Im Schatten Chinas - Taiwans Kampf um Anerkennung

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Dennis (CDS)
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Beitrag von Dennis (CDS) »

hifi, falls du es bis jetzt noch nicht getan hast, empfehle ich dir das Anhören der Diskussion.

http://www.swr.de/swr2/programm/extra/c ... index.html
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mesheel
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Beitrag von mesheel »

Einmal die ethnische Unterschiede zwischen Han-Chinesen und die taiwanesischen Einheimischen.
Um's wirklich GANZ einfach auszudruecken: Es gibt auf Taiwan Taiwanese, Hakka und Mainlander. Taiwanese und Hakka sind vor ein paar 100 Jahren vom Festlandchina nach Taiwan eingewandert, Mainlander erst vor 50 Jahren.
Allesamt sind ethnisch gesehen "Chinese". Kein Wunder kam Dir der Taiwanische Professor gar Chinesisch vor.... :roll:

Dann gibts noch die verschiedensten Ureinwohner, die aber leider wenig zu sagen haben.

Nur so, um irgendwelche Verallgemeinerungen zu verhindern...
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Grufti
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Beitrag von Grufti »

hifi hat geschrieben:OK, ich könnte mir vorstellen, dass die KMT in Taiwan von den Taiwanesen als Besatzer und Unterdrücker angesehen werden, genau wie die Japaner davor... und die Demokratisierung ein durchaus taiwanesisches eigenes Prozess ist.

Die Anfangsjahre der japanischen Herrschaft in Taiwan standen unter dem Zeichen der Unterdrückung diverser Aufstände..z.T. der dort lebenden Han-Chinesen und z.T. der damals zahlenmäßig noch bedeutenden Eingeborenen ( Gao Shan Zu).

Ab den 1930igern jedoch kam der Plan in Japan auf, Taiwan nicht wie Korea als Kolonie , sondern als zum japanischen Mutterland gehörig zu behandeln.
Es wurde für die Bewohner Taiwan ein Bildungssystem geschaffen, daß von der Pflicht-Grundschule bis zur Universität reichte: wirtschaftlich gesehen wurde in Taiwan investiert ,und nicht wie andere Kolonien, völlig ausgebeutet. Natürlich war Japanisch Plichtfach in den Schulen, aber daneben wurde auch Taiwanesisch gefördert, und auch Mandarin nicht vernachlässigt.
Als nach dem Abzug der Japaner die KMT -Soldaten vom Mainland herübergekommen waren, hatten viele Taiwanesen ( Han-Chinesen, die schon lange in Tawian wohnten) Mitleid mit der völlig abgerissenen Truppe ihrer "Landsleute".. Dieses "abwartende Wohlwollen" den Flüchtlingen vom Festland, wie ich diese Stimmung bezeichnen möchte, änderte sich recht bald, denn diese Neuankömmlinge klauten alles, was nicht niet und nagelfest war... sodaß die Taiwanesen, die durch die drakonischen Strafen der Japaner dazu erzogen waren, nichts zu nehmen,was Ihnen nicht gehörte, maßnahmen zu ergreifen , ihr Eigentum festungsmäßig ztu sichern.
Die Arroganz und Willkür des damaligen KMT Gouverneurs
mündeten schließlich im Aufstand vom 28.februar 1947

Sorry, daß ich hier das nicht alles belegen kann, denn vieles wurde mir während meines TW Aufenthaltes als persönliches Erlebnis erzählt.
Es wäre sehr interessant, ob sich heutzutage noch entsprechend alte Leute, finden, die die japanische Zeit noch bewußt erlebt hatten..

