Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland?

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darjeeling
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Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland?

Beitrag von darjeeling » 02.10.2015, 00:38

Hallo,

Zur Erklärung: Ich lebe jetzt genau seit 5 Jahren und zwei Monaten in China, bin seit über 4 Jahren glücklich mit einer Chinesin verheiratet und wir haben zwei Kinder. Wie Ihr sieht, ging es mir wie den meisten von euch in Thema Chinesin - sehr schnell. Allerdings habe ich den etwas schwereren Weg genommen und anfänglich nicht als Expat, sondern für einen fast chinesischen Lohn bei chinesischen Unternehmen gearbeitet. Seit über 3 Jahren habe ich mich jetzt allerdings zusammen mit meiner Frau selbstständig gemacht und es läuft mittlerweile auch ganz gut.

Allerdings kommt bei uns immer häufiger die Frage auf, ob ein Umzug nach Deutschland nicht doch die bessere und vernünftigere Option für die Familie wäre. Hauptsächlich wegen der schlechten und fehlenden Ab- und Versicherung, akademischen Erziehung, Visum-Problemen und besonders natürlich der extremen Umweltverschmutzung in China.

Zurück nach Deutschland würde für mich natürlich wieder auch ein Schritt zurück von der Selbständigkeit zum Angestellten bedeuten. Ich bekomme ja auch ab und zu Angebote von irgendwelchen Personalberatern. Obwohl deutsche Unternehmen viel zu konservativ sind und jemanden mit zu viel Auslandserfahrung gar nicht trauen!

Zu diesem Zeitpunkt bin ich wirklich am verzweifeln, daher versuche ich es mal hier! Vielleicht gibt es ja Sinnesgenossen mit ähnlichen Problemen in der Vergangenheit :?: :!:

Einerseits fühle ich mich in meinen Familienleben und der derzeitigen Arbeit doch wohl in China. Ich lebe einfach freier. Anderseits möchte ich allerdings in China nie alt werden. Und wie bereits schon erwähnt, sind hier einfach zu viele Unsicherheiten.

Andererseits, gruselt es mir jedes mal wenn ich zu Besuch in Deutschland bin. Aus irgend einen Grund komme ich einfach nicht mit der Mentalität vieler Deutscher zurecht.

Meine Frau setzt natürlich auch sehr viel Druck. Obwohl sie Deutschland und Europa gut kennt und auch etwas Deutsch kann, kann sie die Situation nicht richtig einschätzen.

...Ich würde mich wirklich riesig über Erfahrungsberichte oder Kommentare freuen. Gerne kann ich auch noch genauer erzählen.

LG, Darjeeling !

gzs
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von gzs » 02.10.2015, 07:58

Obwohl deutsche Unternehmen viel zu konservativ sind und jemanden mit zu viel Auslandserfahrung gar nicht trauen!
Auch ohne Auslandserfahrung trauen deutsche Unternehmen niemandem der mal Selbständig war. Allerdings arbeitet man auch unweigerlich anders, wenn man es mal war, so zumindest meine Erfahrung. Ist denn deine Selbständigkeit auf China begrenzt? Auch in D gibts schließlich Selbständige ...
Andererseits, gruselt es mir jedes mal wenn ich zu Besuch in Deutschland bin. Aus irgend einen Grund komme ich einfach nicht mit der Mentalität vieler Deutscher zurecht.
Dann probiers halt mal mit einer anderen Region in D
Gerhard

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Be_happy
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von Be_happy » 02.10.2015, 08:10

Wenn ich Deinen Beitrag richtig gelsen habe, geht es Dir hauptsächlich um die Bildung Deiner Kinder sowie gewisse Unsicherheiten in China. Zwei Punkte also.

Die sprechen gegen eine Rückkehr:

1. Die Schulbildung ist schon rapide in den Keller gegangen und geht immer weiter abwärts. Da wäre zunächst die Einwanderung zu berücksichtigen, die Flutung unserer Schulen mit oft gewalttätigen Analphabeten (Rassismus gegen Deutsche), Gender Mainstreaming, die Verschw.ulung der Kinder und Miesmache der Familien.

