Bernhard hat geschrieben:..
Ohne das weiter belegen zu können, fühle ich eine gewisse Überheblichkeit von Seiten des Verfassers. Und wenn man die Gesprächsendung nicht gesehen hat, weiß man auch nicht, ob alles korrekt und ausgewogen wiedergegeben wird.
Ja. Der ist aber immer so. Die Sendung ist eine englischsprachige Sendung auf CCTV9. Das ist sie:
http://english.cntv.cn/program/dialogue ... 2651.shtml" target="_blank" target="_blank
Aber wenn dem so war, würde mich interessieren, was man von Wolfgang Kubin zu halten hat.
Er scheint sich in der chinesischen Literatur ja sehr gut auszukennen, was ihm anscheinend auch von allen Seiten bescheinigt wird. Und es ist klar, dass ein Literaturkritiker kritisiert. Und vielleicht ist die chinesische Literaturszene zur Zeit seicht und kommerzialisiert (ich kann das nicht beurteilen).
Aber seine Theorien zu Moderne und Leiden und seine Verklärung der Zustände bis zum elften Jahrhundert wirken auf mich doch etwas bizarr. Wenn er kein anerkannter Sinologe wäre, würde ich fast sagen: verdächtig

Naja, Wolfgang Kubin ist ein alter Herr, der tatsächlich ein wenig weltfremd ist. Ich gebe ihm aber recht, dass ein richtiger Schriftsteller nicht schreibt, was andere von ihm verlangen. Arnold Schönberg hat einmal geschrieben "Ein Komponist komponiert nicht, weil er will, sondern weil er muß." Das trifft auch auf einen Schriftsteller zu, soweit er nicht Lohnschreiber oder Unterhaltungs-Kunsthandwerker ist.
Ich kenne die chinesische Gegenwartsliteratur nicht gut genug. Aber Wolfgang Kubins Urteil scheint mir nicht unplausibel. Ein Schriftsteller, der nach dem Publikumsgeschmack schreibt, hat in China den grössten Literaturmarkt der Welt, grösser als der englisch-amerikanische, der seinerseits grösser ist als der spanische, danach kommen nur kleine Märkte. Das erlaubt den Kunsthandwerkern riesige Auflagen und entsprechende Margen.
Meine obige Unterscheidung zwischen Künstler und Kunsthandwerker kann aber auch brüchig oder falsch sein. Die von uns so bewunderten Kunstwerke der klassischen Antike und des alten Ägypten waren Auftragsarbeiten, die Künstler hatten keine Freiheit der Kunst, auch nicht die Künstler, die die Terrakottaarmee geschaffen haben. Und in Stanislaw Lems berühmten Essay "Science Fiction. Ein hoffnungsloser Fall" endet nach einer schonungslos ernüchternden Analyse der niederschmetternden Qualität und Produktionsbedingungen des Genre mit einer Laudation auf Philip K. Dick, den man in der Tat als wichtigen Gegenwartsschriftsteller sehen kann.
Aber schau Dir die Sendung an. Mir hat es Spass gemacht. Der Yang Rui ist aber wirklich hochgegangen, als Kubin das mit dem Markt gesagt hat.
Gruss, a^2