Facharbeit über Chinesische Religion
Facharbeit über Chinesische Religion
Liebe China-Experten,
ich bin Schüler der 12. Jahrgangsstufe und gerade mit einer Facharbeit zum Thema chinesische Religion bzw. Philosophie beschäftigt. Nach einem historischen Rundumschlag und allgemeinen Definitionen, mit welchen ich zu mindest keine großen Probleme hatte, weil da viel Literatur vorhanden ist, will (oder soll) ich mich der Frage zuwenden ob und wenn ja dann wie Religion/Philosophie sich aktuell auf den Alltag, die Weltsicht usw in China auswirkt.
Ich hoffe, dass Sie mir da vielleicht mit ein paar konkreten Erfahrungsberichten oder auch allgemeinen Ideen helfen können. Vielen Dank im Voraus für ihrer Antworten!
ich bin Schüler der 12. Jahrgangsstufe und gerade mit einer Facharbeit zum Thema chinesische Religion bzw. Philosophie beschäftigt. Nach einem historischen Rundumschlag und allgemeinen Definitionen, mit welchen ich zu mindest keine großen Probleme hatte, weil da viel Literatur vorhanden ist, will (oder soll) ich mich der Frage zuwenden ob und wenn ja dann wie Religion/Philosophie sich aktuell auf den Alltag, die Weltsicht usw in China auswirkt.
Ich hoffe, dass Sie mir da vielleicht mit ein paar konkreten Erfahrungsberichten oder auch allgemeinen Ideen helfen können. Vielen Dank im Voraus für ihrer Antworten!
Re: Facharbeit über Chinesische Religion
Ich tue mich schon im Threadtitel schwer, was verstehst du unter "Chinesische Religion" ?
Berichtest du nun über Religionen und philosophischen Lehren die ihren Ursprung in China hatten? Religionen die China maßgeblich prägten?, oder über die fünf Religionen die auch als Religion anerkannt sind? Eine Staatsreligion gibt es in China ja nicht.
Vielleicht solltest du deine Fragen etwas konkretisieren, auf einem Rundumschlag wirst du wahrscheinlich vergeblich warten, dafür ist das Thema zu umfangreich.
Aber mal eine ganz Allgemeine Antwort ob und wie sich Religion heutzutage auswirkt:
Ja, Religion wirkt sich auf den Alltag aus. Viele Chinesen behaupten zwar nicht gläubig zu sein, wenn es dann aber ans eingemachte geht wie Hochzeit, Babys, Familienprobleme oder Glück für die Selbstständigkeit, überlasst man gerne nichts dem Zufall.
Gerade in Restaurants sieht man des öfteren einen goldenen Buddha rumstehen, der soll finanzielles Glück bringen.
Berichtest du nun über Religionen und philosophischen Lehren die ihren Ursprung in China hatten? Religionen die China maßgeblich prägten?, oder über die fünf Religionen die auch als Religion anerkannt sind? Eine Staatsreligion gibt es in China ja nicht.
Vielleicht solltest du deine Fragen etwas konkretisieren, auf einem Rundumschlag wirst du wahrscheinlich vergeblich warten, dafür ist das Thema zu umfangreich.
Aber mal eine ganz Allgemeine Antwort ob und wie sich Religion heutzutage auswirkt:
Ja, Religion wirkt sich auf den Alltag aus. Viele Chinesen behaupten zwar nicht gläubig zu sein, wenn es dann aber ans eingemachte geht wie Hochzeit, Babys, Familienprobleme oder Glück für die Selbstständigkeit, überlasst man gerne nichts dem Zufall.
Gerade in Restaurants sieht man des öfteren einen goldenen Buddha rumstehen, der soll finanzielles Glück bringen.
Re: Facharbeit über Chinesische Religion
Ok, also um es zu konkretisieren: es geht vor allem um Religionen (oder Philosophien, so wie ich das verstehe wird da im Chinesischen keine wirkliche Unterscheidung gemacht), die die Entwicklung Chinas an sich maßgeblich mitbeeinflusst haben. Da die Arbeit nicht wirklich umfangreich werden soll, kann ich da auch nicht sehr differenzieren. In meinem historischen und allgemeinen Teil gehe ich vom Universismus als Basis aus, der dann vom Taoismus und Konfuzianismus teilweise wiederaufgegriffen wurde und später kam es ja auch zur Vermischung zwischen diesen Traditionen und dem Buddhismus. Da in diesen Religionen kein festes Glaubensbekenntnis vorhanden ist und auch kein "eifersüchtiger" Gott konkurrieren sie nicht miteinander sondern ergänzen sich eher. Und wie die Gesamtheit der Ideen dieser Lehren auch heute noch fortwirkt versuche ich eben herauszufinden. Auf die christlichen Religionen und den Islam gehe ich eher nur am Rande ein.
