Chinesische Studentin in Dessau vermisst

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 20.02.2018, 22:08

Danke für den Hinweis auf die Mediathek

https://rodlzdf-a.akamaihd.net/none/zdf ... p15v13.mp4

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 25.02.2018, 11:28

mein erster Eindruck:

ich denke, das war das Optimum oder zumindest sehr nahe an dem Optimum, was im ÖR-Fernsehen und in dem Format einer 45min Doku möglich war.

Wer sich mit dem Fall mehr beschäftigt hat, musste aber auch eine ganze Reihe von Ungenauigkeiten, Simplifizierungen oder fehlenden, möglicherweise sehr relevanten Aspekten bemerken, aber das ist eben auch dem Format einer 45min Doku geschuldet, das kann man daher nicht wirklich kritisieren.

Insgesamt fand ich jedoch, und das würde ich wirklich kritisieren, dass die Sendung verhältnismässig milde mit konkreten Personen umgegangen ist, gleichzeitig aber sehr pauschal und plakativ und meiner Ansicht nach ungerechtfertigt Schuldzuweisungen an "die Polizei" allgemein verteilt hat. Meiner Ansicht nach hätte das Fehlverhalten der Mutter und des Stiefvaters starker beleuchtet werden müssen, während hinsichtlich "die Polizei" erwähnt hätte werden müssen, in welch strukturell besch.ssenen Lage hinsichtlich Ausrüstung, Personalstärke und Ausbildung die Polizei in Sachsen Anhalt ist und die aufgeführten Ermittlungspannen eben auch damit verbunden sind!

Insbesondere aber halte ich es für ein Versäumnis der Sendung, die Widersprüche, die wiederlegten Behauptungen usw. der Täterin, also insgesamt die Unglaubwürdigkeit ihres Geständnisses nicht starker herausgearbeitet zu haben.

Am Wochenende habe ich nun die Sendung nochmal konzentrierter geschaut und da sind mir drei Dinge aufgefallen:
  • In der Sendung wird quasi der Polizei vorgeworfen, "dass es schon Gerüchte gegeben hatte, dass SF etwas damit zu tun haben könnte", sie aber zunächst der Theorie nachgegangen seien, es handele sich um einen Täter von ausserhalb.
    Nach dem Verschwinden des Opfers, aber noch mehr nach dem Auffinden der Leiche gab es Gerüchte in Dessau "im Dutzend billiger". Jetzt "with the power of hindsight" zu sagen, warum man einem bestimmten Gerücht, welches sich hinterher wie wir wissen als wahr herausgestellt hat, nicht früher und intensiver nachgegangen zu sein, ist meiner Ansicht nach unfair und billig...

    Man sollte sich die Situation damals vergegenwärtigen und bedenken, dass es auch für die Annahme eines Mordes eines äusseren Täters eine sehr relevante und plausibel klingende Theorie gab, die in der Doku nicht erwähnt wird:
    am 6. Februar 2014 wurde die bulgarische Studentin Mariya Nakovska in Halle/Saale bei einer abendlichen Joggingrunde im Park überfallen, vergewaltigt, erwürgt und in den Mühlgraben geworfen. (dieser Fall ist übrigens bis heute unaufgeklärt)
    im April 2016, also nur rund vier Wochen vor dem Mord hier an Yangjie Li, wurde in Leipzig die Portugiesin Maria D. auf dem Heimweg von einem Kneipenbesuch vergewaltigt, ermordert, die Leiche zerstückelt und ins Elsterbecken geworfen. (dieser Fall wurde Februar 2017, also etwa ein Jahr später dann aufgeklärt, nachdem der Täter eine weitere Frau, Anja B. aus Leipzig, ermordet hatte)
    Zum damaligen Zeitpunkt des Verschwindens von Yangjie Li lag der Gedanke also durchaus sehr nahe, dass da ein Serientäter in dem mitteldeutschen Raum Halle-Leipzig-Dessau unterwegs war und er es regelmäßig auf junge Frauen abgesehen hatte, die abends alleine in Parkanlagen unterwegs sind. Man kann der Polizei daher meiner Ansicht nach keinen Vorwurf machen, diesem Verdacht nachgegangen zu sein.

