Sind chinesische Mütter "besser"?

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.
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Ting Budong
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von Ting Budong »

Aremonus hat geschrieben: Noch einmal back to topic: Was sind die Unterschiede zwischen westlicher und chinesischer Erziehung? Inwiefern sind diese durch das Wohlstandsgefälle zu erklären?
Sind streng erzogene Personen tatsächlich weniger kreativ?
Ich hab mir den Artikel jetzt mal durchgelesen. Du kannst das nicht ernsthaft als brauchbare Erziehungsmethode in Erwägung ziehen, oder? Die Psychiatrien sind voll von Leuten, deren Kindheit auf Zwang, Überforderung und Demütigungen basiert.
Hier ist ein aktuelles Beispiel wo so etwas hinführen kann: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0 ... 81,00.html" target="_blank" target="_blank Die Erziehung ist fast exakt identisch mit der o.g.
Was die Autorin voller Stolz beschreibt ist nichts anderes als den Willen des Kindes zu brechen. Und das Kind muss dafür noch dankbar sein, weil es eine so aufopferungsvoll liebende Mutter hat. Dass da nur gestörte Menschen bei raus kommen können, kann man sich an einer Hand abzählen. Mag sein, dass McKinsey solche Leute gebrauchen kann, dem Rest der Welt bleiben sie fremd.
Das einzig Kreative, das man da erwarten kann sind Mandalas - später, in der Geschlossenen.

Ich weiß nicht was die Frau geritten hat, die seelische Misshandlung ihrer Tochter zu rühmen. Ich hoffe stark für die chinesischen Kinder, dass dies Einzelfälle sind.
Aremonus
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von Aremonus »

Natürlich würde ich mein zukünftiges Kind nie so erziehen, aber gewisse Eigenschaften würde ich mir dennoch für mein Kind wünschen, welche mir persönlich fehlen oder die ich erst unter viel Anstrengung entwickeln konnte. So fehlte mir als Kind die Disziplin, regelmässig mein Instrument zu üben, weswegen ich heute nun ein eher mässiger Musiker bin. Eltern sollten hier schon von ihrem Kind verlangen, dass es festlegt, wann es üben will und wie oft und ihm dann beim Durchziehen dieses Planes helfen. Das muss nicht heissen, das Kind "Abfall" zu schimpfen oder so - aber durchaus, sich mit dem Kind 'mal eine Stunde hinzusetzen und zu üben.

Es ist wichtig, dass das Kind begreift, dass es "ok" ist und lernt, dass auch andere Menschen "ok" sind - so entwickelt es ein gesundes Selbstbewusstsein. Aber mit der Herausforderung, bereits im Alter von 10 Jahren Entscheidungen für den Rest des Lebens (Aufwand für die Schule) zu treffen, überfordert die meisten Kinder. Hier müssen die Eltern schon einmal streng sein und eben mit dem Kind ein paar Stunden Mathe oder Latein üben. Für die meisten Eltern ist das aber zu anstrengend und dieses Verhalten kopiert das Kind dann auch.

Übrigens teile ich die Auffassung, dass ein Kind nicht lernen will, nicht: Ein Kind ist geradezu dafür geschaffen, zu lernen. Aber es ist nicht dafür geschaffen, Verantwortung zu übernehmen. Dazu sind die Eltern da, zumindest bis zu einem gewissen Alter.
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von xyz678 »

VielUnterwegs hat geschrieben: Zum Thema meinem Lebenslauf trauen: Anfang 2010 habe ich ein paar Bewerbungen verschickt und aus den Antworten sah man eigtl. schon, dass die meisten dem Lebenslauf getraut haben. ;-)
Was, du muss dich noch bewerben? :? :? :? Als ich mein Studium noch nicht mal vollständig abgeschlossen habe, lagen mir schon so einige Angebote durch Empfehlungen auf dem Tisch.

