Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von RoyalTramp »

belrain hat geschrieben:Ich persoenlich habe hier nicht viel von "dem ganzen Aufhebens" erlebt. Alles was ich erlebe ist regelmaessige eindeutige Angebote junger Chinesinnen, eindeutige Angebote von Geschaeftspartnern, "Health shops" mit riesigen Dildos im Schaufenster u.a. So gesehen, deutlich mehr als in Deutschland, wo alles hinter verschlossenen Tueren und FSK 18 laeuft.
Ich denke doch, dass du Nachrichten in diesem Hinblick auch mitbekommst. Jedenfalls mir sind solche fast schon Verzweiflungstaten in Deutschland nicht bekannt, aber in China sehr wohl. Warum gibt es diese hier wohl?
Wie gesagt - fuer dich zaehlt offensichtlich nur, was du dir selbst interpretierst. Tatsachen anderer Chinesen sind fuer dich automatisch die Minderheit - schon komisch, oder?
Nochmal: Warum empfinden Chinesen es denn selbst als notwendig, dass mehr Aufklärung geleistet werden müsste, vor allem in Schulen? Macht doch keinen Sinn, wenn doch alles töffte ist, wenn man deiner Lehrerin folgt. Ja, ich maße mir daher an, hier zu urteilen, dass die Erfahrung deiner Lehrerin einer Minderheit entspricht, denn sonst würden nicht nur solche Aktionen wie oben seitens der Chinesen selber keinen Sinn machen, sondern auch solche Nachrichten, wie diese hier (von denen es leider dubzich im Internet gibt):
[...] Dennoch erklärten die Experten, die Studenten der Stadt seien gegenüber Sex offen und an angemessener Beratung interessiert. "Nach der Konferenz hat Roger Short von der Universität Melbourne, ein Professor für Fortpflanzungsbiologie und Vertreter sexueller Aufklärung, seine Studenten nach Shanghai geschickt, um mit uns bei der Ausarbeitung einer effektiveren Lehrmethode für chinesische Studenten und andere Jugendliche zu kooperieren", sagte Chen weiter.

Das Institut befragte 5234 Studenten und erhielt 5067 verwendbare Fragebögen. Mehr als die Hälfte der Studenten hinterließ ihre E-Mail-Adresse für eine weitere Kontaktaufnahme durch medizinische Experten. Obwohl 83,7 Prozent der Studenten bekannt ist, wie der HIV-Virus übertragen wird, wusste nur knapp die Hälfte, wie man ein Kondom sachgerecht anwendet. Über 40 Prozent der Studenten wussten nicht, dass die Verwendung eines Kondoms das Risiko einer HIV-Infektion verringern kann. Nahezu alle Studenten sehen sexuelle Aufklärung als wichtig an.

"Nur 38 Prozent gaben an, sie hätten an Schulen oder von medizinischem Personal eine angemessene Sexualerziehung erhalten", sagte Chen. "Die meisten beziehen Informationen über Sex aus Büchern, von Klassenkameraden, Freunden und aus dem Internet." Das Institut hat im vergangenen Semester begonnen, an der Jiaotong Universität Kurse zu Fortpflanzungsgesundheit anzubieten. Außerdem hat es nichtmedizinische Studenten angeworben, die nach einem Training als Freiwillige Informationen über Sex verbreiten sollen.
Quelle: german.china.org.cn

Und das in Shanghai! Wenn es da schon so düster aussieht, wie muss es dann erst an anderen, weniger verwestlichten Orten in China aussehen, Belrain? :idea:

Übrigens ein interessanter Bericht auch zu unserem anderen Problem, denn darin heißt es:
Eine umfangreiche, stadtweit durchgeführte Umfrage zum Thema Sex hat einige erstaunliche Ergebnissen hervorgebracht: So räumten zum Beispiel lediglich 20,2 Prozent der Studenten und mit 10 Prozent erstaunlich wenig Studentinnen ein, über sexuelle Erfahrungen zu verfügen.
Ja, klar ist es "erstaunlich", wenn man mit der Prämisse rangegangen sein sollte, dass doch die meisten oder nicht unerheblich viele Studenten bereits Erfahrungen gesammelt haben müssten. Da gibt dann die Umfrage aber ein völlig anderes Bild wieder! Sicher ist dann der Einwand nicht unberechtigt, ob denn die über 5000 Studenten an 14 Universitäten in Shanghai (!) bei der Befragung eventuell nicht immer ganz die Wahrheit gesagt haben, aber nur weil einem das Ergebnis nicht gefällt jetzt den Befragten pauschal unterstellen, sie hätten gelogen: So kann man sich natürlich auch alles einfach zurechtmachen.

Nicht falsch verstehen: Auch ich halte die Zahlen für ein wenig zu niedrig, aber ich denke immer noch, dass sie nahe an der Realität sind und demnach tatsächlich die meisten Studenten in Shanghai noch keine sexuelle Erfahrung haben sammeln können. Das würde auch dem allgemeinen Altersdurchschnitt entsprechen, der in China angegeben wird bei der Frage, mit durchschnittlich wie viel Jahren ein Chinese / eine Chinesin erste sexuelle Erfahrung sammelt: Mit 24 Jahren. Studenten sind aber in der Regel mit 22, spätestens 23 bereits von der Uni und stehen dann im Beruf. Und wenn es schon so schlimm um die Situation in Shanghai bestellt ist, DEM westlichen Vorzeigeobjekt in China, wie muss es dann andernortens erst aussehen. Auch hier wieder meine Meinung: Was mir meine Freundin erzählt hat, dass in ihrem Wohnheim von 6 Studentinnen nur 2 bereits sexuelle Erfahrung gesammelt haben, deckt sich mit solchen Untersuchungen und Statistiken viel eher, als was deine Bekannten, Lehrer und andere sagen, Belrain.