    Darüberhinaus gab es eine weitere ebenfalls plausible Theorie, die implizit auch Prof Lückmann bei 2:48 anspricht: Yangjie Li war im Stadtpark in Dessau joggen, das ist keine total risikofreie Gegend. Dort wurde zB. im Jahr 2000 der Mosambikaner Alberto Adriano von einer Gruppe Neonazis ermordet. Es ist aber auch der Hauptdrogenumschlagplatz in Dessau und Standort von informeller Prostitution. Während es so um 2010 relativ ruhig im Stadtpark geworden war, hatte ab ca. 2014 Crystal Meth als "Modedroge" den Drogenhandel dort wieder belebt. Gerade zu dieser Zeit, also Beginn 2016 begann die Situation dort zu eskalieren, es kulmulierte dann im Juni 2016 mit einer mit Messern und Flaschen am helllichten Tage geführten Auseinandersetzung zwischen Männern aus Guinea-Bissau. Seither ist dort durch regelmäßige Bestreifung die Lage wieder einigermassen unter Kontrolle gebracht worden. Der Verdacht lag also damals auch durchaus sehr nahe, dass Yangjie Li auf ihrer Laufstrecke im Park Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte! Auch da kann man meiner Ansicht nach der Polizei keinen Vorwurf daraus machen, dass sie diesem Verdacht nachgegangen sind.
  • bei 4:58
    Bislang hatte ich immer die Information gehabt, dass das Handy des Opfers am Abend ihres Verschwindens, des Mordes zuletzt eingeschaltet und damit anhand des Logfiles der Basisstationen geortet werden konnte. Nun entnehme ich aber der Doku, dass das Handy tatsächlich sowohl am Tag nach dem Mord abends um 21:45 Uhr und nochmal am zweiten Tag nach dem Mord morgens um 8:45 Uhr eingeschaltet war, die Polizei darauf angerufen hat und sich dort nach längerem Klingeln eine männliche Person meldete, gleich auflegte und erst danach das Handy dauerhaft ausgeschaltet war. Zwei Stunden später wurde dann die Leiche gefunden.

    Mir scheint, dass da dann wirklich eine große Panne passiert ist. Wie oben ausgeführt, war zuvor der Gedanke eines auswärtigen Täters durchaus sehr naheliegend. Aber wenn die letzte Handyortung vor Verschwinden, die Handyortungen am Tag nach dem Verschwinden und zwei Tage nach Verschwinden, mit Funkkontakt zu einer Person, möglicherweise dem Täter und dann auch noch der Leichenfundort allesamt örtlich übereinstimmen (zumindest grob, Handyortung über Logfiles hat wohl so etwa eine Präzision von 300m), spätestens dann hätte der Polizei aufgehen müssen, dass auch Tatort und zumindest temporärer Aufenthaltsort des Täters sich ebenfalls in diesem Bereich befinden. Dass dies entweder nicht zu dem Entschluss oder nicht zur Bewilligung eines Durchsuchungsbefehls für die den Tatort umgebenden Gebäude geführt hat, dieser Fehler schreit nach Aufklärung.

