Gedankenwelt

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.
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Shaolin
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Beitrag von Shaolin »

wasserkohl hat geschrieben:
Shaolin hat geschrieben:
Zum Eingangsthread:
Vielleicht 3 elementare Dinge die Einfluss haben könnten.
1) Umbruch der Gesellschaft
Gerade die jetzt studierenden Jahrgänge haben ihre Kindheit mit roten Flaggen, Pionierumzügen und Mao-Bildern an jeder Hauwand verbracht, dann kam die leichte (mittlerweile starke) Öffnung hin zum westlichen Modell (Wirtschaft, Lifestyle usw). Das kann schon irritierend wirken.
Den 1. Punkt kannst du vergessen. Diese Generation ist bei den Werbungsbomben von MC Donald und Cocacola aufgewachsen. Sie haben keine Erinnerungen an rote Flagge und Mao-Bilder. Ich bin viel aelter als die, aber ich war nur 4 Jahre alt , als Mao starb.
Hmmm, wird stimmen da Du dort aufgewachsen bist und nicht ich. Diese Vermutung entstand aus Erinnerungen an Besuche Anfang der 90er in Küstenregionen (überwiegend Shanghai), da gab es - wenn überhaupt - nur sehr vereinzelt Einflüsse wie Coca-Cola oder McDoof, dementsprechend noch viel weniger Anfang der 90er im Hinterland, zB Ningbo/Hangzhou etc), hängt also vielleicht auch davon ab wo man aufgewachsen ist.
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Topas
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Beitrag von Topas »

@Wasserkohl

Na dass ist es doch eben was ich auch nicht verstehe, diese Wiedersprüchlichkeit an sich.

@Shaolin :

Die Bedeutung ist mir bestens bekannt, ich frage mich jedoch nur, weshalb dieser Umgangssprachlicher Begriff drin steht ?
name
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Beitrag von name »

Topas hat geschrieben:Die Personen, die ich meinte sind nicht gerade Faul oder herumamschlenzen, dass ist ja gerade dass , was mich verwundert.
Die lernen bis zum "geht-nicht-mehr", dass scheint deren einziger Lebenszweck zu sein. Aber auf die Frage nach Hobbys gibt es nur ein " Habe keine".
Dass einzige ist Badmintonspielen ( wobei ich dass aber schon nicht mehr als echtes Hobby verstehe, sondern eher als eine soziale Gestaltung des miteinanders , wie die Deutschen beim gemeinsamen Fussball gucken oder Kaffeeklatsch )

Dadurch ist bei mir früher der Eindruck "Roboter-Mensch" entstanden, weil ich mir nicht vorstellen konnte ( und kann ) , dass es Menschen gibt , die NUR ihr ganzes Leben FREIWILLIG Arbeit im Kopf haben, am besten 20 Stunden , wenn es denn geht.

Eine chinesische Bekannte sagte zu mir mal , dass sehr viele Chinesen so wären.

Und dass viele Jugendliche keine klaren Zielvorstellungen haben ist klar, aber nicht die Aussage :" Ich studiere , weil ich sonst nicht wüsste , was ich tun sollte "
Du scheinst eine ganz besonders seltsame Spezies zu meinen. Könnte es sich dabei um Menschen handeln, deren Persönlichkeitsstruktur aufgrund von Erziehung und oder Genen sozusagen "unterentwickelt" ist? Mir ist so jemand jedenfalls noch nie begegnet, soweit ich das beurteilen kann.

Allerdings gruppieren sich Menschentypen auch neigungsmäßig so, dass meistens die zusammen kommen, die einander irgendwie ähnlich sind. In dem Sinne könnte ich mir vorstellen, dass die von dir beschriebenen Leute wirklich existieren. Aber einen ganzen Volkscharakter können solche Menschen sicherlich nicht prägen. Falls sie existieren, sind sie bestenfalls eine Randerscheinung.
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Yuan Qi
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Re: Gedankenwelt

Beitrag von Yuan Qi »

Topas hat geschrieben:ich würde gerne folgendes wissen:

Mir ist schon bei mehreren Chinesen aufgefallen, dass sie überhaupt keine Lebensziele haben, ihnen sogar ihre Lebensgestaltung mehr oder weniger egel ist.

