die lieben Eltern

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Grufti
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von Grufti »

fanny hat geschrieben:Da er ja immer seine armen alten Eltern vorschiebt (die wirklich putzmunter und vergnügt sind), frage ich mich z.B. wie das eigentlich mit der Familienzusammenführung ist. Mal angenommen wir heiraten, kann man seine Eltern dann nach Deutschland holen? Wie lange muß man da verheiratet sein? Kriegen die in ihrem Alter überhaupt noch ne Krankenversicherung?

Frage doch einmal bei Deiner zuständigen Heimatgemeinde nach den Kriterien für eine "Familienzusammenführung" bevor Du Dich irgendwelchen Illusionen diesbezüglich hingibst.
Es geht dabei aber nicht um die Krankenversicherung, sondern eher um den Lebensunterhalt für die Schwiegereltern in spe, den unser Staat mit Sicherheit nicht bezahlen wird....
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
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jd
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von jd »

fanny hat geschrieben:Ob seine Eltern nun aber tatsächlich am Auswandern interessiert sind, weiß ich nicht. Ich weiß ja noch nicht mal, was für Probleme sowas mit sich bringen würde. Wahrscheinlich muß ich mich mal durch ein paar Foren für Einwanderungsfragen und Familienzusammenführung arbeiten. :roll:
Na, das ist ja wohl mal wieder eine Frage für mich... :wink:

Ein Blick ins Gesetz hilft vielleicht schon weiter. Die Frage des Nachzugs von Familienangehörigen wird im Aufenthaltsgesetz geregelt. Der Nachzug der von (Schwieger-)Eltern (auch aus China) bestimmt sich nach der Norm des § 36 AufenthG, wobei ich die (hier einschlägige) Kernpassage mal fett hervorhebe:

§ 36 Nachzug der Eltern und sonstiger Familienangehöriger

(1) Den Eltern eines minderjährigen Ausländers, der eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 1 oder Abs. 2 oder eine Niederlassungserlaubnis nach § 26 Abs. 3 besitzt, ist abweichend von § 5 Abs. 1 Nr. 1 und § 29 Abs. 1 Nr. 2 eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen, wenn sich kein sorgeberechtigter Elternteil im Bundesgebiet aufhält.

(2) Sonstigen Familienangehörigen eines Ausländers kann zum Familiennachzug eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden, wenn es zur Vermeidung einer außergewöhnlichen Härte erforderlich ist. Auf volljährige Familienangehörige sind § 30 Abs. 3 und § 31, auf minderjährige Familienangehörige ist § 34 entsprechend anzuwenden.


Fragt sich also, wann eigentlich eine außergewöhnliche Härte vorliegt. Kurzantwort: Abhängig vom Einzelfall dann, wenn der/die nachziehende(n) Familienangehörige(n) auf die familiäre Unterstützung (hier der Kinder) zur Führung seines/ihres Lebens angewiesen ist/sind.

Für die allgemeine oder besondere Informationssuche bei Fragen zum deutschen Ausländerrecht empfehle ich an dieser Stelle ein weiteres Mal das Forum http://www.info4alien.de/cgi-bin/forum/YaBB.cgi.

Jens David,
der sich jetzt in die Mittagspause verabschiedet :roll:
wuseltiger
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von wuseltiger »

@ jd


Ist damit auch eine finanzielle Unterstützung gemeint? Ist es nicht hinderlich, wenn die Nachziehenden zu wenig Einkommen haben?

Kann auch umgekehrt eine Hilfe der hier Lebenden durch die (hier) Schwiegereltern möglich sein, also z.b. Unterstützung bei der Kinderbetreuung?
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Linnea
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von Linnea »

wuseltiger hat geschrieben:Kann auch umgekehrt eine Hilfe der hier Lebenden durch die (hier) Schwiegereltern möglich sein, also z.b. Unterstützung bei der Kinderbetreuung?
Das würde mich auch interessieren. Vor allem weil ich mir kaum vorstellen könnte, dass man auf die Großeltern bei der Kinderbetreuung unter keinen Umständen verzichten kann, und dass diese Art der Betreuung bei allen Kosten, die sie zusätzlich erzeugen würde, billiger wäre als Tagesmutter, Kinderkrippe, Kindergarten oder Hort...
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jd
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von jd »

wuseltiger hat geschrieben:@jd: Ist damit auch eine finanzielle Unterstützung gemeint? Ist es nicht hinderlich, wenn die Nachziehenden zu wenig Einkommen haben?
Der Begriff der außergewöhnlichen Härte ist eine typisch juristische Generalklausel und umfasst prinzipiell die verschiedensten Härtefälle. Aber eben auch nur solche. Finanzielle Unterstützung allein wäre ja auch durch Auslandsüberweisungen realisierbar und dürfte im Regelfall keine außergewöhnliche Härte darstellen.