Auch eine Meldung:
Seit 1988 gibt es in den Schulen im ganzen Land einen Sexualkundeunterricht. "Der Unterricht ist per Gesetz vorgeschrieben. Es sichert die Rechte des Jugendlichen auf eine sexuelle Erziehung", sagte Pan Guiyu, stellvertretender Direktor der regierungsunabhängigen China Family Planning Association. Trotzdem ist bekannt, dass diese Politik nur schlecht umgesetzt wird. Der Hauptgrund ist, dass Sex für viele ein Tabu ist, das nicht öffentlich diskutiert werden kann. Betroffen sind davon insbesondere Schulen und Familien – die beiden Hauptorte, wo Kinder erzogen werden, sagen Experten. Tang erinnert sich: "Mein Lehrer in der Mittelschule hat uns die Texte über Sexualkunde alleine zu Hause lesen lassen."

Das Resultat ist, dass die Zahl der ungewollten, frühen Schwangerschaften steigt. Die meisten von ihnen führen zu Abtreibungen, heißt es in älteren Berichten. Eine Umfrage aus dem Jahre 2008 zeigte, dass rund 60 Prozent der chinesischen Jugendlichen nicht wissen, wie man ein Kondom richtig verwendet.
Ich denke, du siehst da meine Argumentation wieder. Ich rede hier also nicht nur aus dem hohlen Bauch heraus. So toll die Aufklärung hier in China, dass rund 60% der Jugendlichen nicht wissen, wie man ein Kondom richtig verwendet. Was gibt es da eigentlich überhaupt zu lernen, frage ich mich... :mrgreen:

Naja...egal...was soll's, Belrain. Ihr (also Du und die anderen) habt Euer Bild von China in dieser Hinsicht, ich habe mein Bild von China und beide Bilder widersprechen sich in diesem Fall und es ist nicht abzusehen, dass wir da zu einer gemeinsamen Meinung finden können, dass man vielleicht einfach so verbleiben kann, dass wir keinen Konsens finden? Vielleicht können wir uns darauf einigen? Und uns dann vielleicht auch noch anderen Vorurteilen widmen...


Nachgetragen:
Klar - werde meine Lehrerin fragen ob sie weiss wie man nen Dildo benutzt, ob im Unterricht Pornos liefen etc. Wenn dich das Thema so interessiert, solltest du eine offizielle Studie in Auftrag geben. Nur so nebenbei - ein Sexualkundeunterricht wie du ihn dir vorstellst hat es zu meiner Zeit in der Schule nicht gegeben - dildos rumreichen (am Besten noch ausprobieren :wink: ), Filme mit erigierten Penissen (dafuer gabs die Bundeswehr :wink: ) etc.
Hast du dir schon mal heutigen Sexualkundeunterricht an deutschen Schulen angeschaut? *hihi* Ach, übrigens...das mit dem Film und dem erigierten Penis war zu meiner Zeit eine Trickfilmanimation. So weit wollte man bei uns an der Schule doch nicht gehen, dieses Objekt in seiner vollen Größe und Lebenskraft zu zeigen. :P
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von punisher2008 »

RoyalTramp hat geschrieben: Nicht falsch verstehen: Auch ich halte die Zahlen für ein wenig zu niedrig, aber ich denke immer noch, dass sie nahe an der Realität sind und demnach tatsächlich die meisten Studenten in Shanghai noch keine sexuelle Erfahrung haben sammeln können. Das würde auch dem allgemeinen Altersdurchschnitt entsprechen, der in China angegeben wird bei der Frage, mit durchschnittlich wie viel Jahren ein Chinese / eine Chinesin erste sexuelle Erfahrung sammelt: Mit 24 Jahren. Studenten sind aber in der Regel mit 22, spätestens 23 bereits von der Uni und stehen dann im Beruf. Und wenn es schon so schlimm um die Situation in Shanghai bestellt ist, DEM westlichen Vorzeigeobjekt in China, wie muss es dann andernortens erst aussehen.
Ob es "schlimm" ist, erst mit 24 sexuelle Erfahrungen zu sammeln, ist einzig und alleine deine persönliche Meinung, mal ganz abgesehen davon ob deine Aussagen der Wahrheit entsprechen. Ich denke mal eher weniger. Du scheinst ja geradezu zu befürworten, möglichst jung möglichst viele sexuelle Erfahrungen zu machen, nur weil das im so "aufgeklärten" Westen ja auch so ist. China ist anders, und das ist gut so!
P.S.: Mich würde auch mal interessieren, was denn inhaltlich in diesem Aufklärungsunterricht vorgekommen ist. Wäre nett, wenn du deine Bekannte da auch noch mal fragen könntest. Denn über Anatomie (und das wird schon als Aufklärung verstanden) wird tatsächlich fast überall gesprochen (ich denke, dass man das so sagen kann), ABER das ist doch noch lange keine Aufklärung, wie wir sie im Westen erhalten. Und ich würde halt gerne wissen, ob an dieser Schule deiner Bekannten auch über die Anatomie hinaus über Eierstöcke, Spermien und alles andere auch gesprochen wurde. Wurde z.B. im Film ein erigierter Penis gezeigt, wurden Plastikdildos herumgereicht zum Anfassen usw. usw. (<- so war das in Biologie an unserer Schule)
Wieder mal siehst du die ganze Sache nur aus deiner westlichen Sicht. Keine Plastikdildos im Unterricht zum anfassen?? NA UND? :roll: Du widersprichst dir teilweise echt ständig selber. Einerseits erwartest du von Westlern, sich an chinesische Verhältnisse anzupassen und zu akzeptieren, dass China anders ist. Andererseits erwartest du von China, deine eigenen (oder westlichen) Standards zu übernehmen. Wenn du so überzeugt vom deutschen Aufklärungsunterricht bist, kannst du es ja mal mit Dildos in deiner Klasse versuchen. Ich denke jetzt mal, das wäre nicht so der Hit :mrgreen:
Ich finde es gibt in China weit wichtigere Probleme, als dass der Aufklärungsunterricht (DEINER Meinung nach) nicht einem "allgemeingültigen" (sprich WESTLICHEN) Standard entspricht. Nun ja, aber das ist auch nur meine Meinung.
Ganz abgesehen davon dreht sich dieser Thread schon seitenweise NUR NOCH um das Thema Aufklärung. Was hat das denn noch mit dem Thema "Vorurteile" zu tun? :roll: Wenn du so wahnsinnig gern die Chinesen aufklären willst (so kommt es mir nämlich vor; mir erscheint das ganze schon fast wie Missionierung), dann setze dich doch in deiner Uni dafür ein. Ich bin sicher, alle Studenten in deiner Klasse wollen alle nur aufgeklärt werden und Plastikdildos anfassen, sicher kein Deutsch lernen. :wink:
Ein anderer Vorschlag: eröffne einen eigenen Thread speziell zum Thema Aufklärung und Sexualkunde. Das hätte den Sinn, diesen Thread über Vorurteile nicht noch mehr ausufern zu lassen (wir sind bereits bei Seite 32!) und immer weiter off-topic zu führen.
Ich sehe einfach so langsam den Sinn (und Zusammenhang zum Ausgangsthema) dieser Diskussion nicht mehr.
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von RoyalTramp »