    Abseits davon deutet dieser Sachverhalt des Telefonats zwei Stunden vor Auffinden der Leiche für mich noch auf etwas anderes hin: laut Anklage und auch laut Aussage der Täterin, hat der Täter noch in der gleichen Nacht das noch lebende, aber tödlich verletzte Opfer an den späteren Fundort gebracht. Irritierend dabei bleibt jedoch, warum ein Absuchen dieser Stelle zunächst einige Stunden vor Auffinden der Leiche noch von Polizisten mit Spürhunden erfolglos war. Ich habe schon vorher die Vermutung gehegt, dass die Leiche erst kurz vor Auffinden dieser dort deponiert wurde, bis dahin sich noch im Haus des Täters befand, möglicherweise in der Mülltonne versteckt war, die die Täterin erwähnt hatte. Ich nehme dabei an, dass der Täter das Absuchen dieses Bereiches durch die Polizei vom Fenster aus beobachtet hatte und vermutete, dass die Stelle nicht so bald erneut abgesucht würde und daher die Ablage dort sicher sei. Offen für mich war dabei jedoch die Frage, warum der Täter die Leiche überhaupt aus dem Haus brachte. Dies könnte nun durch den Anruf der Polizei auf dem Handy des Opfers erklärbar werden: der Täter könnte in Panik geraten sein, weil er vermuten musste, dass das Handy geortet wurde und darauf aufbauend auch eine Durchsuchung der Gebäude, zumindest der öffentlichen Bereiche wie Treppenhäuser, Keller und eben auch Mülltonnen im Hof im georteten Bereich stattfinden würde. Also wollte er nach dem Anruf die Leiche unbedingt sofort loswerden, da ihm aber weder ein Auto noch Helfer schnell zur Verfügung standen und am Tage auf der Strasse wohl auch jemand, der mit einer Mülltonne eine Wanderung durch die Stadt macht, auffallen würde, hat er die Leiche dann nur aus dem Fenster gekippt...
  • natürlich kann eine Doku im Format einer 45min Sendung nicht alle Details betrachten, aber meiner Ansicht nach gab es zumindest zwei unzulässig große Lücken:
    - mit keinem Wort wurde erwähnt, dass der Täter bereits zuvor zwei Vergewaltigungen zulasten der Cindy H. begangen hat und dabei mindestens einmal die Xenia I. auch Lockvogel war
    - ebenso mit keinem Wort erwähnt wurde der dubiose Tod des gemeinsamen Kindes der beiden Täter ein halbes Jahr vor dem Mord an Yangjie Li
    - ausserdem hätte das Hin und Her um die Vorladung der Mutter des Täters Erwähnung finden sollen, für den Fall hatte das zwar inhaltlich keine Relevanz, war aber in der öffentlichen Wahrnehmung des Prozesses ein sehr wesentlicher Aspekt; in gleicher Weise hätte erwähnt werden sollen, dass der Stiefvater des Täters auf sein Aussageverweigerungsrecht ausdrücklich verzichtet hat und sich immerhin bemüht hat, mit seiner Aussage zu einer Aufklärung beizutragen

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von ingo_001 » 25.02.2018, 12:37

Im Großen und Ganzen gehe ich mit Deinem Statement dacore.

Gleichwohl ist der Fundort von Yangjie Li doch schon eine Abweichung in Bezug auf den der zwei anderen Mordopfer, denn sie wurde ja mitten in der Stadt gefunden.
Und wie einer der Polizisten ja sagte, hatte man da schon ein flaues Gefühl, wusste man doch, dass der Filius einer Kollegin in unmittelbarer Nähe wohnte und dieser über eine hinlänglich bekannte hoch kriminelle Vorgeschichte verfügte.

Auch dass der Oberstaatsanwalt Bittmann auf der PK einerseits die Aussage des Täters zum Besten gab, nach der Yangjie Li evtl. einvernehmlichen Sex mit ihm hatte - andererseits aber weit weniger mittelsam war, was den Beruf der Mutter des Mörder betraf ("die Mutter hat einen hoch angesehenen Beruf") - ist m.E. nach wie vor mehr als nur fahrlässig.

Letzteres zu erwähnen, hätte weniger als eine Minute der Sendezeit beansprucht.
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 26.02.2018, 01:11

ingo_001 hat geschrieben:Gleichwohl ist der Fundort von Yangjie Li doch schon eine Abweichung in Bezug auf den der zwei anderen Mordopfer, denn sie wurde ja mitten in der Stadt gefunden.
Und wie einer der Polizisten ja sagte, hatte man da schon ein flaues Gefühl, wusste man doch, dass der Filius einer Kollegin in unmittelbarer Nähe wohnte und dieser über eine hinlänglich bekannte hoch kriminelle Vorgeschichte verfügte.
das war jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt, nachdem die Leiche gefunden war und die Polizei anfing, die Nachbarn nach Beobachtungen befragte, dass da einem Beamten eben auffiel, dass dort eben dieser Herr Fischer wohnte...