Sorry, Royaltramp. ich will dein Ego nicht weiter verletzen. Aber das Leben ist auch so schön, und man muss nicht immer der Beste sein.
On September 17, 1955, Tsien Hsue-shen:
“I plan to do my best to help the Chinese people build up the nation to where they can live with dignity and happiness.”
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VielUnterwegs
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von VielUnterwegs »

xyz678 hat geschrieben: Was, du muss dich noch bewerben? :? :? :? Als ich mein Studium noch nicht mal vollständig abgeschlossen habe, lagen mir schon so einige Angebote durch Empfehlungen auf dem Tisch.
Das eine muss das andere ja nicht ausschliessen. Ich hatte mich davor noch nie beworben und wollte da mal Erfahrung sammeln, testen wie ich im Markt eigentlich so ankomme und ob das, was man so angeboten bekommt, wirklich die Spitze des Eisberges darstellt. Selbst wenn man empfohlen wird, muss man ab einer gewissen Firmengroesse und entsprechenden Position des Jobs sowieso durch Gespraeche mit zukuenftigen Vorgesetzten, selbst wenn diese nicht formell und als Interview daherkommen. Da ist ein wenig Training nie verkehrt. :-)

Wenn sofort das perfekte Angebot auf dem Schreibtisch liegt ist das natuerlich toll, aber wohl auch ein wenig Glueckssache. Ich wollte z.B. fuer eine Weile nach Peking und das bekommt man ja nicht jeden zweiten Tag angeboten. ;-) Ich jedenfalls nicht.
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von Linnea »

Aremonus hat geschrieben:So fehlte mir als Kind die Disziplin, regelmässig mein Instrument zu üben, weswegen ich heute nun ein eher mässiger Musiker bin. Eltern sollten hier schon von ihrem Kind verlangen, dass es festlegt, wann es üben will und wie oft und ihm dann beim Durchziehen dieses Planes helfen.
Da stimme ich dir zu, denn von einem Grundschüler (typisches Alter in dem man beginnt ein Instrument zu lernen) kann man nicht wirklich erwarten, dass er täglich von sich aus übt. Ich denke aber auch, dass Eltern dem Kind von Anfang an klar machen sollten, dass es üben muss, wenn es ein Instrument lernen möchte. Allerdings glaube ich auch, dass Gruppenunterricht in Blockflöte beispielsweise sehr hinderlich ist um dies zu verstehen, weil dort zwangsweise auf den schlechtesten Rücksicht genommen wird. Spielen die Eltern hingegen selbst ein Instrument, dann kann man den Nachwuchs auch ganz schnell mit dem ersten gemeinsam gespielten Liedchen ködern und zum Üben motivieren.
Aremonus hat geschrieben:Aber mit der Herausforderung, bereits im Alter von 10 Jahren Entscheidungen für den Rest des Lebens (Aufwand für die Schule) zu treffen, überfordert die meisten Kinder. Hier müssen die Eltern schon einmal streng sein und eben mit dem Kind ein paar Stunden Mathe oder Latein üben. Für die meisten Eltern ist das aber zu anstrengend und dieses Verhalten kopiert das Kind dann auch.
Aber es ist doch nicht die Aufgabe der Eltern Aufgaben der Schule zu übernehmen. Klar muss man manches zu Hause lernen, Vokabeln zum Beispiel oder früher noch das kleine Einmaleins. Doch das Vermitteln der Unterrichtsinhalte, so dass sie vom Großteil aller Schüler verstanden werden, ist Aufgabe der Schule. Mir sträuben sich immer wieder die Nackenhaare, wenn mir Eltern davon berichten, dass sie auf Informationsabenden des Gymnasiums zu hören bekamen, dass nur intensive Mitarbeit der Eltern zum Schulerfolg der Kinder führen wird. Denn das verlangt einerseits, dass ein Elternteil höchstens halbtags berufstätig sein kann oder beim Besuch einer Ganztagesschule die verbleibende Familienzeit für die Schule verwendet werden muss, und Kinder, deren Eltern diese Nachhilfe nicht leisten können von Vornherein abgeschrieben werden.
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sammakko
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von sammakko »