Wie kommst du darauf, ich hätte plötzlich meine Meinung zu diesem Thema geändert und würde hier den Westen als "vorbildlich" feiern? Was habe ich den auf den bisherigen 30 Seiten für eine Position vertreten? Eher "antiwestlich", oder nicht?
punisher2008 hat geschrieben:Ob es "schlimm" ist, erst mit 24 sexuelle Erfahrungen zu sammeln, ist einzig und alleine deine persönliche Meinung, mal ganz abgesehen davon ob deine Aussagen der Wahrheit entsprechen. Ich denke mal eher weniger. Du scheinst ja geradezu zu befürworten, möglichst jung möglichst viele sexuelle Erfahrungen zu machen, nur weil das im so "aufgeklärten" Westen ja auch so ist. China ist anders, und das ist gut so!
Ich finde es alles andere als schlimm, dass im Schnitt in China erst mit 24 Jahren sexuelle Erfahrung gesammelt wird. Im Gegenteil halte ich in unseren Breiten das mit 15 oder 17 viel zu verfrüht. "Schlimm" spiegelt also nicht meine eigene Sicht wieder, sondern greift den Eindruck auf, den ich von der Ansicht der hiesigen Kontrahenten in der Diskussion habe, dass sie solches als schlimm empfinden könnten. Ich hätte "schlimm" vielleicht in Anführungszeichen setzen sollen, dass da kein Missverständnisse entstehen. Aber ich bin schon der Meinung, dass meine Posts auf 30 Seiten schon wiedergeben, was ich zu diesem Thema denke und ich meinen Standpunkt bisher nicht geändert habe, dass ich es nicht für notwendig erachtet habe, hinzuweisen, dass nicht ich die Situation hier in China als schlimm empfinden würde. Schlimm finde ich allenfalls, dass einige Menschen die unschöne Tatsache verdrängen, dass China nunmal nicht so westlich modern und aufgeklärt ist, wie sie vorgeben und ich anscheinend gegen Windmühlen kämpfe, wenn ich sage, dass man mit einer westlichen Haltung zum Thema "Sexualität" hier in China verdammt viele Scherben hinterlassen kann.
Wieder mal siehst du die ganze Sache nur aus deiner westlichen Sicht. Keine Plastikdildos im Unterricht zum anfassen?? NA UND? :roll: Du widersprichst dir teilweise echt ständig selber. Einerseits erwartest du von Westlern, sich an chinesische Verhältnisse anzupassen und zu akzeptieren, dass China anders ist. Andererseits erwartest du von China, deine eigenen (oder westlichen) Standards zu übernehmen. Wenn du so überzeugt vom deutschen Aufklärungsunterricht bist, kannst du es ja mal mit Dildos in deiner Klasse versuchen. Ich denke jetzt mal, das wäre nicht so der Hit :mrgreen:
Und ich bin auch nicht für so eine aggressive Aufklärung, wie sie bei uns im Westen betrieben wird, auch die halte ich nämlich für negativ, da sie die Jugendlichen geradezu dazu ermutigt, so früh wie möglich sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Und das ist in meinen Augen nicht richtig!
Es geht mir nur darum zu zeigen, dass hier in China unter "Aufklärung" anscheinend weit verbreitet etwas anderes verstanden wird, als bei uns in Deutschland. Was hier in China als "Aufklärung" verstanden wird, geht in den allermeisten Fällen nicht über bloße Anatomie des menschlichen Körpers hinaus. Damit beziehe ich also Position gegen Leute, die meinen, hier wären doch die Leute auch so toll aufgeklärt, wie bei uns. Denn ich frage: Ja, woher bitteschön sollen die Leute hier in China genau so wie wir im Westen aufgeklärt sein? In der Schule lernen sie es kaum bis gar nicht...in den Familien wird auch fast überhaupt nicht aufgeklärt...also woher sollen Chinesen top aufgeklärt sein?
Ich finde es gibt in China weit wichtigere Probleme, als dass der Aufklärungsunterricht (DEINER Meinung nach) nicht einem "allgemeingültigen" (sprich WESTLICHEN) Standard entspricht. Nun ja, aber das ist auch nur meine Meinung.


