Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

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Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Raphi » 26.10.2016, 11:24

Hallo ihr Lieben,
meine Überschrift liest sich etwas seltsam, ich weiß. Vor einiger Zeit sah ich eine Reportage, die mich ziemlich fasziniert hat: in Dandong zum Beispiel, kann man von der anderen Seite des Yalu-Flusses von Hyesan, einer koreanischen Stadt, einen Eindruck gewinnen. Das finde ich total spannend. Auch interessant, wenn auch moralisch eher verwerflich, finde ich das, was eben in Dandong für die Nordkorea-Rübergucker-Touristen für ein Zirkus veranstaltet wird... Nun ja, das würde ich mir gerne ansehen, aber nicht nur in Dandong. Würde gerne am Yalu entlangwandern, vielleicht bis zum Heaven Lake, der ja zur Hälfte China und zur Hälfte Nordkorea gehört...

Nun zu meiner Frage: Hat jemand das schon mal gemacht? Ist es überhaupt machbar? In Südkorea war ich im letzten Jahr, habe mir Panmunjom angesehen, was mich sehr beeindruckt hat. Gerne würde ich auch mal nach Nordkorea rein, aber ich weiß natürlich, dass man da nur das zu sehen bekommt, was einem auch gezeigt wird. Das, was mich interessiert - die Lebensweise usw. würde ich nicht zu sehen bekommen. Aber dann eben vielleicht im Sommer, am Yalu :wink: . Muss dann nur noch jemanden finden, der auch Interesse daran hat - alleine finde ich es etwas traurig...

Viele liebe Grüße,
Raphi

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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Yingxiong » 26.10.2016, 12:05

Man kann auf dem Fluss fahren. Habe ich in Ji`an gemacht. Gibt aber sicher mehrere Orte, an denen das gemacht werden kann.
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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Raphi » 26.10.2016, 12:17

Vielen Dank Yingxiong,

ja, ich hatte gelesen, dass man das machen kann - aber in Ji`an, das wusste ich nicht, nur in Dandong, für ca. 8 Euro die Rundfahrt. Es wird natürlich immer tunlichst darauf geachtet, dass man die Grenze zu Nordkorea, die ja in der Mitte des Flusses verläuft, nicht überschreitet...
Wenn ihr noch andere Tipps habt, würde ich mich sehr freuen! :D

Liebe Grüße,
Raphi

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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Laogai » 26.10.2016, 12:28

Raphi hat geschrieben:Es wird natürlich immer tunlichst darauf geachtet, dass man die Grenze zu Nordkorea, die ja in der Mitte des Flusses verläuft, nicht überschreitet...
Das ist nicht korrekt, ich bin in Dandong mit einem kleinen, privaten Motorboot bis auf 20 Meter an das Nordkoreanische Ufer geschippert worden. Also ganz so "dramatisch" ist es nicht.

Zum Tianchi wird sich qpr sicherlich noch äußern, seine Frau kommt aus der Gegend dort oben.
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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Raphi » 26.10.2016, 12:32

Laogai hat geschrieben:
Raphi hat geschrieben:Es wird natürlich immer tunlichst darauf geachtet, dass man die Grenze zu Nordkorea, die ja in der Mitte des Flusses verläuft, nicht überschreitet...
Das ist nicht korrekt, ich bin in Dandong mit einem kleinen, privaten Motorboot bis auf 20 Meter an das Nordkoreanische Ufer geschippert worden. Also ganz so "dramatisch" ist es nicht.

Zum Tianchi wird sich qpr sicherlich noch äußern, seine Frau kommt aus der Gegend dort oben.

Aha, interessant! Dann waren meine Infos nicht ganz richtig - gut zu wissen, danke! :-) Aber vielleicht ist das auch von Ort zu Ort unterschiedlich? Ich las kürzlich erst, dass es auch am selben Ort von der Laune der Soldaten abhängt... :?
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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von blur » 26.10.2016, 13:23

Warum fährst du nicht rüber wenn es dich so fasziniert? Gibt ja sogar Tagesausflüge ab Dandong.

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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Raphi » 26.10.2016, 13:29

Ja, ich weiß, dass ich rüber kann. Aber wie schon erwähnt, bekommt man nur das gezeigt, was "zeigbar" und prestigeträchtig ist. Nicht das echte Leben.
Ich wollte rüberfahren (es gibt ja verschiedene Veranstalter), aber zu der Zeit, wo ich könnte, wird die Landestour, die mich interessiert, nicht angeboten - ich bin zeitlich immer gebunden.
Ich überlege aber, wie du es sagst, auch, ab Dandong für einen Tag rüber zu fahren, ja. Aber interessanter sind für mich eben die Pfade, die nicht explizit für Touristen vorgesehen sind...
LG,
Raphi

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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von blur » 26.10.2016, 13:36

Raphi hat geschrieben:Aber interessanter sind für mich eben die Pfade, die nicht explizit für Touristen vorgesehen sind
Die wirst du aber von der chinesischen Seite aus auch nicht sehen.
Kenne mich da nicht so gut aus, aber Touren "rüber" dürfte es täglich gehen, wieso sollte das nicht zu deinem Terminkalender passen? Deutsche Agenturen haben natürlich nicht soviele Termine, chinesische aber schon.

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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Laogai » 26.10.2016, 13:40

Hier mal ein (ziemlich grottiges) Video von so einer privaten Kreuzfahrt. Wir hatten womöglich sogar den gleichen Skipper.
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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Raphi » 26.10.2016, 13:53

@ Laogai: Ah, vielen Dank! Ich wundere mich darüber, dass einige so offensichtlich filmen und Fotos schießen!