Re: Facharbeit über Chinesische Religion
Kannst du uns mal mitteilen, was du bisher gelesen hast?
Damit allein bekommst du eine Facharbeit und ganze Bücher voll. Dein betreuender Lehrer ist halb des Wahnsinns, dass er dich dieses Thema in einem Rundumschlag behandeln lässt. Wenn noch nicht alles zu spät ist, solltest du ein ernstes Wörtchen mit ihm reden.DimKa hat geschrieben:und allgemeinen Definitionen
Die Abwesenheit eines Glaubensbekenntnisses und des Glaubens an einen personifizierten Gott allein bedingt noch lange nicht, dass es keine Konkurrenz zwischen den Schulen gibt. Die Konkurrenz ist sehr wohl vorhanden und eine Ergänzung als solche auch nicht wirklich zu erkennen. Eine Ergänzung oder besser gesagt ein neuer Gedanke, nämlich der einer Erlösung, kam mit dem Buddhismus auf. Etwas, das Konfuzianismus und Daoismus nicht leisten konnten.DimKa hat geschrieben:Da in diesen Religionen kein festes Glaubensbekenntnis vorhanden ist und auch kein "eifersüchtiger" Gott konkurrieren sie nicht miteinander sondern ergänzen sich eher.
Re: Facharbeit über Chinesische Religion
speziell zu Religion/Philosophie: Geschichte der chinesischen Philosophie von Wolfgang Bauer, Chinesische Religion von Hans Küng und Julia Ching, Die fünf Weltreligionen von Helmuth von Glasenapp. Dann verschiedene allgemeine geschichtliche Sachen z.B: CHina - eine Weltmacht kehrt zurück von Konrad Seitz . Und zu aktuellem v.a. Was denkt China? von Mark Leonhard und Maos Enkel von Petra Kolonko;einige Spiegel-Artikel und den Länderbericht vom bpbKannst du uns mal mitteilen, was du bisher gelesen hast?
Ja das ist ihm schon bewusst und er war sich auch nicht sicher ob es geeignet ist..es soll dann eben nicht wirklich in die tiefe gehen sondern eher ein "kennenlernen" sein. Da wäre es natürlich sehr schön wenn man nicht nur eine theoretische Ebene hat sondern auch diese Aktualität sich anschaut.Damit allein bekommst du eine Facharbeit und ganze Bücher voll. Dein betreuender Lehrer ist halb des Wahnsinns, dass er dich dieses Thema in einem Rundumschlag behandeln lässt. Wenn noch nicht alles zu spät ist, solltest du ein ernstes Wörtchen mit ihm reden.
Danke für diesen Einwand. Mit Abwesenheit von Konkurrenz meinte ich wohl eher, dass es auf lange Sicht zu keinem kriegerischen Bekämpfen voneinander kam, sondern dass jede Richtung auf ihre Weise zum Fortkommen der Kultur beigetragen hat und dass es auch kein Problem ist sich gleichzeitig bei mehreren Religionen an Ideen zu bedienen ohne vefolgt zu werden. Diese Grundgedanken entstammen, wenn ichs richtig verstanden habe, der Vorstellung von der allumfassenden Harmonie, in der jedes Bestandteil eine eigene, wichtige Bedeutung einnimmt. Also insgesamt: mehr Toleranz als in den "westlichen "Religionen
Die Konkurrenz ist sehr wohl vorhanden und eine Ergänzung als solche auch nicht wirklich zu erkennen.
Re: Facharbeit über Chinesische Religion
Wie hoch ist denn der Umfang (Seiten-/Wörterzahl)?
Wenn es "nur" für die Schule ist, würde ich mich mal von wikipedia inspirieren lassen. Vor allem was Gliederung und interessante/relevante (für dich) Punkte angeht
http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepub ... a#Religion" target="_blank
http://de.wikipedia.org/wiki/Religion_i ... blik_China" target="_blank
Ich meine damit allerdings nicht, dass du den Inhalt kopieren sollst. Nur um etwas den Umfang bzw. die Themen zu erfassen.