Du hast mich dahingegehend völlig missverstanden und ich frage mich, worüber ich mir den auf den ganzen letzten Seiten den Mund fusselig geredet habe, dass du plötzlich meinst, ich würde das befürworten, was bei uns im Westen stattfindet... :cry:
Ganz abgesehen davon dreht sich dieser Thread schon seitenweise NUR NOCH um das Thema Aufklärung. Was hat das denn noch mit dem Thema "Vorurteile" zu tun?
Es hat insofern damit zu tun, dass ich gesagt habe, dass westliches Potenzgehabe hier auf chinesische Naivität, resultierend unteranderem aus einem Mangel an Aufklärung, trifft und dieses katastrophale Folgen haben kann. Dagegen haben dann andere die Position bezogen, DASS es hier, und zwar vor allem in den Städten, überwiegend aufgeklärte Mädchen seien und es daher mit dem westlichen Potenzgehabe nicht so schlimm sei. Aber wie man anhand der hier verlinkten Informationen sieht, ist es selbst in so tollen westlichen Städten wie Shanghai nicht so, wie hier einige meinen. Und noch weniger gilt das für ganz China. Und das ist dann der nächste Punkt, wo gegen sich "Widerstand" geregt hat, da ich zu sehr verallgemeinern würde und dagegen, dass ich hier lediglich substanzlos verallgemeinern würde, poste ich hier die Links und Informationen, denn auch wenn ich verallgemeinere, aber diese Verallgemeinerungen haben durchaus ihre Berechtigung. Zumal sie ja nicht das Gegenteil ausschließen.
Wenn du so wahnsinnig gern die Chinesen aufklären willst (so kommt es mir nämlich vor; mir erscheint das ganze schon fast wie Missionierung), dann setze dich doch in deiner Uni dafür ein. Ich bin sicher, alle Studenten in deiner Klasse wollen alle nur aufgeklärt werden und Plastikdildos anfassen, sicher kein Deutsch lernen.
Nochmal: Ich will hier keine Aufklärung durchführen, sondern den Leuten den Wind aus den Segeln nehmen, die sagen, dass es keine Probleme gäbe, da doch die Jugendlichen in China - zumal in den großen Städten - so toll aufgeklärt wären. Dem ist aber dem Anschein nach nun nicht so, daher mahne ich vor allem die aufgeklärten und daher in meinen Augen durchaus auch eine gewisse Verantwortung tragende Männerwelt, die meint, hier in China auf Freiwildjagd gehen zu können, unbedingt zur Vorsicht: Sie können hier in China weit mehr Schaden anrichten, wenn sie meinen, Sexualität, wie wir sie im Westen mitunter ausleben, eins zu eins auf China anwenden zu können. Welche katastrophalen Folgen es mitunter haben kann (-> Extrembeispiele) habe ich mit meinen beiden Berichten aus meinem Umfeld veranschaulichen wollen.

Und solche Extrembeispiele scheinen meiner Meinung nach in China doch eher vorzukommen, als in Deutschland, auch wenn es natürlich immer noch Ausnahmefälle sind. (<- was ich nie in Abrede gestellt habe)
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von punisher2008 »

RoyalTramp hat geschrieben:Wie kommst du darauf, ich hätte plötzlich meine Meinung zu diesem Thema geändert und würde hier den Westen als "vorbildlich" feiern? Was habe ich den auf den bisherigen 30 Seiten für eine Position vertreten? Eher "antiwestlich", oder nicht?
Den Eindruck hatte ich eben manchmal bei deinen neueren Beiträgen in diesem Thread, wie z.B. folgenden Aussagen:
Es geht mir nur darum zu zeigen, dass hier in China unter "Aufklärung" anscheinend weit verbreitet etwas anderes verstanden wird, als bei uns in Deutschland. Was hier in China als "Aufklärung" verstanden wird, geht in den allermeisten Fällen nicht über bloße Anatomie des menschlichen Körpers hinaus.
Ich denke schon, dass du dir teilweise, wenn auch ungewollt, widersprichst. Ich glaube nicht unbedingt, dass die meisten Europäer Chinesinnen allgemein für besonders aufgeklärt halten. Eher im Gegenteil. Und genau deshalb ist es ja so leicht für diese Männer, naive Mädchen auszunutzen. Sie wissen ganz genau, dass die weniger aufgeklärt sind als im Westen.
Und ich bin auch nicht für so eine aggressive Aufklärung, wie sie bei uns im Westen betrieben wird, auch die halte ich nämlich für negativ, da sie die Jugendlichen geradezu dazu ermutigt, so früh wie möglich sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Und das ist in meinen Augen nicht richtig!
Na gut, dann habe ich deine vorherigen Aussagen missverstanden. Es kam irgendwie so rüber, dass du Aufklärung im westlichen Sinne anstrebst, indem du Beispiele wie Verteilen von Dildos oder Zeigen von "Aufklärungsfilmen" in Schulklassen bringst.
Ich fände es eigentlich eher positiv wenn, wie du sagst, nur etwa 1/5 aller Studentinnen sexuelle Erfahrungen haben. Allerdings ist mir dabei nicht ganz klar geworden, wie du auf diese Zahlen kommst. Auf Aussagen der Mädchen selbst würde ich mich da weniger verlassen.
Es hat insofern damit zu tun, dass ich gesagt habe, dass westliches Potenzgehabe hier auf chinesische Naivität, resultierend unteranderem aus einem Mangel an Aufklärung, trifft und dieses katastrophale Folgen haben kann.
Dass es in China Mädchen gibt, die auf "westliches Potenzgehabe" reinfallen, dürfte kaum mit mangelnder Aufklärung zu tun haben. Die naiven Vorstellungen von Beziehungen und Ehe (nicht speziell Sex) dürften auch von den Medien kommen. Diese grauenhaft schmalzigen chinesischen Soap Operas, die sich Jugendliche scheinbar besonders gerne ansehen, dürften mit zu den völlig verklärten und romantisierten Vorstellungen von Beziehungen beitragen. Von chinesischer Popmusik ganz zu schweigen (gibt es da überhaupt andere Themen?). Dass solche hohen Erwartungen dann enttäuscht werden, und für solche naiven Mädchen eine Welt zusammenbricht, wenn die Realität sich als anders erweist, ist kein Wunder. Man ist doch hier schon im frühesten Alter fast schon besessen damit, den Traummann zu finden, und hat oft keine anderen Interessen außer Heirat mehr. Wenn man 20 ist und immer noch keine Aussicht auf Heirat, gerät man in Panik und versucht sich krampfhaft an jeden Mann zu klammern, der irgendwie auch nur annähernd in Frage kommt. Ich muß das leider immer wieder bei meinen eigenen Bekannten feststellen.
Daran sollte Aufklärung arbeiten, statt 14-jährigen zu zeigen wie man Kondome benutzt. Man sollte Schülern nahe legen, sich mehr auf die Ausbildung zu konzentrieren, um als Erwachsene selbständig zu sein, nicht ständig nur den ganzen Tag auf irgendeinen imaginären "Traummann" zu warten, und dann das ganze Leben von einem solchen abhängig sein.
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von RoyalTramp »

