnungseinbrüche besonders durch Fassadenkletterer sind sehr häufig. Aus diesem Grund sind die unteren Etagen meistens vergittert. Die Diebe kommen aber auch Nachts durch die Tür, besonders wenn sie wissen, das dort Einzelpersonen leben. Da kommt es auch zu Raubmorden, wenn die Täter gesehen worden sind.
Zu (3)
Die Polizei würde auf jeden Fall mit einem masiven Aufgebot in Erscheinung treten. Gegebenfalls würde sie das Gebiet für Ausländer sperren.
Ehe ein Ausländer verhaftet wird, muß es schon ganz dick kommen, das weiß jeder Polizist. Meist wird er höflich aufgefordert, weiter zu gehen. Befolgt er das nicht, wird er in irgend einer Weise vom "Tatort" entfernt und die Personalien werden festgestellt. Er wird nie wieder ein Visum bekommen. Man will einfach keine Unannehmlichkeiten mit Ausländern.

Der Zeitunterschied zwischen München und ganz China beträgt 6h, im Winter 7h.

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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika » 24.09.2009, 20:29

Hallo und danke Grufti und Roger.

Aha, China Daily - das klingt nach einer guten Spur, Roger. Ich habs auch nachgegoogelt - sie erscheint im Internet - sehr gut, danke!

Wanderarbeiter - du hast natürlich Recht, Roger, das sind mitnichten Verbrecher von Haus aus. (Die, die ich in Beijing auf Baustellen gesehen habe, haben mir nur Leid getan).

Sehr interessant, was du zu den Fassadenkletterern und ihren Kollegen schreibst. Falls du irgendwas Näheres dazu gelesen hast (Raubmord in einer solchen Situation - waren Waffen im Spiel?) - bitte beliefere mich!

Dass die Polizei das Gebiet für Ausländer sperren würde, habe ich befürchtet, dann müsste ich mir was Neues einfallen lassen. Wäre es möglich, dass man so was wie eine "Streife" gehen lässt?

Dass es kein Visum mehr gibt in dem vorgestellten Szenario hatte ich noch nicht bedacht. Das ist auch ein sehr guter Hinweis für mich, vielen Dank!

Angelika

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Mord auf der Mauer

Beitrag von Laogai » 24.09.2009, 23:56

Dazu:
Angelika hat geschrieben:Auf der Chinesischen Mauer muss es neben den allseits bekannten Strecken, auf denen die Touristen herumlaufen auch etwas wildere, also nicht ausgebaute Teile geben, wo nichts oder mindestens weniger los ist?
Natürlich gibt es die. Die touristisch erschlossenen Abschnitte der Großen Mauer im Verwaltungsbereich Beijings (Von West nach Ost: Badaling, Huanghua, Mutianyu, Jinshanling und Simatai) sind zusammengenommen ca. 20 km lang. Der komplette Verlauf der Mauer im besagten Gebiet dürfte jedoch knapp 200 km lang sein.
Angelika hat geschrieben:Ich meine, ich bin in der Nähe von Gou Bei Kou da mal gewandert. Muss man dafür extra Papiere haben, gibt es so was wie einen „Eingang“, an dem man sich ausweisen muss? (Wir mussten damals so eine Art Pforte passieren, aber dann ging es auch durch Dörfer, die sicher von außen passierbar waren)
Was meinst du mit "extra Papiere"? Die richtig "wilden" Abschnitte sind frei zugänglich. Es sei denn, die Einheimischen verlangen einen Obolus für das Betreten ihrer Grundstücke. So gesehen in Huanghua.
Angelika hat geschrieben:In der gleichen Ecke muss es einen alten Wehrturm geben, in denen etwas härter gesottene Touristen (auf dem Foto, das ich gesehen habe, waren es recht durchtrainiert wirkende japanische Ornithologen) übernachten können. Muss man dazu irgendwelche Auflagen erfüllen bzw. wird der Zugang überwacht?
Wachtürme hat die Große Mauer alle paar hundert Meter. Die meisten davon sind außerhalb der bereits erwähnten touristischen Abschnitte ziemlich verfallen, von einer Übernachtung "innerhalb des Turmes" kann man also nicht sprechen.
Gibt es das Foto mit den japanischen Vogelfreunden auf der Mauer auf der Lauer irgendwo im WWW?
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Re: Ni hao aus München