2. So unsicher wie Absurdistan schon heute ist, kann China nicht ernsthaft werden. Und die Zustände nehmen dank der laufenden Invasion täglich mehr zu.

Viele gute Gründe, in China zu bleiben. Wer wissen will, wo Absurdistan mittelfristig landen wird, braucht bloß einen Blick auf die Länder zu werfen, woher die Bereicherer, Facharbeiter und Wissenschaftler kommen.

Das ist mein Standpunkt dazu.

DanielClaton
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von DanielClaton » 02.10.2015, 08:43

Hallo,

zur Bildung in Deutschland: Das Niveau ist gesunken, besonders auf den Gymnasien, was ich bisher in meinen 2 Jahren als Gymnasiallehrer in Deutschland bemerken konnte. Das deutsche Krankenversicherungs-und Rentensystem ist natürlich derzeit (noch) sehr gut, besonders gemessen an chinesischen Verhältnissen. (Auch wenn ich eher glaube, dass unsere tolle Kanzlerin und Große Koalition das auch noch zerstören werden, nicht die Einwanderer.)

Die Mentalität hier ist schon manchmal etwas sehr gewöhnungsbedürftig, da gebe ich Dir recht. Innovation wird (meist) nicht sehr gerne gesehen. Wo in einigen Ländern schon ganze Hausaufgaben über Online Portale und eMail eingereicht werden, bekommt man in Bayern schon Ärger, wenn man die Schüler zu sehr darum bittet, die Übungsaufsätze getippt einzureichen.

Das Bildungssystem in China ist noch schlimmer, High School klingt für mich wie Knast und was da bei der ganzen Lernerei herauskommt, ist auch nur unterdurchschnittlich.

Wie wäre es, wenn ihr Euch ein schönes, eher chinesisch geprägtes Land sucht, das doch moderneren Ansprüchen genügt? Ich würde da so Singapur, Hong Kong oder Malaysia anvisieren.

Schöne Grüße,
Dominik

gzs
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von gzs » 02.10.2015, 09:08

Um noch auf meine beiden Vorredner einzugehen ... meiner Meinung nach befindet sich Deutschland am Anfang eines grundlegenden Wandels. Dass das Niveau der Bildung dabei grundsätzlich sinkt kann man so gar nicht sagen. Die Schwerpunkte werden sich allerdings verlagern - verlagern müssen.

Auch was unsere Einstellung zum "Fortschritt" angeht, denn viele Menschen merken bereite (bewusst oder unbewusst) dass das was uns da als Fortschritt verkauft wird nicht wirklich einer ist. Klar können wir den technischen oder wissenschaftlichen Fortschritt auf die Spitze treiben, aber wo bleibt der Mensch? Gehts nicht gerade um ihn?

Wer also darauf aus ist, die herkömmliche akademische/wissenschaftliche Bildung auf höchstem Niveau ohne Rücksicht auf Verluste zu erhalten, der ist in D künftig vermutlich nicht so gut aufgehoben, das können mittlerweile andere Länder besser, wurden ja schon welche genannt.

Wer wieder zum "menschsein" finden möchte, der könnte in einigen Teilen Deutschlands durchaus fündig werden - allerdings muss das Land erst noch ordentlich durch die Schei... gehen um diesen Schritt zu meistern.

Sicherheit so wie es früher mal propagiert wurde, gibts in D nicht mehr, hemmungslosen Wissenschaftglauben gepaart mit akademischer Bildung auf Spitzenniveau auch nicht mehr und ob dieses Land wirklich sauberer ist als China bleibe auch mal dahingestellt - wir verstecken die Gifte nur besser.
Gerhard

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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von Andersen » 02.10.2015, 10:10

Also wenn nach Deutschland, dann am besten eher nicht selbstständig. Als Selbstständiger wirst du hier echt nur in den Arsch getreten. Außer natürlich, es überschreitet eine gewisse Millionengrenze. Mit soviel Geld geht's dann schon wieder. Aber "normal" verdienen als Selbstständiger in Deutschland? Viel Spaß!

