Wolfgang Bayer hat geschrieben:wuseltiger hat geschrieben:Wolfgang Bayer hat geschrieben:
Tut mir leid, ich muss aussteigen. Das Niveau, das Wuseltiger in die Debatte gebracht hat, ist mir schlicht und einfach zu hoch.
lol, wie geil...
Schwätzer!
Na..
Dann fang ich mal an:
Sehr geehrter Herr Bayer,
Ihren ersten Kommentar hier im Forum empfand ich ja noch in viellerlei Hinsicht als korrekt. Das danach das Thema abdriftete sollte Sie jedoch nicht dazu verleiten, durch einzelne Äußerungen am allgemein recht hohen Niveau des Forums zu zweifeln, insbesondere Forumsteilnehmer als Schwätzer zu titulieren, gerade nach dermaßen wenigen Beiträgen.
Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist, wohnen oder leben (auch in der Vergangenheit) viele Forumsteilnehmer in China, sei es Taiwan oder Mainland. Das Sie dort arbeiten erhebt Sie vielleicht in Ihren Augen zum "Experten", andere Meinungen sollten Sie jedoch ebenso akzeptieren - wobei Sie es anscheinend nicht einmal für nötig empfinden, auf durchaus begründete Nachfragen einzugehen.
Ein Forum ist da, um eine Meinungsvielfalt zu nutzen und dabei den eigenen Horizont zu erweitern. Dies sollten Sie als Lehrer (Hochschullehrer? Dozent?) eigentlich verstanden haben.
Nun zu Ihrem Ausgangsposting:
Wolfgang Bayer hat geschrieben:
In politischer Hinsicht, vor allem hinsichtlich des Themas Menschenrechte, wird sich allein durch die Tatsache, dass die Olympiade an Beijing vergeben worden ist, sicher nichts positiv verändern.
So so.. Das entscheiden Sie allein?
Die Zwischenfrage, wie Sie Menschenrechte definieren würde mich auch interessieren. Sind Menschenrechte nur dann "Menschenrechte", wenn sie mit dem westlichen Bild der Menschenrechte übereinstimmen?
Menschenrechte gibt es hier keine, kann es hier auch gar nicht geben, da der Gedanke, so etwas könne es geben, dieser Gesellschaft völlig fremd ist.
Das ist - mit Verlaub - schwachsinn.
Ich war ein Jahr an einer Fakultät für Rechtswissenschaften.
Den Studenten dort sind Menschenrechte keinesweg "fremd", wie auch anderen Freunden, zugegeben aus der "höheren" Schicht.
Angesichts des Drucks aus dem Ausland gilt nun folgende Sprachregelung: Mit der Menschenrechtssituation hier in China liegt es im Argen, aber an Verbesserungen wird ständig gearbeitet. Das sagen führende Politiker Horst Köhler während seiner Chinareise, und dasselbe sagen meine Studenten auch mir, unabhängig voneinander. Der Bundespräsident zeigt sich beeindruckt von so viel Offenheit und leitet davon den Wunschgedanken ab, dass sich hier hinsichtlich der Menschenrechtsfrage tatsächlich ständig etwas verbessert. Ich bin näher am Geschehen und kann sagen: Das ist eine Illusion.
Mag sein, dass dies eine Illusion ist.
Allerdings: man darf nicht vergessen, dass China noch ein "Dritte-Welt-Land" ist. In erster Linie gibt es im Moment "wichtigeres" als die Einhaltung der Menschenrechte zu forcieren. Damit meine ich natürlich ausdrücklich KEINE Wirtschaftsinteressen, sondern die Grundversorgung eines Milliarden-Volkes. Das dabei im Moment einzelne Rechte beschnitten werden, ist natürlich nicht richtig - aber wohl unvermeidbar. Man kann westliche Schemata nicht einfach auf eine historisch andere Kultur übertragen, was eigentlich klar sein sollte.