So hat eine Kommilitonin auf meine Frage, die ihre Ziele im Leben betraf,
geantwortet, dass sie es nicht wisse, das Arbeit ihr gesamter Lebensinhalt wäre. Etwas später ist sie bei einer Matheklausur nicht erschienen und hat durch diesen Fehlversuch ihr gesamtes Studium aufs Spiel gesetzt. Nachdem ich sie fragte, ob sie denn keine Angst vor einem erzwungenem Studienabbruch hätte,sagte sie, dass es ihr egal sei...

Solche Aussagen habe ich aber nun auch schon von vielen anderen Chinesen gehört, woran liegt dass, ist dass tatsächlich eine Frage der kulturellen Mentalität, oder ???

Interessenlosigkeit, Ziellosigkeit und alles hinnehmen wie es ist, ohne selbst versuchen sein Leben in die Hand zu nehmen, dass sind so die Eigenschaften die mir bei veilen ( nicht allen ) Chinesen auffallen...
Mich interessiere daran, welche Lebensziele Du hast?

In China, ein Lebensziel für einen normalen Mensch: Familie angenehme Wohnung(安居) und Passende Arbeit(乐业)。

Für ein 君子 sein Lebensziel ist sein Land dienen(治国)und Frieden in der Welt schaffen( 平天下)

Und wie war Deines ?
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wasserkohl
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Re: Gedankenwelt

Beitrag von wasserkohl »

Yuan Qi hat geschrieben:
Topas hat geschrieben:ich würde gerne folgendes wissen:

Mir ist schon bei mehreren Chinesen aufgefallen, dass sie überhaupt keine Lebensziele haben, ihnen sogar ihre Lebensgestaltung mehr oder weniger egel ist.

So hat eine Kommilitonin auf meine Frage, die ihre Ziele im Leben betraf,
geantwortet, dass sie es nicht wisse, das Arbeit ihr gesamter Lebensinhalt wäre. Etwas später ist sie bei einer Matheklausur nicht erschienen und hat durch diesen Fehlversuch ihr gesamtes Studium aufs Spiel gesetzt. Nachdem ich sie fragte, ob sie denn keine Angst vor einem erzwungenem Studienabbruch hätte,sagte sie, dass es ihr egal sei...

Solche Aussagen habe ich aber nun auch schon von vielen anderen Chinesen gehört, woran liegt dass, ist dass tatsächlich eine Frage der kulturellen Mentalität, oder ???

Interessenlosigkeit, Ziellosigkeit und alles hinnehmen wie es ist, ohne selbst versuchen sein Leben in die Hand zu nehmen, dass sind so die Eigenschaften die mir bei veilen ( nicht allen ) Chinesen auffallen...
Mich interessiere daran, welche Lebensziele Du hast?

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Und wie war Deines ?
Ach, dieses Lebensziel ist zu grossartig fuer normale Menschen. Wieviele Chinesen koennen das Ziel erreichen?
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Yuan Qi
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Re: Gedankenwelt

Beitrag von Yuan Qi »

wasserkohl hat geschrieben:
Yuan Qi hat geschrieben:
Topas hat geschrieben:ich würde gerne folgendes wissen:

Mir ist schon bei mehreren Chinesen aufgefallen, dass sie überhaupt keine Lebensziele haben, ihnen sogar ihre Lebensgestaltung mehr oder weniger egel ist.

So hat eine Kommilitonin auf meine Frage, die ihre Ziele im Leben betraf,
geantwortet, dass sie es nicht wisse, das Arbeit ihr gesamter Lebensinhalt wäre. Etwas später ist sie bei einer Matheklausur nicht erschienen und hat durch diesen Fehlversuch ihr gesamtes Studium aufs Spiel gesetzt. Nachdem ich sie fragte, ob sie denn keine Angst vor einem erzwungenem Studienabbruch hätte,sagte sie, dass es ihr egal sei...

Solche Aussagen habe ich aber nun auch schon von vielen anderen Chinesen gehört, woran liegt dass, ist dass tatsächlich eine Frage der kulturellen Mentalität, oder ???

Interessenlosigkeit, Ziellosigkeit und alles hinnehmen wie es ist, ohne selbst versuchen sein Leben in die Hand zu nehmen, dass sind so die Eigenschaften die mir bei veilen ( nicht allen ) Chinesen auffallen...
Mich interessiere daran, welche Lebensziele Du hast?