Ich denke schon, dass du dir teilweise, wenn auch ungewollt, widersprichst. Ich glaube nicht unbedingt, dass die meisten Europäer Chinesinnen allgemein für besonders aufgeklärt halten. Eher im Gegenteil. Und genau deshalb ist es ja so leicht für diese Männer, naive Mädchen auszunutzen. Sie wissen ganz genau, dass die weniger aufgeklärt sind als im Westen.
Und daher meine Appelle...
Ich fände es eigentlich eher positiv wenn, wie du sagst, nur etwa 1/5 aller Studentinnen sexuelle Erfahrungen haben. Allerdings ist mir dabei nicht ganz klar geworden, wie du auf diese Zahlen kommst. Auf Aussagen der Mädchen selbst würde ich mich da weniger verlassen.
Ich habe doch den ein oder anderen Text hier verlinkt oder in Auszügen eingestellt aus denen solche Zahlen doch eigentlich hervorgehen. Siehe oben z.B. von german.china.org.cn. Ich behaupte hier nicht nur aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus solche Urteile fällen zu können, wie ich es bisher getan habe, Punisher, sondern ich weiß die ein oder andere Untersuchung diesbezüglich an meiner Seite zu haben. Man kann natürlich jetzt in einer Radikalkritik jedwede Untersuchung anzweifeln, die einem nicht in den Kram passt, aber ich weiß nicht, ob dass nicht nur eine Ausrede ist, sich der unbequemen Wahrheit stellen zu müssen, dass die chinesischen Jugendlichen wohl in der Breite doch nicht so top westlich sind (und Sexualität ist darin nur ein Aspekt), wie manche zu meinen scheinen.
Dass es in China Mädchen gibt, die auf "westliches Potenzgehabe" reinfallen, dürfte kaum mit mangelnder Aufklärung zu tun haben. Die naiven Vorstellungen von Beziehungen und Ehe (nicht speziell Sex) dürften auch von den Medien kommen. Diese grauenhaft schmalzigen chinesischen Soap Operas, die sich Jugendliche scheinbar besonders gerne ansehen, dürften mit zu den völlig verklärten und romantisierten Vorstellungen von Beziehungen beitragen. Von chinesischer Popmusik ganz zu schweigen (gibt es da überhaupt andere Themen?). Dass solche hohen Erwartungen dann enttäuscht werden, und für solche naiven Mädchen eine Welt zusammenbricht, wenn die Realität sich als anders erweist, ist kein Wunder. Man ist doch hier schon im frühesten Alter fast schon besessen damit, den Traummann zu finden, und hat oft keine anderen Interessen außer Heirat mehr. Wenn man 20 ist und immer noch keine Aussicht auf Heirat, gerät man in Panik und versucht sich krampfhaft an jeden Mann zu klammern, der irgendwie auch nur annähernd in Frage kommt. Ich muß das leider immer wieder bei meinen eigenen Bekannten feststellen.
Das spielt auf jeden Fall auch eine Rolle, dass man hier an jedem Tag mit diesem völlig romantisierten Ideal konfrontiert ist. Um so mehr gilt: Wehe denen, die meinen, hier sei alles so schön westlich...und die Mädchen vor allem...also Hose runter und Spaß haben... Das geht meistens gut...kann aber auch übel enden...mitunter so extrem, wie meine beiden Berichte aus meinem Umfeld veranschaulichen.
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von punisher2008 »

RoyalTramp hat geschrieben: Ich habe doch den ein oder anderen Text hier verlinkt oder in Auszügen eingestellt aus denen solche Zahlen doch eigentlich hervorgehen. Siehe oben z.B. von german.china.org.cn. Ich behaupte hier nicht nur aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus solche Urteile fällen zu können, wie ich es bisher getan habe, Punisher, sondern ich weiß die ein oder andere Untersuchung diesbezüglich an meiner Seite zu haben. Man kann natürlich jetzt in einer Radikalkritik jedwede Untersuchung anzweifeln, die einem nicht in den Kram passt, aber ich weiß nicht, ob dass nicht nur eine Ausrede ist, sich der unbequemen Wahrheit stellen zu müssen, dass die chinesischen Jugendlichen wohl in der Breite doch nicht so top westlich sind (und Sexualität ist darin nur ein Aspekt), wie manche zu meinen scheinen.
Das mit Statistiken und Umfragen ist so eine Sache. Manchmal sind persönliche und direkte Erfahrungen näher an der Realität als solche Zahlen. :wink: Insofern finde ich es gar nicht schlecht, wenn du auch eigene Erfahrungen her nimmst, um solche Beurteilungen zu machen. Für mich persönlich gilt: was ich mit eigenen Augen sehe ist relevanter als irgendwelche Statistiken. Also, traue mehr dem was du um dich herum wahrnimmst.
Und hier in Guangdong habe ich bisher nichts festgestellt, was sich mit einer solchen Statistik decken könnte. Ich denke, hier gibt es nicht allzu viele Jungfrauen mit 25 mehr. Ich kann mir nicht denken, das Shanghai da so viel anders ist. Was sexuelle Erfahrungen angeht, haben chinesische Frauen vielleicht um einige mehr als du annimmst bzw. als sie selbst zugeben möchten. :mrgreen:
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von RoyalTramp »