Im Moment sehe ich auch einen stetigen, langsamen Trend "nach unten" in Deutschland. Solange es euch in China gut geht, würde ich dort das beste daraus machen. Die Alternative mit chinesisch angehauchten Ländern / Städten wie Singapur und HK klingt für mich auch erstmal super. Deutschland würde ich die Zeit dann mal etwas näher begutachten und falls wieder Besserung in Sicht ist (nach jeder schlechten Periode folgt eine gute) kann man das gerne nochmal überlegen.
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von RoyalTramp » 02.10.2015, 11:44

Hallo, darjeeling.

Das ist spannend. Ich habe nach 8 Jahren China gerade erst Anfang September mit meiner chinesischen Frau und meinem Kind den Sprung nach Deutschland zurück absolviert. Wir waren dabei in einer sehr ähnlichen Situation, wobei ich aber stets für eine chinesische Firma zu einem chinesischen Gehalt gearbeitet habe. Aber für uns waren genau die gleichen Überlegungen ausschlaggebend, wie auch bei Euch: Schulbildung unserer Kleinen, Umweltsituation, Gesundheit, keine berufliche Entwicklung weit und breit... dazu auch die politische Situation (Reorientierung der politischen Agenda an den frühen 80ern) usw.

Ich bin dabei unter denkbar schlechten Voraussetzungen nach D zurückgegangen, denn weder habe ich ein Jobangebot noch Versicherungen (mit Ausnahme meiner Anwartschaft bei einer Krankenkasse) noch sonst irgendwas in Deutschland besessen. Ich musste ALLES völlig neu beantragen und das war wirklich nicht einfach mit all den Nachweisen, die man da anfügen musste. Die ersten Wochen habe ich mich alleine nur mit etlichen Anträgen herumgeplagt. Für Arbeitssuche war da bis Mitte dieser Woche überhaupt kein Platz. Das war schon ganz schön nervig, aber ich kann verstehen, dass sich alle Träger, KV, Haftpflicht, Einwohnermeldeamt, Arbeitsagentur, Kindergarten etc., bei denen ich jetzt soweit alle Anträge eingereicht habe, doppelt und dreifach versichern möchten, dass bei uns alles seine Richtigkeit hat. Daher habe ich diese "Belastung" gerne getragen.

Ich habe insofern die Rückkehr trotz der Unsicherheit für die Zukunft bisher nicht bereut. Insbesondere für meine kleine Tochter war es bisher wirklich schön, denn allen Unkenrufen zum Trotz bemüht sich D trotzallem, sehr kinderfreundlich zu sein. Ich habe in 8 Jahren Shanghai kaum so viele spannende Aktionen für Kinder erlebt, wie hier z.B. in Freiburg in nur 3 Wochen. Dazu überall renovierte Spielplätze, Wälder und Berge zum Spazieren und zum Entdecken, Ruhe (endlich mal wieder Durchschlafen nach all dem Großstadtlärm in Shanghai) und vor allem kristallklare Luft und Wasser. Es sind allerdings auch erst 3 Wochen seit unserer Rückkehr vergangen, daher muss man mal abwarten, wie sich die Dinge hier weiterentwickeln und ob uns nicht hier doch noch sowas wie eine Depression erfasst. Aber ich denke erst einmal nicht. Selbst die KiGa-Suche für unsere Tochter war trotz einer sehr angespannten Situation in den KiGas in FR einfacher als gedacht. Direkt unterhalb unseres Wohnhauses am Fuße des Hanges gibt es einen kath. KiGa, bei dem es auf Anhieb mit einer Unterbringung geklappt hat. Soviel Glück ist natürlich schon extremer Dussel...
Und wer sagt, dass D nicht flexibel sei: Der Antrag auf Familienversicherung läuft derzeit noch. Leider mussten wir mit unserer kleinen Tochter bereits diese Woche zum Arzt wegen einer Infektion des linken Auges, obwohl meine beiden Frauen noch nicht versichert sind. Aber alles total unbürokratisch. Anruf bei der KV, die haben dem Arzt ein Fax geschickt, dass der Antrag bereits eingegangen ist und bestimmt durchgeführt wird, und damit Problem gelöst. Und auch andere Behörden haben signalisiert: "Kein Problem! Reichen Sie die fehlenden Unterlagen ein, sobald Sie sie vorliegen haben." Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein sehr kooperationswilliger Mitbürger bin und ich den Staat und seine Bürokratie eben nicht als "Feind" auffasse (meine Mutter... ohje... die schimpft dagegen die ganze Zeit über die deutschen Behörden... wenn die wüsste... ;) )
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von darjeeling » 02.10.2015, 12:15

