chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

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ingo_001
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von ingo_001 »

Yingxiong hat geschrieben:
ingo_001 hat geschrieben: Provokante Frage: Warum ist Bildung denn überhaupt Ländersache?
Sollen doch Städte, Gemeinden oder Landkreise das in Eigenregie übernehmen.
Hört sich zwar im ersten Augenblick interessant an, die Praxis in der Schweiz zeigt mir, dass dies an vielen Orten nicht funktioniert. Hier hast du gewählte Vertreter der Gemeinden, die meist von Pädagogik oder Psychologie keine Ahnung haben, aber Vorgesetzte der Lehrer sind. Von diesen muss man sich dann sagen lassen, was richtig und was falsch sein soll. In manchen Gemeinden dienen diese "Schulpfleger" auch als Erpressungsgehilfen der Eltern.
In einer Nachbargemeinde hat daher eine Lehrkraft nach der Primarschule 24 von 26 Schüler in weiterführende Schulen geschickt, um nicht von den Eltern erpresst zu werden.

Es gibt natürlich auch Gemeinden mit guten Schulpflegern. Aber diese sind selten. Wenn man Kinder hat, sollte man in der Schweiz genau schauen, wo man hin zieht.
Meine provokante Frage war ironisch gemeint, weil ich ja den Standpunkt vertrete, das Bildung im Sinne der objektiven Vergleichbarkeit eine Bundesangelegenheit sein sollte. Schon um ein einheitliches Bildungsniveau zu gewährleisten.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von ingo_001 »

Philipp hat geschrieben: Äääh, Bildung ist eine Dienstleistung wie andere auch, die von den Eltern über Steuergelder finanziert wird. Die Eltern sind die Kunden, die Lehrer die Angestellten die sich an den Wünschen der Kunden orientieren sollten.
Das ist mir zu "platt" argumentiert.

Nun haben aber nicht wenige "Kunden"/Eltern aus verschiedenen Gründen GAR KEINE WÜNSCHE uder keine eigene Meinung.

Was soll in solchen Fällen passieren?

Bildung ist in Deutschland aus gutem Grund eine hoheitliche Aufgabe des Staates, u. a. GERADE WEIL den Kids unabhängig vom Elternhaus eine möglichst gute Bildung vermittelt werden soll.

Stichworte hier: Kinder mit Migrationshintergrund, wo gerade bei vielen "traditionellen" islamischen Familien wenig oder keine Einsicht zur NOTWENDIGKEIT einer fundierten Schulbildung besteht.
Gleiches gilt für diejenigen deutschen Eltern, die z. T. in 2. Generation von staatlichen Transferleistungen leben - sich damit abgefunden/arrangiert haben - und diese "Lebenseinstellung" auch gegenüber ihren Kindern vertreten und vermitteln.

Bildung und Friseurbesuch kannst Du also SO nicht vergleichen.
Das ist zu einfach zu kurz gegriffen.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von bossel »

ingo_001 hat geschrieben:Ja, allerdings. Gerade im Bildungssektor kommt es m. E. auf die OBJEKTIVE VERGLEICHBARKEIT der erbrachten Leistungen an. Das ist momentan nicht gegeben.
Es gibt Kernlehrpläne & Lernziele, die durchaus zentral formuliert werden. Aber so oder so hat sowieso jede Schule eine gewisse (enge) Handlungsfreiheit.
Provokante Frage: Warum ist Bildung denn überhaupt Ländersache?
Sollen doch Städte, Gemeinden oder Landkreise das in Eigenregie übernehmen.
Ja, warum nicht?


ingo_001 hat geschrieben:Mein Beispiel war auf die Grundschule gemünzt.
Davon rede ich auch. Ich unterrichte neuerdings an einer Grundschule.
dass auch ein klares STOP gesetzt werden muss – wenn nötig auch mit härteren Sanktionen/Restriktionen.
Ganz anders die Lage in China
Lustig, daß Du das erwähnst. An meiner Schule sind Sanktionen gegen Schüler strikt untersagt. Bei den chinesischen Lehrern scheint das trotzdem einigermaßen zu funktionieren. In den Klassen der ausländischen Lehrer machen die Schüler aber oft, was sie wollen.
Klassenfrequenzen von 50, 60 oder mehr Schülern sind in diesen Ländern normal – und der Unterricht läuft einfach disziplinierter ab als in Deutschland.
& Du glaubst, der Unterricht hier ist besser?
Die Schüler plappern nur nach, was der Lehrer vorne vorsagt. Eigeninitiative & Kreativität werden total vernachlässigt. Die Schüler mal halbwegs selbständig arbeiten zu lassen, ist beinahe unmöglich.