Beitrag von ingo_001 » 25.09.2009, 00:24

@ Angelika

Das wird ein verdammt langes Vorwort mit einer laaaangen Danksagungsliste :)
Da hast Du ja was ins Rollen gebracht :mrgreen:
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Ni hao aus München

Beitrag von Angelika » 25.09.2009, 09:43

ingo_001 hat geschrieben:@ Angelika
Das wird ein verdammt langes Vorwort mit einer laaaangen Danksagungsliste :)
Stimmt, Ingo, wenn ich sämtliche Informanten zusammenzähle, wird wohl schon die Danksagung allein länger als der ganze Roman. Aber vielleicht gibts ja Leser, die gerade diesen Teil bevorzugen? :)

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Angelika

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Re: Mord auf der Mauer

Beitrag von Angelika » 25.09.2009, 10:10

Lieber Laogai,

nachdem ich mich gestern Nacht noch durch große Teile eures Reiseforums gefressen habe, hätte ich dich wohl eh gleich als nächsten aufgesucht. Perfektes Timing, kann ich nur sagen!
laogai hat geschrieben:Dazu:
Angelika hat geschrieben:Auf der Chinesischen Mauer muss es neben den allseits bekannten Strecken, auf denen die Touristen herumlaufen auch etwas wildere, also nicht ausgebaute Teile geben, wo nichts oder mindestens weniger los ist?
Natürlich gibt es die. Die touristisch erschlossenen Abschnitte der Großen Mauer im Verwaltungsbereich Beijings (Von West nach Ost: Badaling, Huanghua, Mutianyu, Jinshanling und Simatai) sind zusammengenommen ca. 20 km lang. Der komplette Verlauf der Mauer im besagten Gebiet dürfte jedoch knapp 200 km lang sein.
Also, das heißt, wenn ich dich recht verstehe: Auf dem Areal von Badaling bis Simatai verläuft eine insgesamt 200 km lange Mauerstrecke, von der 20 km hergerichtet und mit Eintrittskartenpflicht versehen ist? Diese 20 km sind aber nicht durchgängig, sondern jeweils Teilstücke um die entsprechenden Ortschaften herum, ja?
Was meinst du mit "extra Papiere"? Die richtig "wilden" Abschnitte sind frei zugänglich. Es sei denn, die Einheimischen verlangen einen Obolus für das Betreten ihrer Grundstücke. So gesehen in Huanghua.
O.K. Das passt mir ins Konzept.
Wachtürme hat die Große Mauer alle paar hundert Meter. Die meisten davon sind außerhalb der bereits erwähnten touristischen Abschnitte ziemlich verfallen, von einer Übernachtung "innerhalb des Turmes" kann man also nicht sprechen.
Gibt es das Foto mit den japanischen Vogelfreunden auf der Mauer auf der Lauer irgendwo im WWW?
Mit Sicherheit und leider nicht. Was ich gesehen habe, hing in alter papierener Manier im Wohnzimmer unseres Wanderführers. Aber vielleicht hast du einen Link zu einem Turm deiner Wahl, der außerhalb der Touristrecke liegt und wenigstens notdürftig als Lager genützt werden könnte? Eine chinesische Freundin hat mir mal erzählt, dass manche Türme von Bauern als Viehunterstand genützt werden. So was in der Art würde es schon tun.

Bzw. - dies habe ich soeben im Web entdeckt: http://www.bryanf.com/china/2005/secrets.htm

Demnach war mindestens 2004 (das passt mit meiner Erinnerung auch zusammen) der Teil von Simatai gesperrt, der für manche Leute offenbar besonders faszinierend ist: Von Turm Nr. 14 bis rauf zum Gipfelturm Nr. 18 = Wang Jing Tower. Der sieht allerdings auf den Fotos einigermaßen wohl erhalten aus - zu welchem Zweck wurde er dann restauriert, wenn nicht für Tourismus? Weißt du - oder sonst jemand - was darüber?

Und jetzt noch die Oberfrage: Gab es jemals irgendein Verbrechen auf irgendeinem Abschnitt der Mauer?

Vielen Dank schon mal, und - neugierig - Das LAO in deinem Namen ist das gleiche wie in Laoshi? Und GAI? - im Sinojapanischen "Ausländer" - so was in die Richtung? (Ich konnte irgendwann mal einige von diesen Zeichen lesen - und hab das allermeiste :oops: :oops: :oops: na ja, vergessen nennt man das wohl.)