In China, ein Lebensziel für einen normalen Mensch: Familie angenehme Wohnung(安居) und Passende Arbeit(乐业)。

Für ein 君子 sein Lebensziel ist sein Land dienen(治国)und Frieden in der Welt schaffen( 平天下)

Und wie war Deines ?
Ach, dieses Lebensziel ist zu grossartig fuer normale Menschen. Wieviele Chinesen koennen das Ziel erreichen?
In China, ein Lebensziel für einen normalen Mensch: Familie angenehme Wohnung(安居) und Passende Arbeit(乐业)。 Du meinst, dieses Ziel ist für normale chinesen unvorstellbar oder?
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wasserkohl
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Beitrag von wasserkohl »

Für ein 君子 sein Lebensziel ist sein Land dienen(治国)und Frieden in der Welt schaffen( 平天下)
_______________________________________________________

Sind die Ziele leicht zu erreichen? Sogar UN-Generalsekretaer hat starken Kopfschmerzen gegenueber dem Frieden der ganzen Welt. :wink:
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Yuan Qi
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Beitrag von Yuan Qi »

wasserkohl hat geschrieben:Für ein 君子 sein Lebensziel ist sein Land dienen(治国)und Frieden in der Welt schaffen( 平天下)
_______________________________________________________

Sind die Ziele leicht zu erreichen? Sogar UN-Generalsekretaer hat starken Kopfschmerzen gegenueber dem Frieden der ganzen Welt. :wink:
Daher habe ich die in 2 Bereichen eingeteilt. und ich bin ein normaler Mensch, aber darf nicht behaupten, dass niemand andere Ziele hat.

Übrigens können die Ziele nicht unbedingt erreicht werden.
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belrain
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Re: Gedankenwelt

Beitrag von belrain »

Yuan Qi hat geschrieben: In China, ein Lebensziel für einen normalen Mensch: Familie angenehme Wohnung(安居) und Passende Arbeit(乐业)。
Ich denke, diese generellen Ziele hat jeder Mensch, egal in welchem Land er/sie lebt. Nur die Vorstellungen sind unterschiedlich. Jemand, der in Afrika oder Indien am Rande der Existenz lebt hat sicherlich bescheidenere Vorstellungen als jemand aus Deutschland oder aus den Großstädten Chinas.
Ausserdem, wenn man es genau betrachtet, sind es keine Ziele. Denn wie heiss es so schön, ein Ziel definiert sich u.a. durch seine Messbarkeit. Und Familie, passende Arbeit oder angenehme Wohnung ist nicht wirklich messbar. Lediglich subjektiv zu bestimmen.
Also wenn schon dann: Eine Frau, ein bis zwei Kinder, eine Wohnung von min. 80 m² grösse und einen Job der meiner Qualifikation entspricht mit einem Mindestgehalt von 120000 € pro Jahr :wink: Und schon hat man echte Ziele. Sie sind messbar, erreichbar und realistisch :wink:
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Beitrag von hifi »

Also, ich für meinen Teil kann sagen, dass ich ein ziemlich typisches Beispiel in Topas' Beschreibung sein kann.

Das kommt von der Erziehung. Ich hatte eine sehr anstrengende Kindheit im Vergleich zu den Altersgenossen hier in Deutschland. Bei mir war das Leben wie ein ewiges Treppensteigen. Es ging bereits vor der Einschulung los. Da musste ich einige hunderte Zeichen Lesen, Schreiben sowie einfache Additionen und Subtraktionen können, damit ich in eine gute Grundschule aufgenommen werden kann. Die Schule war deswegen gut, weil die Lehrer sehr streng und autoritär waren. Das einzige Ziel während der 6 Jahren war nur: die Abschlussprüfung mit guten Noten zu schaffen um dann zu einer guten Jonior Highschool gehen zu dürfen. Das ging dort dann so weiter, dass man zu einer guten Senior Highschool aufsteigt und letzendlich in eine gute Uni landet und eine gute Fachrichtung studieret. Die Prüfungen bestimmten im Prinzip den ganzen Ablauf und den Alltag eines Schülers. Es wurd nach einer Prüfung sogar Namensliste mit Noten von gut bis schlecht sortiert, in dem gesamten Jahrgang veröffentlicht. Ich weiß nicht, ob es heute immer noch so ist, aber meine Kindheit war nicht mein eigenes Leben gewesen. Ich habe sozusagen nur für meine Eltern, für die ganzen Erwartungen und für die nächste Prüfung gelebt.

Daher kann ich ganz gut nachvollziehen, dass viele Chinesen außer Lernen und Arbeiten gar keine richitge Hobby oder private Lebensgestaltung kennt. Für viele ist eine Richtung eingeschlagen wurde, die nicht von Ihnen selbst bestimmt war. Es ist eher eine Laufbahn als ein eigenständiges Erwachsen-werden.
Kennt Ihr alle den Film "Der Klub der toten Dichter"? Als ich den Film gesehen habe, war es wie eine Spiegelung meines Lebens.