Schlimmer noch, Schüler, die nicht mitkommen, werden einfach alleingelassen. Es gibt keinen Förderunterricht, keine Spezialklassen, keine anderweitige Unterstützung. Ich habe in jeder Klasse 1-5 Schüler, die kein Wort Englisch verstehen, geschweige denn reden können.
Als ich am Anfang mal im Lehrerzimmer vorbrachte, daß manche Schüler so schlecht seien & speziellen Unterricht benötigen, wurde nur gelacht.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von Yingxiong »

bossel hat geschrieben:
ingo_001 hat geschrieben:Mein Beispiel war auf die Grundschule gemünzt.
Davon rede ich auch. Ich unterrichte neuerdings an einer Grundschule.
Soweit ich weiss bist du jedoch kein ausgebildeter Grundschullehrer.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von ingo_001 »

Klassenfrequenzen von 50, 60 oder mehr Schülern sind in diesen Ländern normal – und der Unterricht läuft einfach disziplinierter ab als in Deutschland.
@bossel:
& Du glaubst, der Unterricht hier ist besser?

@ich
Zumindest HÖREN die Kids ZU.

Und DARAUF zielt meine primäre Kritik im Bezug auf das dt. Bildungssystem ab.

Nur wer das Zuhoren gelernt hat kann auch lernen - und später dann selbstständig und konstruktiv im Unterricht mitarbeiten.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von HK_Yan »

ingo_001 hat geschrieben:Zumindest HÖREN die Kids ZU (.......in China).
Ich kenne mehrere lokale Lehrer die in China an Grundschulen und Mittelstufen unterrichten die diese Idylle nicht so richtig bestätigen können.
und später dann selbstständig und konstruktiv im Unterricht mitarbeiten.
Konstruktivität ist mit Sicherheit unerwünscht. Die Lehrer müssen sich hart ranhalten um den Stoff durchzupeitschen.

Lehrer, egal hüben oder drüben, wäre mein Alptraumjob.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von ingo_001 »

bossel hat geschrieben: Lustig, daß Du das erwähnst. An meiner Schule sind Sanktionen gegen Schüler strikt untersagt. Bei den chinesischen Lehrern scheint das trotzdem einigermaßen zu funktionieren. In den Klassen der ausländischen Lehrer machen die Schüler aber oft, was sie wollen.
Aha ... und WARUM funktioniert der Unterricht bei den chinesischen Lehrern?
Gibts da evtl. doch einen Unterschied zwischen dem Verhalten der chinesischen Kids und dem der Kids hier - was deren Aufmerksamkeit im Unterricht angeht?
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von ingo_001 »

HK_Yan hat geschrieben: Lehrer, egal hüben oder drüben, wäre mein Alptraumjob.
Na ja, wär vielleicht nicht wirklich ein Alptraumjob, aber zumindest nicht mein Traumjob - bezogen auf die Rahmenbedingungen und die z. T. herrschenden Verhältnisse an den Schulen hier.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von ingo_001 »

HK_Yan hat geschrieben:
ingo_001 hat geschrieben:Zumindest HÖREN die Kids ZU (.......in China).
Ich kenne mehrere lokale Lehrer die in China an Grundschulen und Mittelstufen unterrichten die diese Idylle nicht so richtig bestätigen können.
Ob die dann aber diesbezüglich mit ihren Leidengenossen hier in Dt. ggf. tauschen würden wollen, möchte ich aber doch bezweifeln.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von bossel »

ingo_001 hat geschrieben:& Du glaubst, der Unterricht hier ist besser?
Kommt drauf an, aber grundsätzlich ja.
Zumindest HÖREN die Kids ZU.
Ja, ihren Sitznachbarn...
Nee, wirklich. Der Lehrer sagt was & die Klasse wiederholt im Kollektiv. So ist es unmöglich, festzustellen, wer Probleme mit der Aussprache hat, o.ä.
In manchen Fächern mag so eine Herangehensweise funktionieren, bei Fremdsprachen aber leider nicht so richtig.

Den Lehrern scheint auch so ziemlich scheißegal zu sein, ob die Schüler verstehen, worum es geht.
Nur wer das Zuhoren gelernt hat kann auch lernen - und später dann selbstständig und konstruktiv im Unterricht mitarbeiten.
Das ist aber ein weiter Sprung, den Du da siehst.

ingo_001 hat geschrieben:Aha ... und WARUM funktioniert der Unterricht bei den chinesischen Lehrern?/quote]
Tut er das? Die Schüler sind ruhiger, aber lernen sie etwas?
Gibts da evtl. doch einen Unterschied zwischen dem Verhalten der chinesischen Kids und dem der Kids hier - was deren Aufmerksamkeit im Unterricht angeht?
Anscheinend gibt es in China weniger hyperaktive Kinder. Aber ob die Aufmerksamkeit besser ist, kann ich nicht sagen. Bei diesem Kollektivwiederholen sehe ich jedenfalls die Gefahr, daß die Schüler einfach auf Durchzug schalten.



HK_Yan hat geschrieben:Die Lehrer müssen sich hart ranhalten um den Stoff durchzupeitschen.
Tja, wie der Zufall so will, habe ich heute einen Anschiß (naja, mehr oder weniger, meine Chefin ist recht nett) bekommen, weil ich zu langsam vorgehe (obwohl ich gar keine Stoffvorgaben habe).