Nur dass ich glaube, dass die KMT sich nicht geändert hätte, wenn sie nicht von Außen auch noch Druck bekommen hätte. Das erfuhr ich nicht aus China.
ich weiß nicht, ob die Ermahnung der USA, "Die Menschenrechte einzuhalten" ein Druck für die damalige Regierung genug gwar, die "Dangwai" Leute zu akzeptieren ( =nicht einzusperren).... ( im Hinblick auf die Zeitspanne zwischen 1979 und End-80iger ist das wohl eher nicht der Fall gewesen.. :roll:
Für mich scheint die Sache in Taiwan selbt 2 Akpekte zu haben.
Einmal die ethnische Unterschiede zwischen Han-Chinesen und die taiwanesischen Einheimischen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wenn man ein Einheimischer ist, dann hat man gefühlsmässig so gut wie gar nichts mit dem Festland zu tun.
Hier ist wohl wiederr eine Begriffserklärung notwendig:

Han
-Chinesen sind sowohl "Taiwanesen", als auch die Flüchtlinge , die nach 1945 nach Taiwan gekommen sind..

Als Taiwanesen werden normalerweise die Volksgruppe bezeichnet, deren Vorfahren seit dem 17.Jahrhundert, und verstärkt erst im19.Jahrhundert aus China nach Taiwan gekommen sind

Die Leute. die Du als "Taiwanesen" meinst sind die malaiisch-stämmigen "Gao Shan Zu " die lange vor den Chinesen und vor der Teil-Besatzung Taiwans durch die Spanier / Holländer dort gelebt hatten

fortsetzung ( und Fehlerkorrektur :wink: ) folgt.. ( hab jetzt keine Zeit mehr ..) :oops:
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Beitrag von hifi »

Danke für die Erklärung.

Im Allgemein wollte ich die Han-Chinesen nicht unbedingt von den Taiwanesen trennen. Allerdings ist die Bindung und das nationale Gefühl von einer Volksgruppe zu der ursprünglichen Heimat stärker, wenn diese noch eine Nation entspricht. Also, sind die taiwanesische Han-Chinesen auch Han-Chinesen, egal ob diese erst 1949 dort hin flüchteten, oder schon davor immigriert waren.

Das entspricht natürlich nicht unbedingt die wirklichen Gefühle der Menschen, ob sie für die alten Heimat noch etwas empfinden, besonders nach Generationen. So wie die Chinesen in Singapore, wo sie doch fast 70% der gesamten Bevölkerung ausmachen sollten, oder die Einwanderer in Amerika. Da sagt natürlich einer mehr: "Oh, ich bin Engländer", "Ich war Deutsche". Da hat man eine eigene nationale Identität herausgebildet. Und genau davor, haben die Chinesen Angst, wenn Taiwan einmal von dem Festland abtrennt.

Meine Frage ist jedoch, wie stark das Gefühl der Taiwanesen als Chinesen sind. Wie in meiner Erzählung erwähnt, traff ich bislang nur traditionsbewusste Chinesen, die aus Taiwan stammten. Und alle chinesische Bekannten von mir, die in Taiwan waren, hatten nicht das Gefühl wirklich in einem fremden Land zu verreisen, oder gar antichinesische Mentalität verspürt zu haben. Dann resultiert sich meine Gedanken zu einer zentralen Frage: Würden die Taiwanesen auch so energisch lossagen wollen, wenn in China ein anderes System geben sollte, wenn keinen tiefen Graben der Ideologie dazwischen wäre.
Dennis (CDS)
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Beitrag von Dennis (CDS) »

hifi hat geschrieben:Würden die Taiwanesen auch so energisch lossagen wollen, wenn in China ein anderes System geben sollte, wenn keinen tiefen Graben der Ideologie dazwischen wäre.
Ich lass da nicht locker. Auch diese Frage lässt sich durch Anhören von http://www.swr.de/swr2/programm/extra/c ... index.html sehr leicht beantworten. :wink:

Und schätz mal, wie viele Taiwaner sich wirklich energisch lossagen wollen.
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Beitrag von hifi »

OK, werde ich im Freizeit mal anschauen.

Bin noch bei der Arbeit und etwas anhören wäre hier nicht so gut...
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mesheel
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Beitrag von mesheel »

Der Ah-Kiu 阿舅 meines Freundes, ist 72 Jahre alt und unter den Japanern in die Schule gegangen. Er ist heute noch sehr, sehr stolz auf seine Ausbildung und vor allem auf seine Japanischkenntnisse und spricht mit mir lieber Japanisch als Chinesisch. Am liebsten waer ihm natuerlich Hakka, aber da kann ich dann wirklich nicht mehr mithalten.

