Mit Chinesen über Politik reden

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beowulf
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von beowulf »

ingo_001

Sorry - auch wenn ich viele deiner Ansichten teile. Der BRD Vergleich ist schwachsinnig und könnte aus dem Mund eines "Dragon Slayers" stammen. Auch wenn Deutschland nach dem 2. Weltkrieg zusammengeschossen war, waren die Voraussetzungen doch ganz anders.

1. war Deutschland kein Agrarstaat der sich zu größen Teilen noch im "Mittelalter" (industriell, Bildung) befand und seit knapp 100 Jahr durch Kolonisation, Sektenaufständen, Warlords und Bürgerkrieg zerstört war.
2. Ist Deutschland ein kleines, geographisch extrem günstig gelegenes Land im Zentrum Europas. Vielleicht das reichste Gebiet in der ganzen Welt.
3. Bekam Deutschland massiv Hilfe von den USA. Damit meine ich nicht nur den Marshallplan, sondern die massive wirtschaftliche,politische und militärische Unterstützung aufgrund des kalten Krieges.

Ich will jetzt dem deutschen Aufbau keinen Abbruch tun. Das war trotz allem eine herausragende Leistung. Aber wie man so schön sagt, dass ist nicht nur eine andere Liga, sondern vielleicht sogar ein ganz anderer Sport. :lol:

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OlafSt
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von OlafSt »

Wir Deutschen vergessen nur zu gern, woher wir kommen und nehmen das erreichte als gegeben und "schon immer so" hin. Ich würde sogar sagen, das Deutschland damals noch deutlich schlechtere Bedingungen hatte als China vor 30 Jahren. Man darf nicht vergessen, das durch den Krieg und die Bombardierungen große Teile des Wohnraums nicht mehr existierten, die Industrie massivst zerstört (und was noch da war, anschließend weggeschleppt) wurde und große Mengen Arbeitskräfte auf dem Schlachtfeld getötet wurden bzw. geflohen waren. All das mußte erst wieder aufgebaut bzw. ersetzt werden - ein Problem, das China nicht hatte.

Dies soll aber die Entwicklung Chinas in keinster Weise schmälern, sie ist ja ähnlich phantastisch wie die Deutsche und der Prozeß ist ja noch im Gange.
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von Liberator »

beowulf hat geschrieben:
1. war Deutschland kein Agrarstaat
Da irren viele.
Es gab zwar schon einige industrielle Cluster, aber die Mehrzahl der Bevölkerung lebte immer noch auf dem Land. (Auch viele in Gebieten, die heute zu Polen gehören, daher ist das denke ich vielen nicht so bewusst)
Das heute reichste BL Bayern war damals bspw. abgesehen von München nur eine Kuhwiese.
Das hat den Bayern nach dem Krieg aber "geholfen", da sie quasi auf der grünen Wiese bauen konnten, während alte Industrieschwerpunkte wie z.B. Ruhr- oder Saar durch den allmählichen Niedergang der Montanindustrie in ihrer Entwicklung behindert wurden.
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von Liberator »

OlafSt hat geschrieben:Wir Deutschen vergessen nur zu gern, woher wir kommen und nehmen das erreichte als gegeben und "schon immer so" hin. Ich würde sogar sagen, das Deutschland damals noch deutlich schlechtere Bedingungen hatte als China vor 30 Jahren. Man darf nicht vergessen, das durch den Krieg und die Bombardierungen große Teile des Wohnraums nicht mehr existierten, die Industrie massivst zerstört (und was noch da war, anschließend weggeschleppt) wurde und große Mengen Arbeitskräfte auf dem Schlachtfeld getötet wurden bzw. geflohen waren. All das mußte erst wieder aufgebaut bzw. ersetzt werden - ein Problem, das China nicht hatte.
Dem würde ich wiedersprechen.
- Das Dritte Reich hatte zur Kriegsvorbereitung viel investriert, davon wurde nicht alles zerstört.
Z.B eine Eisenbahnlinie = da hab die Amis dann die Brücken bombadiert. der Rest der Trasse blieb aber unbeschadet, und bei der Brücke wohl noch die Pfeiler stehen, so dass dort der Wiederaufbau sehr veil billiger war als ein Neubau

- Die Deutschen waren insgesamt gut ausgebildet

- Nach der "Grenzverschiebung" der Sowjets hat es in der BRD ersteinmal nicht an Arbeitskräften gemangelt, später kamen dann die "Gastarbeiter"

