Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Übersetzungen, Computerprobleme, Chinesische Zeichen, Studium in China, Sinologie usw.
Antworten
Britt
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 86
Registriert: 16.02.2009, 00:36
Wohnort: Berlin

Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Britt »

Hi,

eine Frage: Kann es sein, dass chinesische Kinder besonders musikalisch sind durch die verschiedenen Töne in ihrer Sprache? Immerhin erfordert es ja einiges an Musikalität, um die unterschiedlichen Töne korrekt zu identifizieren und zu treffen (hab immer ein bisschen das Gefühl, als müsste ich da vorher erst Musikunterricht nehmen :shock: ).

Kann natürlich sein, dass ich grade auch totalen Bullshit rede, aber interessieren tut es mich trotzdem.
Benutzeravatar
no1gizmo
VIP
VIP
Beiträge: 2710
Registriert: 19.11.2005, 19:10
Wohnort: Berlin

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von no1gizmo »

Nein. Wer gut singen kann, kann eventuell die Töne schneller beherrschen. Aber umgekehrt ist dies nicht so.
我是德国人,欧洲人和地球人

Blog über Leben und Arbeit in China- und Japan
Rigga
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 36
Registriert: 29.09.2006, 23:11
Wohnort: NRW

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Rigga »

es ist wissenschaftlich erwiesen, dass erheblich mehr Chinesen als Europäer noch in hohem Alter das absolute Gehör besitzen ...eine Folge der betonenden Sprache !
Wang
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 631
Registriert: 01.09.2007, 21:10

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Wang »

Britt hat geschrieben:Hi,

eine Frage: Kann es sein, dass chinesische Kinder besonders musikalisch sind durch die verschiedenen Töne in ihrer Sprache? Immerhin erfordert es ja einiges an Musikalität, um die unterschiedlichen Töne korrekt zu identifizieren und zu treffen (hab immer ein bisschen das Gefühl, als müsste ich da vorher erst Musikunterricht nehmen :shock: ).

Kann natürlich sein, dass ich grade auch totalen Bullshit rede, aber interessieren tut es mich trotzdem.
Meiner Meinung nach nein. Dass Chinesisch unterschiedliche (festgelegte) Tonhöhe besitzt, hat, denke ich, nichts mit Musikalität zu tun. Wenn du genauer drauf achtest, hat jede Sprache unterschiedliche Töne, nur dass diese nicht so streng festgelegt sind und man die Wörter auch noch versteht, WENN sie anders ausgesprochen werden. Normalerweise werden sie aber von Muttersprachlern immer gleich ausgesprochen. So wird wohl jeder Deutsche "Basel" wie im 1. und im 5. Ton aussprechen. Wenn jemand es wie "Ba4sel2" aussprechen würde, hörte sich das extrem seltsam an. Der einzige Unterschied zum Chinesischen ist wie gesagt, dass man die Bedeutung immer noch versteht. Das ändert aber nichts daran, dass die Betonung eigentlich falsch ist.
Das Gleiche gilt für Intonationsfragen oder -aussagesätze. Wenn du eine Frage stellst, hebst du automatisch die Stimme an am Ende des Satzes (entspricht also dem 2. Ton), während du bei einer Feststellung oder einem Befehl die Stimme senken wirst (4. Ton).
Wir verfügen also auch über Töne, nur unbewusst.
Rigga hat geschrieben:es ist wissenschaftlich erwiesen, dass erheblich mehr Chinesen als Europäer noch in hohem Alter das absolute Gehör besitzen ...eine Folge der betonenden Sprache !
Ach, was heute alles wissenschaftlich "erwiesen" wird... Dann werden je 5000 Chinesen und Europäer auf ihr Gehör getestet. Die Chinesen erreichen dann, meinetwegen, 90% der zu erreichenden Punkte und Europäer 86%, was dann natürlich zweifelsfrei auf die Sprache zurückzuführen ist... Dass bei den meisten Studien, die irgendetwas "beweisen", oft total abenteuerliche Schlussfolgerungen gezogen werden, wird oft nicht beachtet.
Benutzeravatar
Linnea
VIP
VIP
Beiträge: 2952
Registriert: 04.06.2007, 14:29
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Linnea »

Rigga hat geschrieben:es ist wissenschaftlich erwiesen, dass erheblich mehr Chinesen als Europäer noch in hohem Alter das absolute Gehör besitzen ...eine Folge der betonenden Sprache !
Man kann durchaus Artikel finden, die diese These aufgreifen. Ich frage mich, wie der Weg von der Unterscheidung der Töne (hier sind die chinesischen gemeint) zum absoluten Gehör, das nicht nur Töne (hier sind die der Musik gemeint) unterscheiden, sondern auch genau benennen kann, von statten geht. Jeder Sprecher hat seine eigene Stimmlage, die eben nicht gleich hoch ist wie die aller seiner Mitmenschen - trotzdem wird er problemlos verstanden. Welchen Faktor spielen die Gene, welchen Faktor eine frühe Musikausbildung?
Britt
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 86
Registriert: 16.02.2009, 00:36
Wohnort: Berlin

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Britt »