https://www.mz-web.de/dessau-rosslau/pr ... t-25642388
Die Polizei hatte nach dem Fund der Leiche Yangjie Lis zwar 147 Anwohner in einer ersten Welle befragt, allerdings nicht systematisch. Bei dem Angeklagten Sebastian F. etwa hätten Beamte auch mal „geklopft“, ihn jedoch nicht angetroffen, so der Ermittlungsleiter. Er wurde dann schriftlich zur Anhörung geladen – was dann erst in der folgenden Woche geschah.

Dafür, dass die Anwohnerbefragungen nicht so schnell im gewünschten Umfang und systematisch durchgeführt werden konnten, hatte Thomas E. eine Erklärung: Bereitschaftspolizisten standen dafür nicht zur Verfügung, weil sie das Landespokalfinale im Fußball zwischen dem Halleschen FC und dem FC Magdeburg absichern mussten.

Ein weiterer Polizeibeamter sagte zu früheren Ermittlungen gegen Sebastian F. aus. Der Beamte sprach von etwa 30 Verfahren, unter anderem Brandstiftung. Bei einer Wohnungsdurchsuchung habe F. die Polizeibeamten und den Staatsanwalt verbal attackiert und als „Idioten“, „Dackel“ sowie „Kackfressen“ beschimpft. „Er ist auf Deutsch gesagt ausgetickt“, so der Beamte Ingolf W. vor Gericht.
ingo_001 hat geschrieben:Auch dass der Oberstaatsanwalt Bittmann [...]
Letzteres zu erwähnen, hätte weniger als eine Minute der Sendezeit beansprucht.
richtig, genau das meinte ich mit "milde mit konkreten Personen umgegangen ". Die Sendung ist milde mit Bittmann umgegangen, ist milde mit der Mutter und dem Stiefvater des Täters umgegangen, war auch insoweit sehr milde, dass das Milieu, aus dem die Täterin kommt, komplett ausgespart wurde, war sogar milde dem Täter und der Täterin gegenüber, zB. durch Auslassung der Informationen zu den Taten zulasten der Cindy H. und dem Verdacht einer Tat zulasten des eigenen Kindes, und ganz besonders hinsichtlich der Täterin durch den Verzicht der Ausarbeitung der Widersprüche, in der diese sich in ihrem sogenannten "Geständnis" verfangen hat.

Ich denke, das ist sowohl dem Ort der Doku, also dem ÖR-Fernsehen geschuldet, wie auch der rechtlichen Lage hier in Deutschland, in der man ziemlich leichtfertig und ungestraft ganze Gruppen unter Generalverdacht stellen und verleumden darf ("Soldaten sind Mörder", "die Polizei", "die Flüchtlinge...", "die weißen, alten Männer..." usw. ), aber umgekehrt eine Einzelperson, sogar ein verurteilten Täters extrem starke Rechte hat, sich sogar gegen die Verbreitung wahrer Informationen zu wehren...
Und dem dürfte geschuldet sein, dass die Sendung nicht an pauschalen Vorwürfen gegenüber "die Polizei" spart, aber mit konkret benannten Einzelpersonen, sogar verurteilten Tätern, sehr milde umgeht...
Persönlich denke ich, dass da etwas in Deutschland aus dem Ruder gelaufen ist...

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von sweetpanda » 26.03.2018, 18:10

Hatte die Doku gestern heute gesehen. Was mich hellhörig machte, war die Randbemerkung, dass Sebastian F. ausgiebig Gewaltpornos konsumierte, bei denen auch noch asiatische Frauen häufig die Leidtragenden waren.
Ich will nicht so weit gehen wie Alice Schwarzer und sagen man sollte alles Pornos verbieten, aber was man auf den üblichen Portalen frei verfügbar sehen kann, ist mehr als fragwürdig.
Das alles obwohl es offiziell verboten ist.