- Wohnraum war relativ knapp, hat aber wenig mit der wirtschaftl. Leitungsfähigkeit zu tun. Viele Chinesen leben ja heute auch noch (für westl Verhältnisse) recht beengt
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ingo_001
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von ingo_001 »

beowulf hat geschrieben:1. war Deutschland kein Agrarstaat der sich zu größen Teilen noch im "Mittelalter" (industriell, Bildung) befand und seit knapp 100 Jahr durch Kolonisation, Sektenaufständen, Warlords und Bürgerkrieg zerstört war.
2. Ist Deutschland ein kleines, geographisch extrem günstig gelegenes Land im Zentrum Europas. Vielleicht das reichste Gebiet in der ganzen Welt.
3. Bekam Deutschland massiv Hilfe von den USA. Damit meine ich nicht nur den Marshallplan, sondern die massive wirtschaftliche,politische und militärische Unterstützung aufgrund des kalten Krieges.
Was müssen meine armen alten Augen da lesen :shock:

zu 1. Wenn das Mao hören könnte, dass Du ihm seit der Ausrufung der VR China 1949 so gar nichts zugetraut hast.
Deng hat - trotz der Kulturrevolution, die China eine komplette Generation Akademiker gekostet hat - nicht im Mittelalter anfangen müssen.
Und die von Dir beschriebenen Warlords gabs in der VR China nicht.

Ich hab die Vergleichzeiträume schon mit Bedacht gewählt - also bitte nicht aus dem Zusammenhang reissen.
Sonst kommt noch Jemand anders, der auf diese (Deine) Weise argumentiert ... und zwar so:
Vor 3000 Jahren war China schon eine Kultur-Zivilisation - und hier gabs ...?
So jetzt seht mal, "wie schnell" sich Deutschland entwickelt hat :roll:
DAS kann doch wohl keine Argumentationsebene sein.

zu 2. Deutschland ist das reichste Land? Bezogen auf was?
Nennenswerte Bodenschätze kannst Du jedenfalls nicht meinen.

zu 3. Vor dem Zerwürfniss mit der damaligen UdSSR wurde China massiv von dieser unterstützt - wirtschaftlich und militärisch.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von aquadraht »

Liberator hat geschrieben:
beowulf hat geschrieben:
1. war Deutschland kein Agrarstaat
Da irren viele.
Es gab zwar schon einige industrielle Cluster, aber die Mehrzahl der Bevölkerung lebte immer noch auf dem Land. (Auch viele in Gebieten, die heute zu Polen gehören, daher ist das denke ich vielen nicht so bewusst)
Das ist falsch. Die Urbanisierung war in Deutschland um 1910 etwa so weit fortgeschritten wie in China um 2000, es lebten nur noch 40% der Bevölkerung in Dörfern (und das waren nicht alles Bauern), dagegen 21,7% in Grossstädten. Nur noch 28,4% der Erwerbstätigen waren in der Landwirtschaft tätig, gegenüber 42,2% in Industrie und Handwerk. Dieser Prozess setzte sich nach dem ersten Weltkrieg beschleunigt fort. Zu Beginn des zweiten Weltkriegs lebten mehr Menschen in Grossstädten als in Dörfern, und die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft hatte sich gut halbiert.

Es ist natürlich zutreffend, dass Deutschland vor 50 Jahren stärker durch die Landwirtschaft geprägt war als heute. Aber auch Bayern hatte meines Wissens mehr Stadt- als Landbevölkerung, und nicht nur München, auch Nürnberg, Ulm, Augsburg, Ingolstadt, Schweinfurt etc. waren wichtige industrielle Zentren.
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von bossel »

Jesspro hat geschrieben:Mao ist nicht China, KP zu Maos Zeit ist nicht KP von heute.
Daran dürfte kein Zweifel bestehen. Mao würde in seinem Mausoleum rotieren, wenn er wüßte, was in China gerade abgeht. Ändert aber auch nichts daran, daß in der KP-Führung immer noch diktatorische Mörder sitzen.
Was bewegt den Studenten heute dazu, so anders zu denken und sogar die Kp zu verteidigen?
Den Studenten? Gibt es den? Es gibt solche & solche. Sogar in China.
Es gibt kein Land auf der Welt, das in so kurzer Zeit so eine enorme Entwicklung gemacht hat.
Ist das so? Dafür müßte man die Voraussetzungen & die daraus folgende Entwicklung erstmal analysieren. Gibt es derartige Analysen?
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von bossel »

