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Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 10:41
von nadine.prochnow
Hallo liebe Chinafreunde,
ich möchte aus China Druckmaschinenteile importieren. Anfangen möchte ich mit kleinen Mengen, um erstmal mit den internationalen Handelsmodalitäten vertraut zu werden.
Einen Hersteller, der mir einen seriösen Eindruck macht, habe ich auch schon gefunden.
Nach langem Hin und Her hat mir der Hersteller jetzt eine „Proforma Invoice“ zugesendet.
Mit den dort festgehaltenen Bedingungen bin ich soweit auch einverstanden.
Was mich jedoch skeptisch macht, ist die Tatsache, dass ich den Depositbetrag von 30 % sowie den Balancebetrag von 70 % an eine Import/Export Firma schicken soll, von der zuvor noch nie die Rede war. Im Internet lassen sich über diese Import/Export Firma kaum brauchbare Informationen finden. Was ich zudem etwas komisch finde, ist die Tatsache, dass der Hersteller und die Exportfirma in ganz anderen Städten sitzen. Der Hersteller sitzt in Shanghai und die Exportfirma in Changzhou (Jiangsu).
Dass es in China eine durchaus übliche Praxis ist, die Exportlizenzen anderer Firmen zu nutzen, habe ich schon häufiger gelesen.
Aber wie kann ich nun die Seriosität dieser Export-Firma prüfen? Bekomme ich meine Ware wirklich?
Sollte ich mir vielleicht einen Scan der Export-Lizenz zukommen lassen?
Was würdet ihr empfehlen?
Im Voraus schon mal viele Dank für eure Antworten.
Beste Grüße Nadine
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 11:06
von HK_Yan
nadine.prochnow hat geschrieben:Was mich jedoch skeptisch macht, ist die Tatsache, dass ich den Depositbetrag von 30 % sowie den Balancebetrag von 70 % an eine Import/Export Firma schicken soll,
Hört sich relativ normal an. Achte darauf das der Betrag tatsächlich an eine Firma geht und nicht an eine Privatperson.
Das die I/E Corps ganz woanders ist ist auch nicht ungewöhnlich. Ich hab mal Waren aus Sichuan und Guangzhou für den Zugtransport nach Kasachstan über eine I/E aus Harbin abgewickelt.
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 12:26
von nadine.prochnow
@HK_Yan
Danke für deine schnelle Antwort.
Aber wie kann ich denn jetzt die Seriösität der zu begünstigenden Firma prüfen? Ich habe keine Lust Lotto zu spielen und 6 Wochen lang zu hoffen, dass ich tatsächlich eine Ladung bekomme. Sollte ich einen Scan der Export-Lizenz verlangen und dann beim China-Imbiss meines Vertrauens übersetzten lassen (Leider habe ich keine Chinesen in meinem Freundeskreis)?
Beste Grüße,
N.Prochnow
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 13:11
von Grufti
nadine.prochnow hat geschrieben:
Nach langem Hin und Her hat mir der Hersteller jetzt eine „Proforma Invoice“ zugesendet.
Hallo Nadine !
Erst einmal herzlich willkommen in unserem Forum
Bitte achte darauf, daß Du auf alle Fälle eine "Commercial invoice" bekommst, denn der deutsche Zoll kann recht eklig werden, wen Du nur eine "Proforma "hast, aber keine "
Commercial " bei der Abfertigung vorweisen kannst...
Ein Kunde von mir hatte schon mal 300 EUR Zwangsgeld zahlen müssen, weil der die 2malige schriftliche Aufforderung des Zolls, endlich eine richtige Handelsrechnung vorzulegen, recht tapfer ignoriert hatte..
Am besten sofort eine Commercial invoice verlangen !!
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 13:25
von mistervac
Hallo Nadine,
30 % Anzahlung sind ok, ich halte das ( bei neuen Handelskontakten) immer so, dass ich den Rest ( 70%) erst dann begleiche wenn die Ware laut Aussage meines Spediteurs sich auf hoher See befindet.
Dann schickt mein Lieferant die Originalpapiere , sprich die Commercial Invoice plus Packing List. Du musst Dich erkundigen, ob für Deine speziellen Teile ein CO ( Certificate of origin- in germanisch : Ursprungszeugnis) erforderlich ist. Auch das weiss Dein Spediteur.
man nennt diese Transaktionsweise übrigens CAD ==> cash against documents. Der Lieferant hat kein Argument, auf Vorkasse VOR der Verschiffung zu enstehen, da Du mit der Ware ohne die Dokumente schliesslich nix anfangen kannst.
Wenn Du noch Fragen hast, schick einfach ne PN
Gruss
Andreas ( ja, so heisst der mistervac

)
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 13:52
von HK_Yan
mistervac hat geschrieben:dass ich den Rest ( 70%) erst dann begleiche wenn die Ware laut Aussage meines Spediteurs sich auf hoher See befindet.
Da werden sich viele Lieferanten nicht drauf einlassen. Normal ist das man den Rest
vor der Verschiffung zahlt. Ich zahle in der Regel den Rest wenn mir das ETD Datum avisiert wird.
mistervac hat geschrieben:man nennt diese Transaktionsweise übrigens CAD ==> cash against documents.
Das ist nach meinem Wissen ein Bankservice und ein Art Unterform vom L/C. Hab ich aber selber nie angewendet.
mistervac hat geschrieben:Der Lieferant hat kein Argument, auf Vorkasse VOR der Verschiffung zu enstehen, da Du mit der Ware ohne die Dokumente schliesslich nix anfangen kannst.
