mazzel hat geschrieben:shuhan hat geschrieben:
Denn selbst wenn heutezutage ein Wanderarbeiterkind einen Hochschulabschluss macht, stehen die Chancen für ihn extrem schlecht, eine halbwegs gut bezahlte Arbeit zu finden.
Habe gehört, dass Wanderarbeiter in den Großstädten im Schnitt mehr verdienen, als der gemeine Uni-Abgänger. Soll wohl daran liegen, dass immer weniger Leute die Drecksarbeit der Wanderarbeiter machen wollen und es gleichzeitig einfach zu viele Uni-Absolventen gibt, sodass die Unternehmen die Stellen, die einen Abschluss "benötigen", mehr oder weniger zu Dumping-Löhnen besetzen können. Denn irgendein Idiot machts immer für wenig Kohle.
Weiterhin ist das meiste was du hier schreibst Schnee von gestern. Sicherlich mag es in vielen Strukturen noch so zugehen, aber gerade in ausländischen Großkonzernen ist es definitiv nicht so wie du beschreibst. Da hat keiner bessere Chancen wegen eines Partei-Papas. Wenn mein Chef nen Bewerbungsgespräch führt, dann hat der ganz andere Dinge im Hinterkopf als die Kommunisten.
Aber da du ja schon ewig in China lebst, sowohl in staatlichen als auch inernationalen Unternehmen jahrelang tätig warst, weißt du ja alles aus 1. Hand, nicht war, shuhan? Manche Leute haben die Weißheit echt mit Löffeln gefressen.
Verstehe mich nicht falsch, ich kann von Geschäftspartnern bestätigen, dass es da ein paar Heinis gibt, die nur wegen Connections den Job haben. Aber sowas hab ich auch schon in D gesehen. Ist in Unternehmen, die mit internationalen Firmen Geschäfte machen, absolut nicht an der Tagesordnung (meine Erfahrung).
Leute brauchen einfach ihre Weltuntergangsszenarien. Das macht vielleicht das Hier und Jetzt lebenswerter?! Haben ja schon die alten Mayas so gemacht

Dass heutezutage viele Studienabsolventen in China bei ihrem Einstiegsgehalt weniger verdienen als Wanderarbeiter, ist richtig. Das habe ich früher im diesen Forum schon paar mal erläutert.
Diese Situation sagt weniger über den "guten Zustand" der Wanderarbeiter aus, als über die prekäre Lage der Studienabsolventen in China. Warum das so ist, habe ich schon mal erläutert. Es gibt einerseits zu viele Studienabsolventen in China, die Anzahl der Studienabsolventen liegt derzeit jährlich bei über sieben Millionen. Nur zum Vergleich: in Deutschland schließen derzeit 400.000 Studenten jährlich ihr Studium ab. Berücksichtigt man die Proportion der Gesamtbevölkerungszahl Deutschlands zu China, so hat die "Akademisierung" der jungeren Chinesen mittlerweile schon das deutsche Niveau überschritten. Wenn man jedoch die Wirtschaftsstruktur anschaut, dann kann man nur feststellen, dass es in China, dessen Wirtschaft immer noch von der arbeitsintensiven industrie dominiert wird, längst nicht so viele Stellen in Forschung und Entwicklung oder allgemein höher dotierte Akademikerstellen gibt wie in Deutschland. Zum anderen ist die Qualität der Hochschulausbildung in den meisten chinesischen Universitäten einfach miserabel. Man muss sich in China in den meisten Unis kaum anstrengen, um ihr Studium abzuschließen. Nur wenige Studenten haben während ihres Studiums handfeste Fertigkeiten oder akademische Arbeitsweise erlernt. Zusätzlich ist um die Lage der klein und mittelständischen Unternehmen in China, die wie in allen anderen Länder die meisten Arbeitskräfte einstellen, nicht gut bestellt, da diese im Vergleich zu den staatlichen Konzernen große Schwerigkeiten haben, Kredite von den Banken zu erhalten (von daher gibt es in China auch so viele Schattenbanken).