NHR hat geschrieben:Diesbezüglich möchte ich amerken, dass es mir hier um den Großen Sprung nach vorn ging und geht, und ob Mao davon Wind bekam, bevor die Hungersnöte schon in vollem Gange waren.
Also, ob der Große Sprung nach vorn ein Massenmord war, oder nicht.
Da kann man natürlich geteilter Meinung sein. Aber die ganz bewußte Ignoranz, die Mao immer wieder zeigte (nach dem Motto "Von negativen Konsequenzen will ich nichts wissen. Ich habe einen Befehl gegeben & erwarte dessen Ausführung."), rechtfertigt mE durchaus auch hier die Klassifikation Massenmord, auch wenn er nicht ausdrücklich den Befehl gab, die Leute verhungern zu lassen.
Wenn sich jemand von der somit ungewollt in die falsche Richtung verteilten Aussage angefahren fühlt(e), tut mir das leid.

Dass ich auf Deine Aussage, Mao sei ein Massenmörder gewesen, trotzig mit "Falsch" antwortete, muss ich mir auch vorwerfen lassen.
Nachdem wir das hinter uns haben, können wir dann hoffentlich wieder zu einer etwas sachlicheren Diskussion zurückkehren. Soll mir recht sein.

1. Nicht nur ich halte die Zahlen, die Rummel handelt, für überhöht. Da gibt es genügend Kritiker.
Nunja, es sind Schätzungen, & Rummel versucht da den wahrscheinlichsten Mittelwert zu finden. Je nach Gewichtung der Quellen kann das natürlich variieren.

- Hier sieht man ganz genau, was ich damit meine. Er ignoriert komplett, dass diese beiden Demokratien zwar nicht zwischeneinander Krieg führten, aber an sich am Nil auch nichts verloren hatten.
So gesehen haben auch die Araber nichts am Nil verloren. Kamen schließlich auch als Eroberer.
Aber natürlich hast Du insofern recht, als es teilweise Demokratien waren, die Kolonialreiche errichteten. Ich bin übrigens mit seiner Einschätzung des Irakkrieges auch alles andere als einverstanden.
Ich denke aber nicht, daß das seine Demozidzahlen allgemein diskreditiert.
Seine Begründungen sind mir hier durchaus bekannt, aber imo (und nicht nur meiner Ansicht nach) zu sehr auf zu wenige Quellen reduziert.
Er ist natürlich etwas selektiv, aber er hat ja gezeigt, daß er auch seine Schätzungen korrigiert, wenn ihm (seiner Einschätzung nach) glaubwürdige neue Quellen vorliegen.
2. An Quellen für meine Behauptungen würde ich zuerst einmal den recht bekannten "Li Zhisui: The Private Life of Chairman Mao" heranziehen.
Das ist doch mal ein Wort. Leider nicht gelesen, nur die Reviews, die es damals gab. Dadurch habe ich übrigens erstmals von Maos Sexleben erfahren.
Ich gehe nun also erstmal zurück in meinen Elfenbeinturm, werde alle Spiegel aus dem Fenster werfen, mich einschliessen und dann weinend in eine Ecke setzen.
Nanana, ist doch nicht nötig. Hätte ich gewußt, daß Du so empfindsam bist, hätte ich natürlich die Samthandschuhe ausgepackt.
Denn ein Reply voller Spott aufgrund des oben genannten Fehlers ist ja nur eine Frage der Zeit.
Ach, ich glaube, da verwechselst Du mich mit einem Deiner Groupies. Ich kann durchaus auf eine eher sachliche Ebene zurückkehren.

Was nicht heißt, daß ich nicht irgendwann bei gegebenem Anlaß nochmal nachtreten werde, denn ich bin nunmal sehr nachtragend. & Du hast einfach zu viele gute Vorlagen gegeben, oh Meister des Paßspiels. :mrgreen:
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von beowulf »

zu
"1. Wenn das Mao hören könnte, dass Du ihm seit der Ausrufung der VR China 1949 so gar nichts zugetraut hast.
Deng hat - trotz der Kulturrevolution, die China eine komplette Generation Akademiker gekostet hat - nicht im Mittelalter anfangen müssen.
Und die von Dir beschriebenen Warlords gabs in der VR China nicht.