Hallo und Danke für eure Antworten! Wie ich sehe gehen hier die Meinungen, genauso wie meine Gefühle, doch sehr auseinander.

Ich selber bin Kölner, habe Stellenangebote aber doch meistens im Großraum Düsseldorf angeguckt. Hauptsächlich wegen dem asiatischen Flair. Allerdings hat mir selber das Rheinland und NRW nie zugesagt! Vielleicht wäre Süddeutschland doch einfach besser!

Außerdem, was zur Zeit in Deutschland passiert ist ja doch eher ein globales Problem. Es gibt zur Zeit kaum Länder die einen Positiven ökonomischen Trend haben, die Mittelklasse verschwindet und damit auch die sozialen Leistungen des Staates. Jeder hat Angst, dass Ärmere Ihnen die Butter vom Brot nehmen werden.

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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von RoyalTramp » 02.10.2015, 12:24

Was ich jetzt sage, ist natürlich nur völlig versubjektiviert, aber nach 31 Jahren im Ruhrgebiet aufgewachsen und ausgebildet, maße ich mir dann doch an, zu behaupten, dass Süddeutschland einfach schöner ist. Oder zumindest ab Bonn südwärts! ;)

Aber andere Menschen sind halt Großstadtmenschen und kommen mit dem sehr kleinstädtischen Ambiente hier unten im "tiefen" Süden nicht so klar. Mir und meiner Familie gefällt es jedenfalls sehr und gerade für Kinder kann ich mir nichts besseres vorstellen. Für den jungen akademischen Hipster wäre dagegen eine Großstadt wie Hamburg oder Berlin vielleicht eher etwas.

Was die globalen Probleme betrifft: Vor denen entkommt man in keinem Land der Welt wirklich. Es sei denn auf irgendeiner einsamen Südseeinseln abgeschnitten von jeder zivilisatorischen Errungenschaft. ;)
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von gzs » 02.10.2015, 12:34

Es sei denn auf irgendeiner einsamen Südseeinseln abgeschnitten von jeder zivilisatorischen Errungenschaft.
Die muss aber hoch genug sein, zwecks dem Klimawandel ... :)

Entkommen wird den globalen Problemen wirklich niemand, eher ist es die Frage wo und unter welchen Voraussetzungen man sich ihnen stellen möchte ... und wann man sie erkennt ...
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von punisher2008 » 02.10.2015, 12:51

