Bevor ich auf die einzelnen Schritte eingehe vielleicht etwas mehr zum Background. Wir hatten uns früh für eine Hochzeit in China entschieden, da dies für uns die beste Möglichkeit war (in Deutschland wäre es etwas komplizierter gewesen und da wir auch gebührend feiern wollten schied Dänemark aus). Meine jetzige Frau wurde in China, Putian (Provinz Fuzhou) geboren, lebt momentan allerdings in Yiwu. Das war insofern problematisch, als dass die Beschaffung vieler Dokumente (Geburtsurkunde etc., dazu später mehr) in ihrer Heimatprovinz geschehen musste. Diese Dokumente mussten dann auch zwangsläufig von der für Fuzhou zuständigen deutschen Botschaft in Gangzhou (=Kanton) legalisiert werden. Die für den Visaantrag zuständige deutsche Botschaft war allerdings Shanghai.
Schritt 1: Das Ehefähigkeitszeugnis
Erster und wohl schwierigster Schritt ist die Beschaffung eines Ehefähigkeitszeugnisses. Hierfür benötigt ihr sowohl Unterlagen von euch selbst als auch von eurer chinesischen Partnerin. Nach dem Termin mit einem freundlichen Standesbeamten hatte ich meine ToDo-Liste schnell abgearbeitet: eigentlich musste ich nur eine beglaubigte Kopie meiner Geburtsurkunde von der Gemeinde meines Geburtsortes anfordern (das war problemlos auf dem Postweg möglich), alles andere (Meldebescheinigung, Kopie des Personalausweises) konnte mir der Standesbeamte anfertigen. Kostenpunkt: ~10€ für die beglaubigte Kopie
Auf Seiten meiner Frau war das ganze ungleich komplizierter. Sie benötigte vier Dokumente:
- Vollständige Kopie des Hukou inkl. Übersetzung
- Vollständige Kopie ihres Reisepasses
- Geburtsbescheinigung inkl. Übersetzung
- Ledigkeitsbescheinigung inkl. Übersetzung
All diese Dokumente wurden vom Notariat ihrer Heimatstadt angefertigt, welche mit einem Übersetzungsbüro zusammenarbeitet. Mein Ansprechpartner beim deutschen Standesamt meinte zwar, eigentlich sei eine deutsche Übersetzung nötig, allerdings war er auch mit einer „offiziellen“ chinesischen Übersetzung einverstanden. Um die Dokumente zusammenzubekommen musste sie wiederum auf verschiedene Behörden in China und verschiedene Dokumente vorzeigen (Hukou, Ausweise, Ausweise der Eltern etc.). Kostenpunkt für die obigen Dokumente (geschätzt): 200€ (wir hatten das ganze allerdings auch etwas beschleunigt, was zusätzliche Kosten zur Folge hatte). Hinzu kamen dann noch Fahrt- und Übernachtungskosten. Dauer: ca. 2 Wochen.
Nachdem alle vier Dokumente fertig waren, musste meine Frau zum Ausländeramt in China um die Dokumente überbeglaubigen zu lassen (was zur im nächsten Schritt folgenden Legalisierung durch die deutsche Botschaft notwendig ist). Das war – wiederum gegen Aufpreis – in einem Tag möglich. Kostenpunkt: ca. 150€.
Danach stand dann der Flug zur deutschen Botschaft in Gangzhou an, um die Dokumente für den Gebrauch in Deutschland legalisieren zu lassen. Die Bearbeitung kostet ca. 150€ und dauert ca. 5 Werktage, danach werden die Dokumente per Post zugeschickt. Kosten für Flug und Unterkunft ca. 150€. Insgesamt für die Legalisierung also 300€.
Danach faxte mir meine Frau die Dokumente zu, so dass ich sie dem Standesbeamten zeigen konnte. Nach dem OK dann ab in die Post und nach Deutschland, was wiederum ein paar Tage dauert. Dann schnell zum deutschen Standesamt und das Ehefähigkeitszeugnis beantragen. Bei mir war’s in zwei Tagen fertig, typischerweise dauert es aber wohl ca. 1 Woche. Kostenpunkt: 80€. Da auf dem Ehefähigkeitszeugnis das Wort „ledig“ nicht explizit vermerkt ist, druckte mir mein Standesbeamter noch eine aktuelle Meldebescheinigung aus – kann ich jedem nur empfehlen diese mitzunehmen, hat mir sehr weitergeholfen, dazu weiter unten mehr
Anmerkung: Auf dem Informationsblatt der deutschen Botschaft in Shanghai stand, dass zur Beantragung des EFZ die Unterschriften beider Partner benötigt wird. Das wäre kompliziert geworden, da ich hätte müssen nach Shanghai fliegen um die Unterschriften „live“ im Beisein eines Mitarbeiters der Botschaft zu machen. Der Standesbeamte war da allerdings sehr offen und ihm hat meine Unterschrift genügt.