Wo kämen wir denn da hin, wenn die Schüler den Stoff, den sie lernen, auch noch verstehen sollen? Es reicht, wenn 50% (!) das Gelernte in der nächsten Woche wiederholen können.
Also werden von jetzt an alle Vokabeln abgeschrieben, auswendig gelernt, in der nächsten Woche innerhalb von 5 Minuten (längere Wiederholung, auch noch von älteren Sachen? Pfui, Teufel!) abgefragt & dann neue Vokabeln gelernt. Daß selbst die 50 % das meiste, was sie so gelernt haben, dann innerhalb weniger Wochen wieder vergessen, spielt keine Rolle (wird von meiner Chefin als selbstverständlich akzeptiert). Hauptsache, man lernt viele Vokabeln.

Am Ende hat man dann vielleicht vereinzelt einen Schüler, der Englisch an einer guten Uni studieren könnte. Der Rest wird auf mittlere & schlechte Unis verteilt (wo viele nochmal Englisch lernen müssen), um dann später wieder an Grund- & Mittelschulen Englisch zu unterrichten.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von ingo_001 »

bossel hat geschrieben:
ingo_001 hat geschrieben:& Du glaubst, der Unterricht hier ist besser?
Kommt drauf an, aber grundsätzlich ja.
DAS war DEIN Zitat - aber danke, dass Du mir da recht gibst :)
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von Rigga »

also im Grunde is es alles ganz einfach,

Die Chinesen können nicht einsehen dass die Deutschen am Nachmittag Baumhäuser bauen und in Sandkästen spielen und die Deutschen sehen nicht ein dass man sich am Nachmittag gnadenlos Bücher reinpfeiffen kann.

Wenn man zum Mond fliegen will braucht man beides, jemanden ser so'n raumschiff kreativ aus'm Kopf raushaut und jemanden der nachlesen kann wie's klappen könnte.
:!: :!:
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von bossel »

ingo_001 hat geschrieben:
bossel hat geschrieben:
ingo_001 hat geschrieben:& Du glaubst, der Unterricht hier ist besser?
Kommt drauf an, aber grundsätzlich ja.
DAS war DEIN Zitat - aber danke, dass Du mir da recht gibst :)
Dann solltest Du Zitate vernünftig markieren. Ich zitiere Deinen Beitrag:
ingo_001 hat geschrieben:
Klassenfrequenzen von 50, 60 oder mehr Schülern sind in diesen Ländern normal – und der Unterricht läuft einfach disziplinierter ab als in Deutschland.
@bossel:
& Du glaubst, der Unterricht hier ist besser?

@ = at
ergo
an bossel

Kann man also nur davon ausgehen, daß Du mich ansprichst, nicht zitierst.
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von domasla »

Endlich mal ein versöhnlicher Spruch... (von Rigga)

D., der in seinem Schulsystem alle Nischen kennen gelernt hat. Und der sich vorstellen kann, dass andere Kinder sich bei den gleichen Gelegenheiten ganz anders entwickelt hätten (/haben).
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Re: chinesisches und deutsches Bildungssystem --- PRO+CONTRA

Beitrag von ingo_001 »

bossel hat geschrieben: Ja, ihren Sitznachbarn...
Nee, wirklich. Der Lehrer sagt was & die Klasse wiederholt im Kollektiv. So ist es unmöglich, festzustellen, wer Probleme mit der Aussprache hat, o.ä.
In manchen Fächern mag so eine Herangehensweise funktionieren, bei Fremdsprachen aber leider nicht so richtig.

Den Lehrern scheint auch so ziemlich scheißegal zu sein, ob die Schüler verstehen, worum es geht.
Sicher kann das nicht auf alle Fächer zutreffen. Dazu sind die zu vermittellnden Inhalte einfach zu unterschiedlich.

Die Aussagen von meiner Frau und deren Freunde scheinen Deinen Eindruck zu bestätigen. Als ich - interessehalber - fragte: Was mache ich, wenn ein Schüler im (Englisch/Deutschunterricht) Unterricht eine Frage hat - UND ICH IHN NICHT VERSTHEN KANN, WEIL ER CHINESISCH SPRICHT?
Deren einhellige - und ERNST GEMEINTE - Antwort war: Das ist in China nicht das Problem des Lehrers, sondern das des Schülers. Dieser müsste ebend gut zuhören und selbst dafür sorgen evtl. Lerndefizite aufzuholen.

Das erklärt im Nachhinein auch, warum soviele Privatschulen boomen, in dennen das, was im normalen Unterricht nicht verstanden wurde, dort (für teueres Geld) nachgeholt wird/werden muss. Wer in der Klasse nicht mitkommt, kann vom Lehrer keine Hilfe erwarten.
Diese Maxime des Schulunterrichts trifft auch auf Japan und Süd-Korea zu.
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