Die Sache ist eben viel komplexer, als "streng versus larifari"- wie hier schon jemand angemerkt hat.
Ich bin selbst Instrumentallehrerin und ich mache die Erfahrung, dass die Kinder die besten Fortschritte machen, deren Eltern mit ihnen üben - und ihnen immer wieder positive Rückmeldungen geben.
"Mit dem Kind üben" kann ja alles mögliche heißen.
Die effektivste Art ist es, erstens, Interesse am Spiel des Kindes zu haben und dem Kind zu zeigen, dass es damit die Aufmerksamkeit der Eltern bekommt.
Zweitens, dem Kind regelmäßigkeit beizubringen, Stichwort jeden Tag üben, indem man ihm zeigt, zwei a), dass es damit gute Ergebnisse hat, und 2 b) dann stolz auf sich sein kann, weil es konsequent ist.
Drittens, die Übezeit so zu gestalten, dass das Kind zwar gefordert aber nicht überfordert wird. Denn bei Kindern ist die Zeit, in der das Gehirn aufnehmen kann, noch kürzer als beim Erwachsenen. Manche Kinder brauchen alle zwei Minuten ein kurzes Palaver, andere alle zehn Minuten eine Rede- und Herumrennpause. Denn alles, was geübt wird, nachdem das Gehirn eigentlich "voll" ist, geht extrem schwierig, da dauert es dann eine Stunde, eine Phrase zu üben, was im entspannten Zustand fünf Minuten gedauert hätte. Ich habe den Artikel nicht gelesen (mach ich vielleicht noch), aber drei Stunden mit einem Kind üben ist völliger Quark und funktioniert höchstens bei einigen wenigen Ausnahmen wie Lang Lang, der solches aus seiner Kindheit berichtete.
Viertens, das Üben sollte spielerisch gestaltet sein, fordernd, aber fröhlich, so dass für das nächste mal immer die Freude mitschwingt "hurra bald spiele ich wieder Klavier". Fünftens, wenn ein Kind eindeutig sagt, es will dieses Instrument nicht spielen, dann müssen die Eltern das respektieren, sonst wird es eine lebenslange Qual.

...............................................

Auch in dem, was "Viel Unterwegs" berichtete, sind einige Fragen offen. Anscheinend konnte er ja durch die Schule kommen, ohne dauernd allerbeste Zensuren zu schreiben. In einem System, in dem alles halbe Jahr ein Test stattfindet, der über Erfolg oder Scheitern entscheidet, hätte er mehr lernen müssen. Im Grunde genommen stimme ich ihm ja zu, dass die Freiheit das Wichtigste ist.
Nur schreibt er auch über sein Verhalten als Teenager. "Freiheit" bekommt eine andere Bedeutung, wenn die Kindheit aufhört. Für Kinder bedeutet Betreuung Sicherheit.
Und Freiheit wird zu oft mit totaler Vernachlässigung verwechselt. "Mach halt was Du willst" ist kein Zeichen für Freiheit, sondern für Gleichgültigkeit, und wer als Kind und Heranwachsender nicht darunter leidet, der muss schon ein äußerst robustes Gemüt haben. Darum bin ich absolut dafür, dass sich Eltern/Lehrer etc. für das Vorankommen des Kindes interessieren, und vorleben, dass man mit Fleiß viel erreichen kann.

