Sodele, nach dem sie gestern abgereist ist, wird es Zeit, euch mal auf dem Laufenden zu halten. Ich hab eine regelrechte Achterbahn der Gefühle hinter mir, weiß noch immer nicht, wo mir der Kopf steht und was ich glauben soll. Im Moment überwiegt etwas die Traurigkeit, dass sie weg ist. Ich versuche mal, die Ereignisse festzuhalten...
Freitag: in der Arbeit war sie wieder sehr verhalten, ich hatte schon schlimmste Befürchtungen für meinen ausgedehnten Samstag, den ich liebevoll geplant hatte. Am Ende war ich mir fast nicht mehr sicher, ob ich das wirklich durchziehen soll bzw. wie ich mich da fühlen werde. Naja, nun musste ich durch...
Samstag: der große Tag. Ich war überpünktlich vor ihrem Hotel aufgetaucht, sie stand mit breitem Lächeln im Foyer. Ich war etwas verwirrt. Die Fahrt über haben wir uns großartig unterhalten und hatten eine schöne Zeit. Im Europa-Park dann taute sie völlig auf, war völlig aus dem Häuschen, wollte eine Attraktion nach der anderen mit mir fahren. Wir machten sogar ein schönes Bild von uns beiden. Ich forderte sie ein bisschen heraus, in die größte Achterbahn zu steigen, im Anschluss war sie dafür dankbar und wollte die immer wieder fahren. Der Tag war klasse, das Mittagessen war gut, wir hatten einige tolle Gespräche und eine super Zeit. Dann kam der Aufbruchsmoment, die lange Fahrt in Richtung Rhein in Flammen. Wir fuhren die 3 Stunden, sie relaxte dabei ein wenig (Chinesen können ja wirklich überall schlafen

) - dort angekommen gingen wir an Bord des Schiffes. Zuerst gab es das Catering und eine Tagesfahrt zu den späteren "Schauplätzen". Als es nach 21 Uhr war, gingen wir an Deck, um uns einen guten Platz für die Feuerwerke zu reservieren. Nach 22:15 Uhr ging es dann auch los. Das Ganze war doch sehr beeindruckend, 55 beleuchtete Schiffe, die Corso fahren von Feuerwerk zu Feuerwerk - das hinterließ auch bei ihr einen Eindruck. Entgegen meinen Warnungen hatte sie nur ihre Jacke dabei und fing prompt an zu zittern. Ich hatte vorgesorgt und sie bekam von mir meine Jacke - und als das auch nicht mehr reichte, durfte ich sie sogar wärmen

. Die Zeit war großartig, ich durfte sie im Arm halten, auch bekam sie ein paar leichte Küsschen auf Haut und Haare