Huh Wang,

interessanter Beitrag. Damit, dass unsere Sprache natürlich auch über Töne und eine bestimmte Sprechmelodie verfügt, hast du natürlich recht, hatte ich mir auch schon überlegt (übrigens denke ich, dass es hier auch Unterschiede gibt, z.B. bei bestimmten Dialekten, vielleicht auch größere individuelle). Trotzdem muss ein chinesischer Muttersprachler, wenn er ein ein Wort hört, bei diesem nun mal nicht nur (automatisch) den Wortlaut, sondern auch die Tonlage überprüfen. Daher meine (spontane) Idee, dass dies auch Rückschlüsse auf das Gehör hat (Verfeinerung), stärker als bei einem europäischen Muttersprachler.
Rigga hat geschrieben:es ist wissenschaftlich erwiesen, dass erheblich mehr Chinesen als Europäer noch in hohem Alter das absolute Gehör besitzen ...eine Folge der betonenden Sprache !
Muss da Wang rechtgeben ... aus diesem einen Satz geht weder ein wissenschaftlicher Beweis hervor, noch dass es tatsächlich eine Frage der Tonsprache ist. Vielleicht könntest du noch einen Link zu der Studie geben (wobei der Nachweis, dass es wirklich an der Tonsprache liegt, und nicht an korrelieren anderen Faktoren, wohl schwierig sein dürfte ... ).
Wang
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 631
Registriert: 01.09.2007, 21:10

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Wang »

Britt hat geschrieben:Trotzdem muss ein chinesischer Muttersprachler, wenn er ein ein Wort hört, bei diesem nun mal nicht nur (automatisch) den Wortlaut, sondern auch die Tonlage überprüfen.

Hmm, schwer zu sagen... Ich würde eher sagen, dass das Gehör nicht unbedingt weiter geschult wird, weil die Chinesen ja die Wörter weniger auf die Tonlage prüfen, sondern es eher im Zusammenhang hören, denke ich zumindest. Hinzu kommt: Babys, die durch ihre Eltern Chinesisch lernen, lernen natürlich nicht mit Pinyin-Schrift, sondern nur vom Hören. Das heißt, sie wissen gar nicht, dass es überhaupt Töne gibt und übernehmen sie einfach unbewusst. Für sie sind also 叫 jiao4 und 交 jiao1 nicht eine Silbe mit 2 unterschiedlichen Tönen, sondern einfach zwei komplett verschiedene Wörter. Wenn man Chinesisch, wie die meisten Ausländer, als Fremdsprache später lernt, sieht das natürlich anders aus und man muss bewusst drauf achten und die Töne lernen und beachten. Bei Chinesen, denke ich zumindest, wird es eher automatisch als Kind erlernt und nicht wirklich bewusst zwischen Tönen unterschieden, sondern man spricht es dann einfach in der jeweiligen Tonlage aus, wie man es immer hört. Wie im Deutschen die Betonung von Wörtern oder auch Dialekte, die die Kinder einfach immer von ihren Eltern hören. Deswegen denke ich mal nicht, dass es einen großen Unterschied gibt, was die Schulung des Gehörs angeht.
Benutzeravatar
Linnea
VIP
VIP
Beiträge: 2952
Registriert: 04.06.2007, 14:29
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Linnea »

Britt hat geschrieben:Trotzdem muss ein chinesischer Muttersprachler, wenn er ein ein Wort hört, bei diesem nun mal nicht nur (automatisch) den Wortlaut, sondern auch die Tonlage überprüfen.
Ich sperre mich massiv gegen die Ansicht, dass Tonlagen unterschieden werden. Tonunterschiede hingegen schon - ein Mann spricht in einer anderen Tonlage als eine Frau.

Wang hat geschrieben: Für sie sind also 叫 jiao4 und 交 jiao1 nicht eine Silbe mit 2 unterschiedlichen Tönen, sondern einfach zwei komplett verschiedene Wörter. [...]Bei Chinesen, denke ich zumindest, wird es eher automatisch als Kind erlernt und nicht wirklich bewusst zwischen Tönen unterschieden, sondern man spricht es dann einfach in der jeweiligen Tonlage aus, wie man es immer hört.
Genau das ist auch meine Erfahrung. Menschen, meist Chinesen, die von Kindesbeinen an chinesisch lernen, haben keine blassen Schimmer von Tönen, sie lernen im Elternhaus darüber nichts, weil es für die Verständigung keinerlei Bedeutung hat. Mit deutsch aufwachsenden Kindern wird auch erst sehr spät bewusst, dass sie tatsächlich bei Fragesätzen am Ende des Satzes mit der Stimme nach oben gehen. Ein Vierjähriger, der Fragesätze sehr wohl benutzen kann, weiß das in der Regel nicht.
Aremonus
VIP
VIP
Beiträge: 2214
Registriert: 07.03.2007, 14:45
Wohnort: Basel / Chengdu

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Aremonus »

Nunja, wenn man Abends um 8 in ein KTV geht, lässt sich diese Aussage gut wiederlegen :P

Das absolute Gehör besitzen wir alle, haben übrigens auch die meisten Tiere. Das Relative benötigt viel mehr "rechenleistung" im Kopf. Die meisten Menschen können aber die Töne, die sie durchaus erkennen, nicht mit nahmen versehen... vielleicht haben da die Chinesen ein Vorteil?