gzs hat geschrieben:Dass das Niveau der Bildung dabei grundsätzlich sinkt kann man so gar nicht sagen.
Den Eindruck habe ich schon. Statistiken habe ich jetzt keine, aber dafür eigene Beobachtungen. Als ich damals in der Schule war haben die Lehrer sprachliche Fehler z.B. in Aufsätzen oder Hausaufgaben noch korrigiert. Heute? Wird bei meinem Neffen gar nicht mehr gemacht. Wenn überhaupt dann geben die nur noch inhaltlich paar Tipps, alles andere wird vernachlässigt. Auch sonst scheinen die in der Schule nicht viel mehr zu machen als paar Spiele, natürlich etwas übertrieben ausgedrückt. Nicht dass ich es gut heiße wie die in China ohne Hirn auswendig pauken müssen, und das 10 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche. D ist das andere Extrem, am Tag gerade mal 4 höchstens 5 Stunden "Unterricht", davon "Religion" und "Kunst", wovon man im richtigen Leben wenig hat. Hausaufgaben sind innerhalb einer Stunde erledigt, dann kann den Rest das Tages am Computer gezockt werden. Ich finde die Schüler in D ganz klar unterfordert, und das in Bayern das sich ja immer gerne selbst lobt für das hohe Niveau. Und gerade Fremdsprachen werden extrem vernachlässigt. Das Schulenglisch bei mir damals war schon ziemlich mies. Ich habe den Eindruck dass es heute noch mehr nachgelassen hat. Und statt dass man sich an die heutige Zeit anpasst und wichtige Sprachen anbietet (ja, z.B. Spanisch oder Chinesisch) gibt es an den meisten Schulen wie vor 40 Jahren nur Französisch und Latein. Wenn man nicht gerade im Zentrum von München zur Schule geht sind die Chancen praktisch null als Kind eine andere Sprache zu lernen. Wie wollen denn die Deutschen in 20 Jahren mit den Chinesen mithalten die schon im Kindergarten Englisch von Muttersprachlern lernen? Ich werde nie verstehen wie in einem Land dass so stolz auf das hohe Bildungsniveau ist Weltsprachen wie Englisch oder Spanisch dermaßen kleingeschrieben werden. In China wird auch 90% Mist unterrichtet aber man scheint zumindest erkannt zu haben wie wichtig Sprachen sind. Ob man das in D jemals kapieren wird?

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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von RoyalTramp » 02.10.2015, 13:33

@ Punisher2008

Was du da beschreibst, erinnert mich gestützt auf Aussagen meiner Freunde an ein derzeit sehr populäres Credo in vielen deutschen Schulen insb. in NRW (aber auch anderwo verbreitet). Da heißt es nämlich: "Schreiben nach Sprechen".
Schon im Kindergarten fangen nämlich Kinder an, Schreiben zu lernen (löblich!), ABER sie sollen erst einmal nur so schreiben, wie sie sprechen: "Ich libe maine Kaze". Sätze wie diese sind dann das Ergebnis dieses Credos, wo dann die Erzieher ganz begeistert in die Hände klatschen. Zugegeben: der Vorteil dieser Methode ist, dass Kinder wirklich schon sehr früh mit dem Schreiben anfangen und wirklich Sätze produzieren können. Aber das Problem ist: Dieses Credo findet auch an immer mehr Grundschulen eingang... und wenn dann die Kinder auf die weiterführenden Schulen kommen, dann schlagen sich die Lehrer ganz entsetzt die Hände vor die Augen, denn was die Kinder bis dahin an "Basics" jetzt verinnerlicht haben, wird man so leicht nicht mehr aus ihren Köpfen bekommen. Es ist daher z.B. kein Wunder, dass deutsche Kinder zunehmend nicht mehr in der Lage sind, den Rechtschreibregeln entsprechend zu schreiben. Was aus denen dann mal in Zukunft werden soll, wenn die keine korrekte Bewerbungsanschreiben mehr hinbekommen, möchte ich mir nicht ausmalen.

Wie habe ich meinen chinesischen Schülern immer gesagt, wenn das Thema im Unterricht das deutsche Bildungswesen war: "Deutschland ist weltweit das mit Abstand größte Bildungsversuchslabor der Welt."
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von Lars.HA » 02.10.2015, 13:41

Also, mein Sohn wird bald 5 und meine Tochter 8

Meine Tochter geht in Shenzhen auf einen Bilinguale Privatschule kostet 3000 CNY im Monat,
der KiGa kostet 1500 CNY.
Es werden HongKonger Schulbücher und Mainland Schulbücher verwendet.

Schultag geht von 9-16 Uhr,
Vorschulgruppe meines Sohnes von 8-17 Uhr .

Nun mit der Schule bin ich zufrieden, unheimlich viel Trichter lernen, aber die Fortschritte sind augenscheinlich.
Mal eben die ersten beiden Schuljahre plus Englisch im ersten Schuljahr gelernt.

Wenn ich meine Nichte anschaue, die so alt ist wie meine Tochter, dann entgeistert mich das schon in Deutschland.