Es gibt in unserer Gesellschaft auch einen immensen Druck, sich laufend zu amüsieren.
Die Frage nach dem Wochenende ist da ganz typisch "was hast Du denn am Wochenende gemacht?, da wird dann erwartet, dass man säuft, Leute trifft und Party macht, alles andere gilt als uncool. Ich zumindest sitze auch gerne zu Hause und penne, wenn ich die Woche über arbeiten musste, oder ich beschäftige mich mit interessanten Themen, für die ich sonst keine Zeit habe. Was nicht heißt, dass ich nicht gerne mal Party mache, aber eben nur ab und zu. Wenn "Viel unterwegs" seine Freiheit so ausgelebt hat, dann ist das okay, aber was ist mit den Menschen, die sich etwas anderes wünschen? Und es kann auch den Fall geben, in dem ein Kind seine Freiheit auslebt, in dem es täglich Stunden übt und lernt, obwohl die Umgebung das ziemlich seltsam findet.
So verschieden sind die Menschen :wink:
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sammakko
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von sammakko »

Uuuuaaaahhh...
jetzt hab ich auf Sueddeutsche.de gelesen, worum es geht. Die Ansichten dieser Frau sind wirklich ekelerregend.
Sie sind allerdings nicht typisch chinesisch, bzw in dieser Ausprägung auch andernorts vorhanden. Yehudi Menuhin schreibt in seiner Autobiographie, dass seine Mutter ebenso mit ihm verfahren ist... kein Schlaf, kein Trinken, solange bis das Stück fehlerfrei gefiedelt wird. Jeden Tag musste geübt werden, und wenn es in einem vollen Zug auf dem Klo war.
Als ich das damals gelesen habe, hat mich schon das Kotzen ergriffen, als ich weitergelesen habe, fiel mir auch auf, dass Menuhin als erwachsener Mensch extrem unsympatisch und naiv war. Da fiel das gute Bild, das ich bis dahin von ihm hatte, in Staub zu Boden. Total unreife Persönlichkeit.
Die Mutter war Kaukasin. Diese Methoden der Kindererziehung würde ich (wenn es schon sein muss) auch eher im russischen Raum ansiedeln. Von russischen Studenten habe ich oft gehört, wie sie gedrillt wurden.
In China ist Lernen zwar traditionell sehr hoch angesehen, aber faule Schüler die Streiche spielen hab ich auch schon in traditionellen Opern gesehen, als positive Charaktere. Reines Auswendiglernen kann auch in den Zeiten, in denen man sich regelmäßig zum Dichten traf, nicht das alleinige Ziel gewesen sein. Und auch neben dem strengen Prüfungssystem existierte immer eine "anarchistische" Daoistenrichtung... (ich bin auch kein Geschichtsproft, also entschuldigt bitte, falls das alles sehr grob gestrickt rüberkommt)
Ich meine, die meisten hier würden mir wohl zustimmen, wenn ich schreibe, dass silch eine Art der "Erziehung" (Dressur und Misshandlung wäre wohl als Begriff passender) nicht typisch chinesische Kultur sind.
Dieser Drill taucht wohl in den letzten Jahren auf, weil der Aufstieg des einzigen Kindes für die ganze Familie enorm wichtig ist, und nur eine winzige zahl an Studienplätzen frei ist.
beowulf
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von beowulf »

meine 5 cent - diese hardcore erziehungsmethoden grenzen oft an Kindesmißbrauch. Manchmal sind sie es sogar. Aber wir reden hier von Extremen. Das andere Extrem ist die totale Vernachlässigung. Alles durchgehen lassen, Mama ist die "beste Freundin", Papa nie da (Scheidung oder Beruf) oder nur physisch anwesend, Erziehung übernimmt der Fernseher oder die Kindergartentante. Finanziell werden sie unterstützt bis ins mittlere Alter und Eigenverantwortung oder Verantwortung gegenüber anderen Menschen ist ein Fremdwort.

Kenne da einige die so eine "Erziehung" genossen haben und psychisch vollkommene Wracks sind. Weder selbstständig, noch Beziehungsfähig und oft nicht einmal Lebensfähig. Dafür ausgeprägte Egoisten und ständig zwischen Narzissmus und Depression schwankend. Borderline Persönlichkeitsstörungen sind häufig die Folgen so einer Kindheit.

