Wie wird man eigentlich...

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.
Bernhard
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Bernhard »

beowulf hat geschrieben: Das verfassen von Selbstkritiken ist eine konfuzianische Tradition, die von Mao aufgegriffen und instrumentalisiert wurde, aber auch heute noch weit verbreitet ist.
Bei den Selbstkritiken mag das stimmen, bei dem Offenlegen-Müssen sämtlicher Kontakte (und ggf. der damit verbundenen Denunziation anderer) nicht. Das wurde als erstes vom imperialen Japan praktiziert und dann von der KP übernommen. Aber das führt jetzt zu weit.
Die Kulturrevolution ist ebenfalls OT.
beowulf hat geschrieben: Was bedeutet "hinter der Sache der Partei stehen"? No na ned, wird ein Liu Xiaobo Anhänger nicht in die KP aufgenommen. Natürlich "steht man hinter der Partei". Warum sollte jemand der sich offen als Feind der Partei deklariert in die Partei aufgenommen werden? Aber was meinst du damit genau?
"Feind der Partei" - du hast den Jargon auch schon ziemlich drauf.
Es geht nicht darum, dass man sich offen als "Feind" deklariert. Aber es muss auch eine entsprechende ideologische Ausrichtung da sein. Ich weiß, ich nerve mit meinen Bezügen darauf, aber Mitglieder einer Religion können z.B. nicht aufgenommen werden. D.h., die Lehre der Partei (ich sage jetzt bewusst nicht "der Kommunismus") muss die bestimmende Idee im Leben des Parteimitglieds sein. Andere "Götter" werden nicht geduldet. Dass das in der Praxis oft nicht so ist, ist auch klar. Aber zumindest der Anspruch ist so.

Dass "die Partei" kein monolithischer Block ist, muss hier nicht weiter diskutiert werden. Dennoch gibt es wohl einen sehr weit gefassten Konsens (Marxismus, Leninismus, Mao Zedong-Denken, Deng Xiaoping-Lehre), der von allen geteilt werden muss. Zumindest vom Anspruch her.
robbe
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von robbe »

Stimmt es, dass man zur Mitgliedschaft regelrecht eingeladen wird? Mir hat mal jemand erzählt, dass diejenige Person aus beruflichen Hintergrund eingeladen wurde bzw. der Eintritt war Bedingung für eine Beförderung (bei Sinopec soweit ich mich richig erinnere). Kann aber auch sein, dass mir die Person nicht alles bzw. nicht so ausführlich erzählt hat.
Bernhard
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Bernhard »

wenn sie dich haben wollen, werden sie wohl schon an dich herantreten. Und ich kann mir vorstellen, dass man in manchen Sparten oder Positionen Mitglied sein muss.
Andy_yi
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Andy_yi »

Bernhard hat geschrieben: "Feind der Partei" - du hast den Jargon auch schon ziemlich drauf.
Es geht nicht darum, dass man sich offen als "Feind" deklariert. Aber es muss auch eine entsprechende ideologische Ausrichtung da sein. Ich weiß, ich nerve mit meinen Bezügen darauf, aber Mitglieder einer Religion können z.B. nicht aufgenommen werden. D.h., die Lehre der Partei (ich sage jetzt bewusst nicht "der Kommunismus") muss die bestimmende Idee im Leben des Parteimitglieds sein. Andere "Götter" werden nicht geduldet. Dass das in der Praxis oft nicht so ist, ist auch klar. Aber zumindest der Anspruch ist so.
Der Anspruch ist sicherlich so, aber wen interessierst schon :P ... Wo du gerade Religionen ansprichst: Gerade hier in Essen lassen sich total viele Eltern taufen ( oder umtaufen ) damit ihre Kinder bestimmte (gute) Schulen des Bistums Essen besuchen können :wink: ...
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Laogai »

Die wenigsten werden eingeladen, die meisten suchen sich die erforderlichen zwei (oder wenn möglich noch mehr) Parteimitglieder, die ihn/sie dann für eine Mitgliedschaft in der Partei vorschlagen, selbst. Der Prozess der "Prüfung" dauert übrigens oft mehrere Monate, wenn nicht gar Jahre.

Es muss keine Selbstkritik (自我批评) geschrieben werden, sondern eine "Selbstvorstellung" (入党自我介绍).

