Grundsätzlich zum Thema Kommunismus. Ich mag ihn nicht und das hat folgenden Grund:
Marx sieht die Realisierung des Kommunismus nur und ausschließlich mit Hilfe der Gewalt. Wer das Kommunistische Manifest gelesen hat, versteht was ich meine, denn darin wird zu dieser aufgerufen, quasi als einzige Möglichkeit, die Ziele zu erreichen:
"Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung...."
Dies wäre eigentlich schon Grund genug, den Kommunismus abzulehnen. Denn mit Gewalt erreicht man letzten Endes gar nichts - vor allem keine Gerechtigkeit, und vor allem kein Frieden. Läßt man sich allein obigen Satz auf der Zunge zergehen, so unterscheidet sich dieser Standpunkt kaum von dem der Islamischen Terroisten oder um es noch Spitzer zu Formulieren: der Faschisten.
Faschisten und Kommunisten haben nämlich eines gemeinsam: sie glauben die Welt und die Zerwürfnisse und Konflikte der Zivilisation mit einer einzigen und einfachen Regel erklären zu können. Während die Faschisten sagten, dass die ganze Geschichte der Welt und deren Konflikte ausschließlich durch Rassenkämpfe geprägt ist, in denen der Stärkere gewinnt und der Schwächerer verliert, liegt laut Historischem Materialismus bei Mao & Co. das gesamte Konfliktpotential ausschließlich in den Klassenkämpfen. Bei den islam. Fundamentalisten sind es ausschließlich die Glaubenskriege zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen, und bei den Radikalfeministen ist es ausschließlich der Geschlechterkampf.
Im Grunde genommen einfache Weltbilder mit klaren Feindbildern und klaren Fronen - und das vereinigt alle diese Ideologien auf dem tiefsten Niveau, was sie unwiderruflich ähnlich macht.
Hier nun ein paar Zitate:
Jeder Kommunist muß diese Wahrheit begreifen: "Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen." (Mao Tsetung)
Den nächste Satz sagten bereits die Römer und auch Bush vor kurzem zumindest sinngemäß:
Wir treten dafür ein, daß der Krieg abgeschafft wird, wir wollen keinen Krieg; man kann aber den Krieg nur durch Krieg abschaffen, und wenn man will, daß es keine Gewehre mehr geben soll, muß man das Gewehr in die Hand nehmen. (Mao Tse Tung)
Oder hier: man ersetze einfach Klasse mit Rasse:
Im Klassenkampf siegen gewisse Klassen, während andere vernichtet werden. Das ist der Lauf der Geschichte, das ist die Geschichte der Zivilisation seit Tausenden von Jahren. Erklärt man die Geschichte von diesem Standpunkt aus, so heißt das historischer Materialismus; nimmt man den entgegengesetzten Standpunkt ein, so ist das historischer Idealismus. (Mao Tsetung in "Weg mit den Illusionen, zum Kampf bereit sein!" (14. August 1949).)
Den Kommunismus und die Kommunistische Partei halte ich für eine Art Religion oder Sekte - eigentlich für die schlimmste Sekte überhaupt. In vielen Ländern, ob DDR oder China, muss man, wenn man bestimmte Berufe ausüben will - wie z.B. Professor, Redakteur etc. - Mitglied der Partei sein. Tritt man aus der Partei aus, verliert man seinen Beruf, manchmal sogar seine Freiheit. Das nennt man Terror gegen "Aussteiger". Zusätzlich betreibt sie eine extreme Mission um neue Anhänger einzufangen, und ist man einmal erst drin, ist es schwer ohne negative Folgen wieder auszutreten. Die Kommunistische Partei begeht quasi Religions/Kult/Sektenersatz und ist selbst die schlimmste Sekte überhaupt. Religiöse Ikonen werden durch die Ikone Marx' oder derzeitigen Führers ersetzt - sowohl bildlich als auch in Form von Skulpturen. Mißbrauch der Marxschen Theorie? Eigentlich nicht. Denn um eine Gesellschaftsordnung völlig umstürzen und umkrempeln zu können bedarf es solcher Maßnahmen, wie idologische Erziehung, die nur dann möglich ist, wenn man die anderen Dinge abschafft, und sie duch die eigenen Ideen ersetzt. Die Partei selbst betrachtet sich dabei als Sprachrohr des "Proletariats" und nimmt alles in die Hand - so wie im Manifest vorgeschrieben. (
Der nächste Zweck der Kommunisten ist derselbe wie der aller übrigen proletarischen Parteien: Bildung des Proletariats zur Klasse, Sturz der Bourgeoisieherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat.)