Kann mir aber nicht vorstellen, dass dies mit dem Alter zu tun hat - das leigt IMHO eher daran, dass Leute, die in Europa Musik studieren, eine etwas, pardon, wildere Jugend zubringen und öfters Mal ein bisschen zu laut Musik hören als ihre chinesischen Kollegen. Das wirkt sich dann auf das Gehör im Hohen Alter aus.
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
Benutzeravatar
HK_Yan
VIP
VIP
Beiträge: 4529
Registriert: 21.07.2007, 06:31
Wohnort: Hong Kong

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von HK_Yan »

Britt hat geschrieben:Hi,

eine Frage: Kann es sein, dass chinesische Kinder besonders musikalisch sind durch die verschiedenen Töne in ihrer Sprache? Immerhin erfordert es ja einiges an Musikalität, um die unterschiedlichen Töne korrekt zu identifizieren und zu treffen (hab immer ein bisschen das Gefühl, als müsste ich da vorher erst Musikunterricht nehmen :shock: ).

Kann natürlich sein, dass ich grade auch totalen Bullshit rede, aber interessieren tut es mich trotzdem.
Sollte nicht genau das Gegenteil der Fall sein? Mandarin hat nur ca. 420 Laute, zusammen mit den Tönen dann um die 1200 - ist damit von der Zahl der Silben her also viel ärmer als z.B. deutsch, wo man ein vielfaches der Töne hat.

Ich stimme aber mit 100% zu zu deinem letzten Satz.
Online deutsches TV aufnehmen mit dem Online Videorecorder! 40 Sender und kostenlos!

www.onlinetvrecorder.com
Benutzeravatar
Linnea
VIP
VIP
Beiträge: 2952
Registriert: 04.06.2007, 14:29
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Linnea »

Aremonus hat geschrieben:Das absolute Gehör besitzen wir alle, haben übrigens auch die meisten Tiere.
Das absolute Gehör besaßen wir alle einst in der Kindheit wäre wohl richtiger. Die meisten von uns haben es jedoch verloren. Natürlich ist die Fähigkeit Töne zu benennen erworben, dass das a' dann a' heißt ist eine Menschenleistung und keine der Natur. Trotzdem ist es für mich mehr als erstaunlich wenn Menschen z.B. auch noch die Frequenz in Hertz dazu angeben können. "Das ist ein a mit 440 Hz" - ich saß mit dem Stimmgerät daneben, gehört hätte ich es nicht....

Aremonus hat geschrieben:das leigt IMHO eher daran, dass Leute, die in Europa Musik studieren, eine etwas, pardon, wildere Jugend zubringen und öfters Mal ein bisschen zu laut Musik hören als ihre chinesischen Kollegen. Das wirkt sich dann auf das Gehör im Hohen Alter aus.
Ich kenne einige Deutsche mit absolutem Gehör (s.o.), die sich in ihrer Jugend das Gehör förmlich rausgeblasen haben - ihrer Fähigkeit Töne zu benennen tat das anscheinend keinen Abbruch...
Britt
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 86
Registriert: 16.02.2009, 00:36
Wohnort: Berlin

Re: Chin. Kinder besonders musikalisch wg. der unters. Tonhöhen?

Beitrag von Britt »

Danke für eure Beiträge, warn sehr interessant zu lesen. :wink:
Schade, dass hier kaum/keine Chinesen sind, es wäre interessant, eine Meinung von einem chinesischen Muttersprachler zu hören.
HK_Yan hat geschrieben:
Britt hat geschrieben:Hi,
(...)
Kann natürlich sein, dass ich grade auch totalen Bullshit rede, aber interessieren tut es mich trotzdem.
Sollte nicht genau das Gegenteil der Fall sein? Mandarin hat nur ca. 420 Laute, zusammen mit den Tönen dann um die 1200 - ist damit von der Zahl der Silben her also viel ärmer als z.B. deutsch, wo man ein vielfaches der Töne hat.

Ich stimme aber mit 100% zu zu deinem letzten Satz.
HK_Yan, es stört mich nicht wirklich, wenn jemand eine andere andere Ansicht vertritt als ich. Ich habe das Thema als Diskussionsthread aufgemacht, für Pro- und Gegenargumente, entstanden aus einer spontanen Idee. Dennoch wäre ich an deiner Stelle etwas zurückhaltender, in einen Diskussionsforum eine andere Idee von vornherein als "Bullshit" abzuhandeln, selbst wenn der Threadersteller am Ende seines Beitrag das durchaus selbstironisch aufgeworfen hat, das ist kein guter Diskussionsstil. Die Beiträge der anderen User weisen jedenfalls daraufhin, dass die meisten die "Bullshit"-Idee durchaus als diskutierbar empfinden.

Gruß
Britt

PS: Rigga, bekommen wir den "wissenschaftlichen Beweis" noch zu lesen?
Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot] und 1 Gast