Es wird jetzt immer häufiger die Frage gestellt, warum es den westlichen Journalisten nicht gestattet wird, weiter in Lhasa zu bleiben und über die Geschehnisse zu berichten. Ist der Grund dafür wirklich nur, die Sicherheit der westlichen Journalisten zu garantieren, wie von der chinesischen Regierung behauptet?
Manche Analytiker verneinen dies. Der wahre Grund läge darin, dass einige westliche Journalisten, die keine Berufsmoral hätten und das Bild Chinas gerne verfälschen oder irreführend berichten wollten, den Kredit der westlichen Medien in China bereits zerstört haben. CNN, ZDF und andere Nachrichtenagenturen stellten die nepalesische Polizei als chinesische Polizei dar, beschrieben Ambulanzen als Panzerwagen und könnten logischerweise auch Nichtschüsse als Schüsse, Retten als Töten darstellen. Diese Sorge ist durchaus berechtigt, da während der vergangenen Monate mehrfach unwahre Berichte der westlichen Medien vorlagen:
14.02.2008, „The Independent“ veröffentlichte einen offenen Brief, den der IOC-Präsident Jacques Rogge unterschrieben haben soll, demzufolge der chinesischen Regierung die Darfur-Frage vorgeworfen würde. Am gleichen Tag erklärte Rogge, dass er keine solche Unterschrift geleistet habe, woraufhin diese Zeitung keine andere Wahl hatte, als sich am darauf folgenden Tag öffentlich zu entschuldigen.
19.02.2008, Agence France Presse( AFP): „Wen Jiabao schüttelt Schauspielern die Hand in einem Aids-Dorf“. Es wurde berichtet, die lokale Regierung in Henan habe anstelle der mit Aids angesteckten Dorfbauern Kader engagiert, um den Premierminister zu täuschen. Nachdem diese Nachricht als unwahr enthüllt wurde, wurde sie am 25.02.08 zurückgezogen. Die AFP reichte im März einen offiziellen Entschuldigungsbrief an die chinesische Seite weiter.
Ebenfalls im Februar 2008 berichtete The New York Times, das amerikanische Olympic Committee plane, eigene Lebensmittel nach China mitzubringen, was sicherlich die chinesischen Veranstalter kränken würde. Am 21.02.2008 dementierte das amerikanische Olympic Committee diesen Bericht und wies darauf hin, dass die Lebensmitteln für ihre Sportler in Olympischen Dorf in Beijing besorgt würden.
(Meine Übersetzung, der originale Text aus der Xinhua Nachrichtagentur:
http://news.xinhuanet.com/herald/2008-0 ... 787260.htm)
Dieser Beispiele gibt es noch viele. Kurz vor Versendung meiner Email fand sich noch ein weiterer Lügenbericht auf der größten indischen Nachrichtenwebseite des 'Rediff', der hundertprozentig Platz eins im Wettkampf der Lügeberichte gewinnen kann. Liebe Kommilitonen, könnt Ihr Euch vorstellen, was dort berichtet wurde?
Sie zeigten ein Video aus der CCTV-9, auf dem eine Bürgerin in Lhasa interviewt wird. Sie sprach Chinesisch, und die indische Nachrichtenwebseite fügte erstaunlicherweise den folgenden Übersetzungsuntertitel hinzu:
'All the Tiiibetan people have gathered together yesterday on the street and the military men came and fired some tear gas, some poisonous one, to us in the afternoon at 3 or 4 p.m. and arrested about 10 or 20 people.'
Aber alle, die Chinesisch verstehen können, wissen, dass diese Frau das Folgende gesagt hat:
”My heart is heavy, we have witnessed a few separatists running riot and disrupting the public order, they just don’t want us to carry on with our life, don’t want our kids to go to school, don’t want us to go to work. The separatists have ruined our peaceful life.”
http://specials.rediff.com/news/2008/mar/17video.htm
Es ist so traurig, was kan man heutzutag noch glauben? Die Welt ist von Gerücht, Lüge und Propaganda erfüllt. China wird einfach auf dieser Weise dämonisiert. Wie kann die Infomation oder andere Quelle erkennen, welche aus der Ideeologie des Kaltkriegs gemacht wird, und welche aus wissenschaftliche Ehrlichkeit.
Wenn es bei den gegebenen Umständen nicht mehr möglich ist, eine objektive Beurteilung zu geben, würde ich vorschlagen: lassen uns chinesische Redewendungen lernen.
Als Sinologie-Studenten müssen wir den Medien danken, weil wir erst durch sie die Chance haben, die folgenden vier chinesischen Redewendung lebendig, bildhaft, praxisorientiert und tiefgreifend zu verstehen und zu verwenden:
1. zheng1 yan3 shuo1 xia1 hua4: Mit offenen Augen blinde Worte sprechen.
2. zhang1 guan1 li3 dai4: Herrn Zhangs Mütze auf Herr Lis Kopf setzen.
3. yi3 hua1 jie1 mu4: Die Blüte an diesem Stiel mit einer anderen vertauschen.
4. Zhi3 lu4 wei2 ma3: Den Hirsch Pferd nennen.