Gut sind dann auch die dortigen Quellenangaben.
Wie du sicherlich schon festgestellt hast, hängt die Verbreitung einer Religion sehr von der jeweiligen Herrschern/Staatsformen ab. Gleichzeitig ist es schwierig China als etwas Gesamtes zu sehen. Gleiches gilt für Buddhismus und Daoismus, da gibt es einige unterschiedliche "Schulen". Vor allem wichtig, wenn man den Einfluss des Buddhismus auf den Daoismus untersuchen möchte.
Wenn du sowas berücksichtigen willst, vergiss es lieber... ich glaube ja nicht, dass du 20-30 Seiten schreiben sollst.
Ich glaube kaum, dass dein Lehrer sehr viel mehr verlangt als wikipedia sagt (vor allem was der Einfluss auf den heutigen Alltag betrifft). Wäre für die 12. Klasse zu extrem.
Wenn es "nur" für die Schule ist, würde ich mich mal von wikipedia inspirieren lassen. Vor allem was Gliederung und interessante/relevante (für dich) Punkte angeht
http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepub ... a#Religion" target="_blank
http://de.wikipedia.org/wiki/Religion_i ... blik_China" target="_blank
Ich meine damit allerdings nicht, dass du den Inhalt kopieren sollst. Nur um etwas den Umfang bzw. die Themen zu erfassen.
Gut sind dann auch die dortigen Quellenangaben.
Wie du sicherlich schon festgestellt hast, hängt die Verbreitung einer Religion sehr von der jeweiligen Herrschern/Staatsformen ab. Gleichzeitig ist es schwierig China als etwas Gesamtes zu sehen. Gleiches gilt für Buddhismus und Daoismus, da gibt es einige unterschiedliche "Schulen". Vor allem wichtig, wenn man den Einfluss des Buddhismus auf den Daoismus untersuchen möchte.
Wenn du sowas berücksichtigen willst, vergiss es lieber... ich glaube ja nicht, dass du 20-30 Seiten schreiben sollst.
Ich glaube kaum, dass dein Lehrer sehr viel mehr verlangt als wikipedia sagt (vor allem was der Einfluss auf den heutigen Alltag betrifft). Wäre für die 12. Klasse zu extrem.
Re: Facharbeit über Chinesische Religion
Mach Folgendes (mein Vorschlag, erspart Zeit und Arbeit, Einwände willkommen): Hangel dich an Bauers "Geschichte der chinesischen Philosophie" entlang, wenn das nicht ausreichen sollte, schau in Feng Youlans "A History of Chinese Philosophy" (Kurzversion: "A Short History of Chinese Philosophy" - das könnte sich vielleicht auch deine Schulbibliothek anschaffen, so teuer ist es nicht oder in Florian Reiters: "Religionen in China") hinein. Damit hast du vor allem mit Feng Youlan eine Größe der chinesischen Philosophiegeschichte (die die westliche Sicht dank Boddes Übersetzung ziemlich geprägt hat) und gute Überblickswerke erwähnt, das sollte für diesen Zweck auch reichen. Dort stehen auch weitere Quellen, die du möglicherweise benutzen kannst. Wenn es um aktuelle Entwicklungen geht und du einige Zeitschriftenartikel gefunden hast, prima. Das Kapitel nennst du dann "Chinesische Religion und Philosophie im Spiegel der westlichen Presse" oder so ähnlich... Damit dürfte dein Lehrer, der (noch) nicht so recht zu wissen scheint, um was es geht, sicher zufrieden sein. Und das solltest du im Hinterkopf bewahren, also lieber abspecken, er wird nicht alles nachschlagen. Kannst ja nochmal betonen, dass es ganz wichtig ist auf die westlichen Ansichten (vor allem der Presse) einzugehen, weil die das Denken der meisten Menschen in unserem Kulturkreis beeinflussen dürften... damit dürftest du aus Widersprüchen auch raus sein.DimKa hat geschrieben:Da wäre es natürlich sehr schön wenn man nicht nur eine theoretische Ebene hat sondern auch diese Aktualität sich anschaut.