Das kommt bei uns im Westen sehr häufig vor, aber nicht ausschließlich. Auch in Fernost kann man soetwas antreffen.
Bernhard
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von Bernhard »

sammakko hat geschrieben:Uuuuaaaahhh...
jetzt hab ich auf Sueddeutsche.de gelesen, worum es geht. Die Ansichten dieser Frau sind wirklich ekelerregend.
......
Auch ich habe erst gestern gelesen, welches Buch der Auslöser für diese Diskussion war. Und ich stimme über weite Strecken mit dem überein, was du geschrieben hast.
OK, bei manchen Punkten weiß ich nicht genug, um da mitreden zu können.

Dass solche Phänomene erst in jüngerer Zeit aufgetreten sind, glaube ich hingegen nicht. Die Beamtenprüfungen im kaiserlichen China waren auch extrem hart. Ob da von den Eltern so ein Druck ausgeübt wurde, weiß ich nicht; es ist aber leicht vorzustellen. Jedoch betraf das damals wohl nur einen geringen Prozentsatz der Kinder und Jugendliche.
Allerdings muss man sagen: In anderen asiatischen Ländern (vor allem Japan und Korea) geht es ähnlich zu. Manche "Patrioten" sind darauf so unheimlich stolz, von wegen asiatische "meritocracy", die angeblich das Überleben Chinas als einzige alte Hochkultur gesichert habe. Ich persönlich bin eher der Meinung, man soll Kinder nicht so verheizen. Schon gar nicht seine eigenen.

Was das Buch anbelangt, so muss ich sagen: Ich habe es zwar nicht gelesen. Und bei irgendwelchen Artikeln über ein Buch muss man vorsichtig sein. Wenn es aber stimmt, was da steht, dann hat dieses Weibsbild ihre Töchter "gefördert" (man könnte auch sagen, misshandelt), solange sie sehr jung waren; als sie älter waren, war sie wohl zu schwach, um sich gegen sie durchzusetzen. Ein wahrhaft heroischer Charakterzug... Für mich hat diese Frau kein Niveau.
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von Aremonus »

die angeblich das Überleben Chinas als einzige alte Hochkultur gesichert habe.
Nunja, die chinesische Hochkultur hat ja nicht wirklich überlebt - seit 60 Jahren ist China ja irgendwie ein bisschen kommunistisch geprägt, wie manch einer behaupten würde...
Aber in den letzten 20 Jahren wurde das Land auch immer wie westlicher.

Interessanterweise habe ich eigentlich die gegenteilige Beobachtung gemacht: im Westen herrscht der Gedanken der Meriotkratie viel ausgeprägter vor als in Asien. Während man hierzulande sich über seine Fähirgkeiten rechtfertigen muss, so sind Qualifikationen in Asien (vielleicht abgesehn von Japan..) oft nur von untergeordneter Bedeutung, viel wichtiger sind Beziehungen.
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von beowulf »

Aremonus hat geschrieben:
die angeblich das Überleben Chinas als einzige alte Hochkultur gesichert habe.
Nunja, die chinesische Hochkultur hat ja nicht wirklich überlebt - seit 60 Jahren ist China ja irgendwie ein bisschen kommunistisch geprägt, wie manch einer behaupten würde...
Aber in den letzten 20 Jahren wurde das Land auch immer wie westlicher.