Ich hab die Vergleichzeiträume schon mit Bedacht gewählt - also bitte nicht aus dem Zusammenhang reissen.
Sonst kommt noch Jemand anders, der auf diese (Deine) Weise argumentiert ... und zwar so:
Vor 3000 Jahren war China schon eine Kultur-Zivilisation - und hier gabs ...?
So jetzt seht mal, "wie schnell" sich Deutschland entwickelt hat :roll:
DAS kann doch wohl keine Argumentationsebene sein."

Bin mir nicht sicher ob wir über das gleiche diskutieren. Ich finde, dass Mao einige Jahre schon explizit mehr Schaden als Gutes angerichtet hat. (ich rede jetzt nicht von Menschenrechten) Andererseits hätte ohne den Sieg Mao China gar nicht die Basis gehabt sich zu entwickeln.
Aber lassen wir das Thema, hier im Forum sind Mao Diskussionen ähnlich wie Tibet Diskussionen ein heißes Eisen.

Die Warlords waren vor der dem Ausruf der Volksrepublik. Aber ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor. Du vergleichst anscheinend Deutschland nach dem Krieg mit China nach Ende Mao. Sorry, wenn ich das anders verstanden habe.

zu
"2. Deutschland ist das reichste Land? Bezogen auf was?
Nennenswerte Bodenschätze kannst Du jedenfalls nicht meinen."

Habe ich auch nicht geschrieben. Deutschland liegt in einem pulsierenden und sogar einem der weltweit wichtigsten Wirtschaftsräume. Damals wie heute. Das sind einfach wirtschaftlich ganz andere Voraussetzungen.

zu
"3. Vor dem Zerwürfniss mit der damaligen UdSSR wurde China massiv von dieser unterstützt - wirtschaftlich und militärisch."

Ich glaube die wirtschaftliche und militärische Unterstützung der Sowjetunion kann man wohl kaum mit dem der USA vergleichen. Alleine deswegen, da die Sowjetunion selber wirtschaftlich nicht gerade ein "Gigant" war und (auch heute nicht ist). Ausserdem fällt diese Unterstützung für die Zeit nach Mao vollkommen weg.


Wenn man jetzt Bildung, Grad der Urbanisierung, Grad der Industrialisierung, Geographische Lage, wirtschaftliche Verbindungen etc. alles hineinbezieht, könnte man sagen, dass ähnliche Voraussetzungen bei der Ostküste Chinas und Deuschland bestehen. Und wenn man jetzt Deutschland 1974 mit Shanghai + Umgebung 2009 vergleicht (ich finde die Vergleiche sinnlos), kann man sagen, dass es da eine ähnlich erfolgreiche Entwicklung gibt.

Lange Rede - kurzer Sinn. Beide Länder waren erfolgreich, beide haben spezifische Problem und spezifische Vorteile. Die Niveaus der Ausgangslage waren auch unterschiedliche. Beide Länder haben auch unterschiedliche Ziele. Eine Frage wer "erfolgreicher" war, finde ich aufgrund der Unterschiedlichkeiten weder beantwortbar, noch seh ich einen Sinn dahinter.
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von aquadraht »

ingo_001 hat geschrieben: ..
Was müssen meine armen alten Augen da lesen :shock:
zu 1. Wenn das Mao hören könnte, dass Du ihm seit der Ausrufung der VR China 1949 so gar nichts zugetraut hast.
Deng hat - trotz der Kulturrevolution, die China eine komplette Generation Akademiker gekostet hat - nicht im Mittelalter anfangen müssen.
Und die von Dir beschriebenen Warlords gabs in der VR China nicht.
Mit dem Mittelalter hat Beowulf vielleicht etwas übertrieben. Und es ist schon richtig, dass zwischen 1949 und 1978 Grundlagen etwa in Infrastruktur und Industrie geschaffen worden sind. In der Kulturrevolution sind die Akademiker grossenteils nicht beseitigt, sondern zur Feld- und Fabrikarbeit geschickt worden, die ca. 3 Jahre Schul- und Uniferien der Roten Garden haben auch keine ganze Generation Akademiker gekostet. Der Preis für die Kulturrevolution war dennoch hoch.
Ich hab die Vergleichzeiträume schon mit Bedacht gewählt - also bitte nicht aus dem Zusammenhang reissen.
Davon habe ich allerdings auch nichts gemerkt. Vielleicht hättest Du noch etwas bedachtsamer abwägen sollen, was Du schreibst.