Es kamm bei mir aber anders. Ich musste mitten in der Senior Highschool nach Deutschland und in einem Gymnasium meine Schulausbildung fortsetzen. Daher habe ich beide Erziehungssysteme kennengelernt. Und beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Während der chinesische Schüler quasi nie erwachsen wird und immer für seine Eltern lernt, kennt viele Schüler hier den Druck nicht, dass man für sein Leben auch kämpfen muss, dass auch unbeliebte und langweilige Sachen erledigt werden müssen. Die chinesische Schüler und Studenten zeichnen sich besonders für ihren Fleiß und ein sehr grundiertes Wissen im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich aus. Aber sie sind nicht selbstständig und überhaupt nicht kreativ. Sie müssen häufig herangeführt werden und wissen zum Teil gar nicht, wofür sie eigentlich lernen. Der deutsche Schüler ist im Allgemein (nicht alle) selbstbewusst und sehr kreativ. Sie stellen gern Fragen nach dem Warum und wenn sie motiviert sind, ergreifen sie auch Eigeniniziative um eine Aufgabe zu lösen. Bei den deutschen Jugendlichen mangelt es jedoch häufig an Motivation und Disziplin. Es gibt zwar sog. "Streber", die ebenso eifrig und fleissig für sich lernen, aber die große Masse ist mit ihrer Leistung meist ganz zufrieden und widmet sein Interesse mehr für Freizeit und Hobbies. Dieses System funktioniert jedoch nur, wenn das Kind weiß, wofür es lernt. Die Leute bleiben auf der Strecke, wenn man sich aufgibt oder einfach keine Lust hat, zu lernen. Daher sind hier so wenig Frauen im technischen Bereich und es gibt so viele Schul- und Studiumabbrecher. Ich kannte einige Studenten, die bereits seit mehreren Jahren Studierten und ihr endgültiges Studiumfach immer noch nicht gefunden hatten. Sie haben zwar viele Hobbies und sind auch sehr frohe und lebenslustige Menschen, aber das richtige Ziel im Leben hatten sie auch noch nicht gefunden.

Bei mir ist es nach der "Integration" total in die Gegenrichtung umgeschlagen. Ich bin jetzt ein großes Spielkind geworden und habe inzwischen so viele Hobbies, dass ich zeitmässig gar nicht mehr schaffen kann. Es scheint so, als ob ich all die verlohrene Kindheit nachholen möchte. Aber ein richtiges Lebensziel sind die Freizeitgestaltung ja auch nicht.

Wenn man mich nach dem großen Ziel des Lebens fragen würde, kann ich ihn auch nicht antworten. Ich glaube, dass niemand wirklich darauf antworten kann, es sei denn man ist sehr gläubig in einer Religion. Als Atheist kann ich nicht mal sagen, ob ich ein großes Ziel im Leben überhaupt haben will. Klar, man sucht Liebe und Geborgenheit in der Familie und bei den Freunden, man sucht Anerkennung in der Gesellschaft und Erfolg im Berufsleben, aber ein höheres Ziel, dass man z.B. für die Weltfrieden sorgt, ist für mich persönlich gesehen absurd.
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devurandom
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Beitrag von devurandom »