Meine Studenten sagen z. B. auch: Freie Berichterstattung gefährdet die Stabilität der Gesellschaft bzw. das konfuzianische Ideal der harmonischen Gesellschaft, von der auch in der zwangsläufig regierungstreuen Presse dauernd gefaselt wird. Bestes Beispiel dafür seien die Ereignisse von 1989, wo Studenten, angestachelt durch freie Berichterstattung, auf dem Tiananmen-Platz Soldaten misshandelt und ermordet hätten. Da Regimekritiker (die ja die harmonische Gesellschaft fährden) hier im Handumdrehen für Jahre in einem dieser im Westen berüchtigten, hierzulande aber selbstverständlichen Laogai-Zwangsarbeitslager landen und ich meine Studenten nicht gefährden wollte, reagierte ich zurückhaltend. Nur einen Studenten, den ich für einen besonders klugen Kopf halte und von dem ich annahm, dass er damit umgehen könne, zog ich ins Vertrauen und konfrontierte ihn mit Fotos und Augenzeugenberichten vom Tiananmen-Platz-Massaker. Er war fassungslos. Niemand hat hier eine Ahnung davon.
Nunjaaa... Der Vorfall am Platz zum Tor des Himmlischen Friendens war sicherlich ein brutaler Übergriff um die innere Macht der Kommunisten zu erhalten. Jedoch darf man nicht vergessen, dass auch wir ziemlich der Propaganda der westlichen Medien ausgeliefert sind. Ich will den Vorfall nicht herunterspielen, er ist verabscheuungswürdig - jedoch sollten wir nicht für uns reklamieren, die allumfassende Wahrheit zu kennen.
Das gruselige Terrorregime, das hier herrscht, mit einer Olympiade zu belohnen, halte ich für einen schweren Fehler. Die Glitzerfassade, die die systemimmanenten Gräuel ohnehin schon verdeckt, wird dadurch nur noch glitzeriger. Alles wird immer besser! Alles ist wunderbar! Ich hätte es für angebracht gehalten zu sagen: Ihr haltet hinsichtlich der Menschenrechtsfrage nicht einmal Mindeststandards ein, also kommen olympische Spiele für euch nicht in Frage. Punkt. Aber ich respektiere auch die Meinung derer, die sich durch die Vergabe der Olympiade an Beijing eine Öffnung des Landes und eine Verbesserung der Menschenrechtslage erhofft haben. Da die Entscheidung nun einmal gefallen ist, muss man auf die Argumente dieser Leute bauen.
Man muss also die Schönschwätzer dieses Regimes direkt angehen und sie beim Wort nehmen. Wir Ausländer, die wir nicht Gefahr laufen, in Zwangsarbeitslagern zu landen, haben die verdammte Pflicht, alle Missstände anzuprangern, ständig und immer wieder. Die Olympiade könnte eine Platform dafür sein. Aber wir sollten uns keinen Illusionen hingeben: Menschenrechte existieren hierzulande nicht.
Nocheinmal: Menschenrechte sind nicht gleich Menschenrechte. Man muss sich nur einmal die Dimensionen dieses Landes vor Augen führen um schnell zur Antwort zu kommen, warum Umbrüche und Veränderungen (wenn überhaupt) nur langsam geschehen können.
Wir, die Ausländer, können vor allem eines tun: unseren Teil dazu beitragen, dass China sich entwickelt, wie CHINESEN es für richtig halten. Kein Ausländer hat das Recht oder gar die Pflicht, China in seinem (wenn auch noch so gut gemeinten) Sinne auszurichten. China ist ein souveränes Land, mit einer Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen, denen wir erklären können, wie der Westen das sieht - aber wir müssen auch akzeptieren, wenn die Chinesen dies nicht so sehen.
Ich meine, es war Erhard, der sagte, dass der Westen mit seinen Vorstellungen von Moral, Demokratie und Rechten vielleicht nicht mal die richtige Lösung für die eigenen Probleme hat, wie wir es uns dann herausnehmen dürfen, ein kulturell und historisch vollkommen unterschiedliches Land mit unseren Ideen zu indoktrinieren.
Sicher ist: vieles in China ist verbesserungswürdig, sehr vieles sogar.
Nur: wir sollen und müssen unsere Ideen nicht zurückhalten, aber wir sollten auch niemals versuchen, dieses souveräne Land in ihrem eigenen Weg zu stören. Dazu haben wir kein Recht.
Mit freundlichen Grüßen,
TaugeNix^der hofft, das Niveau eines Wolfgang Bayers getroffen zu haben