Es ging mir ja nicht darum, da mit etwas zu protzen. Die Zahlen von 2000 kann man sogar in der deutschen Wikipedia nachlesen, für die Fortschreibungsdaten müsste man in die Uni. Es ging mir um die Behauptung des DL im ZDF (heute) 2008, in Lhasa lebten doppelt so viele Han-Chinesen wie Tibeter. Das ist ein Lüge, davon kann man sich durch Augenschein überzeugen.Bernhard hat geschrieben: Zu der Bevölkerungszusammensetzung des Großraums Lhasa kann ich tatsächlich nicht viel sagen. Deswegen will ich es dabei bewenden lassen.
Das ist ein richtiger Einwand. In Sicherheitsfragen stehen die autonomen Gebiete vor allem der Tibeter und der Uighuren gewiss unter schärferer Kontrolle. Gleichzeitig haben sie damit in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht eher mehr Spielraum gegenüber der Zentrale und empfangen starke Unterstützung.Unsere Reiseführerin in China hat nach "Nachbohren" unsererseits zugegeben, dass die "autonomen" Gebiete tatsächlich stärkerer Kontrolle unterliegen. Aber ich weiß wiederum auch nicht, ob das stimmt.
Bis auf die unselige Phase der Kulturrevolution wurde die Religion den Tibetern nicht ausgetrieben und wird es heute am allerwenigsten. Säkular sind in Tibet auch nicht alle Mitarbeiter der Autonomiebehörde, vermutlich nicht einmal die Mehrheit. Man kann wirklich sagen, dass heute in Tibet wie in China überhaupt Glaubens- und Religionsfreiheit herrscht. Das war gewiss nicht immer so in der Volksrepublik. Unter den Lamas gab es keine Gewissensfreiheit. Anhängern des Säkularismus (es gab in Tibet eine Reihe Sympathisanten der KMT und wenige Kommunisten) wurde die Zunge herausgerissen und die Nase gespalten. Ich halte einen säkularen Staat, also einen, der keinem Menschen eine bestimmte Religion oder Überzeugung vorschreibt, für eine Grundlage der Zivilisation.Bernhard hat geschrieben:wobei ich bei "säkularen" Tibetern schon ein gewisses Bauchgrummeln habe.aquadraht hat geschrieben: Faktisch ist das ein autoritäres Regime säkular regierender Tibeter,
Nach meinen Informationen hat sich das tibetische Volk sehr stark über seine Religion definiert. Wenn man so einem Volk seine Religion austreibt, was bleibt dann noch übrig?
Nicht nur westliches, sondern generell modernes. Unter den jungen Leuten in Lhasa ist die Hitparade aus Shanghai und Taipeh der Renner. Dagegen ficht die Religion bei aller Verankerung in der Bevölkerung eine uphill battle. Wenn man sich die Pilgerscharen im Jokhang, um den Potala und in Sera und Drepung ansieht, sind das in der grossen Mehrheit Leute vom Lande, darunter mehr ältere.Natürlich will ich nicht den Tibetern vorschreiben, religiös sein zu müssen. Und in der jungen Generation, zumal in den Städten, macht sich wohl tatsächlich immer mehr westliches Denken breit (wie überall).
Das weiss ich nicht. Sie wurden aber nicht vom Alter von 5 Jahren an gehirngewaschen, um das auch mal festzustellen. Ich denke aber, dass es darum nicht geht. Die Autonomiebehörde ist heute eine relativ moderne Verwaltung mit wohl 20-30.000 Beschäftigten. Das sind nicht alles Kommunisten, mal abgesehen davon, dass das so wenig ehrenrührig ist wie ein Mönch oder Lama zu sein.Ich meine nur: Diejenigen, die in der Frühzeit der kommunistischen Herrschaft in die Kommunistische Partei eingetreten und als Kader ausgewählt worden sind, was mussten das für Leute sein? Bzw., welche "Schulungen" mögen die durchlaufen haben?
Dann sollen sie aufwachen und nicht weiter Blut vergiessen bzw. Gewalt säen. Die Zeit der Theokratie ist vorbei.Ich bin auch gegen pantibetischen Nationalismus. Allerdings tun diese "Pfaffen" (eigentlich ein falsches Wort, weil "Pfarrer" auf die christliche Religion beschränkt sind) das nicht als religiöse Oberhäupter, sondern als ehemalige Inhaber der weltlichen Macht.