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184a.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltpornografie

Vielleicht ist die Flut des Material zu groß, um der Sache noch irgendwie Herr zu werden, aber bei Kinderpornographie klappt es doch auch.
Ich glaube schon das es Menschen gibt die eine Tendenz zu einer gewissen Neigung haben, sich dann durch Konsum gewalttätiger Darstellungen immer weiter auf die "dunkle" Seite begeben.

Insbesondere bei Personen die einfacher gestrickt sind ( und das waren die beiden Täter in Dessau nun wirklich ), wird das schon seine Wirkung haben.

P.S. ok.... die Filmchen wo sich Typen freiwillig in die Eier treten lassen, da muss auch ich schmunzeln. :wink:
Mein Fehler war, dass ich je ein Buch aufgeschlagen habe.

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 27.03.2018, 03:03

@sweetpanda

Ich mag mich da nicht anschliessen.

1) Sebastian F ist bereits in der Grundschule (!) durch Gewalt gegen Mitschüler aufgefallen.

2) Sebastian F hat als noch nicht strafmündiger, also mit weniger als 14 Jahren bereits einen sexuellen Übergriff auf einen Cousin ausgeführt.

Bei beiden Taten war Sebastian F sicherlich noch nicht durch Gewaltpornos "motiviert". Ich bin mir daher ziemlich sicher, dass diese seine Taten aus seinem Inneren und nicht durch äussere Stimulation entstanden sind.
Er dürfte Gewaltpornos konsumiert haben, weil ihm solche Taten nahelagen, nicht umgekehrt solche Taten aufgrund des Konsums von Gewaltpornographie begangen haben.
Vielleicht ist die Flut des Material zu groß, um der Sache noch irgendwie Herr zu werden, aber bei Kinderpornographie klappt es doch auch.
Tut es das? Ich glaube, alles was da klappt, ist die Sache unterm Deckel zu halten, aber unter Kontrolle ist das sicher nicht...

Ausserdem: wir wissen nicht, um welchen Typ von "Gewaltpornos" es sich handelt. Die Medien sind schnell bei der Sache, von "Gewaltporno" zu schreiben, weil das schön reisserisch und aufregend klingt und damit die Quote steigert. Tatsächlich gibt es jedoch nicht wenige Menschen, die durchaus einvernehmlich Spielarten der Sexualität betreiben, die Aussenstehenden wie Gewalt erscheinen (man denke an die ganze BDSM Szene). Mit welchem Recht wollte man sowas verbieten? "Wir" wollen doch angeblich so offen sein, erlauben den Anhängern der seltsamsten Sexualvorlieben offen für ihre Spielarten im Nachmittagstalk zu sprechen, warum sollten da ausgerechnet die Anhänger des BDSM ausgeschlossen werden? Wo zieht man die Grenze? Und waren die Videos, um die es hier ging, wirklich schon jenseits dieser Grenze?

Abseits davon noch zwei Aspekte:
a) Sebastian F und Xenia I haben offenbar in großem Umfang Pornographie aller Arten konsumiert. Es wurden nicht ausschliesslich, sondern auch "Gewaltpornos mit Asiatinnen" gefunden, es war eine umfangreiche Pornosammlung. Angesichts der nachfolgenden Tat sind diese natürlich auffällig, aber belegen nicht gerade, dass da ein Zusammenhang besteht...
b) BDSM und auch härtere Gewaltpornographie wird von vielen Menschen konsumiert (sonst gäbe es ja keinen Markt dafür), ohne dass diese Menschen alle deshalb zu Gewalttätern, Vergewaltigern oder gar Mördern werden. Bei einigen wenigen mögen solche Videos zwar zu solchen Taten triggern, aber ob das weitgehende Verbote rechtfertigt?

Ist doch das gleiche wie die Diskussion zu "Killerspielen"... Es wird doch keiner wegen Killerspielen zum Amokläufer, aber es liegt schon nahe, dass Amokläufer gerne solche Spiele spielen. Ein Verbot solcher Spiele würde aber nichts ändern, das Problem sind die Menschen, die zu Amokläufen neigen.

