Mich würde mal interessieren wie das bei anderen Langzeitlern ist, seit ihr eher toleranter geworden oder habt ihr eher an Toleranz verloren?
Bei mir war es so, dass ich mit der Zeit viel toleranter wurde. Als ich zum ersten Mal in China aufgeschlagen bin sah ich mich um und war entsetzt. Über den Umgang der Leute mit einander, über den Dreck überall, über die schlechte Bauqualität, über das unorganisierte Leben, über den Mangel an Bildung der Leute... einfach über alles. Selbst das scharfe Essen konnte ich nicht ertragen!
Ich habe aber China und die Chinesen nie verurteilt deswegen und begann nach einiger Zeit, die chinesische Kultur und die Probleme des Landes zu akzeptieren und entwickelte viel mehr Toleranz, sodass mir China bis heute noch nicht verleidet ist. Viele Chinesen, die sich unpässlich verhalten, sind für mich einfach noch Kinder - und über Kinder ärgert man sich nicht, wenn sie sich nicht benehmen, sonder man lächelt und denkt sich "das wird schon noch!".
Auch die ganzen Neureichen, die mit ihrem Wohlstand protzen wollen, sind für mich ok - die wollen nur Aufmerksamkeit und brauchen eben Wertschätzung. Warum solten man sich nicht für ihre Lebensgeschichte interessieren, wenn sie auf einen zukommen?
Beim Gedränge im Lift bitte ich einfach die Leute, mich durchzulassen - ist meist nicht so eine Sache und als Europäer ist man ohnehin einen Kopf grösser als die meisten Leute um einen herum. In Warteschlangen warte ich geduldig und rechne eben einfach mehr Zeit ein, als ich für dieselbe Sache in Europa einrechnen würde.
So ist China gar nicht so schlimm und kann sogar Spass machen. Im Vergleich zu Europa bin ich in China viel weniger gestresst, weil ich mir für alles viel mehr Zeit nehmen. Natürlich bin ich auch viel unproduktiver - aber ich betrachte Chinareisen einfach als Ferien, dann ist das ok.
Das Einzige, woran ich mich in China bis heute nicht gewöhnen konnte ist die Luftqualität.
Die ganzen Gold Digger wehrt man in China auf dieselbe Weise ab wie hier: man protzt einfach nicht.