Das sehe ich schon etwas anders. Natürlich bejahe ich das Recht von Religionsvertretern, zu öffentlichen Fragen aus der Sicht der Religion Stellung zu nehmen, und in dieser Hinsicht hat auch das heutige China noch Defizite. Allerdings sehe ich angesichts der wohlbelegten Bestialität der Theokratie nicht viel moralische Autorität des Exils in Dharamsala. Und deren Äusserungen, etwa zum Umgang mit Nichttibetern, lassen hoffen, dass die nie wieder auch nur einen Zipfel politischer Macht erhalten.Bernhard hat geschrieben:Das ist m.E. eine etwas verkürzte Darstellung.aquadraht hat geschrieben: Die Herrschaften sollen sich um das kümmern, wozu Religionen - wenn überhaupt - taugen, nämlich Menschen Sinn und Trost zu spenden.
Selbstverständlich sollte Religion dem Menschen Sinn und Trost spenden. Jedoch enthält die Religion auch immer eine moralische Komponente. Und die Moralvorstellungen der Religion decken sich nicht notwendigerweise mit den Gesetzen des Staates. Darüber hinaus haben viele Religionen (nicht alle) auch eine mehr oder weniger definierte Vorstellung, wie die Welt aussehen soll. Und das deckt sich auch nicht immer mit den Vorstellungen einer aktuellen Regierung.
Das werfe ich ihm eigentlich gar nicht vor. Dass es Beziehungen zwischen dem tibetischen Exil und der CIA gab, ist lange bekannt, auch die CIA-Unterstützung für die gescheiterten Guerillaoperationen. Was ich dem DL persönlich vorwerfe, sind seine wiederholten Lügen, er erhalte persönlich keinerlei Geld von den USA oder US-Stellen. Das hat er geschrieben und gesagt, bis das Gegenteil aus den Akten bewiesen wurde.Vom CIA hat er sich wohl durchfüttern lassen, aber das war die Zeit des Kalten Krieges. Da sind alle Seiten nicht so nobel vorgegangen.
Ich glaube, dass viele Gläubige sehr froh waren, dass der Panchen Lama in Tibet war, so wie in der Stalinzeit viele russische Gläubige froh waren, dass es einen Metropoliten gab, der auf der Basis vieler hässlicher Kompromisse wenigstens mit Einschränkungen die Glaubensausübung ermöglichte. Vor solchen Menschen habe ich Achtung.Über das Sich-Absetzen habe ich vorher schon etwas gesagt. Ich frage mich nur, was geworden wäre, wenn er geblieben wäre. Hätte er eine andere Alternative gehabt als der Pantschen Lama? Wenn nein, dann muss ich sagen: Auf ein religiöses Oberhaupt, das zu jeder Maßnahme einer totalitären Regierung Ja und Amen sagt, kann ich verzichten.
Ich finde auch die historische Argumentation nur bedingt wichtig. Tatsache ist, China, Kaiserreich, Republik und Volksrepublik, haben Tibet als Teil Chinas betrachtet, und keine ausländische Nation hat dem je (offen) widersprochen. Diese Sicht ergibt historisch, kulturell, geostrategisch und auch pragmatisch Sinn, da die Mehrzahl der Tibeter in China über ganz China verstreut lebt, und ein "Bod Chen" (Grosstibet), wie Dharamsala es fordert, würde 10-12 Millionen Nichttibeter unter die Fremdherrschaft von 5,8 Millionen Tibetern bringen. Das ist eine wahnwitzige Idee.Ok, Bejing hat in Tibet auch viel Gutes getan. Aber dennoch weiß ich nicht, ob es das Recht hatte, Tibet wie eine Provinz zu behandeln (und gegebenenfalls das Gold einzuziehen). Und selbst wenn das legale Recht, dann vielleicht doch noch nicht das moralische. Mag Tibet juristisch seit der Mongolenherrschaft zu China gehört haben, aber es war doch immer ziemlich unabhängig.
Naja, der DL hat immerhin ein paarhunderttausend $ zwischen 1959 und 1974 für sich allein verplempert. Da muss eine alte Oma lang für stricken, eine tibetische noch länger.Wenn ein großer Teil des Goldes für die Hofhaltung draufging, kann das natürlich nicht richtig sein. Allerdings: Hat der Dalai Lama in Dharamsala so eine aufwändige Hofhaltung?
P.S. 1979 hat Deng Xiao Ping dem DL die Übersiedlung nach Lhasa angeboten. Das Angebot beinhaltete Reise- und Äusserungsfreiheit. Es wurde dann ein paar Jahre darüber hin- und herverhandelt, wobei der DL die üblichen undiplomatischen Rüpeleien beging und 1989 die Verhandlungen mit der Begründung abbrach, mit einem Regime, das nur noch kurze Zeit existieren werde, lohne es sich nicht zu verhandeln.
Also mich stört das nicht.Jetzt habe ich wirklich sehr viel geschrieben. Werde versuchen, mich in Zukunft etwas kürzer zu fassen.
