RoyalTramp hat geschrieben:Ich würde sehr gerne das DaF-Zertifikat nachmachen, habe aber da arge finanzielle Probleme...beim letzten Nachfragen Betrug der Preis für so ein Lehrgang am Sprachinstitut der Kassler Uni 800 Euro! o.O
Als Chinesisch-Lehrer kann ich nicht arbeiten. Wie ich schon gesagt habe: Ich kann nur das machen, worin ich auch gut bin, und auch wenn ich fließend Mandarin spreche, dass ich hier in China soweit nirgends große Probleme habe, mich zu artikulieren, sei es auf der Straße, bei der Polizei oder sonstigen Behörden oder Ärzten, ABER dennoch hapert es bei mir mit den Tönen...und da muss man als Chinesisch-Lehrer nunmal fit sein. Ohne in der Lage zu sein, die Töne durchweg richtig zu treffen, will ich kein Chinesisch unterrichten, weil ich mich sonst beim Unterrichten von Selbstzweifeln plagen müsste, ob das, was ich gerade gesagt habe, denn überhaupt richtig war. Unsicherheit...und wenn das dann die Studis herausbekommen, dann kann man das ganze gleich vergessen.
Du hast in der Tat ein Problem. Das ist Perfektionismus. Ich habe am Gymnasium Englisch gelernt von Lehrern, deren Aussprache unter aller Sau war. So what? Darunter waren neben einigen gruseligen auch ein paar recht gute Pädagogen. Die Aussprache der guten Pädagogen war nicht notwendig besser als die der gruseligen.
Um zu lehren, muss man nicht perfekt sein, sondern man muss gute Schüler weiter bringen. Ich habe hier ein altes Buch von 1978: William McNaughton Reading and Writing Chinese. Das war vor der Internet- und Computerzeit, in der jeder in kaishu perfekt schreiben kann (bzw. nach Pinyin-Eingabe schreiben lassen kann). Professor McNaughton hat damals 1020 Hanzi mit Strichfolge und 2000 ohne eigenhändig eingegeben und per Offsetdruck vervielfältigen lassen, eine ungeheure Arbeitsleistung und ein bleibendes Verdienst. Offen gestanden, finde ich seine Hanzi vom ästhetischen Standpunkt defizitär. Für mich war das, als ich dessen gewahr wurde, eher eine Ermutigung. William McNaughton ist eine Kapazität im Chinesischunterricht, wenn dessen Hanzi nicht perfekt sind, muss ich gerade keine Angst haben.
Perfektionismus darf einen nicht lähmen. Es ist gut, sich selbst Disziplin aufzuerlegen und Standards zu setzen. Ich kenne das eher von der anderen Seite als Du, ich bin eher schludrig und muss meinen inneren Schweinehund bekämpfen. Das ist auch nicht immer einfach. Aber man darf sich nicht zur Inaktivität verdammen, nur weil nicht alles zu hundertfuffzig Prozent passt.
Ne, das habe ich natürlich nicht mehr mitbekommen, denn da war ich gerade erst zarte 4...5 Lenze jung...alt. Aber ich kann dich beruhigen: Die Akademikerarbeitslosigkeit war damals noch nicht so extrem, wie sie es dann 2005 war.
Ich weiss nicht. Damals waren 4/5 der fertigen Lehrer ohne Job und ohne Aussicht auf einen. Im Bereich Politologie/Soziologie/Geschichte waren es eher 95%. Und bei den Physikern waren es zwei Drittel. Das war zu der Zeit, als der Hochschulausbau abgewürgt wurde und auch im Schulbereich nur noch Kürzungen kamen. Ich habe die Situation 2005 nicht so eingehend analysiert, aber die Akademikerarbeitslosigkeit Ende der 70er in der BRD war sogar weltweit bemerkenswert.
Als ich dann direkt zur ARGE gelaufen bin, hatte ich da auch wegen Umschulung, Weiterschulungen und und und nachgefragt,
Ja, das ist schlechter geworden. Da kann ich wenig zu sagen. Ich kenne aber Leute,
die ihren Wohnsitz zu "spendableren" "ARGEn" (ich hasse dieses perverse Kürzel)
verlegt haben.
Finde ich gut, dass du dich da durchbeißt, aber diese Energie habe ich einfach nicht...bin da ganz und gar "Fisch" vom Sternzeichen.
Naja, die Sternzeichen .. Am ehesten passt mein chinesisches, das Rindvieh

. Ich bin schon stur,
renne gegen Wände etc. - aber lass Dich nicht von sowas niedermachen. Mein Eindruck ist,
dass Du Dich permanent selbst überforderst. Die Energie ist da, Du nutzt sie bloss falsch.
aquadraht hat geschrieben:Aber Du solltest Deine Depressionen durchs Klo spülen. Umwälzungen finden in Sackgassen statt. Wenn Dir Deine Situation nicht passt und Du nicht so doof bist, Dich aufzuhängen, ändere Sie.
Und wenn ich sage, dass ich tatsächlich so doof bin? Ich überlege schon seit 1 Jahr, was ich an unserer Situation ändern kann, aber es läuft alles auf ein No-Go hinaus oder eben noch höheres Risiko, dass da am Ende null bei herausbekommt, .. Mir fehlt das dazu notwendig Selbstbewusstsein...
Wenn Du Dich traust, diese Probleme öffentlich zu artikulieren, ist da mehr Selbstbewusstsein da, als Du Dir eingestehst. Was finale Lösungen angeht: gegenüber Deiner Freundin wäre das aus meiner Sicht doch ziemlich unfair, abgesehen davon, dass ich es blödsinnig fände. Das Risiko ist im übrigen so und so da. Wenn Du Dich den Depressionen hingibst, gehst Du Risiken ein, denen gegenüber ein Startup am neuen chinesischen Technologiemarkt eine sichere Sache ist. Und Du bist nicht so dumm, diesen Widerspruch nicht zu sehen.
Dein Problem ist Dein Perfektionismus. Wenn Du so engagiert Arbeiten korrigierst und bewertest, solltest Du Deinem Auftraggeber unter die Nase reiben, was Du machst, und dafür Geld verlangen. Der findet gute Lehrer nicht auf der Strasse. Deine Schüler bezahlen nämlich auch. Meiner Meinung nach ist der DaF für Dich nur Fassade und Grundlage für bessere Verhandlungen. Schön, wenn Du ihn hast, wenn nicht, so what? Du hast Jahre Unterrichtserfahrung, dagegen ist der DaF ein Furz. Das musst Du Deinen Employern vermitteln. Dabei gilt: Frechheit siegt und mundus vult decipi. Spar Dir die Bescheidenheit für den Umgang mit der Putzfrau, die hat das verdient.
Nebenbei: Warum kannst Du nicht Englisch unterrichten, so gut wie 80% der Englischlehrer in SH? Glaubst Du, einer der Chinesen, die zehnmal schlechteren Unterricht bekommen als Du ihn geben könntest, fände Deine hohen Ansprüche an Dich toll, wenn er davon erführe?
Lass Dich nicht hängen. Nach dem, was Du so schreibst, bist Du kein schlechter Lehrer.
Davon gibt es nicht genug. Also mach was draus.
Gruss, a^2