Gesamtkosten Schritt 1: ca. 800€
Gesamtdauer Schritt 1: alles in allem ca. 4-5 Wochen im Schnelldurchlauf
Schritt 2: A1-Kurs
Um später eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland zu bekommen muss eure Freundin einen offiziellen A1-Kurs besuchen. Angeboten werden diese Kurse nur in den größeren Städten, für uns kam eigentlich nur das Goethe-Institut in Shanghai in Frage. Die Erfahrungen die sie dort gemacht hat waren auch durchweg positiv, kann ich also uneingeschränkt weiterempfehlen. Dauer des Kurses: inkl. Prüfung 9-10 Wochen. Kostenpunkt: Kurs ca. 500€ plus Kosten für Wohnung. Meine Frau hat in der Jugendherberge im Viererzimmer geschlafen, was ca. 5€ pro Nacht gekostet hat. Natürlich ist auch das Essen in Shanghai teurer als zu Hause, so dass der Kurs wohl isgs. 1000€ gekostet hat.
Schritt 3: Visum und Beglaubigung der Unterlagen durch die chinesische Botschaft
Nachdem ihr das Ehefähigkeitszeugnis in euren Händen habt gibt es zwei Möglichkeiten, wie ihr dieses für den Gebrauch in China nutzbar machen könnt: Legalisierung durch die chinesische Botschaft oder Ausstellung einer Bescheinigung durch die deutsche Botschaft in Shanghai. Da wir in China nicht unnötige Zeit verlieren wollten entschieden wir uns für den ersten Weg. Konkret hieß das, das EFZ und die Meldebescheinigung (ich wollte auf Nummer sicher gehen) durch das zuständige Regierungspräsidium (in meinem Fall: Karlsruhe) beglaubigen zu lassen, durch das Bundesverwaltungsamt in Köln überbeglaubigen zu lassen, um es dann auf der chinesischen Botschaft in Frankfurt legalisieren zu können. Zeitlich hatten wir uns etwas verschätzt, ich hatte meinen Flug zu früh gebucht, weshalb alles sehr schnell gehen musste. Beglaubigung per Postweg in Karlsruhe auf dem Regierungspräsidium dauerte ca. 1 Woche (Kosten: 20€), Überbeglaubigung durch das BVA (Kosten: 20€, am selben Tag) und Legalisierung durch die chinesische Botschaft (3 Tage). Da ich für den letzten Schritt aus Zeitgründen die Hilfe einer Visaagentur in Anspruch nahm und schnelle Bearbeitung wieder einen Aufpreis bei der chinesischen Botschaft mit sich brachte kostete mich dieser Schritt knapp 250€ (inkl. Visum).
Gesamtkosten Schritt 3: ca. 300€
Gesamtdauer Schritt 3: ca. 2 Wochen
Schritt 4: Hochzeit in China
Laut unserer Informationen wäre nun eine Übersetzung des EFZ (und ggf. der Meldebescheinigung) nötig gewesen. Ausgestattet mit den Dokumenten und allen möglichen Kopien (Reisepässe etc.) versuchten wir es erstmal ohne Übersetzung und gingen direkt am zweiten Tag auf das für Ausländer zuständige Standesamt in China (in der Hauptstadt ihrer Geburtsprovinz, in unserem Fall Fuzhou). Zuerst wollten die wissen wo denn steht, dass ich ledig bin. Mit der Meldebescheinigung ausgestattet und etwas Diskussion akzeptierten sie dann meine deutschsprachigen Dokumente. Sie brauchte soweit ich mich erinnere ihr Hukou und ihre ID Card, das war alles. Das ganze Prozedere war sehr unspektakulär, wir mussten nur ein Formular am Schalter ausfüllen, die nötigen Dokumente abgeben und drei Tage später bekamen wir unsere beiden roten Heiratsbücher.