Jens David,
der zur Zeit aber auch keinen juristischen Kommentar zur Auslegung der Generalklausel zur verfügung hat :|
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jd
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von jd »

Linnea hat geschrieben:
wuseltiger hat geschrieben:@jd: Kann auch umgekehrt eine Hilfe der hier Lebenden durch die (hier) Schwiegereltern möglich sein, also z.b. Unterstützung bei der Kinderbetreuung?
Das würde mich auch interessieren. Vor allem weil ich mir kaum vorstellen könnte, dass man auf die Großeltern bei der Kinderbetreuung unter keinen Umständen verzichten kann, und dass diese Art der Betreuung bei allen Kosten, die sie zusätzlich erzeugen würde, billiger wäre als Tagesmutter, Kinderkrippe, Kindergarten oder Hort...
Die Argumente gegen das Vorliegen einer außergewöhnliche Härte im Falle der Kinderbetreuung durch die Schwiegereltern listet Linnea bereits selbst auf. Bei derart vielen Alternativen einer Kinderbetreuung ohne zwingenden Rückgriff auf die - dessen ungeachtet natürlich erwünschte Beteiligung der - Eltern/Schwiegereltern (im Ausland) dürfte nicht einmal eine Härte, geschweige denn eine außergewöhnliche Härte vorliegen.

Jens David,
der diese Feststellung sehr zu seinem und seiner Frau eigenem Leidwesen trifft... :cry:
wuseltiger
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von wuseltiger »

Hallo jd,


koenntest du einige solcher Härtefälle benennen?

Also wenn die Eltern in ihrer Heimat einer besonderen (politischen) Verfolgung ausgesetzt sind?
Oder wenn eine Krankheit im Ausland nicht behandelt werden kann...?

Das sind Fälle die ich mir vorstellen koennte.

Und was ich mich noch frage: Hast du Erfahrung mit Fällen, bei denen kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht gewährt werden soll, sondern einfach nur das Touristenvisum länger als 3 Monate gewährt werden soll (6-12 Monate), oder sieht das Ausländerrecht diesen Fall gar nicht vor?
Wäre eine Argumentation in diesem Fall (verlängertes T-Visum) einfacher??

wuseltiger, der schon mal danke sagt, ob der qualifizierten Aussagen..
fanny
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von fanny »

Das ganze ist wirklich sehr interessant, finde ich. Und bei der großen Anzahl von Leuten hier, die alle Beziehungen mit Chinesen haben, bin ich etwas überrascht, daß so wenige sich anscheinend Gedanken über dieses Thema machen.
Natürlich wird sich das Problem mit den Schwiegereltern bei den meisten von Euch mit der Zeit von selbst lösen....muß aber nicht immer sein.
Meine Eltern haben z.B. eine Bekannte, die aus Sri Lanka (glaub ich) stammt. Sie ist mit einem deutschen verheiratet, hat mit ihm schon erwachsene Kinder und mußte jetzt ihre schon über 90-jährige Mutter zu sich holen. Sie ist kein Einzelkind, aber aus verschiedenen (mir nicht bekannten) Gründen landete die alte Frau halt in Deutschland. Da sie nun aber so alt ist, kann sie keine Krankenversicherung mehr bekommen und daher mußte der Ehemann dafür bürgen, daß er alle anfallenden Kosten tragen wird. Wenn also der schlimmste Fall eintritt, muß für Omas erstklassige medizinische Versorgung eben das Haus dran glauben...
Ich weiß von der Geschichte, weil meine Mutter erwähnte, daß die alte Dame sehr teure Medikamente für ihr Herz braucht und die Familie diese natürlich auch alleine bezahlen muß. Da kann also ein ganz schönes Sümmchen zusammen kommen.

