Außerdem ist ein "burn out" vor allem ein emotionales Problem. Hierzulande haben die Lehrer so ziemlich jeden gegen sich. Die Schüler, die Eltern, die Öffentlichkeit. In China ist das anders. Das dürfte der eigentliche Grund sein. Obwohl es die Lehrer in China auch nicht leicht haben.
Das ist auch etwas, was ich nicht verstehen kann... warum tun Lehrer bei uns alles, um möglichst eine autoritäre Kultur, die überhaupt nicht der Zeit entspricht, zu etablieren und beklagen sich dann, wenn die Schüler sich wehren? Meine Lehrer verlangten sogar, dass wir sie siezen, während sie uns duzten! Die konnten mich gern haben...
Das möchte ich mal bezweifeln. Nach meiner bescheidenen Erfahrung als Schüler sind es in der Mehrheit nicht die besonders Begabten, die sich auffällig verhalten und Stress mit den Lehrern bekommen.
Naja, das war zumindest in meinem persönlichen Fall so. Ich war ein enfant terrible, da ich dem Schulpsychologen zufolge zwar einen extrem hohen IQ hatte - was der aber nicht messen konnte war Empathie - und die war bei mir in jungen Jahren kaum vorhanden. So konnte ich beispielsweise nicht verstehen, warum lehrer sich angegriffen fühlten, wenn ich sie korrigierte, und entsprechend zurückschossen. Ich für meinen Teil konnte es nie akzeptieren, wenn Lehrer Falsches erzählten und habe sie immer bloss gestellt (während manche Lehrer ständig z.B. anti-AKW propaganda machten, da das eben in ihrer Jugend "in" war und sie hofften, wieder eine Bewegung unter den Schülern aufzubauen, und dabei nicht einmal den Unterschied zwischen einem Leichtwasser- und einem Gravitreaktor kannten...) Naja, da war Stress mit den Lehreren vorprogrammiert. Ich schwänzte, wie gesagt, auch ständig, was die Sache nicht einfacher machte - erst im Gymi hat man mich dann nebenbei zur Uni geschickt und dann hatte ich die perfekte Ausrede zum Schwänzen einerseits und zum Diskutieren andererseits
Ich denke, dass das Hauptproblem darin besteht, dass "intelligent" einfach ein extrem positiv behafterer Term in unserer Kultur ist - dabei wird wenig differenziert (Intelligenz ist bei uns nur Abstrahierungsvermögen). Das führt zu Neid und das wiederum dazu, dass man es als Schüler extrem schwer hat, Leistung einerseits gegenüber dem Lehrer (so sie nicht genau der Linie des Lehrers entspricht) und andererseits gegenüber den Kommilitonen zu rechtfertigen. Mir gelang dies lange Zeit nicht und das führte sogar dazu, dass ich mich, als ich langsam in die Pubertät kam, vor Leistung zu fürchten begann und dachte, ich muss schlechtere Noten schreiben, um von denen Leuten, die mir wichtig waren, akzeptiert zu werden. Akzeptiert wurden die, die sich gegen die unterdrückende Autorität (=Lehrer) wandten, womit meine dominante Strategie klar war.
Ich finde so etwas auf jeden Fall besser als die leidigen Aufnahmeprüfungen, die es in vielen anderen Ländern gibt
Ich verlange auch nicht einen Gaokao, aber beispielsweise gewisse Mindesqualifikationen (z.B. Niveau C1 englisch, B2 französisch, einen gewissen Standard an mathematischen Kenntnissen und so weiter...)
Die müssen ja nicht an einem einzigen Tag geprüft werden - denkbar wäre sogar, dass man einfach irgendwann während seiner Gymikariere zeigen muss, dass man die Kenntnisse besitzt und die Prüfung, falls es nicht klappt, im nächsten Semester wiederholt.
Aber ich möchte hier nicht normativ Lösungen suchen, dafür fehlt mir das hintergrundwissen - ich deute nur auf Missstände.
Aber das ist in jedem Land so, schätze ich mal.
In jedem Land ausser in der Schweiz, wo die Noten überhaupt keinen Einfluss haben (ausser man will ins Ausland).
Ok, aber das war dann persönliches.... Mismanagement. Wenn man weiß, was davon abhängt, dann liegt es an einem selber, was man daraus macht. Bei meinen Studienkollegen war es zumindest so, dass sie sehr wohl wussten, was davon abhing.
Aremonus hat geschrieben:
2. Man kann auch mit wenig Mittel eine gute Bildungsperformance im Schulberreich erreichen, ohne dass die Lehrerschaft einen "Burn out" von ihren 25 Lektionen Unterricht pro Woche kriegt.
Bei dem ersten Halbsatz hast du meine volle Zustimmung. Bei dem zweiten nur sehr bedingt. Die Lehrer in China haben bestimmt viel mehr Schüler. Wie dort die Unterrichtsmethoden allgemein sind, weiß ich nicht. Aber dass sie so sind wie hier, bezweifle ich.
Außerdem ist ein "burn out" vor allem ein emotionales Problem. Hierzulande haben die Lehrer so ziemlich jeden gegen sich. Die Schüler, die Eltern, die Öffentlichkeit. In China ist das anders. Das dürfte der eigentliche Grund sein. Obwohl es die Lehrer in China auch nicht leicht haben.
