bossel hat geschrieben:hifi hat geschrieben:die Partei als Retter in der Not bejubelt wird, die die totale liberalisierung des freien Marktes propagiert.
Tun sie das? Selbst wenn, wie gesagt, das dt. System ist sozialdemokratisch. Da könnten sie propagieren, soviel sie wollen. Bis die FDP genug Stimmen hat, um die Verfassung zu ändern, können wir lange warten.
Wer sich an der Regierung beteiligt, kann auf jeden Fall mehr ihren Einfluss geltend machen. Dazu muss man nicht gleich die Verfassung ändern.
bossel hat geschrieben:Eben. Ich glaube, ich habe schon irgendwo erwähnt, daß ich Nichtwähler bin.
Das hätte ich von Dir nicht erwartet, da Du doch sonst immer die Werte der "Demokratie" so hochhälst.
bossel hat geschrieben:hifi hat geschrieben:dass nach FDP nur für die Reichen noch mehr Steuer erlassen sollte.
Ist das so? IIRC sollte das gesamte Steuersystem radikal vereinfacht werden. Davon würden nicht nur "die Reichen" (Wer ist das?) profitieren (wenn's so käme). Im Augenblick ist es doch so, daß va Spitzenverdiener oft wesentlich mehr absetzen können, als Leute mit mittlerem Einkommen. Eine tatsächliche Vereinfachung würde auch das verändern.
Ich denke, dass das Gewicht Deiner Aussage liegt hauptsächlich in den Worten: Eine
tatsächliche Vereinfachung
würde auch das verändern.
Aber die Erfahrung hat bereits gezeigt, dass das nicht in den Interessen von FDP-Funktionären liegt. Ich kann jetzt sofort mit Dir eine Wette abschließen, dass das Steuersystem unter Schwarz/Geld nicht, wie Spaß-Guido so gern behauptet, "gerechter" wird.
robbe hat geschrieben:Da hier so oft über wirtschaftliche Belange kritisiert werden, dass diese mehr Wert als soziale haben.
Nur mal so: Die Wirtschaft trägt nunmal den Sozialstaat und nicht andersrum. Ist die Wirtschaft schwächer kann sie nicht mehr so viel tragen. Ist doch ganz einfach zu verstehen.
Ich glaube manche haben hier (nicht nur hier, überall in Deutschland) die Vorstellung, einmal Wohlstand immer Wohlstand, als hätte Deutschland ein Patent für Wohlstand und man müsse einfach nur so weiter machen wie bisher. Ist halt ziemlich blöd gelaufen, dass sich der Staat vor vielen Jahren mit vorhandenen Geldern sich "alles" leisten wollte und es nun nicht mehr so gut läuft. Etwas kurzsichtig. Aber das ist nicht mal mein Vorwurf, der Vorwurf lautet, dass zu viele Leute denken, dass, wenn es damals gut lief auch heute gut laufen muss. Aber niemand kann/will verstehen , dass eben auch mal gekürzt werden muss, wenn es nicht mehr so gut läuft.
Ich habe FDP gewählt und zwar auch mit dem Hintergedanken, dass es nun vielleicht etwas "unsozialer" werden könnte. Das war/ist für mich allerdings die vernünftigste Alternative, gefiel mir immer noch besser als mit den Vorstellungen anderer Parteien weiterzuträumen. War für mich das kleinere Übel.
Ich glaube, Du verwechselst hier das Wort "sozial" mit "staatlichen Sozialleistungen".
Sozial ist, wenn die ein paar, die etwas mehr haben, den anderen, die zu wenig haben, etwas abgeben.
Sozial auf indisch wäre z.B. dass die Reichen bei Feierlichkeiten oder bei der Überquerung von Straße ab und zu mal ein paar Münzen herab fallen lassen.
Was Du meinst, ist die Reduzierung der staatlichen Sozialleistungen, weil der Staat sich den Luxus nicht mehr leisten kann. Dagegen habe ich nichts geschrieben.
Aber wenn wir hier (speziell in Deutschland) von weiter auseinander klaffender Schere zwischen Arm und Reich reden und wenn wir die (doch zahlreichen) Beispiele von Wirtschaftsfunktionären mit fehlenden Moralverhalten (jedoch mit unvorstellbar hoher Bezüge) uns vor Augen führen, dann frage ich mich manschmal, ob unsere Gesellschaft überhaupt noch sozial ist.
Natürlich hast Du recht, dass das Gemeinwohl unseres Staates essentiell von einer guten Entwicklung der Wirtschaft abhängt. Wir leben ja auch in der kapitalistischen Gesellschaft. Aber auch hier müsste man sozial sein, und zwar besonders für die Reichen und die Einflussreichen. Ohne der gemeinsame Wohlstand der breiten Masse, würde niemand mehr die Warenwirtschaft unterstützen können und es würde auch nicht mehr lange die funktionierende kapitalistische Gesellschaft geben. Das sollten die Kapitalisten, die Wirtschafts- und Finanzfunktionäre im Prinzip wissen und danach handeln. Aber wenn der neoliberalle US-President George W. Bush schon vor den Landeswirtschaftseliten treten muss, um über Moral und gesellschaftlichen Verpflichtungen zu predigen, dann sehen wir, wie weit inzwischen der Werteverfall bei vielen Bankern und Managern bereits vorangeschritten ist.
In Deutschland, wie bossel immer anmerkt, funktioniert der Sozialstaat bislang. Das bedeutet, dass die Reichen (nein, eigentlich wir alle) zwangshaft etwas mehr abgeben müssen, damit der Staat in der Lage ist, auch um die Armen und die Schwachen kümmern zu können. Das wäre nicht von nöten, wenn alle Reichen selbst so sozial sind, dass sie bereitwillig einen Teil ihres Reichtums mit der breiten Masse teilen würden. Aber so ist es in der Realität nicht der Fall, zumindest nicht bei der Mehrheit des Oberschichts.
Was FDP immer wieder fordert (komplette Liberalisierung des Marktes, mehr Eigenleistung der Einzelnen und weniger Sozialstaat für alle), kann nur funktionieren, wenn die Mehrheit der Wirtschaftsbossen und Funktionären des Finanzwesens alle über einem hohen moralischen Verhaltenskodex verfügen und auch tatsächlich danach handeln würden. Aber gerade die momentane Finanzkrise hat uns gezeigt, dass es nicht so der Fall ist.