Macht ihr euch über sowas echt keine Gedanken? Was, wenn eure Freundin in 10 Jahren keine Wahl hat? Wenn sie entweder nach China muß oder die Eltern müssen her. Es ist so leicht gesagt, daß man dann halt einfach auswandert. Und die Eltern nach Deutschland zu holen, scheint auch nicht immer leicht und angenehm zu sein. Was ist, wenn eure Eltern euch in Deutschland brauchen und ihr lebt dann aber gerade in China? Steckt ihr sie dann mal eben ins Heim?
Machen sich denn Eure Freundinnen darüber keine Gedanken? Kann doch nicht sein, daß mein Freund der einzige ist, der sich über dieses Thema sorgt.
TaugeNix

Re: die lieben Eltern

Beitrag von TaugeNix »

fanny hat geschrieben: Macht ihr euch über sowas echt keine Gedanken? Was, wenn eure Freundin in 10 Jahren keine Wahl hat? Wenn sie entweder nach China muß oder die Eltern müssen her. Es ist so leicht gesagt, daß man dann halt einfach auswandert. Und die Eltern nach Deutschland zu holen, scheint auch nicht immer leicht und angenehm zu sein. Was ist, wenn eure Eltern euch in Deutschland brauchen und ihr lebt dann aber gerade in China? Steckt ihr sie dann mal eben ins Heim?
Machen sich denn Eure Freundinnen darüber keine Gedanken? Kann doch nicht sein, daß mein Freund der einzige ist, der sich über dieses Thema sorgt.
Nein, da mache ich mir wenig Gedanken.
Die Eltern meiner Freundin sind recht gut situiert..
Sie ist zwar das einzige Kind (wie üblich), aber ich glaube, die Eltern würden sich eher in einen Fluss stürzen, bevor sie im Alter noch auswandern würden (was ja eh noch Eck weg ist, das Alter ;)) oder sie "zwingen", sie zu betreuen. Dafür wollen sie viel zu sehr, dass aus uns gutverdienende Juristen werden :)

Und wie es dann ausschaut mit der Versorgung - sagen wir es so: sie werden sich ne angemessene Betreuung leisten können, so wie meine Eltern hier in Deutschland. Ich sehe das so, wie hier in Deutschland: in einem gewissen Alter betreutes Wohnen (teilselbständig) und dann eine Heimbetreuung.
Mit dem vorhandenen Kleineld ist das sicher nicht unmöglich.. Und "da" sein kann man auch in irgendwelchen Ferien, ich bin ja jetzt auch nicht ständig daheim. Es gibt ja auch Telefone ;)

Ganz im Gegenteil: ich hab eher die Befüruchtung, dass meine Eltern im Alter nochmal was neues sehen wollen und nach Asien auswandern :lol:

Gruss,
TaugeNix^sieht das recht relaxt..
wuseltiger
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von wuseltiger »

Ich sehe das ähnlich. Meine Schwiegereltern haben so viele Geschwister, die alle im gleichen Alter sind, so dass die auch gemeinsam alt werden und sich sicherlich nicht gegenseitig ins Heim abschieben.

Bei einer intensiv-Pflege sähe das wohl anders aus, aber ich waere auch in D nicht besonders gut geeignet schwerst Pflegebedürftige zu pflegen.. Das stellt man sich so einfach vor, aber wie soll das gehen? 24h aufpassen und wann arbeiten?

Meine Schwiegereltern waeren auch ziemlich bloed, wenn sie nach D auswandern würden (falls sie hier wirklich keine Krankenverischerung bekommen sollten) da sie in China (als Ärzte) besser versorgt sind, als meine Eltern ;) Die Krankenversicherung der Ärzte scheint in jedem Land gut zu sein.. hmm.. Ich sollte den Beruf wechseln...
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von sonero-1 »

Hi,

nurmal so ein paar Fakten:
Die Schwiegereltern herholen dürfte nichts werden, da es am Lebensunterhalt scheitern wird.
Dazu gehört nämlich eine KV und die bekommt keiner mehr im fortgeschrittenen Alter, zumindest nicht zu einem Kurs, den irgendwer bezahlen könnte.
Davon abgesehen ist die "Vermeidung einer Besonderen Härte" eine wirklich hohe Hürde. Betreuung der Enkelkinder, Betreuung der Eltern, all das kannst Du vergessen. Erst recht, wenn Du auch noch angibst, die Eltern seien pflegebedürftig.