Aremonus hat geschrieben:
Meines Erachtens haben wir zu stark Angst vor Wettbewerb: oft möchte man die Kinder nicht "zu stark unter Druck setzen" und "weniger Begabte integrieren"
Meine bescheidene Meinung ist, dass man Kinder Kinder sein lassen soll. Kinder sollten in erster Linie eine unbeschwerte Kindheit haben und lernen, dass auch andere Dinge im Leben wichtig sind als Leistung. Ich hatte das Glück, nie unter Druck gesetzt worden zu sein. Manche meiner Klassenkameraden hatten Sorgen wie: "In dieser Klassenarbeit muss ich mindestens eine vier plus schreiben, sonst krieg ich im Zeugnis keine vier, und dann kriege ich massiven Ärger mit meinen Eltern." Ich fand das immer schrecklich....
Es ist wichtig, dass Kindern Gewissenhaftigkeit und ein geschüttelt Maß an Pflichtgefühl beigebracht wird. Sie sollten lernen, dass man sein Bestes geben und seine Aufgaben gewissenhaft erfüllen soll. Aber ihnen von klein auf eine Ellenbogen-Haltung einzuimpfen, davon halte ich gar nichts. Eine Art spielerischen Ehrgeiz schließt das natürlich nicht aus.
Aremonus hat geschrieben:
Begabte Schüler langeweilen sich im Unterricht zu Tode, verhalten isch auffällig und bekommen Stress mit den Lehreren.
Das möchte ich mal bezweifeln. Nach meiner bescheidenen Erfahrung als Schüler sind es in der Mehrheit nicht die besonders Begabten, die sich auffällig verhalten und Stress mit den Lehrern bekommen.
Aremonus hat geschrieben:
Würde man mehr Leistungsniveaus machen, könnte man weniger Begabte gezielter fördern - auch schon in der Primarschule!
Wie du wahrscheinlich weißt, wird in Deutschland nach der 4. Klasse selektiert. Was allgemein aber als kontraproduktiv und dringen reformbedürftig erachtet wird.
Aremonus hat geschrieben:
In der Schweiz ist das Problem ganz extrem: bei uns darf jeder an jede Uni, der einen Gymiabschluss hat.
Wo ist das Problem? Ich finde so etwas auf jeden Fall besser als die leidigen Aufnahmeprüfungen, die es in vielen anderen Ländern gibt. Es ist gerechter, weil die Leistungen über einen Zeitraum von zwei Jahren gewertet werden, und nicht von ein oder zwei Tagen. Und es führt zu weniger Stress (ok, für dich vielleicht kein Argument, aber für mich schon).
Aremonus hat geschrieben:
Entsprechend hat man überhaupt keinen Druck im Gymnasium - man macht Parties, macht Dummheiten die einem das ganze Leben zerstören können und ist in dem Alter etwas orientierungslos - Arbeiten lohnt sich ja sowieso nicht.
Studenten machen auch Parties. Sie sind ja geradezu dafür bekannt. Aber das eine schließt das andere nicht aus.
Das mit dem "Arbeiten lohnt sich ja sowieso nicht" stimmt in gewisser Hinsicht schon. "Lohnen" tut es sich nur dann, wenn die Noten spürbare Konsequenzen haben. Wie es in Deutschland in den letzten beiden Jahren des Gymnasiums der Fall ist. Aber das ist in jedem Land so, schätze ich mal.
Aremonus hat geschrieben:
Fleiss musste ich dann während dem Studium schmerzlich lernen, war Anfangs zu faul und habe meine Mitbewohner auch angestiftet zum Faul sein - sodass diese das erste Jahr wiederholen mussten.
Ok, aber das war dann persönliches.... Mismanagement. Wenn man weiß, was davon abhängt, dann liegt es an einem selber, was man daraus macht. Bei meinen Studienkollegen war es zumindest so, dass sie sehr wohl wussten, was davon abhing.
Das sehe ich anders - Selbstdisziplin und die Fähigkeit, sich seine Zeit einteilen zu können, müssen erst entwickelt werden - und dabei sind sie so wichtig für das Studium. Gerade so etwas sollte doch bereits im Gymnasium gefördert werden.
Für mich besteht der Hauptunterschied zu China darin, dass man in Europa für gute Noten nicht bewundert, sondern gehasst wird und dass die Lehrer bei uns "von oben herab" 'rumbefehlen, was dazu führt, dass man den Lehrer als Gegner und nicht als Coach wahrnimmt.
In China werden die Lehrer danach bezahlt, wie gut ihre Schüler in den Prüfungen (die jeweils Schulweit stattfinden) abschneiden - die Lehrer haben also ein vitales Interesse an einem guten Unterricht. Bei uns hingegen erhält ein Lehrer Ende Monat stets denselben Lohn, womit seine dominante Strategie bereits klar ist: mit möglichst wenig Aufwand durch den Tag zu kommen. Und das merkt jeder Schüler.
Ich sage nicht, dass wir das chinesische System blind kopieren sollen - aber wir sollten zumindest die Vorteile desselben analysieren und schauen, was wir lernen können.