Die Sache ist eben viel komplexer, als "streng versus larifari"- wie hier schon jemand angemerkt hat.
Ich bin selbst Instrumentallehrerin und ich mache die Erfahrung, dass die Kinder die besten Fortschritte machen, deren Eltern mit ihnen üben - und ihnen immer wieder positive Rückmeldungen geben.
"Mit dem Kind üben" kann ja alles mögliche heißen.
Die effektivste Art ist es, erstens, Interesse am Spiel des Kindes zu haben und dem Kind zu zeigen, dass es damit die Aufmerksamkeit der Eltern bekommt.
Zweitens, dem Kind regelmäßigkeit beizubringen, Stichwort jeden Tag üben, indem man ihm zeigt, zwei a), dass es damit gute Ergebnisse hat, und 2 b) dann stolz auf sich sein kann, weil es konsequent ist.
Drittens, die Übezeit so zu gestalten, dass das Kind zwar gefordert aber nicht überfordert wird. Denn bei Kindern ist die Zeit, in der das Gehirn aufnehmen kann, noch kürzer als beim Erwachsenen. Manche Kinder brauchen alle zwei Minuten ein kurzes Palaver, andere alle zehn Minuten eine Rede- und Herumrennpause. Denn alles, was geübt wird, nachdem das Gehirn eigentlich "voll" ist, geht extrem schwierig, da dauert es dann eine Stunde, eine Phrase zu üben, was im entspannten Zustand fünf Minuten gedauert hätte. Ich habe den Artikel nicht gelesen (mach ich vielleicht noch), aber drei Stunden mit einem Kind üben ist völliger Quark und funktioniert höchstens bei einigen wenigen Ausnahmen wie Lang Lang, der solches aus seiner Kindheit berichtete.
Viertens, das Üben sollte spielerisch gestaltet sein, fordernd, aber fröhlich, so dass für das nächste mal immer die Freude mitschwingt "hurra bald spiele ich wieder Klavier". Fünftens, wenn ein Kind eindeutig sagt, es will dieses Instrument nicht spielen, dann müssen die Eltern das respektieren, sonst wird es eine lebenslange Qual.
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Auch in dem, was "Viel Unterwegs" berichtete, sind einige Fragen offen. Anscheinend konnte er ja durch die Schule kommen, ohne dauernd allerbeste Zensuren zu schreiben. In einem System, in dem alles halbe Jahr ein Test stattfindet, der über Erfolg oder Scheitern entscheidet, hätte er mehr lernen müssen. Im Grunde genommen stimme ich ihm ja zu, dass die Freiheit das Wichtigste ist.
Nur schreibt er auch über sein Verhalten als Teenager. "Freiheit" bekommt eine andere Bedeutung, wenn die Kindheit aufhört. Für Kinder bedeutet Betreuung Sicherheit.
Und Freiheit wird zu oft mit totaler Vernachlässigung verwechselt. "Mach halt was Du willst" ist kein Zeichen für Freiheit, sondern für Gleichgültigkeit, und wer als Kind und Heranwachsender nicht darunter leidet, der muss schon ein äußerst robustes Gemüt haben. Darum bin ich absolut dafür, dass sich Eltern/Lehrer etc. für das Vorankommen des Kindes interessieren, und vorleben, dass man mit Fleiß viel erreichen kann.
Es gibt in unserer Gesellschaft auch einen immensen Druck, sich laufend zu amüsieren.
Die Frage nach dem Wochenende ist da ganz typisch "was hast Du denn am Wochenende gemacht?, da wird dann erwartet, dass man säuft, Leute trifft und Party macht, alles andere gilt als uncool. Ich zumindest sitze auch gerne zu Hause und penne, wenn ich die Woche über arbeiten musste, oder ich beschäftige mich mit interessanten Themen, für die ich sonst keine Zeit habe. Was nicht heißt, dass ich nicht gerne mal Party mache, aber eben nur ab und zu. Wenn "Viel unterwegs" seine Freiheit so ausgelebt hat, dann ist das okay, aber was ist mit den Menschen, die sich etwas anderes wünschen? Und es kann auch den Fall geben, in dem ein Kind seine Freiheit auslebt, in dem es täglich Stunden übt und lernt, obwohl die Umgebung das ziemlich seltsam findet.
So verschieden sind die Menschen