Das Thema Parteimitgliedschaft hatten wir hier schon mal.
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beowulf
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von beowulf »

Lieber Bernhard die "Linken" innerhalb der Partei um Bo Xilai (ok - da ist wieder die Frage, wieviel da Populismus ist) herum, wären sicher froh wenn ALLE Parteimitglieder die Schriften von Marx und Mao auswendig kennen und danach leben. Aber ich glaube, in z.B. Shanghai kommt man mit der Einstellung nicht in die Partei rein. Nun, sie werden dich für die Linientreue loben, aber dann einen anderen Grund finden, warum kein Platz für dich da ist. :wink:



ps. OT -
Bei den Selbstkritiken mag das stimmen, bei dem Offenlegen-Müssen sämtlicher Kontakte (und ggf. der damit verbundenen Denunziation anderer) nicht. Das wurde als erstes vom imperialen Japan praktiziert und dann von der KP übernommen. Aber das führt jetzt zu weit.
Ach was, das kennen wir Österreicher schon seit Metternich. :lol:
Bernhard
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Bernhard »

Andy_yi hat geschrieben: Der Anspruch ist sicherlich so, aber wen interessierst schon :P ... Wo du gerade Religionen ansprichst: Gerade hier in Essen lassen sich total viele Eltern taufen ( oder umtaufen ) damit ihre Kinder bestimmte (gute) Schulen des Bistums Essen besuchen können :wink: ...
die KP hat einen Absolutheitsanspruch nicht nur im politischen, sondern auch im weltanschaulichen Bereich. Irgendwelche Praktiken im Bistum Essen haben damit nur am Rande etwas zu tun.
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serenita
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von serenita »

blur hat geschrieben:Ihre Eltern haben drei Kinder, alle drei haben Studiert. Wir verstehen uns sonst super, aber was ihre Eltern von Beruf sind will sie mir nicht verraten. Ich habe die Vermutung das die höhere Posten in der Partei haben, wie sonst könnte man drei Kinder in China auf die Uni schicken? Sie muss schon sehr aufs Geld achten, daher denke ich nicht das die Eltern reiche Fabrikbesitzer oder dergleichen sind..
Warum? Ich verstehe Deine Frage nicht richtig. Denkst Du, man müsste besondere Posten in der Partei besitzen, um seine Kinder studieren lassen zu können? Vielleicht kennst Du hier den Hintergrund dazu nicht wirklich. Nach wie vor heißt es in China, dass Studieren für viele der einzige Weg ist, sein Schicksal zu ändern/bessern, gerade für viele aus ärmeren Gegenden ist Studieren die einzige Möglichkeit, das Ursprungsumfeld zu verlassen und ein neues besseres Leben anderswo aufbauen zu können. Insofern ist es fast unabhängig davon, wie die Eltern finanziell gestellt sind, man versucht alles, um seine Kinder zur Uni zu schicken, natürlich erst nachdem die Kinder auch die Aufnahmeprüfung bestanden haben, anders als in Deutschland, wo es keine Aufnahmeprüfung dafür gibt.
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von VielUnterwegs »

serenita hat geschrieben:
blur hat geschrieben:Ihre Eltern haben drei Kinder, alle drei haben Studiert. Wir verstehen uns sonst super, aber was ihre Eltern von Beruf sind will sie mir nicht verraten. Ich habe die Vermutung das die höhere Posten in der Partei haben, wie sonst könnte man drei Kinder in China auf die Uni schicken? Sie muss schon sehr aufs Geld achten, daher denke ich nicht das die Eltern reiche Fabrikbesitzer oder dergleichen sind..
Warum? Ich verstehe Deine Frage nicht richtig. Denkst Du, man müsste besondere Posten in der Partei besitzen, um seine Kinder studieren lassen zu können?
Wenn man 3 hat ist es nicht so leicht.

1.) 3 Kinder zu bekommen war in den 80igern nicht leicht. Ich kenne Frauen persoehnlich, die waehrend ihrer zweiten Schwangerschaft monatelang auf der Flucht waren, nie laenger als 1 Woche am selben Ort, um nicht zur Zwangsabtreibung geholt zu werden. Ich kenne Frauen die zur Zwangsabreibung geholt wurden auch persoehnlich.