Interessanterweise habe ich eigentlich die gegenteilige Beobachtung gemacht: im Westen herrscht der Gedanken der Meriotkratie viel ausgeprägter vor als in Asien. Während man hierzulande sich über seine Fähirgkeiten rechtfertigen muss, so sind Qualifikationen in Asien (vielleicht abgesehn von Japan..) oft nur von untergeordneter Bedeutung, viel wichtiger sind Beziehungen.
Tut mir leid wenn ich das sagen muss, aber diese Aussage (chinesische Kultur existiert nicht mehr, ist jetzt kommunistisch und westlich geprägt) ist für mich immer ein eindeutiges Signal dafür, dass die betroffene Person über keinerlei China Kenntnisse verfügt.
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von Aremonus »

Tut mir leid wenn ich das sagen muss, aber diese Aussage (chinesische Kultur existiert nicht mehr, ist jetzt kommunistisch und westlich geprägt) ist für mich immer ein eindeutiges Signal dafür, dass die betroffene Person über keinerlei China Kenntnisse verfügt.
Ich sprach von der chinesischen Hochkultur - das IMMER eine Kultur existiert, wenn eine Gruppe von Menschen zusammenlebt, liegt ja auf der Hand. Aber heute ist die chinesische Gesellschaft ganz anders als vor 50 Jahren. Und vor 100 Jahren war sie wiederum ganz anders.

Man kann natürlich auch sagen, dass die römische und die griechische Hochkultur weiter existiert - schliesslich dominieren das Christentum und das römische Recht weite Teile der Welt (letzters sogar auch China, zumindest in der Theorie). Aber das Weltverständnis hat sich grundlegend gewandelt, weswegen wir definitiv nicht mehr die römische Kultur von vor 2000 Jahren haben.

Ich definiere den Begriff aber auch konstruktivistisch - wenn man einfach von einer arbeitsteiligen Gesellschaftsordnung ausgeht, wie dies manche Historiker tun, existiert natürlich überall auf der Welt eine Hochkultur.

Ohne jetzt Schulmeistern zu wollen... aber Geisteswissenschaften sind keine Naturwissenschaften, wo man alles sofort als "richtig" oder "falsch" abstempeln kann. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, komplexen Sachverhalten eine Struktur zu geben und, sollte diese nicht zu einer anderen Struktur kompatibel sein, Schnittstellen herzustellen.
Daher ist es wichtig zu Fragen: Wie definierst Du denn den Begriff "Hochkultur". Wann begann nach dieser Definition die chinesische Hochkultur, wann hörte sie auf - wann hört eine Hochkultur allgemein auf zu existieren?
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von VielUnterwegs »

sammakko hat geschrieben: Auch in dem, was "Viel Unterwegs" berichtete, sind einige Fragen offen. Anscheinend konnte er ja durch die Schule kommen, ohne dauernd allerbeste Zensuren zu schreiben. In einem System, in dem alles halbe Jahr ein Test stattfindet, der über Erfolg oder Scheitern entscheidet, hätte er mehr lernen müssen. Im Grunde genommen stimme ich ihm ja zu, dass die Freiheit das Wichtigste ist.
Nur schreibt er auch über sein Verhalten als Teenager. "Freiheit" bekommt eine andere Bedeutung, wenn die Kindheit aufhört. Für Kinder bedeutet Betreuung Sicherheit.
Und Freiheit wird zu oft mit totaler Vernachlässigung verwechselt. "Mach halt was Du willst" ist kein Zeichen für Freiheit, sondern für Gleichgültigkeit, und wer als Kind und Heranwachsender nicht darunter leidet, der muss schon ein äußerst robustes Gemüt haben. Darum bin ich absolut dafür, dass sich Eltern/Lehrer etc. für das Vorankommen des Kindes interessieren, und vorleben, dass man mit Fleiß viel erreichen kann.
Natuerlich bin ich durch die Schule gekommen ohne immer 1er zu schreiben, und so soll es auch sein. Haette ich alle halbe Jahr einen knallharten Test schreiben muessen, dann haette ich mehr lernen muessen. Nur haette es mir, meiner Meinung nach, nichts gebracht. Deswegen klage ich diese Art des Bildungssystems ja auch an. Es gibt absolut keinen Grund alle durch so eine Art Bildungshoelle zu pruegeln. Das macht die Menschen weder gebildeter, schlauer noch sonstwie besser. Es mag schon sein, dass das viele Gesellschaften in Suedostasien so betreiben, es wird dadurch nicht besser.

