punisher2008 hat geschrieben:
Man darf aber auch nicht vergessen dass die Sache 1989 war. Da hatte noch nicht jeder Handys mit eingebauter Kamera. Und wer analoge Bilder hatte hatte möglicherweise Angst sie entwickeln zu lassen. Klar, da waren wohl auch Journalisten dabei, aber ob die da gerade mitten im Geschehen waren? Das eigentliche Massaker war ja wohl nur eine Sache von Sekunden oder bestenfalls Minuten. Dann war Panik und alle flüchteten vom Platz. Frage ist auch wie definiert man "Massaker"? Ab wie vielen Toten darf man es so nennen? Ich glaube schon dass da willkürlich in die Menge geschossen wurde. Über die Anzahl lässt sich streiten. Aber auch wenn man mit automatischen Waffen oder Panzern in eine Menge schießt hat mit nicht automatisch Leichenberge. Die Toten waren wohl eher verteilt und wurden vermutlich sofort weggeschafft. Vielleicht blieb den Journalisten einfach keine Gelegenheit da Fotos zu machen. Selbst wenn es nicht paar Tausend Tote gab sondern nur paar Dutzend, von einem Massaker kann man trotzdem sprechen. Ist zwar OT, aber du hast sicher von dem Film "The Texas Chainsaw Massacre" gehört. Weißt du wie viele Leute da tatsächlich mit der Kettensäge umgelegt werden? Genau EINER. Nur mal als Beispiel um zu zeigen dass Wörter wie "Massaker" oder "Blutbad" auslegbar sind und keine exakte Definition haben, eher subjektiv empfunden werden. Daher, bei Tiananmen ist das Wort sicher nicht ganz falsch.
Da kann ich Dir nicht ganz widersprechen, muss aber ein wenig
Natürlich war da noch so gut wie alles analog, aber das hinderte vorher nicht und bis heute nicht die Reporter alles zu knipsen, was ihnen vor die Linse kommt. Dass da nicht einer auch nicht nur ein Bild haben sollte ist schon mehr als unglaubwürdig.
Bei geforderten 2000 Toten hat das auch nicht nur Sekunden oder Minuten gedauert. Bis man 2000 Tote hat, vergeht mindestens eine halbe Stunde - ausser man wirft Bomben ab, das würde aber wirklich jeder mitbekommen. Kein Reporter dieser Welt würde da weglaufen und NICHT seine Kamera drauf halten.
Die Definition des Wortes Massaker ist sicherlich nicht so klar und einfach, aber ich denke, man sollte solche Wörter nicht inflationär gebrauchen und ihnen damit jeglichen Sinn nehmen. Wenn man das an einer Handvoll Toten festmacht, dann haben UN-Soldaten auch die Taliban massakriert, dann haben alle Länder tausendfach Unschuldige Massakriert. Nein, ein Massaker muss schon auch eine gewisse "Größe" aufweisen, sonst ist es halt "nur" ein Massenmord oder ein Gemetzel. Also mit 20 oder 50 Toten ist das - für mich - keineswegs ein Massaker.
Ob und wie dann nun die Unschuldigen darunter geraten sind, kann man sicherlich nioch schwerer nachvollziehen. Ich kann das nur mit Maikrawallen oder S21 Demos vergleichen, da stehen die "Terroristen" unter den Demonstranten und der Wasserwerfer schiesst halt auch mal einem Unschuldigen das Auge aus - ist das dann auch ein Massaker?
Ich weiss auch nicht, ob Du schonmal eine Panzergranate explodieren hast sehen. Hätten die Panzer da mit der Kanone reingefeuert, dann wäre es ein Massaker geworden, aber dann gäbe es auch Bilder von den Leichenbergen, so schnell transportiert man 2000 Tote auch in China nicht ab. Abgesehen davon hinterlassen Panzergranaten auch üble Löcher - gibt es da ein einziges am Tian An Men?
Der Film ist daher also - verzeih - wirklich unangebracht und keinerlei Vergleich. Wie viele Filmtitel gibt es, die mit dem Inhalt des Filmes nichts gemeinsam haben?
Schlussendlich liegt in meinem Sprachverständnis auch bei einem Massaker irgendwo eine - zumindest im Affekt - getätigte Absicht dahinter. Ähnlich dem Unterschied zwischen Totschlag und Mord. Beim Tian An Men fehlt mir einfach der Wille und die Absicht, die Leute heimtückisch nieder zu ballern - daher schon zweimal kein Massaker. Sollte alles so gelaufen sein, wie man es gerne im Westen darstellt, dann wäre es nach amerikanischer Leseart ein "terroristischer Vorfall mit Kollateralschäden in der Bevölkerung". NUR, und das einzig und alleine, weil das der Klassenfeind Kommunistische Partei gemacht hat, wird aus einem Vorfall mit Kollateralschaden plötzlich ein kaltblütiges Massaker.
Abgesehen davon, dass ich immer noch keine 2000 Toten sehen kann
Herzliche Grüße
Ich habe drei Schätze, die ich hüte und hege. Der eine ist die Liebe, der zweite ist die Genügsamkeit, der dritte ist die Demut.
Nur der Liebende ist mutig, nur der Genügsame ist großzügig, nur der Demütige ist fähig zu herrschen.
老子