Kommt darauf an welches Verhältnis man zur Spedition hat. Ich hab schon etliche Male Ware ohne Dokumente bekommen.
Das mit dem Vertrauen ist immer so eine Sache. Man merkt Betrug aber oft daran das der "Lieferant" nicht sehr professionell und weder die Produkte gut kennt noch den genauen Ablauf. Eine staatliche I/E bringt eigentlich mehr Sicherheit. Muss aber nicht so sein da man ja nicht weis wie lange es die Firma gibt etc. Am besten ist aber immer noch hinfahren, ansehen.
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 14:04
von mistervac
@HK yan :
klar, jeder hat so seine Kontakte und seine Vorgehensweise.
Auch ich hatte natürlich schon Lieferanten, die sich gegen die beschriebene Vorgehensweise verwehren, aber - meiner Erfahrung nach- sitze ich als Kunde eben doch am längeren Hebel.
Ohne Einschränkung geben ich dir Recht, dass man vor Ort präsent sein sollte. Ich kenne viele Leute, die ( z.B. durch Plagiate oder anderweitige Konkurrenzgeschäfte) über den Löffel barbiert wurden, dies ist nur zu verhindern durch enge persönlich Kontakte, die moralisch verpflichten.
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 14:10
von nadine.prochnow
Ersteinmal vielen Dank für eure zahlreichen Antworten!
Nun zur Sache:
Persönliche Kontakt sind für mich momentan eine Kostenfrage.
Nach China fliegen um vor Ort die Lage zu checken kann ich mir einfach nicht leisten. Mein zu erwartender Gewinn wäre dann hin.
Ich will beim ersten mal nicht mehr als 2500 Euro ausgeben.
Gibt denn keine anderen Wege die Seriösität eines kaum im Internet genannten I/E-Unternehmens zu prüfen?
MfG Nadine
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 14:42
von ingo_001
Evtl. hilft Dir folgender Link weiter:
http://www.alibaba.com/?src=google&albc ... 2593411853" target="_blank
Da wir aber persönliche Vertrauenspersonen (Familie, Freunde) in China haben, hatten wir uns seinerzeit, als wir ähnliche Überlegungen wälzten, nicht näher mit "Ali Baba" beschäftigt.
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 16:46
von lamlok
Den Tip mit Alibaba find ich nun nicht richtig prickelnd. In der Firma meines Mannes hatte man sich bei Alibaba Mitarbeitern geweigert, Schmiergeld zu bezahlen und prompt bekam die Firma einen sehr negativen Eintrag.
Das hat Wochen ( oder sogar Monate ?) gedauert, bis dieser Eintrag a) überhaupt bemerkt wurde und b) wieder entfernt wurde.
Bei Erstkontakt ist es normalerweise üblich, dass die Balance vor dem Verschiffen bezahlt werden muss.
Sicher kann man tatsächlich nur dann sein, wenn jemand vor Ort auftaucht und nach dem Rechten sieht.
Ich bin die Vizepräsidentin der Ningbo Chamber of International Commerce, Ausländer Committee, und solche Hilferufe, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, landen regelmässig auf unserem Schreibtisch.
lamlok
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 17:07
von ingo_001
lamlok hat geschrieben:Den Tip mit Alibaba find ich nun nicht richtig prickelnd. In der Firma meines Mannes hatte man sich bei Alibaba Mitarbeitern geweigert, Schmiergeld zu bezahlen und prompt bekam die Firma einen sehr negativen Eintrag.
Das ist zwar ein drastisches Beispiel - dürfte Dich aber als Solches nicht wirklich wundern, zumal, wenn Du Dich in dieser Materie bewegst.
In China werden Geschäfte i.d.R. nach wie vor nur dann erfolgreich getätigt, wenn man nach chinesischen Regeln spielt, d.h., Schmiergeld zahlt.
Als Ausländer ist das sogar obligatorisch, denn nur so erhält man auch Zugang zu dem, was man im Westen als "Netzwerke" glaubt erfunden zu haben - die aber in China schon eine sehr alte Tradition haben und um einiges komplexer sind.
Da zählt dann die "persönliche Chemie" auch mehr als formal abgeschlossene Verträge - um nur mal ein Beispiel zu nennen.
Ähnliches war hier im Forum auch schon mal thematisiert.
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 17:35
von mistervac
lamlok hat geschrieben:
Bei Erstkontakt ist es normalerweise üblich, dass die Balance vor dem Verschiffen bezahlt werden muss.
Ich wage, das Gegenteil zu behaupten.
Ich würde einen Teufel tun, jemandem in Asien oder sonstwo ausserhalb Europas den vollen Zahlbetrag anzuweisen, bevor meine Ware den Verschiffungshafen verlassen hat.
Das heisst nicht, dass ich mit dieser Vorgehensweise offene Türen einrenne.
Re: Das leidige Thema mit den Exportlizenzen.
Verfasst: 11.05.2009, 17:49
von ingo_001
mistervac hat geschrieben:lamlok hat geschrieben:
Bei Erstkontakt ist es normalerweise üblich, dass die Balance vor dem Verschiffen bezahlt werden muss.
Ich wage, das Gegenteil zu behaupten.
Ich setze da nach eins drauf:
Selbst unsere Ansprechpartner
in China sagen, dass Teilzahlungen eher die Regel als die Ausnahme sind.
Das man den Rest bezahlt, wenn die Ware auf den Seeweg nach Europa unterwegs ist, brauch ich ja wohl nicht extra zu erwähnen.