Vorab muss ich sagen, dass ich hifi 100% zustimmen kann.
hifi hat geschrieben:Also, ich für meinen Teil kann sagen, dass ich ein ziemliches Beispiel in Topas' Beschreibung sein kann.
Ganz so krass wie Topas geschrieben hat waere ich allerdings vermutlich nicht geworden. Da ich zur Studienzeit von eigenen Haenden leben musste, gehoerte Ziellosigkeit fuer mich zu einem Luxus, den ich mir nicht leisten konnte. Meine Aufenthaltsstatus bzw. Arbeitserlaubnis hing ja davon ab, ob ich mein Studium noch erfolgreich fortsetzen konnte. Also blieb mir nix anderes, als alles zu versuchen, um das Studium zu schaffen. Daher musste ich mich auch sehr zusammenreissen. Waere es allerdings nicht so gewesen, wuesste ich auch nicht, ob ich zu recht gekommen waere....
Das kommt von der Erziehung. Ich hatte eine sehr anstrengende Kindheit im Vergleich zu den Altersgenossen hier in Deutschland.
.....
, aber meine Kindheit war nicht mein eigenes Leben gewesen. Ich habe sozusagen nur für meine Eltern, für die ganzen Erwartungen und für die nächste Prüfung gelebt.
Mir ging es fast genau so. Bei mir in der Schule ging die Sitzordnung zeitweise gar nach Noten. Die, die im allgemein bessere Noten hatten, sassen hinten, die schlechten Schueler sassen vorne, quasi am "Pranger". An Elternabenden wurden dann auch die Eltern, die vorne auf dem Platz ihrer Kinder sitzen mussten, besonder mitleidig angeblickt. Dem einen Vater war es einmal so peinlich, dass er sich partout nicht hinsetzen wollte. Sein Sohn hatte die naechsten Tage blaue Flecken ueberall, wurde aber spaeter tatsaechlich besser in der Schule......
Daher kann ich ganz gut nachvollziehen, dass viele Chinesen außer Lernen und Arbeiten gar keine richitge Hobby oder private Lebensgestaltung kennt. Für viele ist eine Richtung eingeschlagen wurde, die nicht von Ihnen selbst bestimmt war. Es ist eher eine Laufbahn als ein eigenständiges Erwachsen-werden.
Kennt Ihr alle den Film "Der Klub der toten Dichter"? Als ich den Film gesehen habe, war es wie eine Spiegelung meines Lebens.
Ist wahrscheinlich auch der Grund, warum hier chin. Studenten in der Regel nur mit Landsleuten zusammenhocken. Weil man eben nicht genuegend selbststaendig ist.
....
beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile.
.........
Die chinesische Schüler und Studenten zeichnen sich besonders für ihren Fleiß und ein sehr grundiertes Wissen im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich aus. Aber sie sind nicht selbstständig und überhaupt nicht kreativ. Sie müssen häufig herangeführt werden und wissen zum Teil gar nicht, wofür sie eigentlich lernen. Der deutsche Schüler ist im Allgemein (nicht alle) selbstbewusst und sehr kreativ. Sie stellen gern Fragen nach dem Warum und wenn sie motiviert sind, ergreifen sie auch Eigeniniziative um eine Aufgabe zu lösen.
Genau so habe ich's auch erlebt.
Bei den deutschen Jugendlichen mangelt es jedoch häufig an Motivation und Disziplin. Es gibt zwar sog. "Streber", die ebenso eifrig und fleissig für sich lernen, aber die große Masse ist mit ihrer Leistung meist ganz zufrieden und widmet sein Interesse mehr für Freizeit und Hobbies.Dieses System funktioniert jedoch nur, wenn das Kind weiß, wofür es lernt. Die Leute bleiben auf der Strecke, wenn man sich aufgibt oder einfach keine Lust hat, zu lernen. Daher sind hier so wenig Frauen im technischen Bereich und es gibt so viele Schul- und Studiumabbrecher. Ich kannte einige Studenten, die bereits seit mehreren Jahren Studierten und ihr endgültiges Studiumfach immer noch nicht gefunden hatten. Sie haben zwar viele Hobbies und sind auch sehr frohe und lebenslustige Menschen, aber das richtige Ziel im Leben hatten sie auch noch nicht gefunden.

"Streber" werden in China auch kritisch beaeugt. Allerdings steckt da mehr Bewunderung als boesartiges Neid dahinter. Man wird ja von klein her eingetrichtert, dass ein Mensch ohne entspr. Bildung praktisch nichts Wert ist. Oft opfern die Eltern Haus und Hof, um eine ansprechende Ausbildung fuer ihre Kinder zu ermoeglichen. Da ist es selbstverstaendlich, mehr zu den "Strebern" hinauf zu blicken, und deren Leistung als Ansporn zu sehen. Hierzulande wird die Bildung nicht so gross geschrieben, aus den alten Zeiten hat man noch die Vorstellung, dass man auch ohne Meister oder Studium muehelos in die Mittelschicht oder noch hoeher schaffen kann. Ob dieses Modell noch fuer die Zukunft gilt, ist allerdings imho mehr als fraglich. Zu der schlechten Durchschnsleistung der deutschen Schueler tragen zusaetzlich auch ein enorm niedrige Qualitaetsstandard der Leherschaft und ein ausgesprochen merkwuerdiges Bildungssystem bei. Nicht desto trotz ueberragen die deutschen Schueler in Sache Selbststaendigkeit und Kreativitaet oft um weiten den chin. Altersgenossen.
Bei mir ist es nach der "Integration" total in die Gegenrichtung umgeschlagen. Ich bin jetzt ein großes Spielkind geworden und habe inzwischen so viele Hobbies, dass ich zeitmässig gar nicht mehr schaffen kann.
Ich habe keine Hobbies, sitz den ganzen Tag vor Rechnern. ;-)
Es scheint so, als ob ich all die verlohrene Kindheit nachholen möchte. Aber ein richtiges Lebensziel sind die Freizeitgestaltung ja auch nicht.
Na sicher, noch nie von "Freizeitrevoluzer" gehoert? :-D
Wenn man mich nach dem großen Ziel des Lebens fragen würde, kann ich ihn auch nicht antworten. Ich glaube, dass niemand wirklich darauf antworten kann, es sei denn man ist sehr gläubig in einer Religion. Als Atheist kann ich nicht mal sagen, ob ich ein großes Ziel im Leben überhaupt haben will....
Als ein gluehender Anhaenger des fliegenden Spaghetti Monsters finde ich Atheismus empoerend. Ihr, Ihr selbstherrliche moechtegern Wissende, na warte, eure nudelige Heiligkeit wird euch noch den Weg weisen! :-D