Zum Thema Vergnuegungszwang. Das ist natuerlich auch nicht gut. Ich habe auch viel Zeit mit Buechern auf dem Bett verbracht. Das hat mich sicher mehr gebildet als manche Stunde Mathe lernen. Natuerlich darf man seine Kinder nicht vernachlaessigen, erzogen werden muss der Nachwuchs in jedem Fall. Totale und absolute Kontrolle bei der das Kind als eigenstaendige Person negiert wird ist aber kein Erziehung.
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von beowulf »

Aremonus hat geschrieben:
Tut mir leid wenn ich das sagen muss, aber diese Aussage (chinesische Kultur existiert nicht mehr, ist jetzt kommunistisch und westlich geprägt) ist für mich immer ein eindeutiges Signal dafür, dass die betroffene Person über keinerlei China Kenntnisse verfügt.
Ich sprach von der chinesischen Hochkultur - das IMMER eine Kultur existiert, wenn eine Gruppe von Menschen zusammenlebt, liegt ja auf der Hand. Aber heute ist die chinesische Gesellschaft ganz anders als vor 50 Jahren. Und vor 100 Jahren war sie wiederum ganz anders.

Man kann natürlich auch sagen, dass die römische und die griechische Hochkultur weiter existiert - schliesslich dominieren das Christentum und das römische Recht weite Teile der Welt (letzters sogar auch China, zumindest in der Theorie). Aber das Weltverständnis hat sich grundlegend gewandelt, weswegen wir definitiv nicht mehr die römische Kultur von vor 2000 Jahren haben.

Ich definiere den Begriff aber auch konstruktivistisch - wenn man einfach von einer arbeitsteiligen Gesellschaftsordnung ausgeht, wie dies manche Historiker tun, existiert natürlich überall auf der Welt eine Hochkultur.

Ohne jetzt Schulmeistern zu wollen... aber Geisteswissenschaften sind keine Naturwissenschaften, wo man alles sofort als "richtig" oder "falsch" abstempeln kann. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, komplexen Sachverhalten eine Struktur zu geben und, sollte diese nicht zu einer anderen Struktur kompatibel sein, Schnittstellen herzustellen.
Daher ist es wichtig zu Fragen: Wie definierst Du denn den Begriff "Hochkultur". Wann begann nach dieser Definition die chinesische Hochkultur, wann hörte sie auf - wann hört eine Hochkultur allgemein auf zu existieren?

Der Begriff Hochkultur stammt aus der Geschichtswissenschaft und bezeichnet frühe Gesellschaftsordnung die sich von ihrem vergleichsweisen weiten Fortschritt zu anderen angrenzenden Kulturen auszeichnet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hochkultur ... nschaft%29

Bei den Kritierien welche Kulturen als Hochkulturen anzusehen sind, gibt es natürlich unterschiedliche Auslegungen. Auch wann die jeweilige aufgehört hat zu existieren etc.

Das ist aber hier alles nicht wichtig. Was wichtig ist, ist dass wir es hier mit einem Geschichtswissenschaftlichen Begriff zu tun haben der sich auf frühe Gesellschaftsordnungen bezieht. In der Umgangssprache und auch Soziologie kommt es dann hier und dort zu einer Entlehnung des Begriffs. Zum Beispiel Gegenüberstellung Populärkultur (z.B. Britney Spears) und Hochkultur (z.B. Mikis Theodorakis). Aber das ist hier auch nicht von Bedeutung.

Deine Argumentation klingt wie ein Vorwurf, dass das antike Rom ein pulsierender Meltingpool war, indem militärische, politische und intellektuelle Hochleistungen erreicht wurden, während heute Rom eine durchschnittliche Großstadt ist, welche von Geltragenden Vespafahrern bevölkert wird.
Klingt stark nach einer Verklärung der Vergangenheit + Abwertung der Gegenwart. Das du natürlich hier gleich einen Schuldigen ausmachst (Kommunismus), schiebt dein Kommentar in den Bereich politische Polemik.

