Du verwechselst Einfachheit und Gerechtigkeit. Das einfachste System wäre der Steuereinzug ausschliesslich über Umsatzsteuern, ohne Ausnahmen oder Absetzmöglichkeiten. Es wäre zugleich auch das ungerechteste. Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen ist zwar verständlich, geht aber in einer komplexen Gesellschaft fehl. Einfache Lösungen für komplexe Probleme sind so gut wie immer falsch.
Einfachheit und Gerechtigkeit muessen sich nicht ausschliessen. Komplexe Probleme lassen sich auch mit Einfachheit loesen. Bestes Beispiel ist die Abgeltungssteuer. Hier wird die Steuer direkt nach dem Kapitalgeschaeft abgefuehrt. Es gibt einen einheitlichen kalkulierbaren Steuersatz. Der Betrag wird separat ausgewiesen. Der Aufwand fuer den Nachweis einsteht bei der Bank. Ueber die Hoehe laesst sich wegen der Ueberschaubarkeit auch ein gesellschaftlicher Konsens erzielen. Schoen waere, wenn man fuers Finanzamt jetzt nicht noch zusaetzlich Papier stapeln muesste. Nachweis ist bei der Bank vorhanden, das Geld ist bereits versteuert und weil das Geld bereits transferriert ist, muss sich der Verursacher des Geschaefts, nicht vorwerfen lassen, irgendeinen wirren Paragraphen aus deutscher Steuergeschichte nicht beachtet zu haben.
Ulkig, oder genauer, pervers ist eher, wenn das parasitäre und kriminelle Handeln eines Personenkreises, der beim "Diebstahl" eines Brötchens, das sonst in der Tonne landet, fristlos kündigt und von "Vertrauensbruch" schwafelt, dann als eine Art Widerstandshandlung zu verkaufen versucht wird. Es sind die gleichen Leute, die nicht nur rücksichtslos jeden Vorteil wahr nehmen, sondern noch darüber hinaus bescheissen, lügen und betrügen und dann aus ihrem Beschiss und ihren Lügen das "Recht" ableiten, den Ärmsten die Butter vom Brot zu nehmen, sie als Sozialbetrüger zu diffamieren und die ehrlichen Steuerzahler zu bestehlen.
Das passt nicht ganz zum Thema. Egoistisches Handeln ist unabhaengig von der sozialen Schicht. Die Dame ist schliesslich zunaechst einmal ihrem egoistischen Fressinstinkt gefolgt und das obwohl sie dieses zusaetzliche Mahl nicht noetig haette, was auch nicht gerade ein soziales Verhalten darstellt.
Trotzdem, es wuerde wohl jeder mit normalem Gerechtigkeitssinn in so einem Fall trotzdem gegen den Unternehmer entscheiden. Weil die Kuendigung hier unverhaeltnismaessig ist. Hoffentlich werden wegen dieser Geschichte nicht noch 20 zusaetzliche Paragraphen zusammengewurschtelt.
Offen gestanden finde ich es nicht einmal so verwunderlich und auch nicht völlig verkehrt, wenn in einem Gesetzgebungsorgan ein grösserer Anteil von Juristen und Leuten mit Verwaltungserfahrung sitzt.
Es besteht die Gefahr, das sie die Gesetze fuer sich selbst machen und nicht fuer die es betrifft. Wohin soll das fuehren? Ich brauche einen Rechtsexperten, um ungefaehr herauskriegen zu koennen, was im Land erlaubt ist und was nicht? Das kann nicht der Weg sein. Wir sind nunmal Menschen und keine Maschinen. Es muss alles im normalen Zeitrahmen halbwegs nachvollziehbar sein.
Jede komplexere Gesellschaft ist bis zu einem gewissen Grade bürokratisch. Die BRD ist auf weiten Strecken weniger bürokratisch als etwa die USA. Ok, China ist unbürokratischer, aber dafür keine Demokratie, und die mangelnde Verrechtlichung ist auf weiten Strecken eher ein Modernitätsdefizit als eine Errungenschaft.