Gruss
/dev/urandom
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OldChina
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Beitrag von OldChina »

Wenn man mich nach dem großen Ziel des Lebens fragen würde, kann ich ihn auch nicht antworten. Ich glaube, dass niemand wirklich darauf antworten kann, es sei denn man ist sehr gläubig in einer Religion. Als Atheist kann ich nicht mal sagen, ob ich ein großes Ziel im Leben überhaupt haben will....
Also ich kenne soetwas wie ein Lebensziel, nur kann ich mich nicht mehr erinnern, was es war :roll:
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Beitrag von belrain »

@hifi und dev
Danke für die ausführliche Gegenüberstellung der Schulsysteme China-Deutschland. Nun kann ich auch besser nachvollziehen, warum es so schwer ist in China Mitarbeiter zur selbstständigen Arbeitsweise zu motivieren. Ich dachte schon, es liegt an mir :wink:
Das Leben ist schön

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Kerrigan
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Beitrag von Kerrigan »

Ja, vielen Dank für die ausführliche Darstellung! :)
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Attila
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Beitrag von Attila »

@hifi & devurandom:
Auch von meiner Seite vielen Dank für die sehr ausführlichen Darstellungen, welche Einblicke in ein mir unbekanntes System ermöglichen.

Den Druck stelle ich mir schon unmenschlich vor. In diesem System scheint es keinen Platz für menschliche Schwächen zu geben. Ok, diesen Platz gibt es auch kaum in unserer Gesellschaft, aber die Kinder haben hier (noch) eine Art schonfrist. Ich kann mir vorstellen das wenn dort ein junges Kind zurückfällt, es diese Hypothek seine ganze Schulzeit mit sich herumtragen muss. Oder gibt es Möglichkeiten solche Patzer auszubügeln?

Ich war beispielsweise bis zum Gymnasium (1.-7. Klasse) ein eher schlechter Schüler, Tagträumer eben. Außerdem war die Stadt in der ich lebte etwas ausländerfeindlich eingestellt. Seltsamerweise hatten die Arzt- und Apotherkerkinder prinzipiell die besseren Noten. Nunja dann kam der Umzug in eine Großstadt und plötzlich entwickelte ich mich zu einem der besten Schüler und schloss mein Abitur mit bravour ab.
Ich habe den Eindruck das so eine Karriere, vom Versager zum Streber, in China nicht möglich gewesen wäre.

Mich würde nun interessieren wie Menschen die in so einem System erzogen wurden dann doch erfolgreiche Geschäftsleute werden. Ein Geschäft zu führen braucht ein hohes Maß an Eigenengagement und Kreativität. Gerade das wird aber vom Chinesischen Erziehungssystem nicht gefördert. Jedoch haben Chinesen weltweit einen legendären Ruf als gute Geschäftsleute.
Ein Wiederspruch?

Ich habe jetzt nur pro forma das Beispiel Geschäftsleute (im Sinne von Handel) herangezogen. Es geht mir in erster Linie um selbständiges Handeln und kreatives Denken, was ja offensichtlich auch einige Chinesen gut hinkriegen.
"Hallo Leute da bin ich wieder! War nur mal ein paar tausend Jährchen weg, was habt ihr denn inzwischen so... ACH DU SCHEISSE!!!" - Gott

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