@Yingxiong:
Menschen glauben oft sie würden rational und vernünftig entscheiden. Aber es werden viel mehr Entscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen als man glaubt. Oft werden dann die Argumente nur als Bestätigung dafür gesucht, das die eigene Entscheidung wirklich rational und vernünftig war.
Wenn ein andere dann die Entscheidung oder Meinung dann nicht als richtig anerkennt, dann muss er also aus der Sicht der ersten Person einfach unernünftig sein. Für ihn selbst wieder eine Bestätigung das er selbst ja der klügere ist.
Umgekehrt, wenn man glaubt man hätte etwas verstanden, hat es aber in Wahrheit nicht verstanden, fällt es dann schwer zu akzeptieren, das der andere behauptet, man habe es nicht verstanden. Es sei denn, man nimmt es eben nicht emotional als Kritik an der eigenen Person wahr.
Bei geringem Selbstbewußtsein kann man sich natürlich auch ständig auf die Suche machen nach Menschen, die Argumente dafür liefern, das man selbst der Klügere ist, jedes Argument des anderen wird dann in diese Richtung hin interpretiert, gibt der andere mir eine Möglichkeit ihn der emotionalen und damit unvernünftigen Argumentation zu bezichtigen?
Diskussionen mit solchen Gesprächspartnern sind dann unergiebig
In Deutschland ist es so, dass jeder beweisen will, das er etwas besseres ist. Persönlichkeit wird mit beruflichem Erfolg und Einkommen gleichgesetzt.
Das ist eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung. Wer da wen beeinflusst, die Politiker die Gesellschaft oder umgekehrt, welche Rolle die Medien da spielen etc. das sind alles viel zu komplexe Vorgänge um sie hier zu vereinfachen. Ein Regelkreis alleine läßt sich nicht mehr isolieren, zu viele vernetzte Systeme beeinflussen einander. Wer sich in einem Regelkreis auskennt kann für sich leicht in Anspruch nehmen die Wahrheit zu kennen, so lange er aber nicht vernetzte Strukturen wahrnehmen kann, ist er unfähig etwas vorherzusagen oder zu erkennen.
Zu diesem Thema ist sehr empfehlen:
Frederic Vester: Die Kunst vernetzt zu denke - Ideen und Werkzeuge für einen Umgang mit Komplexität, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1999
Hier im Forum wird bei vielen Diskussionen viel zu viel Wert auf perfekte Details gelegt. Vester schreibt dazu:
"Wir denken, perfekte Details genügen. Dabei glauben wir,wenn wir eine gute straße bauen, eine funktionsfähige Fabrik errichten oder erstklassige Experten ausbilden, daß auch das Zusammenspiel all dieser Faktoren funktionieren müsse." ... "Für sich perfekt geplant, kann doch ihr Zusammenspiel durchaus in ein Chaos führen."
Wir sind in unserem Denken sehr darin geschult worden, die Wirklichkeit in Fächer, Fakultäten, Ressorts, etc. aufzutrennen. In unseren Köpfen entsteht so ein Klassifizierungsuniversum. Wir kennen jedes einzelne Element sehr genau, aber nicht mehr die sie in der Wirklichkeit verbindenden Beziehungen.
Wenn jemand in einer Diskussion sich immer mehr auf die kleinsten Details stürzt um seine Thesen zu beweisen, zeigt es, das er nicht gewillt oder in der Lage ist einen kybernetischen Denkansatz zu verfolgen. Aber nur kybernetisches Denken kann heute noch Probleme erkennen und Lösungen finden. Nicht kybernetisches Denken erzeugt nur neue Probleme.
Sehr interessant zu diesen Themen sind die Gedanken von Hans Küng, geäußert in einigen TV-Interviews. Hier findet man Literatur zu ihm:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_K%C3%BCng.
(Übrigens auch folgendes: Christentum und Chinesische Religion. Piper, München 1988. (Mit Julia Ching))
Nur werden die Folgen eben sichtbar. In anderen Ländern kann ein Mensch als Persönlichkeit voll akzeptiert und anerkannt sein, auch wenn er nicht studiert hat. Auch der Deutsche erkennt im Ausland solche Menschen an. Wenn er in einer alten schottischen Grafschaft in einer uralten Kneipe sitzt und der Kellner ihm Geschichten erzählt, dann ist er fasziniert. Er ist nicht in der Klassifizierung Kellner, niedrige Bildung, geringes Einkommen, in die er hier in Deutschland eingeordnet würde.
Deutsche behandeln Deutsche schlecht. Bei Arte oder Phoenix war einmal ein Bericht, der schilderte, wie Deutsche in Spanien scheiterten. Der Hauptgrund waren nicht Spanier sondern deutsche Landsleute die sie bei der Ansiedlung abzockten. Es wurde auch geschildert, das die Engländer überall ihre Clubs im Ausland gründeten, in diesen wurden Probleme der Engländer untereinander geregelt. Deutsche hätten solche Schlichtungsstellen nicht, sie würden nur Vereine bilden die sich dann gegenseitig nicht grün wären. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.
Vielleicht ist auch der Deutsche viel zu sehr darin vernarrt alles perfekt zu machen. Jedes Gesetz muss auch nur die geringste Ausnahme berücksichtigen, es darf niemand auch nur im geringsten benachteiligt werden. Der Hang zum Perfektionismus macht es dann nur noch schlimmer. Vielleicht ist es auch die Angst, man könnte lügen wenn man dann doch einfach sagt, ja, so isset, und heimlich denkt lma. Weil es ist ja doch nicht so und die Wahrheit, mag sie noch so subjektiv sein, gilt. Dabei ist das wichtigste wohl: Lügen dient dem sozialen Frieden.
Deutsche Verhaltensweisen kann man nicht leugnen, sie sind anerzogen. Auch ich bin froh, wenn ich in China keinen Deutschen sehe, zu so einem Stammtisch wie in TST würden mich keine 10 Pferde bekommen