Anders herum bekommst Du auch nicht so ohne weiteres eine Aufenthaltsgenehmigung in China, verheiratet zu sein bringt da (im Gegensatz zu D) gar nichts.
Das ginge nur, wenn Du feinen Job findest, bei dem die Fa. Dir einen Status als "Expert" bescheinigt.
Das ist zwar einfacher als es in D wäre aber das muß man auch erstmal hinbekommen.

Gruß,
Norbert
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Linnea
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von Linnea »

fanny hat geschrieben:Das ganze ist wirklich sehr interessant, finde ich. Und bei der großen Anzahl von Leuten hier, die alle Beziehungen mit Chinesen haben, bin ich etwas überrascht, daß so wenige sich anscheinend Gedanken über dieses Thema machen.
Natürlich wird sich das Problem mit den Schwiegereltern bei den meisten von Euch mit der Zeit von selbst lösen....muß aber nicht immer sein.
[...]
Macht ihr euch über sowas echt keine Gedanken? Was, wenn eure Freundin in 10 Jahren keine Wahl hat? Wenn sie entweder nach China muß oder die Eltern müssen her. Es ist so leicht gesagt, daß man dann halt einfach auswandert. Und die Eltern nach Deutschland zu holen, scheint auch nicht immer leicht und angenehm zu sein. Was ist, wenn eure Eltern euch in Deutschland brauchen und ihr lebt dann aber gerade in China? Steckt ihr sie dann mal eben ins Heim?
Machen sich denn Eure Freundinnen darüber keine Gedanken? Kann doch nicht sein, daß mein Freund der einzige ist, der sich über dieses Thema sorgt.
Hmm, ich habe zwar keine Beziehung zu einem Chinesen, aber auswandern oder mehrere Jahre im Ausland (es muss oder soll nicht zwangsläufig auf China herauslaufen) zu leben können wir uns mehr als gut vorstellen, bzw. sind schon angestrebt. Und nein, wir (oder ich) machen uns keine Gedanken zu diesem Thema. Noch sind unsere Eltern fit und ich hoffe das wird auch noch lange so bleiben - und wenn nicht, dann kann hoffentlich der andere Elternteil noch lange die Pflege (mit-)übernehmen. Ich selber habe bei zwei meiner Großeltern in den letzten Lebensjahren erlebt wie sehr die Pflege, die z.T. die Familie (also v.a. meine Mutter und min Onkel, teilweise auch ich selbst) übernommen hat, immer mehr Kraft benötigt hat und wie es bei einem Großvater auch nicht mehr möglich war sie zu hause zu leisten, meine Eltern, Onkel und Tante, alle berufstätig, der Großvater mit Parkinson im Endstadium, da blieb, bei aller Liebe, kein anderer Weg als der in Heim offen - was ich nicht als "abschieben", sondern als Besserung für alle Beteiligten empfunden habe. Nunja, aber soweit muss es doch erstmal kommen, oder? Reicht es nicht soch dann Gedanken darüber zu machen und dann den sich neu entstehenden Umständen entsprechend neu zu orientieren? Meine Eltern haben inzwischen eingesehen, dass Deutschland für mich vermutlich nicht das Land sein wird, in dem ich die nächsten 20 oder 30 Jahre verbringen möchte, mitauswandern würden sie aber sicherlich nicht, dazu sind sie viel zu sehr an Deutschland gebunden, beruflich, was ihre Freunde und Verwandten angeht, sprachlich usw...
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von Narr »

Pflege wäre in China auch sehr viel günstiger... in Deutschland mag es dich arm machen ... in China nicht unbedingt (kommt natürlich auf die Art der Pflege an)
Also ich würde eher meine deutschen Eltern nach China zur Pflege geben als, meine chinesischen Schwiegereltern nach Deutschland ;)

Ok das is vielleicht Herzlos :twisted:
pollok
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von pollok »