Wenn Dinge bis ins Kleinste geregelt werden und deswegen teilweise auch redundant kontrolliert werden muessen, endet es irgendwann in totaler Paranoiditaet des Staates gegenueber seinen Buergern.
Alles andere an den hinterzogenen Steuern wie Säumniszuschläge, Zinsen und Zinseszinsen etcpp. sind ganz normale Dinge, die auch eine Bank von dir verlangt, wenn du deine Kreditraten nicht rechtzeitig bezahlst.
Das Bußgeld und/oder die Haft sind Teil der Strafe - der du auch noch entgehen kannst, wenn du dich selbst anzeigst.
Ich habe weiter oben einen Fall geschildert, bei dem es einen Nachweisverzug ueber einen sehr langen Zeitraum gegeben hat. Das wird nunmal auch als Steuerhinterziehung gewertet.
Ich rede von der Praxis, Du von der Theorie. Zwangsgeld wird zusaetzlich eingezogen, obwohl der Angst der Buerokraten nach Kontrollverlust bereits durch Saeumniszuschlaege und Strafzins entgegengewirkt wird. Die Steuerberater raten Dir die Einzugsermaechtigung fuers Finanzamt im Fall des Falles aufzukuendigen. Das ist die Realitaet.
<Anfang Provokation>Natuerlich ist Zwangsgeld Enteignung. Es ist ein zusaetzliches Einkommen, das sich die Buerokratie unter dem Schutz eines zurechtgewurschtelten Steuersystem generiert ohne das dem irgendeine Leistung oder Straftat gegenueberstehen muss.<Ende Provokation>

(<- Das ist der "sehr boese Smiley"!)
Ich sehe hier nichts, was in irgendeiner Form mit Enteignung oder den anderen von dir geäußerten Vorwürfen zu tun hat. Ganz im Gegenteil, Steuerhinterziehern wird hier massiv entgegengekommen.
Eben, diejenigen die man eigentlich bestrafen will, denen rollt man den roten Teppich aus.
Gruende ein Einzelunternehmen, mache eine Reise und Du wirst ueberrascht sein, auf wie vielfaeltige Art und Weise Du kriminell geworden bist, wenn Du zurueckkehrst. In der heutigen Zeit kannst Du ein Unternehmen nunmal remote fuehren. Problematisch fuer Buerokratien, wie D. ist, das man mit den Anpassungen im Rechtssytem nicht nachkommt und andereseits eGov einfach nicht auf die Reihe bekommt. Als Einzelunternehmer musst Du zwanglaeufig irgendwann eine Entscheidung treffen, ob Du so und soviel Lebenszeit damit verbringen willst, die Buerokraten hier mit Papiernachweisen zu betuetteln oder Dir einfach eine andere Staatsbuergerschaft zulegst.
Das unser Steuerrecht kompliziert ist, darüber sind wir uns alle einig und die Forderung der FDP nach einer Vereinfachung ist nicht neu, die kam schon in den 80ern auf. Ich gehe hier mit a^2 konform, das Festhalten am Steuersenken ist der falsche Weg, den die FDP geht. Das einfachere Steuersystem wäre vielleicht die bessere Wahl.
Tja, das vereinfachte Steuersystem hinzukriegen, ist keine Frage von wollen oder nicht wollen. Die Verschuldung und der Zinseszins werden in Zukunft die Spielraeume verengen und sozialen Gegensaetze noch verschaerfen. Da wirds schon noch die eine oder andere Gruppe geben, die das Ganze zur Radikalisierung nutzt. Die Steuerhinterzieher Debatte steht symptomatisch dafuer, das eigentliche Problem zu verdraengen.
Es waere leichter einen hoeheren Steuersatz zu bezahlen, wenn man nicht staendig das Gefuehl haette, man wuerde uebervorteilt. Dafuer sehe ich Ueberschaubarkeit/Kalkulierbarkeit/Perspektive als Voraussetzung. Falls es nicht gelingt Gesamtschuld und Vermoegen(einschliesslich Pensionsversprechen fuer Buerokraten) durch einen gesellschaftlichen Konsens zusammenzufuehren, dann sorry Deutschland ...