Und auch hier würde ich sagen, die Gewaltpornos tragen keine "Schuld", Sebastian F. war einfach ein "böser Mensch", ein Mensch, der innerlich zu Gewalt neigte, der rechtzeitig hätte aus dem Verkehr gezogen werden müssen, wozu seine lange Liste von vorangehenden Straftaten und die Einschätzung seiner Ärzte während seiner Aufenthalte in der Kinder- und Jugendpsychatrie hätten mehr als genügen müssen.

Aber wir sollten auch die Rolle der Xenia I nicht vergessen. Wie zuvor ausgeführt, halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass der Ausgang des Geschehens in Form eines Mordes tatsächlich überwiegend ihr zuzuschreiben ist!

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von Grufti » 30.06.2018, 19:50

otternase hat geschrieben:Erinnerung:
morgen, am 20. Februar wird die ZDF Doku zu dem Fall ausgestrahlt

ZDF-Doku zum Fall Yangjie Li „Tatort Dessau“ rekonstruiert den grausamen Mord – Quelle: https://www.mz-web.de/29726950 ©2018
Wiederholung gleich in ZDF Info
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !


Nr. 5 lebt !

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von Sugoi » 30.06.2018, 20:00

Grufti hat geschrieben: Wiederholung gleich in ZDF Info
In der ZDF Mediathek:
https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinf ... i-102.html

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 01.07.2018, 17:22

es geht in die nächste Runde:

BGH prüft im August den Mordfall Yangjie Li
https://www.mz-web.de/dessau-rosslau/ge ... -li-306938...
Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe wird sich am 30. August mit dem Fall der in Dessau getöteten chinesischen Studentin Yangjie Li befassen. Den Termin für die Hauptverhandlung gab der BGH am Mittwoch bekannt.
Verhandelt werde zunächst nur die Revision der mitangeklagten Ex-Partnerin Xenia I. des mutmaßlichen Haupttäters. Die zum Tatzeitpunkt 20-Jährige war vom Landgericht Dessau-Roßlau zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten wegen sexueller Nötigung verurteilt worden.
Über die Revision von Sebastian F. hat der BGH noch nicht entschieden

Ihr 21 Jahre alter Ex-Partner hatte wegen Vergewaltigung und Mordes an der Studentin eine lebenslangen Freiheitsstrafe erhalten. Über die Revision des Mannes hat der BGH noch nicht entschieden. Auch die Nebenkläger, die die Familie der getöteten Studentin vertreten, hatten Rechtsmittel gegen das Urteil vom August 2017 eingelegt.
Persönlich erstaunt mich, dass die Xenia I. Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt hat, sie war meiner Ansicht nach extremst billig davongekommen, eigentlich schon unanständig billig!

Das Problem dürfte das Verschlechterungsverbot sein, welches einem Angeklagten erlaubt, völlig ohne jedes Risiko gegen ein Urteil, und sei es noch so milde, Revision zu beantragen.

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von ingo_001 » 02.07.2018, 08:06

otternase hat geschrieben:Das Problem dürfte das Verschlechterungsverbot sein, welches einem Angeklagten erlaubt, völlig ohne jedes Risiko gegen ein Urteil, und sei es noch so milde, Revision zu beantragen.
Und ich dachte, absurder kann die dt. Juztiz nicht mehr sein ...
Verschlechterungsverbot ... :roll:

Dann sollte das aber auch bei Widersprüchen gegen Steuerbescheide gelten.
Dem ist aber expliziet nicht so.

Das ist zynisch - geradezu pervers.