In China ist die Wirtschaft (GDP) von 91 Mrd. RMB 1949 auf 460 Mrd. RMB 1980 gewachsen. Damit hatte China etwa die Wirtschaftsleistung Dänemarks, wenn ich mich recht entsinne, allerdings mit ein paar mehr Leuten :mrgreen: Das ist natürlich ein nominaler Wert, der PPP-Wert lag weit darüber, zumal von Staat und Betrieben erhebliche nichtmonetäre Leistungen erbracht wurden.

Von 1980 bis 2007 stieg dieser Wert auf 27,5 Billionen RMB und dürfte dieses Jahr so um 32 Billionen betragen (ca. 4,7 Billionen US-$). Damit ist China dann unter den Volkswirtschaften der Welt vom etwa 30. bis 40. Platz 1980 auf dem 2. Platz gelandet.

Demgegenüber hat sich die deutsche Volkswirtschaft zwischen 1948 und 1975 nicht schneller entwickelt als der Durchschnitt der industrialisierten Länder. Deutschland war 1914 schon einmal zweitstärkste Wirtschaftsmacht kurz vor UK, und 1939 drittstärkste hinter den USA und der UdSSR und knapp vor Japan, nun war das das ungeteilte deutsche Reich, nicht die BRD nach dem Krieg.
Deutschland hat nur in einem Jahr, 1955 ein zweistelliges Wachstum (10,5%) gehabt, 1956/57 gab es eine Rezession mit über einer Million Arbeitslosen, 1967 eine mit über einer halben Million.

Der schnelle Wiederaufbau und das wirtschaftliche Wiedererstarken Deutschlands war gewiss eine Leistung, epochal war das aber nicht. Das traf eher auf den wirtschaftlichen Aufstiegs Amerikas und Deutschlands zwischen 1875 (bzw. 1865 in den USA) und dem Vorabend des ersten Weltkriegs zu. Auch damals hat sich die Führungsposition in der Weltwirtschaft umgewälzt. China hat zwischen 1980 und heute Ähnliches zustande gebracht, von niedrigerer Ausgangsposition. Das ist schon interessant zu beobachten.
zu 2. Deutschland ist das reichste Land? Bezogen auf was?
Nennenswerte Bodenschätze kannst Du jedenfalls nicht meinen.
Deutschland hatte 1914 den höchsten Prokopflebensstandard der Welt. Ok, einiges davon wurde in zwei Angriffskriegen verspielt. Dennoch war Deutschland trotz der Niederlage 1945 kein armes Land, und die Produktionsgrundlagen ebenso wie das industrielle Knowhow blieben ihm erhalten.
zu 3. Vor dem Zerwürfniss mit der damaligen UdSSR wurde China massiv von dieser unterstützt - wirtschaftlich und militärisch.
Naja, unterstützt mit dem, was die schwer kriegszerstörte UdSSR entbehren konnte. Und 1959 wurden alle Konstruktionspläne und viele Fahrzeuge abgezogen, was einen Teil der Hilfe wieder zunichte machte. Kein Ruhmesblatt für Chruschtschow und eine der Ursachen für die Tiefe und Nachhaltigkeit des Zerwürfnisses.
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von bossel »

aquadraht hat geschrieben:Deutschland hatte 1914 den höchsten Prokopflebensstandard der Welt.
Hmm, wie paßt das damit zusammen, daß zB in Schweden & England die Reallöhne 1914 höher waren?
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von ingo_001 »

Jungs, so interessant dieses Thema auch ist, hat es doch jetzt nichts mehr mit dem Ursprungsthread zu tun :mrgreen:
Machen wir einen seperaten Thread auf?
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von domasla »

Äh... "Mit Deutschen über Politik reden"?

D., redet mit Deutschen nicht über Politik.
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von no1gizmo »

Zusammenfassend kann man sagen, dass sowohl für Deutschland, China, Frankreich als auch Japan nach 1949/1950 die Karten neu gemischt wurden. 3 von 4 Länder haben schnell die Kurve gekriegt und sind Wirtschaftsmächte geworden, nur eines hatte sich 40-50 Jahre lang in Umwege geritten.
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Re: Mit Chinesen über Politik reden

Beitrag von beowulf »

domasla hat geschrieben:Äh... "Mit Deutschen über Politik reden"?

D., redet mit Deutschen nicht über Politik.
Redest du überhaupt mit irgendjemanden über Politik? :lol:
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