Wenn es noch jemanden interessiert, ich hatte folgenden Link zum Thema gefunden: https://www.welt.de/reise/Fern/article1 ... oesen.html

@ blur: ich wollte eine lange Tour durch das Land machen. Aber stimmt, ich habe nur in deutschen Agenturen geschaut - ist sicherlich auch schöner, wenn man sich mit Deutschen austauschen kann, insbesondere, wenn ich diese Reise "alleine" unternehme (allein ist man in Nordkorea ja nie wirklich...). Aber wie gesagt, "zur Not" mache ich eine Tagestour rüber und warte einfach einige Jahre, bis das Datum zu meinen arbeitsfreien Zeiten passt, um die große Tour zu machen...

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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von qpr » 26.10.2016, 20:10

Dandong würde ich vergessen, da es der offizielle Grenzübergang von China nach Nordkorea ist und dementsprechend auch strenger kontrolliert wird.

Reise nach Yanbian, dort bist du direkt an der Grenze zu Nordkorea, aber dort ist alles lockerer als in Dandong und da 70% der dortigen Bevölkerung koreanischer Abstammung ist, kommst du dir eher wie in Korea als China vor.

Da nach Yanbian jetzt auch der High Speed Train fährt, ist alles leichter zu erreichen (von Beijing aus gibt es nur morgens und abends jeweils 2 Flüge nach Yanji).

Changbaishan ist ein lohnenwertes Ziel.
Von Antu Stadt aus bequem mit dem Bus zu erreichen.
Im Gebirge bist du direkt an der Grenze und wenn du einen einheimischen Führer hast, kann er dich auch problemlos über die Grenze bringen.
Viele Südkoreaner reisen so nach Nordkorea (Yanbian und speziell Changbaishan ist im Sommer und Herbst von Koreanern überlaufen).
Die Grenzsoldaten verdienen sich so etwas Geld.

Wenn du mit dem High Speed Train bist zur Endstation in HunChun fährst, kannst du von dort mit dem Taxi oder Motorrad in den Fangchuan Nationalpark fahren.
Die Straße führt teilweise durch russisches Gebiet.
Im Park bist du am 3 Ländereck China/Rußland/Nordkorea und hast eine tolle Übersicht auf die 3 Länder.

Eine Station vor Hunchun ist Tumen.
Tumen ist die Grenzstadt zu Nordkorea und auch der Name des gleichnamigen Grenzflußes.
Sollte sehr interessant für dich sein, da die Verbindungsbrücke zu Nordkorea für Passanten begehbar ist und du bis zur Staatsgrenze in der Mitte der Brücke gehen kannst.
Über diese Brücke fahren auch die Chinesen zu den Spielcasinos in Nordkorea. :mrgreen:
In der nordkoreanischen Stadt gegenüber gibt es aber nicht viel zu sehen.
Fußgänger? Fehlanzeige.
Die einzigen Menschen, die ich bisher dort gesehen habe, waren chinesische Arbeiter.
Ansonsten ist alles ausgestorben.

Der Tumenfluß ist auch der Grenzfluß, über den die koreanischen Flüchtlinge versuchen, nach China zu gelangen.

Wenn du weitere Informationen brauchst, frag nach.
Meine Familie lebt dort und ich kenne mich dort auch sehr gut aus.

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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Raphi » 26.10.2016, 20:47

Oh, vielen Dank qpr, das sind tolle Infos!!! Werde ich mir direkt mal ausdrucken!
Danke für das Angebot, wenn die Planung steht, habe ich vielleicht noch einige Fragen an dich. Bis dahin aber erst einmal danke!
Liebe Grüße,
Raphi

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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Laogai » 27.10.2016, 00:50

Raphi hat geschrieben:@ Laogai: Ah, vielen Dank! Ich wundere mich darüber, dass einige so offensichtlich filmen und Fotos schießen!
Selten wird so scharf geschossen wie es geschrieben steht!
Nur ist es so, dass Medien in der Regel Drama lieben und verbreiten :idea: :(
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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von qpr » 27.10.2016, 05:50

Das ist überhaupt kein Problem Fotos zu machen.
Man sieht den Fluß und viel Landschaft.
Keine Grenzanlagen oder ähnliches.
Das ist in Yanbian nicht so wie zur Grenze zu Südkorea oder früher zur DDR.

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Re: Nordkorea von chinesischer Seite "angucken"

Beitrag von Raphi » 27.10.2016, 08:55

Hallo,

ja, ich habe halt noch im Gedächtnis, wie es in Südkorea war an der Grenze zu Nordkorea. Kilometerlanger Stacheldrahtzaun, überall Soldaten, Türme usw. Fotografieren war strengstens untersagt und man wurde auch zurechtgewiesen, wenn man sich "falsch bewegte" - irgendwie angsteinflößend. Aber wenn es "dort oben" anders ist, umso besser. :) In der (exzellenten) Doku "Chinas Grenzen", die vor kurzem lief, wurde gesagt, filmen sei dort verboten - aber vielleicht war das eher für Journalisten gültig.

Gibt es eine detaillierte (Straßen/Wander) Karte zu diesem Gebiet? Oder generell für Teile Chinas (habe vor, mir noch viele andere Gegenden anzusehen). Ich habe diese hier (http://www.mapfox.de/9638703059.php) gefunden, ob sie in der Praxis gut zu nutzen ist, kann man aber nur nach Gebrauch sagen. Ohne gute Karte fällt mir die Planung schwer ;-).
So, allen einen tollen Tag und nochmal vielen Dank für eure Postings, ihr helft mir sehr!!!
Raphi

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