Von daher ist es überhaupt kein Wunder, warum Studienabolventen in China große Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu bekommen. Und die Statistiken über die Arbeitslosenzahl der Hochschulabsolventen in China werden auch systematisch verfälscht! Ein Professor einer Uni in Jiangsu hat mir mal erzähl, dass die Studienabsolventen in seiner Uni einen Nachweis über ein Jobangebot vorlegen müssen, um überhaupt ihren Abschluss zu erhalten. Dies führt dazu, dass Studenten bei den Arbeitsstellen ihrer Verwandten oder bei ihren Praktikastellen um ein falsches Jobangebot bitten müssen, um ihr Studium abschließen zu können. Es sagt nichts über über ihre tatsächliche Erwerbstätigkeit nach ihrem Studium aus.
Deine Andeutung über die Wanderarbeiter, dass es ihnen so gut geht, ist jedoch schlicht nicht zutreffend. Der allergrößte Teil der 200 Millionen Wandarbeiter sind ungelernte Arbeitskräfte, die für viel Arbeit sehr wenig Geld erhalten. Der typische Wanderarbeiter ist kein gelernter Arbeiter, der eine mehrjährige Ausbildung abgeschlossen hat. Gelernten Arbeitskräften fehlt es in China tatsächlich. Der typische Wanderarbeiter in China ist aber jemand, der höchstens nur eine mittlere Reife, oft sogar nur einen Grundschulabschluss vorzuweisen hat, keine Berufsausbildung abgeschlossen hat, und unter sehr harten Arbeitsbedingungen für wenig Geld arbeiten muss.
Erzähl doch mal einem der hunderttausenden Foxcoon-Arbeitern, dass es ihnen doch so gut geht, sogar besser als die Akademiker. Ich wäre dann auf die Reaktion gespannt.
Sebst bei gelernten Arbeitern bezweifele ich sehr, ob die nicht lieber eine Bürotätigkeit machen würden.
Einer meiner besten Grundschulkameraden in China hat nach seinem Abitur in einer Berufschule eine Berufsausbildung abgeschlossen (weil seine Note in der Gaokao nicht für eine reguläre Uni ausgereicht hat) und hat danach in einer privanten Stahlfabrik geschuftet. Er erzählt mir später von zahlreichen Arbeitsunfällen, von Arbeitern, die nur eine unausreichende Schutzkleidung getragen haben. Ihn hat es persönlich auch mal erwischt, sodass er seinen Job irgendwann gekündigt hat und danach in der Gastromie seiner Mutter mithilft und jeden Tag um vier Uhr morgens zum Markt muss, um Lammfleisch zu verkaufen.
Erzähl ihm mal, wie es ihm doch so gut geht.
Dann ist noch das Hukou-Problem bei Millionen Wanderarbeiter, die nicht mal ihre Kinder auf eine staatliche Schule in den Großstädten schicken können, auch wenn die Kinder in den Großstädten geboren sind! Es gibt in China
20 Millionen Kinder von Wanderarbeitern, die bei ihren Großeltern auf dem Land aufwachsen müssen, weil sie nicht in der Stadt, wo ihre Eltern arbeiten, zur Schule gehen können. Dann kommen deren Eltern in der Regel nur 1-2 Male im Jahr nach Hause. Willst du allen ernstes erzählen, dass es um diese zersplitterten Familien gut bestellt ist?
Dann gibt es noch die Problematik mit der Sozialversicherung, was viele Wanderarbeiter nicht haben, da sie aus der Sozialversicherung der Stadt augeschlossen sind. Dann gibt es noch zahlreiche Fälle, dass Löhne gar nicht oder nur teilweise an die Wanderarbeiter ausgezahlt werden.
Mein lieber mazzel, du solltest mal unter die normalen Chinesen kommen und deren Sorgen mal zuhören. Denn, das, was du fabrizierst, geht zu weit an den Lebensbedingungen der meisten Chinesen vorbei.