"Bravo", ein "Hoch" auf die dt. Justiz ... :shock: :roll:
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von Ajiate » 02.07.2018, 09:27

Ausnahme von dem Verschlechterungsverbot : wenn auch die Staatsanwaltschaft einen Antrag gestellt hat.
Und das ist hier ja, wenn ich mich richtig erinnere, der Fall. Das Urteil kann dann natürlich auch höher ausfallen.
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von ingo_001 » 30.08.2018, 18:29

+++ Update +++

Mitangeklagte - BGH prüft Strafe bei Sexualmord an Chinesin

https://www.n-tv.de/panorama/BGH-prueft ... 93159.html
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von Ajiate » 09.09.2018, 20:26

Update
Es bleibt also dabei: Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat die Revisionen von Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Nebenklage ins Leere laufen lassen. Nach intensiver Prüfung der Akten kamen die höchsten Strafrichter Deutschlands zu dem Schluss, dass ihre Kollegen vom Dessauer Landgericht keine Rechtsfehler gemacht haben. Xenia I., die damalige Freundin des verurteilten Mörders Sebastian F., muss somit eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren verbüßen – wegen sexueller Nötigung. Ein Kommentar.
von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT


https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessa ... s-100.html
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 14.01.2019, 11:33

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessa ... n-100.html
Mordfall Yangjie Li: Mittäterin kann schon Ende Januar freikommen

Zweieinhalb Jahre nach dem Mord an der chinesischen Studentin Yangjie Li könnte die Mittäterin Xenia I. freigelassen werden. Nach MDR-Recherchen könnte sie schon Ende Januar das Gefängnis verlassen.
...
[Reporter André Damm.] Xenia I. ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Nun ist es durchaus üblich, diese Strafe zu reduzieren – bei einer guten Führung oder einer guten Sozialprognose.

Wenn beide Faktoren zutreffen sollten, dann kommt Xenia I. wieder frei. Das könnte Ende Januar oder Anfang Februar so weit sein. Denn wir dürfen nicht vergessen: Sie ist im Mai 2016 verhaftet worden und saß seitdem ununterbrochen im Gefängnis.
...
Kann sie nach einer Freilassung ein normales bürgerliches Leben führen?

[Reporter André Damm.]Es ist eher die Frage, wo sie das führen wird. In Dessau kann ich mir das schwer vorstellen. Sie ist hier bekannt. Ihr Foto hat in der Stadt die Runde gemacht, ihr Name ist auch relativ selten. Möglicherweise zieht sie weg – mit ihren beiden kleinen Kindern. Sie ist noch nicht einmal Mitte 20, sie kann eine Ausbildung absolvieren. Sie kann ein neues Leben beginnen – im Gegensatz zum Opfer Yangjie Li.
Angesichts ihres bislang gezeigten Verhaltens bei Freundes- bzw. Partnerwahl (das böse Schema, welches sie mit Sebastian F. zusammenbrachte, setzte sich ja offenbar in der U-Haft fort, indem sie Freundschaft mit einer mitinhafttierten Gewohnheitsverbrecherin und Gewohnheitslügnerin schloss), angesichts dessen, dass sie die durch Zeugenaussagen bekannten Quälereien durch Sebastian F an mindestens einem Kind (kopfüber in die Regentonne) zuliess, insbesondere aber angesichts des unaufgeklärten Todes des jüngsten Kindes, kann man im Interesse der Kinder nur hoffen, das Xenia I. nicht erneut die Chance bekommt, alleine oder mit einem selbstgewählten Partner die Personenfürsorge für die Kinder auszuüben. Mehr Kontakt als Besuche unter Aufsicht durch das Jugendamt würde ich für eine Gefährdung des Kindeswohls halten. Besser wäre es natürlich, wenn Xenia I bis zur Volljährigkeit der Kinder im Knast bleiben würde, aber da hat das Gericht ja leider nicht so entschieden...

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von ingo_001 » 14.01.2019, 12:41

otternase hat geschrieben:Besser wäre es natürlich, wenn Xenia I bis zur Volljährigkeit der Kinder im Knast bleiben würde, aber da hat das Gericht ja leider nicht so entschieden...
Sicher wäre das (für die Kinder auf jeden Fall) besser und sicherer.
Nur ist es dem Gericht de facto einfach unwichtiger, als Mama wieder freie Hand zu lassen ... :roll:
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