Liberator hat geschrieben:aquadraht hat geschrieben:
Also vorher gab es da schon Länder, ich meine bevor die Europäer dort grossherzig "the white man's burden" aufnahmen und grob geschätzt 80 Millionen amerikanische und 100+ Millionen afrikanische Einwohner massakrierten, ..
Gut, es gab die Inka und die Azteken in Amerika, aber sonst dort kaum "zivilisierte" Kulturen, die sich über längere Zeit gehalten haben. Die Maya-Reiche haben sich ja bspw. gegenseitig ausgelöscht.
Jared Diamond sieht das mit den Maya anders. In Nordamerika gab es mit der Navajo-Föderation sogar eine Demokratie. Mal abgesehen davon, dass all das keine Rechtfertigung ist, Menschen zu überfallen, auszuplündern, zu verschleppen, in Zwangsarbeit und oft in unwirtliche Gegenden und bei Widerstand oder oft auch nur zum Spass zu ermorden.
Die Urbevölkerung Amerikas wurden btw hauptsächlich durch eingeschleppte Krankheiten getötet, was den Kolonialisten hätten sie davon gewusst) sicher nicht unrecht war, aber biologische Kriegsführung/ Bakterien/ Viren war damals noch nicht bekannt.
In dieser Märchenerzählerei überschlagen sich die Schönredner, ich weiss. Nun haben Menschen schon immer Seuchen gegenseitig verschleppt, wodurch sich in ziemlicher Kürze Resistenzen bildeten - die Wikinger haben in Neufundland keine tödlichen Epidemien verursacht. Wenn Menschen nicht ihrer Lebensgrundlage beraubt, eingepfercht und misshandelt werden, stecken sie Infektionen recht gut weg. Das Windpockenmärchen kann die Dynamik des Sterbens der amerikanischen Ureinwohner und die regionalen Differenzen in keiner Weise erklären. Und Zeitzeugen wie Las Casas erzählen da auch anderes.
Mit Afrika kenne ich mich zugegebenermaßen nicht sehr aus.
Gerade bei Afrika muss man berücksichtigen, dass es dort jede Menge Parasiten und Krankheiten gibt,
Die nichts damit zu tun haben, dass 12-20 Millionen Menschen in 200 Jahren über den Atlantik in die Sklaverei deportiert wurden, vom Europa der Aufklärung. Da die sich nicht gehorsam am Strand aufreihten und während der Transporte oft die Hälfte verreckte, bei Preisverfall auch mal die "Ware" an die Haie verfüttert wurde, wird der Kollateralschaden an Getöteten mit einem Faktor von 10-15 der erfolgreich Versklavten eher konservativ geschätzt.
Die Chinesen hatten daher doch so etwas wie eine gemeinsame Geschichte, Kultur etc, sowas schaft Zusammenhalt, das kann man von den verschiedenen Stämmen, die auf einmal im "Kongo" zusammengefasst waren, nicht behaupten.
Mal abgesehen davon, dass daran stimmt, dass China ein zu grosser Brocken für die Räuber und Mörder war, ist das keine Rechtfertigung für die koloniale Barbarei. Ich stimme Dir auch zu, dass China bessere Chancen hatte, sich zu wehren, und das auch im Rahmen seiner Möglichkeiten getan hat.