Von den Japanern erzaehlt er nur Gutes, im Gegensatz zu den Mainlander, die nach 1949.
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Beitrag von hifi »

Hätten die Japaner überall woanders die Leute so behandelt wie in Taiwan...

Übrigens: Bin kein Japanhasser!
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LeChef
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Beitrag von LeChef »

also die taiwanesen die ich getroffen habe waren grundsätzlich mehr pro wiedervereinigung, aber sie meinen ganz klar, dass es nicht die mehrheit der leute ist, die dafür ist. aber auch ganz klar nicht die mehrheit, die für unabhängigkeit ist.
klar, viele haben angst vor den konsquenzen die drohen würden sie sich lossagen von china, aber doch auch viele haben eben doch das vereinigungsbestreben.
natürlich bin ich kein experte für die frage, aber ich habe eher den eindruck, dass wenn sich das system in mainland china verändern würde und wenn die entscheidung taiwans sowohl in einem pro china als auch contra china fall respektiert werden würde, dann würden sic die taiwanesen gut möglich für eine vereinigung entscheiden. das könnte aber erst in frühstens 20 jahren geschehen. bis dahin ist der status quo oder der kriegsfall wohl das wahrscheinlichste.
mich kotzt die chinesische ignoranz in diesem punkt aber aboslut an, dass den taiwanesen keine wahl gelassen wird und diese "wie kinder eben zur vernunft geprügelt" werden müssten, sollten sie unsinn bauen.
leider funktioniert das "lernen durch schmach" nicht wirklich und somit ist der gesichtsverlust der absagung taiwans den chinesen auch nicht zu wünschen, da sie sich nur in ihrem zorn steigern würden.
meine meinung!
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Beitrag von belrain »

LeChef hat geschrieben:"wie kinder eben zur vernunft geprügelt" werden müssten, sollten sie unsinn bauen.
Ähmmmm, aber darauf basiert doch die chinesische Regierung im Grossen und Ganzen. Wie wie man schon bei einem MS-Rechner sagt "Never change a running system". :wink:
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mesheel
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Beitrag von mesheel »

:lol: :lol: :lol:
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Beitrag von HK_Yan »

Um's wirklich GANZ einfach auszudruecken: Es gibt auf Taiwan Taiwanese, Hakka und Mainlander. Taiwanese und Hakka sind vor ein paar 100 Jahren vom Festlandchina nach Taiwan eingewandert, Mainlander erst vor 50 Jahren.
Kamen die Ureinwohner nicht aus dem Pacific Inseln? Und wurde Taiwan nicht erst im Mittelalter nenneswert aus China besiedelt?

Wenn Taiwan chinesisch wird dann sollter Kreuzberg auch Tuerkisch werden.
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Beitrag von Grufti »

Taiwan ist in der Tat zu allererst von malaiissch stämmigen Völkern besiedelt worden, die von den Philippinen gekommen sind.

Bei extrem guter Sicht kann man die nördlichste Insel der Philippinen von der Südspitze Taiwans in Eluanbi (oluanpi) aus sehen.
Es war frappierend, wie zu "meiner" Taiwan-Zeit mein Freund, ein philippinischer Priester , der an unserer (katholischen) Schule Daiwanhoe lernte, sich mit einem Eingeborenen in Südtaiwan in seiner Heimatsprache verständigen konnte.
Zu den weiteren Fragen hätte ich selbst sehr gerne etwas geschrieben...aber es mangelt mir an Zeit... :cry:

Ich habe aber eine kurze Zusammenfassung im Net gefunden:

http://www.taiwandc.org/hst-1624.htm

Im übrigen wäre Taiwan fast eine deutsche Kolonie geworden, wenn Preußen nicht so lange gezögert hätte, auf dieser Insel zumindest einen Stützpunkt zu errichten..
Ich hatte früher ( in "Vor i-net-Zeiten") mal einen Bericht von P-G- v.Möllendorf an den preußischen König über eine Expedition (1862-1866 )( mit dem Auftrag, kolonisierbare Gegenden in S.O.Asien zu finden) nach Taiwan gelesen, zu dem ich mir leider keinen näheren bibliografischen Notitzen gemacht hatte, den ich deshalb auch nicht mehr finde..

