Aremonus hat geschrieben:
Vielen dank, dass Du das für mich klar gestellt hast, Bernhard.
Kommentare dieser Art (die man IMHO durchaus als Antisemitisch bezeichenen kann) traten zwar tatsächlich historisch gesehen zu nächst nach 1929 in Deutschland gehäuft auf - aber damals wie heute gab es in allen Ländern Leute, die die Dinge so sehen. Es sind weder ausschliesslich Expats noch ausschliesslich Chinesen, die solche "Entgleisungen", wie es a^2 so schön nennt, von sich geben.
Ich würde mich aber auch davor hüten, diese Leute gleich als Faschisten zu bezeichnen - natürlich war die Finanzkrise 1929 und deren Zuschreibung zu den Juden ein wichtiger Grund für die Wahl Hitlers. Aber auch in anderen Ländern war damals ein Hass auf den damals von Juden dominierten Finanzsektor vorhanden und das bedeutete noch lange nicht, dass man gleich einen Völkermord beging. Auch heute gibt es übrigens wieder Leute, die die Banker als Grund für die Finanzkrise sehen und sie hassen - aber keiner käme Gott sei dank auf die Idee, einfach mal alle zu vergasen.
Also sorry, Aremonus, hast Du schonmal was von Dieter Nuhr gehört? Dein Gefasel von der "Finanzkrise 1929 und deren Zuschreibung zu den Juden" ist einfach mehr als nur megapeinlich. Deine Behauptung über einen "damals von Juden dominierten Finanzsektor" ist nicht bloss faktisch-historisch Dünnschiss, sondern heftiges antisemitisches Vorurteil. Und Deine Behauptung, ein Hass auf Finanzsektor und deshalb Juden sei "ein wichtiger Grund für die Wahl Hitlers" ist schlicht falsch und ahnungslos. Hitler wurde nie gewählt, er wurde im Januar 1933 von den Konservativen an die Macht gehievt. Daran waren übrigens Exponenten des deutschen Finanzsektors nicht unwesentlich beteiligt.
Du hast offenbar in der Schule schlecht aufgepasst und schmeisst alles mögliche durcheinander. In Mittelalter und hatten die europäischen Juden keinen gleichberechtigten Status und vielfältige Berufsverbote, vor allem in Landwirtschaft, (Zunft-)Handwerk und Militär - der Adelsstand war ihnen ohnehin fast überall versperrt. Gestattet war ihnen der Geldverleih, weshalb es auffallende jüdische Geldverleiher gab. Dies nährte zum Teil die auch religiös begründete Feindseligkeit (gegen die "Jesusmörder"). Es gab daher etwa seit den Kreuzzügen (als im Rheinland Kreuzfahrermobs die jüdischen Gemeinden überfielen) immer wieder auch Ausschreitungen gegen Juden. England vertrieb im 13. Jahrhundert alle Juden, während der Reconquista in Spanien gab es blutige Massenmorde an Muslimen und Juden, deren Religionen verboten wurden.
Der moderne Antisemitismus hat eine seiner Wurzeln in der christlichen Judenfeindschaft. Er nährte sich seit dem 19. Jahrhundert aber auch aus den aus dem Kolonialrassismus entstandenen "wissenschaftlichen" Rassetheorien und hing eng mit dem ebenfalls in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehenden Antikommunismus und Antisozialismus zusammen. Gleichzeitig entwickelte er Verschwörungstheorien einer jüdischen Weltverschwörung aus Sozialisten und Bankiers (Rothschild), jüdischem Kapital und jüdischem Bolschewismus. Auf dieser Grundlage kam es vom frühen zwanzigsten Jahrhundert zu einer Vielzahl von brutalen Gewaltorgien, vor allem nach dem 1. Weltkrieg in Osteuropa und im Ostseeraum.
Darüber ist soviel geschrieben worden, dass man das alles eigentlich nicht zu erwähnen bräuchte. Die Zuschreibung "Ökonom gleich Jude" kommt darin aber nicht vor.
Manche Leute sind aber einfach noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen und sagen auch heute noch, dass jeder, der irgendwie mit der Finanzwelt verbandelt ist, ein Jude sei.
Das halte ich für ziemlich hergeholt. Natürlich wird es solche Idioten geben, hier im Forum ist noch keiner aufgekreuzt.
Wenn jemand sagt, er sei Jude UND im Finanzsektor tätig oder, wie im von uns diskutierten Falle, Gegner der chinesischen Regierung UND FLG-Anhänger, ist es natürlich legitim, ihn als Anhänger der jeweiligen Religion zu bezeichnen. Es wäre aber NICHT ok, jemanden als FLG-Anhänger zu bezeichnen, nur weil er Gegner der chinesischen Regierung ist.
Wenn jemand sagt, er sei Jude und in der Krankenpflege tätig, ist es auch legitim, ihn als Juden zu bezeichnen, immerhin sagt er das ja selbst. Es ist nur für Fragen der Krankenpflege wie der Finanzwirtschaft völlig irrelevant.
Wenn jemand ständig FLG-Propaganda ins Forum einschleust, ohne sie kenntlich zu machen, und obendrein erklärt hat, dieser Sekte anzugehören, ist es durchaus relevant, diesen Konnex herzustellen. FLG ist etwas anderes als die jüdische Religion, es ist ein wirrer Psychosektenkult, der den Mitgliedern einredet, sie könnten mit genug Übung und Unterwerfung unter den grossen Führer ewig leben, fliegen und die Aliens besiegen, die Kommunisten klonen. Und FLG bringt Propaganda gegen China, auch wenn kein Wort davon wahr ist. Du kannst Dich genausogut in einem Nazinetzwerk über den Holocaust informieren wie bei FLG über China.
a^2