2.) Um die illegalen Kinder dann mit einem Hukou zu versorgen oder die Schule zu bestechen damit sie ohne Hukou angenommen werden kostet schonmal einen Haufen Asche. Bei der Uni wird es dann erst so richtig teuer.
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Bernhard »

@VielUnterwegs

Solche Fälle gab es, das ist allgemein bekannt. Allerdings kenne ich mehrere Chinesen zwischen 20 und 30 Jahren, die zwei weitere Geschwister haben. Auf die Frage, wie dies möglich gewesen sei, sagte eine mal: "Damals war die Strafe noch nicht so hoch, deswegen war es kein so großes Probelm." Allerdings haben die Leute damals auch einen Bruchteil von dem heutigen Lohn verdient...

Aber um auf blur einzugehen:
Es gibt vielfältige Gründe, warum dieses Mädchen den Beruf ihrer Eltern nicht sagen will. Zwar schämen sich (so wie ich das kenne) Chinesen meist nicht, wenn ihre Eltern nur einfachen Tätigkeiten nachgehen. Aber daraus gleich zu folgern, ihre Eltern hätten irgendeine ehrenrührige oder streng geheime Tätigkeit, ist auch ein bisschen vorschnell. Ich meine... selbst wenn ihre Eltern etwas Hohes in der Partei wären, hätte sie nicht rumdrucksen müssen. Sie hätte einfach sagen können, sie seien "Beamte".
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von VielUnterwegs »

Naja, jeder weiss was "works for the government" in China bedeutet: Verdient offiziell 1500 im Monat und schaufelt nochmal 2.000-20.000 im Monat ueber Bestechungsgelder rein. Schon verstaendlich, dass sie das vielleicht nicht sagen will. Ich war mal im Haus eines Direktors einer High School, alter Schlappen, da muss man in Deutschland schon in's hoehere Management um so zu leben. Offiziell verdient der Kollege keine 500€ im Monat...
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von blur »

Das wollte ich ihr so ja garnicht unterstellen, dann müsste sie auch nicht so aufs Geld achten. Fand es nur merkwürdig das sie es nicht sagen kann, mir aber sonst alles erzählt.
Das sollte hier aber auch nicht das Thema sein, hier wollte ich mich über den Parteibeitritt informieren was ja auch geklappt hat.
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von selenblack »

Ich weiß von einer ehemaligen Studentin von mir, dass den jeweils Jahrgangsbesten an den Unis bzw. Studenten, die sich besonders ausgezeichnet haben, die Mitgliedschaft angeboten wird. Das war bei ihr so. Natürlich nimmt man das an, das Leben wird einem dadurch ja wirklich um einiges erleichtert! Sie hat auch gesagt, dass sie von sich aus wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, beizutreten, wäre es ihr nicht angeboten worden.
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von VielUnterwegs »

Man hat wohl auch eher Angst vor den Konsequenzen der Ablehnung. Unis feuern in China Studenten ja aus den interessantesten Gruenden (Heirat, im Maedchenzimmer aufgegrifen, ...). Da wuerde es mich nicht wundern, wenn es auf einmal "Probleme mit den Papieren" gibt, wenn man so ein Angebot ablehnt.

Und zu den Vorteilen: So gross sind die nicht. Klar, bei Firmen wie Sinopec und co. wird man in der Theorie bevorzugt. In der Praxis werden 95+% der Jobs dort aber komplett ueber Vitamin-B vergeben oder regelrecht verkauft. Bei internationalen Firmen hilft das in China verbreitete "Politische Gesinning: Mitglied der KPCh" aber eher selten, bzw. hat sogar negative Auswirkungen. Ich schmeisse CVs wo diese Angabe (am besten schon direkt nach dem Namen, hahahaha) drin ist sofort weg. Solche Leute brauchen wir in einer Firma die selbst denkende und innovative MA braucht nicht.
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von blur »

VielUnterwegs hat geschrieben:Ich schmeisse CVs wo diese Angabe (am besten schon direkt nach dem Namen, hahahaha) drin ist sofort weg. Solche Leute brauchen wir in einer Firma die selbst denkende und innovative MA braucht nicht.
Das wäre dann aber das Gegenteil von dem was bisher geschrieben wurde, dass dort nur eingetreten wird weil man evtl. Vorteile dadurch hat. Was veranlasst dich zu denken Personen mit Parteimitgliedschaft könnten nicht selbst denken und wären nicht innovativ?
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