Und da wären wir dann wieder im Zirkel, denn du sagst, aus deinem privaten Umfeld und Erfahrungen hast du den Eindruck, die Statistiken würden die Realität nicht wiedergeben. Frage: Es mag vielleicht an dem Personenkreis liegen, mit dem du in der Regel verkehrst? Bei mir ist es nämlich wieder komplett umgekehrt: alles was ich von den Personen, die ich kenne, erfahre und in Teilen miterlebe stützt annähernd solche Statistiken. Aber auch hier gilt, dass es wohl daran liegen mag, mit welchen Personen ich mich umgebe. ;)
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von happyfuture »

RoyalTramp hat geschrieben:Und da wären wir dann wieder im Zirkel, denn du sagst, aus deinem privaten Umfeld und Erfahrungen hast du den Eindruck, die Statistiken würden die Realität nicht wiedergeben. Frage: Es mag vielleicht an dem Personenkreis liegen, mit dem du in der Regel verkehrst? Bei mir ist es nämlich wieder komplett umgekehrt: alles was ich von den Personen, die ich kenne, erfahre und in Teilen miterlebe stützt annähernd solche Statistiken. Aber auch hier gilt, dass es wohl daran liegen mag, mit welchen Personen ich mich umgebe. ;)
Was sagst Du dann zu diesem Artikel? (Fake?) :shock:
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von RoyalTramp »

happyfuture hat geschrieben:Was sagst Du dann zu diesem Artikel? (Fake?) :shock:
Nein, wieso? Frage: Ist das nun für ganz China einfach so übertragbar?
Und vorallem: 20%! Ja, worüber habe ich denn hier geschrieben?
Deckt sich übrigens auch wieder mit den Erfahrungen meiner Freundin: 2 aus 6 in ihrem Wohnheimzimmer, auch wenn es keine "polytechnische Uni" war. ;)

Soweit ich das sehe, alles roger, selbst mit bzw. GERADE durch diesen Artikel, der ja solche Verhältnisse, von denen ich geredet habe, annähernd zu bestätigen scheint. Außerdem heißt es auch im Artikel, dass wohl an anderen Mittelschulen der Anteil derjenigen, mit sexuellen Erfahrungen, niedriger ist. Frage: Wie hoch ist der Anteil polytechnischer Schulen am schulischen Sektor in China? Hast du da vielleicht auch eine Zahl? Denn wenn es da dann heißen sollte, dass gerade mal 10% des Mittelschulsektors polytechnische Schulen sein sollten und davon dann 20% der Schüler bereits sexuelle Erfahrung gesammelt haben, dann ist das natürlich ein unglaubliche Menge und beweist, wie modern es hier um die "Sexualität" auch bei Jugendlichen steht. Meine Frage ist jetzt hierbei Ernst gemeint, da ich mich in dem Mittelschulsegment nicht so gut auskenne.
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von punisher2008 »

RoyalTramp hat geschrieben:Und da wären wir dann wieder im Zirkel, denn du sagst, aus deinem privaten Umfeld und Erfahrungen hast du den Eindruck, die Statistiken würden die Realität nicht wiedergeben. Frage: Es mag vielleicht an dem Personenkreis liegen, mit dem du in der Regel verkehrst? Bei mir ist es nämlich wieder komplett umgekehrt: alles was ich von den Personen, die ich kenne, erfahre und in Teilen miterlebe stützt annähernd solche Statistiken. Aber auch hier gilt, dass es wohl daran liegen mag, mit welchen Personen ich mich umgebe. ;)
Ich denke nicht, dass die Personen, mit denen ich verkehre, irgendwie außergewöhnlich sind, eher ein ganz normaler Durchschnitt durch verschiedene Schichten und Alter. Was meine Schüler betrifft, dürfte sogar das Spektrum etwas breiter sein als bei dir. Du unterrichtest nur Uni, oder? Von Kindern bis über 40-jährige Firmeneigentümer war bei mir schon alles dabei. Und ich hatte nie den Eindruck, dass chinesische Frauen besonders prüde oder unerfahren mit Sex sind. Aber wie gesagt, das ist nur mein Eindruck. Beweisen kann ich nix, aber eine Statistik eigentlich auch nicht. :wink:
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von RoyalTramp »

punisher2008 hat geschrieben:Ich denke nicht, dass die Personen, mit denen ich verkehre, irgendwie außergewöhnlich sind, eher ein ganz normaler Durchschnitt durch verschiedene Schichten und Alter. Was meine Schüler betrifft, dürfte sogar das Spektrum etwas breiter sein als bei dir. Du unterrichtest nur Uni, oder? Von Kindern bis über 40-jährige Firmeneigentümer war bei mir schon alles dabei. Und ich hatte nie den Eindruck, dass chinesische Frauen besonders prüde oder unerfahren mit Sex sind. Aber wie gesagt, das ist nur mein Eindruck. Beweisen kann ich nix, aber eine Statistik eigentlich auch nicht. :wink:
Ich unterrichte nicht nur an der Uni und derzeit in Shanghai ausschließlich an einer halb-privatwirtschaftlichen Sprachlernschule und bei mir sitzen in den Kursen auch Oberstufenschüler bis hin zu Firmenangestellten (mit Bossen hatte ich bisher im Unterricht nicht zu tun gehabt, denn für die gibt es dann VIP-Unterricht in trauter Zweisamkeit und das ist den festangestellten Lehrern vorbehalten), wenn auch nicht wirklch viele. Überwiegend habe ich es mit Universitätsstudenten zu tun, die zusätzlich zu ihren Deutschkursen an der Uni noch zusätzlich Kurse in Deutsch belegen. Und in einigen Kursen beschäftige ich mich in der Tat ausdrücklich mit Themen wie AIDS oder geschlechtsbezogene Rollenbilder und sehe da die Reaktionen der Schüler, dass ich da schon meine, eine allgemeine Tendenz feststellen zu können. Denn gerade dann, wenn es um Verhütung geht, dann bricht in der Klasse allgemeines affektiertes Gekicher los...hier in Shanghai... Von den Mädchen kommen dann fast gar keine oder nur sehr wenige brauchbare Antworten, wenn ich sie ihnen nicht gerade aus der Nase ziehe. Zumeist bleibt es dann bei "Kondomen". Einzig die Jungs reißen sich förmlich darum, sich dann in den Unterricht einzubringen, um mit ihrem Wissen um Verhütung aufzuwarten und in der Tat sind die Jungs da in der Theorie ein wenig fitter, als die Mädchen (oder ist es die Schüchternheit der Mädchen, dass sie sich nicht trauen, über das Kondom hinauszugehen?). Aber auch wenn: von bisher 7 solchen Kursen, in denen AIDS und Verhütung ein Thema war, mit jeweils an die 40 Schüler, die ich hier seit 2 Jahren hatte, hat es gerade mal 2 Jungs gegeben, die tatsächlich ein wenig mehr über Verhütungen wussten, was über allgemeines Wissen hinausging (was es z.B. mit dem Eisprung auf sich hat, weiblicher Zyklus etc.), doch diese sind von den anderen in der Klasse mit lautem Gekicher "gestraft" worden, wenn sie dann erzählt haben, was sie darüber wussten. Klingt nicht sehr nach top modernen und aufgeklärten Jugendlichen, für meinen Geschmack. Wohlgemerkt: Shanghai. Und zu den wirklich "Armen" kann man die Studenten auch nicht zählen, wenn sie sich solche Zusatzkurse finanziell erlauben kann, dass ich sie also von daher im Schnitt eher der bürgerlichen Bildungsschicht zuordne.