Herzlich,
Angelika

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Re: Mord auf der Mauer

Beitrag von Laogai » 25.09.2009, 11:47

Moin Angelika!
Angelika hat geschrieben:Also, das heißt, wenn ich dich recht verstehe: Auf dem Areal von Badaling bis Simatai verläuft eine insgesamt 200 km lange Mauerstrecke, von der 20 km hergerichtet und mit Eintrittskartenpflicht versehen ist? Diese 20 km sind aber nicht durchgängig, sondern jeweils Teilstücke um die entsprechenden Ortschaften herum, ja?
So ist es. Wobei die 20 und 200 km nur grob über den Daumen gepeilt sind. In Badaling war ich schon seit über 20 Jahren nicht mehr. Aber dort dürften es maximal zwei km sein, die man auf der Mauer laufen kann bzw. die restauriert wurden. In Huanghua sind es rechts und links vom Stausee nur ein paar hundert Meter. In Mutianyu kann man 1,3 km laufen. Der längste begehbare Abschnitt ist von Jinshanling nach Simatai, dort sind es knapp 8 km. Auf der östlichen, steilen Seite von Simatai dann nochmal ein paar hundert Meter bis zu der Stelle (siehe unten), an der das Weitergehen verboten ist.
Angelika hat geschrieben:
laogai hat geschrieben:Gibt es das Foto mit den japanischen Vogelfreunden auf der Mauer auf der Lauer irgendwo im WWW?
Mit Sicherheit und leider nicht. Was ich gesehen habe, hing in alter papierener Manier im Wohnzimmer unseres Wanderführers. Aber vielleicht hast du einen Link zu einem Turm deiner Wahl, der außerhalb der Touristrecke liegt und wenigstens notdürftig als Lager genützt werden könnte? Eine chinesische Freundin hat mir mal erzählt, dass manche Türme von Bauern als Viehunterstand genützt werden. So was in der Art würde es schon tun.
Leider habe ich auch kein Bild, aber es gibt ja hunderte Fotos im Web. Hier gibt es ein paar Bilder von Türmen außerhalb der Touristenabschnitte.
Angelika hat geschrieben:Bzw. - dies habe ich soeben im Web entdeckt: http://www.bryanf.com/china/2005/secrets.htm
Demnach war mindestens 2004 (das passt mit meiner Erinnerung auch zusammen) der Teil von Simatai gesperrt, der für manche Leute offenbar besonders faszinierend ist: Von Turm Nr. 14 bis rauf zum Gipfelturm Nr. 18 = Wang Jing Tower. Der sieht allerdings auf den Fotos einigermaßen wohl erhalten aus - zu welchem Zweck wurde er dann restauriert, wenn nicht für Tourismus? Weißt du - oder sonst jemand - was darüber?
Bis in die späten 1990er Jahre oder Anfang dieses Jahrhunderts (das genaue Jahr der Sperrung weiß ich leider nicht) durfte man auch noch bis zum 18 Turm kraxeln. Man hatte den Weg halbwegs trittsicher gemacht, aber es war trotzdem sauanstrengend und schweinegefährlich. Nicht unbedingt Eiger Nordwand, aber dort sind ja auch Touris hochgestiefelt, die nicht entsprechend ausgerüstet und trainiert waren. Daher hat es wohl einige Abstürze, auch tödliche, gegeben und man hat den Teil dicht gemacht. Meines Wissens stehen dort jeden Tag Polizisten, die darauf achten, dass niemand weiter geht, der vom Stausee aus die Mauer hoch kommt. Aber wie der von dir gefundene Bericht schon sagt gibt es doch noch Möglichkeiten ganz hoch zu kommen.
Angelika hat geschrieben:Und jetzt noch die Oberfrage: Gab es jemals irgendein Verbrechen auf irgendeinem Abschnitt der Mauer?
Du meinst Verbrechen, bei denen Ausländer involviert waren? Ist mir nicht bekannt. Ich selbst hätte beinahe mal eine Bäuerin bei Huanghua erdrosselt, weil sie zum fünften Mal Eintritt von uns verlangte und, als wir sie nur auslachten und weitergingen, anfing uns mit Steinen zu bewerfen. Die Erdrosselung fand dann aber nur in meiner Phantasie statt :shock:
Angelika hat geschrieben:und - neugierig - Das LAO in deinem Namen ist das gleiche wie in Laoshi? Und GAI? - im Sinojapanischen "Ausländer" - so was in die Richtung?
Guckst du hier.
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