Was der Kommunismus - mit Gewalt - erreichen will, ist die
materielle und ideologische Gleichschaltung aller Menschen, bis auf sich selbst, die bevorzugte Elite. (Orwells "Farm der Tiere" läßt grüßen). Aus diesem Grund mischt sich sie Partei in alle Belange des Lebens - bis tief in die Familie ein, in dem der "kommunistische Staat" die (V)Erziehung der Kinder übernimmt.
Im Grunde genommen gehört der Kommunismus zu den radikalsten Ideologien überhaupt - es ist nicht verwunderlich, dass es in China eine "Kulturrevolution" gab, oder in Kambodscha so viele Menschen starben - das war alles die Umsetzten der gewaltsamen (und laut Manifest unumgänglichen) völligen Umstrukturierung der gesamten Gesellschaftsordnung.
Während die Faschisten die bestehende Gesellschaftordnung nutzen und den Nationalismus fördern, um an die Macht zu kommen, um
nach außen Kriege zu führen, zielen Kommunisten darauf ab, die
innere Gesellschaftsordnung umzustürzen, um nach innen mit bekehrten Anhängern die ihrem Guru Marx, Mao etc. folgen, Krieg gegen Abtrünnige zu führen, um an der Macht zu bleiben. Jeder Kommunistenstaat ist somit auch ein Spitzelstaat. In beiden Fällen ist das Volk lediglich Werkzeug für eine Ideologie - besser geht es dem Volk dadurch nicht, im letzten Fall wird es sogar eklatant belogen. Denn im Kommunismus versprach man den Menschen zumindest "materielle Gleichheit, und dadurch Freiheit" - die gibt es aber nicht, sondern das Volk wird weiterhin unterdrückt und im Falle Chinas sogar zeitweise, insb. im Großen Sprung, noch schlimmer ausgebeutet als unter dem Feudalwesen, was zur größten Hungerskatastrophe der Menschheitsgeschichte geführt hat.
Ganz anders hingegen ist der Gedanke der liberalen Demokratie. Der Gleichheitsgedanke hier bezieht nicht auf "materielle" und "ideologische" Gleichheit, die nur mit Gewalt erzielt werden kann, sondern ausschließlich auf die gleichen Rechte! Jeder Mensch hat eigene Bedürfnisse und eigene Ziele, die in einem möglichst großen Rahmen ausgelebt werden dürfen. Dieser Gedanke beendete die Sklaverei, schuf die UNO und das Völkerrecht. Es wird auf Dialog, auf Verständigung und auf Vernunft gesetzt.
Dies ist der elementare Unterschied von Locke, Kant & Co vs. Mao, Stalin, Hitler. Gewalt ist kein legitimes Mittel. Ideologien, die Gewalt als ausschließliches Mittel zur Umsetzung von Zielen propagieren, können nur blutdurchtränkte Erde hinter sich lassen, aber nicht den Weg zur Gerechtigkeit weisen. Deswegen wurde das Endversprechen des Kommunismus nie eingelöst - im Gegenteil: es endete immer und ausnahmslos in einem Staat des Terrors und der Überwachung, der meist am Freiheitsdrang des Menschen nach viel Leid zugrundegegangen ist.
Nachhaltiger und sicherer Frieden ist nur möglich über Dialog, Verständigung und Selbstbestimmung - gilt sowohl Inner- als auch Zwischenstaatlich.
Interessant zum Thema auch der jetztige Spiegel-Artikel zum Irak, der erklärt wie aus "Widerstandskämpfern" Terroristen werden.
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 63,00.html
Martin