Und Statistiken, wie die hier genannten, bestätigen diesen und damit eher meinen Eindruck, Punisher, als den von z.B. Belrain und anderen. Ich weiß nicht, wie du das sonst bewertest, was es zum Thema Sexualität und Aufklärung in China alles für News gibt. Wie gesagt: Man kann natürlich mit einer Radikalkritik jetzt die Authentizität einer jeden Statistik oder eines jeden Berichtes negieren, aber wo kommen wir dann in einem Diskurs dahin? Wie will man dann üerhaupt noch vernünftig argumentativ diskutieren, wenn alle Indizien von vorneherein als völlig "absurd" abgetan würden? Macht auf mich keinen Sinn...

* P.S.: Neugierig sind die jungen Chinesen durch die Bank aber schon, was es mit der Sexualität auf sich hat, ohne Frage... nur ich würde nicht den Fehler machen, deren Interesse daran mit "aufgeklärt sein" zu verwechseln. Im Gegenteil: Gerade das große Interesse zeigt, dass da im Bereich der Aufklärung noch erheblich Bedarf zu bestehen scheint, dass ich wohl behaupten kann, dass junge Chinesen an sich nicht so aufgeklärt und modern sind in dieser Hinsicht.

Nachtrag: Und nein, dass empfinde ich persönlich nicht als schlimm, dass es so zu sein scheint. Was genau ich als schlimm empfinde habe ich ja nun wirlich auf fast 30 Seiten beschrieben...!
Thank you for your contribution to China's flourishing and prosperity! 感谢你为祖国繁荣昌盛作出的贡献!
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von punisher2008 »

RoyalTramp hat geschrieben:
Ich unterrichte nicht nur an der Uni und derzeit in Shanghai ausschließlich an einer halb-privatwirtschaftlichen Sprachlernschule und bei mir sitzen in den Kursen auch Oberstufenschüler bis hin zu FirmenangestelltenÜberwiegend habe ich es mit Universitätsstudenten zu tun, die zusätzlich zu ihren Deutschkursen an der Uni noch zusätzlich Kurse in Deutsch belegen. Und in einigen Kursen beschäftige ich mich in der Tat ausdrücklich mit Themen wie AIDS oder geschlechtsbezogene Rollenbilder und sehe da die Reaktionen der Schüler, dass ich da schon meine, eine allgemeine Tendenz feststellen zu können. Denn gerade dann, wenn es um Verhütung geht, dann bricht in der Klasse allgemeines affektiertes Gekicher los...hier in Shanghai... Von den Mädchen kommen dann fast gar keine oder nur sehr wenige brauchbare Antworten, wenn ich sie ihnen nicht gerade aus der Nase ziehe. Zumeist bleibt es dann bei "Kondomen".
Du bist als Deutschlehrer eingestellt nicht wahr? Also meiner Meinung nach sind da Themen wie Verhütung und Kondome weniger angebracht. Ist das im Sinne der Schulleitung? Nichts dagegen, dass es auch für solche Themen den richtigen Ort und die passende Zeit gibt. Aber ob das ein Sprachkurs ist, möchte ich jetzt mal stark anzweifeln. Dass die Mädchen in deiner Klasse so reagieren wundert mich nicht. Nicht jedem ist es angenehm, in einem Sprachkurs über sexuelle Themen zu diskutieren. Was erwartest du denn? Es kann doch nicht in deinem Interesse sein, deine Schülerinnen in Verlegenheit zu bringen. Es gibt nun mal Dinge, die man (besonders als Ausländer) in China nicht unbedingt in der Öffentlichkeit ansprechen sollte. Z.B. habe ich in all meinen Kursen immer Politik oder Religion vermieden, weil ich weiß, dass die zu den Tabuthemen gehören. Privat mit Bekannten kann ich über alles diskutieren, aber nicht im Unterricht, da gibt es bei mir Grenzen. Ich denke mal, deine Schülerinnen werden wohl irgendwo einen Weg finden, den Umgang mit Kondomen zu lernen, oder Infos über AIDS zu finden. Glaub mir, dazu brauchen sie keinen Deutschkurs.
die tatsächlich ein wenig mehr über Verhütungen wussten, was über allgemeines Wissen hinausging (was es z.B. mit dem Eisprung auf sich hat, weiblicher Zyklus etc.), doch diese sind von den anderen in der Klasse mit lautem Gekicher "gestraft" worden, wenn sie dann erzählt haben, was sie darüber wussten
Ich bin sicher, die Mädels werden schon irgendwie wissen, wie sie mit ihrer Periode umgehen, ohne jedes Detail darüber im Deutschkurs auszuplaudern, vor einem männlichen Lehrer und Mitschülern. Welche "Antworten" erwartest du eigentlich? Willst du von jeder Schülerin wissen wann sie ihre Tage hat? :mrgreen: Nochmal: es ist nicht die Aufgabe des Deutschlehrers, diese Themen anzusprechen oder sexuelle Aufklärung zu leisten. Da hast du einfach deinen Aufgabenbereich übertreten und missverstanden.
Und Statistiken, wie die hier genannten, bestätigen diesen und damit eher meinen Eindruck, Punisher, als den von z.B. Belrain und anderen. Ich weiß nicht, wie du das sonst bewertest, was es zum Thema Sexualität und Aufklärung in China alles für News gibt. Wie gesagt: Man kann natürlich mit einer Radikalkritik jetzt die Authentizität einer jeden Statistik oder eines jeden Berichtes negieren, aber wo kommen wir dann in einem Diskurs dahin? Wie will man dann üerhaupt noch vernünftig argumentativ diskutieren, wenn alle Indizien von vorneherein als völlig "absurd" abgetan würden? Macht auf mich keinen Sinn...
RT, ich zweifle weder Statistiken noch deine Erfahrungen an. Dass du das in deinem Umkreis so gehört hast wie du es beschreibst glaube ich dir gerne. Nur decken sich deine Erfahrungen eben nicht mit meinen, das ist alles. Keiner von uns hat handfeste Beweise, werden wir auch nie haben. Ganz abgesehen davon interessiert es mich auch nicht, welcher Anteil der Chinesen in welchem Alter und wie oft Sex hat. Das ist denen ihr Problem, nicht meins. Es kümmert mich höchstens dann, wenn meine Angehörigen betroffen sind. Bei Fremden (wozu ich auch Schülerinnen zähle) geht es mir eher am A**** vorbei :wink: Dass du dir solche Sorgen um deine Schülerinnen machst finde ich zwar schön, aber wie schon oft gesagt, man kann sich auch übertriebene Sorgen machen.
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von NHR »