Gesamtkosten Schritt 4: ca. 50€
Gesamtdauer Schritt 4: ca. 3 Tage
Schritt 5: Dokumente nach der Hochzeit
Nachdem glücklich verheiratet mussten nun die Dokumente für (a) Beantragung der Aufenthaltsbescheinigung auf der deutschen Botschaft und (b) Anerkennung der Hochzeit in Deutschland gemacht werden. Dazu muss man Schritt eins quasi neu durchlaufen. Konkret: zuerst geht’s mit den roten Heiratsbüchern auf ein Notariat in ihrer Geburtsprovinz. Wir wollten das in Fuzhou machen, dort sagte man uns aber dass es mindestens 8 Werktage dauert. Mit Connections ging’s dann auf dem Notariat ihrer Geburtsstadt in einem Tag. Wichtig: aus den roten Heiratsbüchern müsst ihr zwei Dokumente anfertigen lassen. Einmal eine einfache Kopie inkl. deutscher Übersetzung und einmal einen Text, der besagt dass ihr verheiratet seid (eines der Dokumente benötigt ihr für die deutsche Botschaft zwecks Visum, das andere für die Anerkennung der Hochzeit später in Deutschland). Diese Dokumente mussten dann wieder durch die Ausländerbehörde in der Hauptstadt ihrer Geburtsprovinz (Fuzhou) überbeglaubigt und durch die deutsche Botschaft in Gangzhou legalisiert werden.
Gesamtkosten Schritt 5 (inkl. zwei Flügen
Gesamtdauer Schritt 5: ca. 4 Tage + 5 Tage Wartezeit bis die deutsche Botschaft die Dokumente zurückgeschickt hat
Schritt 6: Die Hochzeitsfeier
Bei all den Dokumenten darf man natürlich auch das Feiern nicht vergessen
Schritt 7: Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung bei der deutschen Botschaft
Zum Antrag der Aufenthaltsgenehmigung mussten wir dann auf die deutsche Botschaft in Shanghai, da meine Frau derzeit in Yiwu lebt, d.h. nicht mehr in der Provinz ihres Geburtsortes. Der Antrag auf Familienzusammenführungsvisum (FZF-Visum) ist kostenlos. Zudem muss man sich keinen Termin nehmen, sondern wird als Ehefrau eines Deutschen dort nun bevorzugt behandelt
Das war’s.
Zusammfassung Kosten gesamt:
- Summe obige Kosten: 2500€
- Sonstige Reiskosten und Unterkunft: geschätzt ca. 800€
- Flug nach China: 700€
Macht 4000€ plus Kosten für Hochzeitsfeier + Geschenke. Alles in allem also nicht wirklich wenig Geld. Finde es etwas ungerecht, denn wer wenig Geld hat, der hat de facto keine Chance seine chinesische Partnerin zu heiraten. Traurig, wenn man so drüber nachdenkt wie ungerecht die Welt sein kann. Ich will auch keinen abschrecken, nur denke ich es ist nützlich zu wissen, was so auf euch zukommt. In einer etwas einfacheren Situation (z.B. Partnerin, die direkt in Shanghai geboren ist und dort lebt) und wenn man sich etwas mehr Zeit lässt kann man sicherlich eine Menge Geld sparen. Auch der A1-Kurs ist nicht notwendig, wenn eure Partnerin das Gespräch auf der deutschen Botschaft problemlos in fließendem Deutsch führen kann. Wenn ihr also mehrere Jahre zusammen seid ist das einen Versuch wert (alternativ kann man auch nur die A1-Prüfung ohne Kurs machen, das kostet glaub ich ca. 80€).
Zusammenfassung Dauer gesamt:
Inklusive A1-Kurs solltet ihr vier Monate einplanen. Das ganze Prozedere in China ist bei guter Vorbereitung und mit etwas Gottvertrauen in drei Wochen zu schaffen - mehr Urlaub hatte ich nicht. Würde jedoch jedem empfehlen, sich vier Wochen+ Urlaub zu nehmen, damit ihr die neu geschlossene Ehe auch wirklich geniessen könnt. Wir waren eigentlich non-stop unterwegs und/oder mit Hochzeitsfeier-Vorbereitungen beschäftigt.
Abschliessend...
Ich wünsche euch viel Erfolg auf eurem Weg! Verzweifelt nicht ob all der Dokumente, irgendwie ist es machbar, auch wenn man oft der Verzweiflung nahe ist. Wichtig sind gute Planung und Sorgfalt, haltet euch an die offiziellen Dokumente und ruft im Zweifelsfall immer an und fragt nach. Das spart eine Menge Ärger und Probleme…