Krieg ist nicht alles... und doch, den kannst du auch haben, wenn du dich zu Splittergruppen und Aufständen vorkämpfst. Auch die Buddhisten mussten während der Tang-Dynastie ganz schön leiden. Finger weg, das sprengt den Rahmen total. Mit der allumfassenden Harmonie kann ich momentan noch nicht so viel anfangen, wenn Konfuzianer und Daoisten aufeinander losgehen, dann ist das nicht so harmonisch (das dürfte Bauer auch erwähnen, tut er es nicht?). Meinst du ein Leben in Übereinstimmung mit dem, was oft als "Natur" übersetzt wird? Hier machst du ein Fass auf, weil du dich in Begriffserklärungen stürzt, die du ohne Kenntnisse des klassischen Chinesisch eigentlich nicht leisten kannst. Prinzipiell ist es schon so, dass die Weltanschauungen eher nebeneinander bestanden als bei uns im Westen, man konnte auch morgens Konfuzianer sein und abends dann Buddhist. Dafür hab ich allerdings spontan keine Quelle zur Hand, die du zitieren könntest.DimKa hat geschrieben:Mit Abwesenheit von Konkurrenz meinte ich wohl eher, dass es auf lange Sicht zu keinem kriegerischen Bekämpfen voneinander kam
Re: Facharbeit über Chinesische Religion
Vielen Dank für die Antworten und Anregungen! Bei dem Umfang des Themas ist mir bewusst, dass ich nicht mehr kann als ein bisschen an der Oberfläche zu kratzen. Deshalb ist aber die THeorie auch nicht der problematische Teil, da man doch auch recht viel zum lesen und zitieren darüber findet. Das Problem ist da eher das Zusammenfassen. Was mir allerdings fehlt sind empirische Daten, bei denen ich wirklich sagen kann: das hab ich von einem Menschen erfahren, der direkt damit in Berührung gekommen ist, weil er in CHina lebt oder mal war oder da her kommt. Es geht übrigens nicht nur um ganz konkretes Ausleben von Religion sondern auch z.B: wie das die Weltsicht aktuell noch beeinflusst obwohl man doch eigentlich am Anfang der Volksrepublik versucht hat Religionen als solche überflüssig zu machen. Ich hoffe, dass mir da jemand von Ihnen noch ein bisschen weiterhelfen kann.
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Re: Facharbeit über Chinesische Religion
Naja...es hatte ja oben schon jemand dazu etwas gesagt: Religion spielt "offiziell" nur eine minimale Rolle in der heutigen chinesischen Gesellschaft, da zudem "Religion" ein sehr diffuser Begriff ist (inwiefern ist der Konfuzianismus eigentlich eine Religion?). ABER die Wahrheit ist dann doch auf der Straße, und da muss man konstatieren, dass der Chinesen ein sich schon ein sehr sehr "abergläubischer Mensch" ist, bei dem zu allen möglichen Gegebenheiten z.B. irgendwelche Orakel befragt werden. Es wurden schon wichtige Ereignisse genannt, wie Geburt, Hochzeit und ähnliche. Ob damit jetzt aber eine wirklich tiefe "Religiosität" verbunden ist, wage ich zu bezweifeln. Es ist zumeist einfach nur die Gewohnheit, die dahinter steckt (oder aber auch der Druck der Mutter), so ungefähr wie es bei uns mit einigen Ritualen zum Neujahr steht (Bleigießen usw.), wo auch keine wirklich feste Überzeugung häufig dahinter steht. Es gibt weitgehend also keine "schwärmerischen" Ausprägungen der chinesischen Religion mehr, dass man also etwas aus absoluter religiöser Überzeugung tut, wie es das aber früher durchaus gab (und da ging es dann unter den chinesischen Religionen durchaus auch sehr blutig zu). Das heißt aber nicht, dass es solche überhaupt nicht mehr gibt. So begegnen mir immer wieder gerade in daoistischen Tempeln immer wieder ganze Busladungen von alten Frauen vom Land, die sich dann mit einer Hingabe vor dem Altar für 2 Stunden niederknien, um der Zeremonie der Priester oder Priesterinnen zu folgen. Und das bis zum tatsächlichen Erbrechen oder Umkippen, fast schon wie in Trance, ohne Rücksicht auf Verluste. Faszinierend, aber beängstigend zugleich...
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