Es ist bei traditionell eingestellten Chinesen so, dass man als Frau nach der Hochzeit zur Familie des Ehemannes gehoert. Die Schiegereltern werden zu richtigen Eltern. Bei Einverstaendnis kann es aber auch umgekehrt sein, dass der Ehemann zu der Familie der Ehefrau dazukommt. Es gibt eine moralische Versorgungspflicht gegenueber den Eltern, das hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, ob die Eltern pflegebeduerftig sind oder nicht, sondern damit, dass sie ein angenehmes Leben fuehren sollen. Die Familienbande sind in China sehr stark, und vor allem Soehne hoeren mehr auf ihre Eltern als Toechter. Auch wenn die Eltern, vielleicht aus Hoeflichkeit, sagen, der Sohn koenne in einem anderen Land bleiben, kann es in Wirklichkeit damit ganz anders aussehen. Es gibt, vor allem unter aelteren Leuten, viele, die sehr heimatliebend sind und manchmal selbst ihren Heimatort nicht verlassen wollen, manchmal ist auch Angst, Unwissenheit und Unsicherheit gegenueber dem Fremden die Ursache. Bei der Frage, ob sich Chinesen in Deutschland wohl fuehlen, werden wohl die meisten diese Fragen positiv beantworten oder sagen, es geht. Es ist nicht nur die Familie, die hier wichtig ist, sondern auch die Freunde, die sich oft schon seit fruehster Jugend her kennen und oft wie wirkliche Brueder und Schwestern sind.
Zum anderen, denke ich, dass die Eltern nur vorgeschoben sind. Ist die Liebe wirklich stark, spielen die Eltern absolut keine Rolle mehr, vor allem bei der juengeren Generation, so sehr man das auch behaupten mag. Viele Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder allzu weit entfernt leben. Spricht ein Chinese ueber Heirat, dann ist das wohl sehr ernst gemeint. Vielleicht meint er, heirate mich, sonst bin ich weg. Bei einer Heirat ist das ganze Familienhirn involviert.
Fazit: Ich nehme an, dass er zurueck will aus einer Mischung von Familienbefehl, moralischem Schuldenrueckzahlungsbewustsein und etwas Heimweg. Wahrscheinlich moechte er auch wissen, ob Du ihm wirklich Dein ganzes Herz schenkst, also wirklich alles fuer ihn tun wuerdest. Das ist eher ein Gefuehl, meist ohne wirkliche praktische Folgen, denn eher wird er, wenn er Dich wirklich liebt, alles fuer Dich tun, auch gegen seine Familie. Mitfliegen? Warum denn nicht? Warum nicht eine neue Herausforderung annehmen und mal etwas Neues kennenlernen, es muss ja nicht fuer immer sein. Wenn er moechte, dass Du arbeitest, wird es auch mit der Arbeit etwas werden. Hoer am besten auf Deine innere Stimme, die Dir Ja oder Nein sage wird, ohne weiter darueber nachzudenken, das andere wird sich schon ergeben.
Nikoh
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Re: die lieben Eltern

Beitrag von Nikoh »

Oh mein Gott... es ist der 1.4. - und ich muss den Tag im Kalender anstreichen, denn das allererste Mal würde ich einen Beitrag von pollok so unterschreiben :D... vielleicht veräppelt er uns nur und meinte das Gegenteil ;) :D

Im Ernst: das deckt sich weitestgehend mit meinen Erfahrungen... mein "Intermezzo" war auch davon geprägt. Die Eltern sind heilig, man schuldet ihnen alles, da sie einen in die Welt gesetzt haben. Die Eltern entscheiden das Eheglück, wird ihnen nicht Folge geleistet, so kann es zum Bruch mit der gesamten Familie kommen, was bedeutet, dass sämtliche Verwandtschaft über sie herfällt, was ihr einfiele. So sehr ich Familienverbundenheit mag und Respekt vor Älteren und auch den Eltern gutheiße, so schlecht finde ich diese willenlose Abhängigmachung von ihnen. Mir hat meine Erziehung eigentlich beigebracht, dass wenn ich meine Partnerwahl vor meinen Eltern verteidige, so zeige ich, dass ich gelernt habe, für meine Interessen und Entscheidungen einzustehen - und nicht vor meinen Eltern den Respekt verloren habe. Aber gut, das ist halt alles Tradition und das kann man nicht wegargumentieren. Sie erklärte es mir mit "die Eltern haben immer Recht, auch wenn sie falsch liegen - wir schulden ihnen ALLES". Das ist für uns Langnasen vielleicht schwerer zu verstehen und auch nicht leicht damit umzugehen. ;)
Und das waren meine persönlichen Erfahrungen - das ist kein "das gilt für alle Chinesen" - denn es gibt nicht "_DEN_ Chinesen" - schon gar nicht in einem Land, das dermaßen kulturell im Umbruch ist... da findet sich vom traditionellsten bis hin zum modernsten Geist alles.

Nikoh
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