. Später dankte ich ihr für den Tag und sagte ihr, dass es für mich der schönste Tag meines Lebens war - sie sagte, sie empfand es genauso. WOW! Das war ja wahrlich eine 100%-Wendung. Bei der Verabschiedung bekam sie von mir die Kette mit den 2 Anhängern und einem Brief, in der ich ihr nochmal erklärte, wie es um mich steht.
Sonntag: gemeinsames Programm mit dem Kollegen. Wir länger geplant waren wir da in Frankreich, hier im schönen Park und anschließend bei mir zum Abendessen, wo ich ausgiebig gekocht und vorbereitet hatte. So konnte sie mal sehen, wie ich lebe (und laut ihrer Aussage gefiel ihr das auch) und das Essen scheint sehr gut angekommen zu sein. Anschließend gab es noch einen Spaziergang an unserem Stadtwahrzeichen mit beleuchteten Wasserfontänen, wo der Kollege auch einige Fotos schoss. Seit Samstag gab es zahlreiche verliebte Blicke zwischen uns, immer wieder kreuzten sich unsere Blicke, die in ihrem wunderschönen Lächeln endeten.
Montag: wir stellten fest: allzuviel gemeinsame Zeit wird es nicht mehr geben. Die letzte Woche ist angebrochen, Dienstag wollte ein Arbeitskollege mit uns was machen, Mittwoch hatte sie mein Chef zum Essen eingeladen, Freitag (gestern) war der Abschied, bleibt nur noch Montag und Donnerstag. Also wurde Montag für ein Besuch von Heidelberg mit der romantischen Aussicht vom Berggipfel über die Stadt gewählt. Zuvor waren wir noch Shoppen, die Geschenke wollten ja auch für die Heimkehr für die Eltern organisiert werden. Alles natürlich mit dem Kollegen. Da es auf dem Berg supereisigkalt war, ließen wir ihn knipsen und gingen zu zweit zum Auto zurück. Dort wollte sie dann aber nicht mehr so wirklich geknuddelt werden. Durch die Haare streichen oder ihre Hand halten war wohl noch im Rahmen, mehr aber nicht. Das Licht sollte unbedingt anbleiben, der Kollege könnte ja auch jederzeit zurückkehren. Nun gut, ich wollte es auch nicht übertreiben und so quatschen wir ein wenig und hörten chinesische Musik, die sie dabei hatte.
Dienstag: der Arbeitskollege lud uns zu sich nach Hause ein zu Kaffee und Keksen. Er ist selber sehr China-interessiert, lernte ein bisschen die Sprache und will auch rüberfliegen zum Besuchen. Aus irgendwelchen Gründen fragte er die beiden dann auch, als wir auf das Thema kamen, dass es uns hier doch so gut ginge, ob die beiden sich vorstellen könnten, auch hier zu leben. Sie guckte mich dabei sofort an und lächelte mich an. Er sagte sofort aus dem Stehgreif "auf jeden Fall", sie hingegen tat es noch mit einem "weiß ich noch nicht" ab. Scheinbar war sie wirklich heftig am Nachdenken, wie das später mal aussehen sollte. Da der Kollege sich nicht wohlfühlte, sind wir recht früh weg, also brachte ich die zwei noch zu meiner Stammkneipe, wo thailändisches Essen serviert wird. Dort spielten wir Karten (ich hatte ihnen ein Spiel geschenkt (jedem eins), dass jeden süchtig macht und sie auch sofort mochten) und sie bestellten was zu essen - und waren total vom Essen angetan, es "schmecke wie daheim". Dabei saß sie mir gegenüber und warf mich so manchen Blick zu... schönes Gefühl, toller Abend.
Mittwoch: naja, ich hatte arbeitsfrei, abends waren sie bei meinem Chef eingeladen. Ich verblieb mit ihr, dass sie sich melde, wenn sie nicht zu spät heimkomme, damit wir uns noch sehen. Sie bat mich, noch ein paar Besorgungen für sie zu machen, was ich dann auch erledigte (Geschenk für ihren Vater). Abends kam dann eine SMS, es wäre nach 23 Uhr geworden, besser man sähe sich doch erst am nächsten Tag. Schade, aber verständlich.
Donnerstag: tja, kommen wir zum neuen Tiefpunkt. Den ganzen Tag sah sie schon ziemlich zurückhaltend aus. Auf mehrfachen Nachfragen hin hieß es nur, sie sei furchtbar müde. Nun gut, was soll ich da auch weiter nachbohren. Ich hatte sie schon Anfang der Woche gefragt, ob wir nicht noch einen zweisamen Abend haben könnten, den letzten für diesen Besuch. Sie akzeptierte. Abends stahl sie sich aus dem Hotel von ihrem Kollegen fort und wir fuhren in eine der ältesten deutschen Städte zum Spazieren. Es gefiel ihr dort sehr. Am Brunnen am Marktplatz fragte ich sie, ob ich sie umarmen dürfe - sie sagte "nein". Ok, da war ich etwas verdutzt. Sie sagte, ich wüsste doch, dass sie am Nachdenken wäre und dass in China eine Umarmung nur Pärchen vorbehalten ist. Ja gut, das wusste ich, davon war aber am Samstag nicht viel zu sehen. Langsam war ich sichtlich verwirrt. Es sah erst nach regem Interesse aus, aber nun ist sie doch wieder am Zurückrudern und Nachdenken. Ich entschuldigte mich und wir beschlossen, noch in eine gute Cocktailbar zu fahren. Dort unterhielten wir uns über alles Mögliche, dann auch über uns. Da packte sie dann wirklich das Messer aus... sie sagte, dass ihre Entscheidung nur ein JA oder ein NEIN sein würde. Erst kam die Frage, ob ich sie denn hassen würde, wenn sie nein sagen würde - sie wolle das wissen, wenn ich ja sagen würde, würde sie das nur noch mehr unter Druck setzen. Da gingen bei mir schon etwas die Lichter aus. Den Gefallen tu ich ihr aber nicht, ich sagte nur "ich weiß es nicht", einen Freibrief bekommt sie nicht! Später sagte sie noch sowas wie "naja, wenn eine Chinesin und ein Chinese viel zusammen reisen, ist es nicht unüblich, dass da was passiert"... mir fiel die Kinnlade runter, ich sagte nur "dass mich das nicht besser fühlen ließe". Sie verstand die Ironie nicht, ich musste das mehrfach erklären, aber so richtig war ihr nicht klar, wie mich das getroffen hatte. Sie sagte sowas wie "naja, bei IHM doch nicht... also sei dankbar, dass es kein besser Aussehender ist hahaha". Mir war der Witz im Halse steckengeblieben. Auf dem Nachhauseweg wurde sie aber plötzlich wieder zutraulich, ließ sich umarmen, streichelte mir sogar die Hand. Ich war wieder verwirrt. Knuddeln, ließ sich Küsschen geben, schmiegte ihren Kopf an mich dran... ja Herrschaftszeiten was denn nu?! Trauriger Abschied, morgen ist der letzte Tag...
Freitag: ich tastete mich via Chat vor. Wir hatten noch eine ernsthafte Unterredung bzgl. des Themas. Ich dankte ihr für die 3 Wochen und die schöne Zeit und dass ich sie sehr sehr lieben würde. Zurück kam: "Ich hatte auch eine gute Zeit mit Dir und möchte Dir für alles Danken was Du für mich getan hast. Und ich weiß Du bist ein guter Mann und es wert geliebt zu werden. Aber ich kann nicht das gleiche wie Du gerade eben sagen weil ich noch nicht darüber gut nachgedacht habe. Entschuldige dass ich Dich in diese Situation gebracht habe, aber ich kann Dir im Moment nichts versprechen - ich möchte Dich in Zukunft nicht verletzen. Wie auch immer, danke für die wunderbare Zeit". Wir sprachen noch ein bisschen über wie gut wir uns nun kennen oder nicht und ich sagte ihr, dass ich nicht sicher bin, ob sie einfach genug weiß, um so eine faktenbasierende Entscheidung zu treffen - sie weiß zB gar nicht meine Einstellung bzgl. selber Wegziehen und so. Sie frage nur "faktenbasiert?" zurück. Ich erklärte was ich meinte und zurück kam "Aber in China werden die Fakten geklärt/geplant, wenn das Mädchen mit ihm zusammen ist, man denkt nicht über 2 verschiedene Dinge gleichzeitig nach". Ich war etwas verwirrt, erklärte ihr was ich dachte, dass sie gerade "durchmacht". Sie schrieb "ja, wir denken etwas faktenbasiert, aber immer noch auf Dich bezogen nachdem wir sicher sind, dass wir Deine Freundin sein wollen". Ich sagte dann "Autsch, das heißt, Du bist eigentlich noch am emotionalen Teil und weißt nicht einmal, ob die Gefühle langen...". Sie: "Du gibst mir das Gefühl, es sehr eilig zu haben, und ich gebe Dir das Gefühl, es überhaupt nicht eilig zu haben - das ist das Problem". Sie hat Recht - es war reichlich Druck da, von uns beiden, beschert durch Missverständnisse, falschen Vorstellungen und natürlich Zeitdruck. Ich erklärte ihr in Seelenruhe, was ich dachte dass passiert und wieso das alles so war. Sie sagte "Du hast alles für mich getan, was Du hättest tun können. Danke dafür. Also wenn ich zurzeit noch keine Entscheidung treffen kann, ist das nicht Dein Problem, sondern meins. Du brauchst mich nicht bedrängen, ich mag das nicht. Auch wenn wir nur 1 Tag und 2 Abende zusammen hatten, glaube ich, das war sehr ok - warum glaubst Du, ich könne Dich nicht kennen. Du sagst, ich wäre sehr intelligent, ich kann auch Leute in einer sehr kurzen Zeit beurteilen. Ich glaube ich habe Talent dafür, Leute durch Gespräche, Chat und vielem mehr sehr gut kennenzulernen und einzuschätzen - also vertraue mir!". Naja, ich entschuldigte mich, gab ihr natürlich vollkommen Recht (sie hatte ja auch Recht - im Nachhinein betrachtet waren das lediglich 3 Wochen, liest sich wahrscheinlich schon wie 3 Ehejahre