Das Niveau seit Bologna und "Schreiben-nach-Gehör" verblödet Deutschland.
Kinder wachsen mit den Anforderungen, wenn aber keine Anforderungen gestellt werden, bekommen wir amerikanische Verhältnisse.
Ich sehe was meine Kinder leisten können, wenn sie gefördert werden und ich sehe wie meine Nichten und Neffen unterfordert werden.

Vieles was schlecht an der Schule in China ist, liegt in Wirklichkeit an den Eltern. Oder besser Großeltern oder Nanny, weil die Eltern keine Zeit haben. Eine Situation die auch in Deutschland zu beobachten ist.

Eltern die mithelfen, Chancen geben, Kreativität fördern, Museen besuchen helfen den Kindern auch in China.
Klar schlechte Lehrer sind ein Problem, aber dafür gibt es auch den Spruch drum prüfe, wer sich bindet.

In den Nachhilfe Centern die Bullshit sind, sieht man es sofort, dann kann man etwa anderes wählen.

Und ja es ist ein Zwiespalt. Shenzhen ist schon fortgeschritten, die Luft etwas besser.
Aber kein Vergleich zu Deutschland.

Kranken- und Rentenversicherung ein Riesenproblem. Ein Grund defintiv nach Deutschland zu gehen.

Und das Ruhrgebiet schockt einen. Irgendwie kein Vergleich zum Süden.

Während die Städte in Immigrantenorte verwandelt werden, ziehen sich Biodeutsche zurück.

Und was die Presse in DE angeht, ich war mal überzeugt das die Dt Presse die Wahrheit gepachtet hat, aus der Ferne fällt aber schon massivst auf, das nicht alles Gold ist was glänzt.

Ich mag China, aber da ist immer etwas.

Größter aller Probleme, die Inflation und die Immobilienpreise.

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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von RoyalTramp » 02.10.2015, 14:42

@ Lars.Ha

Sehe ich auch so. Hatte eigentlich gehofft, meine Tochter erst in chinesische Schulen (Kindergarten, Grundschule) einschulen zu können und dann ab weiterführenden Schulen nach Deutschland zu wechseln, denn chinesische Kinder (KiGa, Grundschule) sind, was den Stoff betrifft, meilenweit vor den deutschen Kindern. Ab Sekundarstufe I, aber besonders in der Sekundarstufe II verändert sich dann der Lernerfolg und deutsche Jugendliche holen mächtig auf bzw. liegen dann nicht selten auch vor chinesischen Jugendlichen.

Das hat mit den jeweiligen Lernparadigmen zu tun. Wenn die Kinder noch klein sind und Leitung brauchen, da ist das chinesische System definitiv besser. Wenn sich dann aber die Kinder zu Jugendlichen und damit zu wirklichen Persönlichkeiten entwickeln, da versagt dann das chinesische System sichtlich, dass weiterhin an dem Stil festhält, dass man auch in der Kindererziehung angewendet hat, anstatt den Jugendlichen mehr Spiel- und Freiräume zu geben, um sich selbst zu entwickeln... das also, was dann in Deutschland mit fortgeschrittenem Alter bei Kindern besser gemacht wird, wohingegen in Deutschland den kleinen Kindern zu wenig "Vorbilder" vermittelt werden, an denen sich die Kinder orientieren können. Es fehlt an einer "Leitung" völlig, weil sich schon 3-jährige völlig frei und selbst entwickeln bzw. entfalten sollen. Das damit aber vor allem die ganz kleinen Kinder völlig überfordert werden, liegt in der Natur der Sache.

Ist jetzt nur meine rein persönliche Sichtweise.

Jetzt werden es von Anfang an deutsche KiGas und Schulen für meine Tochter sein. Aber ich denke, es gibt da wesentlich Schlimmeres, wenn man sich mal die Situation in anderen Ländern bezüglich "Kindheit" anschaut.
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Re: Ängste - wieder mit der Familie zurück nach Deutschland

Beitrag von sweetpanda » 02.10.2015, 18:26

Ich finde diese Diskussion sollte geschlossen werden. Die Ausfälle gegen die refugees sind unhaltbar und haben in einen Chinaforum nichts zu suchen.
„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben so trübsinnig machen.“

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