Was zum Thema China und chinesischer Hochkultur noch gesagt werden muss, ist, dass es eine ausgeprägte Kontinuität trotz der Veränderungen und äußerer Einflüsse gibt. Ein klarer Bruch mit der frühen Hochkultur (wie er z.B. bei anderen Hochkulturen herrscht - siehe Ägyptische Hochkultur und heutiges Ägypten, antikes Rom und heutiges Rom, minoische Kultur und heutiges Kreta etc.) herrscht hier nicht vor. Ähnliches gilt auch für hinduistische Kulturen. Es existiert nach wie vor ein hoher Identifikationsgrad mit der Vergangenheit.

Deswegen war auch der "Kommunismus" in China immer anders als bei uns. Mao griff bei seiner Widerspruchstheorie nicht alleine auf die im Marxismus verbreitete Hegelsche Dialektik zurück sondern auch auf das holistische Yin-Yang Denken des Daoismus. Wir haben es also hier immer mit einer stark adaptierten Form zu tun. Ähnlich wie auch z.B. das Christentum in Korea stark konfuzianische und sogar schamanistische Züge aufweist. Ironischerweise war sogar die Kulturrevolution sehr chinesisch, da sich hier stark ähnliche Handlungs- und Denkmuster wie bei anderen chinesischen Sektenaufständen welche China quer durch die Geschichte plagten, vorfinden lassen. Das bedeutet natürlich nicht, dass China einer streng zyklischen Geschichtsentwicklung unterliegt (wie oft argumentiert wird). Diese Vorstellung ist auch zu einfachk, aber die Kontinuität wurde durch den Kommunismus nicht unterbrochen. Kann man in der erneuten ausgeprägten öffentlichen "Renaissance" (setze es hier unter Anführungszeichen, da diese nie weg waren) altchinesischer Philosophien, Religionen und Weltanschauungen (Konfuzianismus, Daoismus, meinetwegen auch Buddhismus etc.) in China auch jetzt sehr schön sehen.
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Re: Sind chinesische Mütter "besser"?

Beitrag von Bernhard »

beowulf hat geschrieben: Was zum Thema China und chinesischer Hochkultur noch gesagt werden muss, ist, dass es eine ausgeprägte Kontinuität trotz der Veränderungen und äußerer Einflüsse gibt. Ein klarer Bruch mit der frühen Hochkultur (wie er z.B. bei anderen Hochkulturen herrscht - siehe Ägyptische Hochkultur und heutiges Ägypten, antikes Rom und heutiges Rom, minoische Kultur und heutiges Kreta etc.) herrscht hier nicht vor.
Ja, das ist ungefähr das, was ich gemeint habe.

Die Tatsache, dass das so ist, wird von einigen "Patrioten" auf die Tatsache zurückgeführt, dass in Asien immer der Gedanke geherrscht habe "nur wer was leistet und seine Fähigkeit unter Beweis stellt, kann auch was zu sagen haben". Im Gegensatz zu der westlichen Welt, wo die die Vorstellung vom Wert des Individuums ungeachtet seiner Absichten und Fähigkeiten dazu geführt habe, dass der "Mob" das Land regiere. Was oftmals in der Geschichte zu blutigen Aufständen, Kriegen und zivilisatorischem Niedergang geführt habe. Ähnliche Gedanken sind wohl auch hier im Forum schon angeklungen.

Allerdings glaube ich doch noch nicht, dass man japanische bzw. koreanische (und zum Teil auch chinesishe) Zustände braucht, um seine Kultur am Leben zu halten. Was da teilweise abläuft, ist wirklich nicht mehr tragbar. Und komischerweise oft nicht einmal effektiv.
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