Aus anderer Quelle kann man Näheres hier nachlesen:


http://www.geschichtsforum.de/f57/taiwa ... nie-12974/

http://www.china1900.info/orte/formosa.htm
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
Dennis (CDS)
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Beitrag von Dennis (CDS) »

Grufti hat geschrieben:Im übrigen wäre Taiwan fast eine deutsche Kolonie geworden, wenn Preußen nicht so lange gezögert hätte, auf dieser Insel zumindest einen Stützpunkt zu errichten..
Ich hatte früher ( in "Vor i-net-Zeiten") mal einen Bericht von P-G- v.Möllendorf an den preußischen König über eine Expedition (1862-1866 )( mit dem Auftrag, kolonisierbare Gegenden in S.O.Asien zu finden) nach Taiwan gelesen, zu dem ich mir leider keinen näheren bibliografischen Notitzen gemacht hatte, den ich deshalb auch nicht mehr finde..

Aus anderer Quelle kann man Näheres hier nachlesen:


http://www.geschichtsforum.de/f57/taiwa ... nie-12974/

http://www.china1900.info/orte/formosa.htm
Sehr interessanter und auch erschreckender Bericht.

Über die imperialistische Arroganz jener Zeit kann man nur den Kopf schütteln.

Und komisch eigentlich. Da war ich nun so oft in Danshui, habe es aber bislang noch nie geschafft Fort Zeelandia zu besichtigen.
Koxinga
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Re:

Beitrag von Koxinga »

Grufti hat geschrieben:

Nur dass ich glaube, dass die KMT sich nicht geändert hätte, wenn sie nicht von Außen auch noch Druck bekommen hätte. Das erfuhr ich nicht aus China.
ich weiß nicht, ob die Ermahnung der USA, "Die MEnschenrechte einzuhalten" ein Druck für die damalige Regierung genug gwar, die "Dangwai" Leute zu akzeptieren ( =nicht einzusperren).... ( im Hinblick auf die Zeitspanne zwischen 1979 und End-80iger ist das wohl eher nicht der Fall gewesen.. :roll:
doch! es begann zu Zeiten Jimmy Carters, er hat mehr Druck auf die Verbündeten ausgeübt, die diktatorisch regiert wurden bzw. die Menschenrechte nicht eingehalten haben... das ist mit ein Grund, warum Südkorea sich in den 80ern auch mehr liberalisierte, schliesslich sind Taiwan und Südkorea auf die sicherheitspolitische Hilfe der USA angewiesen, die USA hat die Welt mehr demokratisiert als Europa, das ist meine Meinung, Europa war bzw. ist eher selbstfixiert... :roll:

PS: übrigens hat Taiwan wieder Boden verloren im Kampf um die Anerkennung in der Welt...

das Auswärtige Amt gab dem Drängen Chinas nach und änderte (nach dem Dalai Lama-Besuch) die Daten zu Taiwan :| :

vor September 2007 bzw. Mai 2007

http://web.archive.org/web/200705271623 ... aiwan.html

nach September 2007

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de ... aiwan.html

Stand August 2007 ist gelogen, in drei Monaten, wenn webarchive sich aktualisiert (alle 6 Monate) kann ich das beweisen...

wenigstens wird Taiwan noch unter den "Ländern" aufgeführt, aber das wird sich auch noch ändern, wenn die KP diesen "Fehler" der Deutschen bemerkt... nach ein paar Monaten, das verspreche ich Euch, spätestens nachdem sie meinen Post gelesen haben.... :roll: :mrgreen:
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