Topas hat geschrieben:
Ich finde es ganz und gar für Sinnvoll ethische Normen und Wertansätze allgemeingültig festzuschreiben. Ansonsten verfolgt jede Interessenslobby ihre eigenen Wertgrundsätze, mit ihren eigenen Argumenten nach gutdünken. Ein Beispiel : Nur weil es sich bei unseren Kinden um Nachwuchs handelt, darf trotzdem noch lange kein Phädophiler sie für eigene Zwecke misbrauchen !
Eine Gesellschaft braucht gemeinsame Wert und Normanasätze. Ansonsten macht jeder was er will.
Ich halte das Beispiel für geschmacklos und schwachsinnig und den Ansatz für Stuss. Die Werte und Verhaltensregeln und Übereinkünfte entwickeln sich aus dem gesellschaftlichen Zusammenleben, nicht umgekehrt. Dadurch, dass Menschen in Wirtschaftsgesellschaften zusammenleben, kommunizieren, produzieren und sich austauschen, entwickeln sie Regeln und Übereinkünfte. Die Werte sind der dogmatische Überbau über pragmatisch längst Festgelegtem.
Das heisst nicht, dass solche Festlegungen völlig ohne Wert und Sinn wären, die Kodifizierung von Regeln in Form von Gesetzen ist ein wohl zwangsläufige Entwicklung in komplexen arbeitsteiligen Gesellschaften. Und die Einigung auf gemeinsame Wertvorstellungen, die die Reflexions- und Erkenntnisprozesse der Menschen über ihr Zusammenleben auf der gegebenen gesellschaftlichen Entwicklungsstufe widerspiegeln, kann integrierend und friedensstiftend wirken.
Kann - muss nicht. Von der Werthaltung und Wertübereinkunft bis zur Ideologie - sei sie religiös oder nicht - ist der Schritt nicht gross. Werte können nicht nur integrieren, sondern auch ausschliessen und ausgrenzen, sie liefern das gute Gewissen noch zu den scheusslichsten Verbrechen.
Um auf das geschmacklose Beispiel zurückzukommen: Allgemein gültig, praktisch überall auf der Welt, ist das Verbot sexueller Beziehungen mit nach den jeweiligen Regeln Minderjährigen. Deshalb sind die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaften, die ein Alter von 10-12 Jahren (je nach körperlicher Entwicklung) als legitimes Heiratsalter ansahen, nicht rückwirkend Gesellschaften von Perversen und Pädophilen. Das Konzept der Kindheit als abgeschlossener schutzbedürftiger Entwicklungsphase ist ein Produkt der Moderne. Vorher betrachtete man das Fortpflanzungsalter von Menschen nicht prinzipiell anders als das von Kühen oder Pferden und Kinder als kleine, nicht ganz fertige Erwachsene.
Unsere Wertvorstellungen heute sind anders, sie sind unseren Gesellschaften angemessen und spiegeln auch zum Teil ein tieferes und besseres Verständnis in menschliche Reifungs- und Entwicklungsprozesse wider. Sie sind aber nicht per se "besser" im Sinne absoluter moralischer Überlegenheit. Ein solches Verständnis ist vielmehr der Stoff, aus dem Kriege und Pogrome gemacht sind.
Nebenbei gesagt hat das mit Tölenfressen nicht mehr viel zu tun.
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