), die Zeit gebe ich ihr. Nun ist sie 2 Wochen in London, nächstes Wochenende besuche ich sie, danach wars das erstmal. Ende Oktober soll sie dienstlich wohl wieder herkommen. Ich wäre gerne vorher mal zu ihr geflogen, aber das scheint ihr noch derzeit nicht zu gefallen. Beim Abschied haben wir noch kurz gesprochen, sie meinte, ihr Kollege hätte wohl auch was gerochen, er hätte schon so ein paar Witzchen von wegen "soll ich euch allein lassen" gerissen - ich würde sie zu verliebt anschauen, sie könne das besser verstecken *seufz - ja, das kann sie*. Ich sagte ihr auch, dass mich das "naja, normalerweise passiert bei Chinesen auf Dienstreise was"-Witzchen etwas getroffen hätte und sie meinte ich wäre sehr sensibel, sie macht nun mal so Witze. Ich erklärte ihr, dass ich genauso bin und eigentlich überhaupt nicht übermäßig sensibel, aber in diesem Schwebezustand war es halt nicht so wirklich passend und hatte mich eher etwas geschockt.
Nun hab ich mein erstes einsames Wochenende vor mir und mache das Beste draus und versuche, alles zu verarbeiten. Da war eine Menge Auf und Ab. Vieles was wert wäre, fortgesetzt zu werden. Eine Menge Gefühl. Drückt mir die Daumen, auch wenn ich absolut nicht weiß, was mich erwartet. Manche Sache könnte man als "Sieg" werten, andere Sachen kann man als "bereitet Dich auf den Todesstoß vor" werten. Ich wünschte, ich könnte die "chinesische Konfliktbewältigung" für einen Tag ausschalten bei ihr und einmal eine 100% ehrliche und ungefilterte Meinung hören, was sie empfindet, warum sie dies und jenes so gemacht hat und was sie denkt

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So, liebes "Tagebuch", Ende des Romans

- Danke fürs Zuhören und vielen Dank für euren unendlichen und wertvollen Rat
P.S.: In ihrem Blog hat sie Donnerstag die "31 Prinzipien der Liebe" niedergeschrieben. Ich muss nun dringend einen Übersetzer finden gehen, selbst mit 3 verschiedenen Online-Übersetzern packe ich maximal 30% zu verstehen *seufz*