punisher2008 hat geschrieben: Du bist als Deutschlehrer eingestellt nicht wahr? Also meiner Meinung nach sind da Themen wie Verhütung und Kondome weniger angebracht. Ist das im Sinne der Schulleitung? Nichts dagegen, dass es auch für solche Themen den richtigen Ort und die passende Zeit gibt. Aber ob das ein Sprachkurs ist, möchte ich jetzt mal stark anzweifeln. Dass die Mädchen in deiner Klasse so reagieren wundert mich nicht. Nicht jedem ist es angenehm, in einem Sprachkurs über sexuelle Themen zu diskutieren. Was erwartest du denn? Es kann doch nicht in deinem Interesse sein, deine Schülerinnen in Verlegenheit zu bringen. Es gibt nun mal Dinge, die man (besonders als Ausländer) in China nicht unbedingt in der Öffentlichkeit ansprechen sollte. Z.B. habe ich in all meinen Kursen immer Politik oder Religion vermieden, weil ich weiß, dass die zu den Tabuthemen gehören. Privat mit Bekannten kann ich über alles diskutieren, aber nicht im Unterricht, da gibt es bei mir Grenzen. Ich denke mal, deine Schülerinnen werden wohl irgendwo einen Weg finden, den Umgang mit Kondomen zu lernen, oder Infos über AIDS zu finden. Glaub mir, dazu brauchen sie keinen Deutschkurs.
Wieso kann oder soll man sowas in einem Sprachkurs nicht besprechen?
An Sprachschulen in Taiwan (Mandarin Language Centers) kommt das auch in Lehrbüchern vor.
Worüber soll man denn sonst im Unterricht reden, wenn nicht über alltägliche Themen?
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von punisher2008 »

NHR hat geschrieben:Wieso kann oder soll man sowas in einem Sprachkurs nicht besprechen?
An Sprachschulen in Taiwan (Mandarin Language Centers) kommt das auch in Lehrbüchern vor.
Worüber soll man denn sonst im Unterricht reden, wenn nicht über alltägliche Themen?
Wie schon gesagt, weil es eben manchen Kursteilnehmern unangenehm ist. Ich weiß jetzt nicht, wie die in Taiwan das sehen. Kann ja sein, dass die da "aufgeklärter" und "westlicher" sind als in China. Aber egal wie man als Lehrer darüber denkt, man sollte seine Schüler respektieren und sie nicht zwingen über Themen zu reden die ihnen unangenehm sind. Es gibt tausende alltägliche Themen, da wird es doch möglich sein, solche wegzulassen, die manche in Verlegenheit bringen. Ein Sprachkurs soll eine Sprache vermitteln, nicht sexuell aufklären. Aufklärung ist ganz einfach nicht die Aufgabe des Sprachlehrers! Es wäre ja was anderes, wenn die Kursteilnehmer einstimmig und von sich aus solche Themen anschneiden. Aber als Lehrer gibt es keinen Grund, eine solche Diskussion zu erzwingen. Was soll das denn bringen?
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Re: Mit Vorurteilen umgehen, die Einen evtl. in China begegnen

Beitrag von NHR »

Ein Sprachkurs, der eine lebendige Sprache vermittelt, wird zwangsläufig alltagsthemen des Kulturkreises, in dem diese Sprache verankert ist, anschneiden.
Genauso wie man in einem Chinesischkurs höchstwahrscheinlich über Meister Kung, Tempel, Drachenbotfest, chinesisches Neujahr, die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation usw reden wird, so wird in einem Deutschkurs u.a. über die deutsche Kultur, Gesellschaft und Politik gesprochen.
Ob das, was der Schüler im Unterricht diesbezüglich von sich gibt, der Wahrheit entspricht, steht auf einem anderen Blatt Papier.
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