"Super" Deutsche Firma in Changzhou

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blackrice
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von blackrice »

vergangenen Freitag Aushang am schwarzen Brett: "gute Neuigkeiten für unsere weiblichen Mitarbeiter welche bereits über 2 Jahre bei uns beschäftigt sind: die Firma hat beschlossen einen weiteren "benefit" einzuführen: pro Dame werden 2 Päckchen Monatsbinden pro Monat kostenfrei überreicht...es ist jedoch erforderlich nachzuweisen dass die Monatsblutung wirklich stattfindet.......oder hätte ich dies besser in "Lustiges Witze Unterhaltung" gepostet? nee..kein Witz..traurige Wahrheit
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von sweetpanda »

Ich würde sagen, sehr diskret dieses "benefit".
Könnte man sogar rausfiltern wer noch schwanger werden kann.
Aber in dem Fall hätte man doch eh keine Schutzrechte, oder?
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von blackrice »

bin fan von "Ausgrabungen" :lol:

diese Firma wurde kuerzlich von ihrem Standort gekickt da die Umweltschutzmassnahmen unzureichend waren/dort nicht einzuhalten sind...(WER hats veranlasst? 8) )

neuer Standort ist wieder in CZ...hat denen aber viele Hongbao abverlangt um "hier" zu bleiben :shock:
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egon
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von egon »

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es nicht nur deutsche Firmen sind, die so mit den Leuten umgehen.
Auch die Schweizer Firma, für deren Werk in Changzhou ich gearbeitet habe, zeigte ähnliche Zustände. In manchen Dingen etwas weniger, andere mehr.

- Politische Aktionen -mit roten Fahnen marschieren, Kriegsspiele im Wald und das während dem Wochenende. Wer nicht mitkommt, bekommt 2 Tage Urlaub abgezogen.
- Gemeinschaftliche Gesundheitsuntersuchung, Ergebnisse werden direkt an die Firma gegeben. Untersuchungstag Samstag. Wer nicht dabei ist, bekommt einen Tag Urlaub abgezogen.
- 3 Minuten zu spät = 30min Lohnabzug oder Zeitabzug, 10 min = 1h, 30min = 0,5 Tage, 1h = 1Tag. Keine Möglichkeit, durch Überstunden wieder zu rauszuarbeiten.
- Überstunden müssen geleistet werden, soviel wie "notwendig", für alle, die als Kader eingestuft wurden, ohne Bezahlung oder Kompensationsmöglichkeit
- bei Problemen, z.B. Stromausfall werden die Leute heimgeschickt und Überstunden abgezogen, bei "Kaderleuten" Urlaub. Heim geschickt vor dem Mittag = ganzer Tag, nach dem Mittag = halber Tag
- Es wird vorgeschrieben, in welches Krankenhaus man bei Krankheit gehen darf. Besucht man ein anderes, wird der Krankenschein nicht anerkannt. Wer krankgeschrieben wird, muss seine persönliche Krankenakte plus Krankenhausrechnung bei der HR abgeben. Krankenschein allein reicht nicht. Ein Fall wurde bekannt, dass die HR beim Arzt angerufen hat, um die Krankschreibung (erfolgreich) zu annulieren. Der Mann kam nächsten Tag mit 40 Fieber in die Firma und ist dort zusammengeklappt.
- bei kleinsten Fehlern erfolgen harte Strafen, z.B. öffentliche Abmahnungen usw.
...
Wie kommt es zu solchen Zuständen?
Im Fall "meiner" Firma:

"Oben" wurde die Entscheidung gefällt, man "muss" in China aktiv sein.
Dann sucht man in China ein Team von Schleifern und Sklaventreibern und peitscht denen ein, dass sie erfolgreich sein müssen, egal wie. Sämtliche Misstände ignoriert man, selbst wenn sie bekannt werden, Hauptsache die Zahlen stimmen, denn sonst sind die Köpfe derer in Gefahr, die die Sache angezettelt haben.
Und so gibt man den Sklaventreibern ungebegrenzte Freiheiten, was diese auch ausnutzen. Und irgendwann hat sich dieses kranke System soweit verselbstständigt, dass es nur noch radikal zu stoppen wäre.
Jetzt, da eben genau die Zahlen nicht mehr stimmen, wird aus der Schweiz der Druck nur noch weiter erhöht und die Augen noch fester zusammengekniffen.
Von ehemals 5 Expats ist jetzt noch einer dort, der aber bereits nach 2 Monaten das erste Mal ans Aufgeben gedacht hat. Er hatte seine Koffer schon gepackt, nur hatte ihn seine damalige Freundin aufhalten können.
Wer kriecht, der stolpert nicht.
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von cayman »

Kaum zu glauben, Egon, kaum zu glauben....
Anstatt zu klagen was ihr wollt, solltet ihr dankbar sein, dass ihr nicht all das bekommt, was ihr verdient
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von Shenzhen »

- Politische Aktionen -mit roten Fahnen marschieren, Kriegsspiele im Wald und das während dem Wochenende. Wer nicht mitkommt, bekommt 2 Tage Urlaub abgezogen.
Samstag ist normalerweise Arbeitstag - wer nicht zur Belustigung mitkommt soll keinen Vorteil haben - ist traurig aber muss man so machen ansonsten bleiben alle zuhause.

- Gemeinschaftliche Gesundheitsuntersuchung, Ergebnisse werden direkt an die Firma gegeben. Untersuchungstag Samstag. Wer nicht dabei ist, bekommt einen Tag Urlaub abgezogen.
Samstag ist normalerweise Arbeitstag, 6-Tage Woche ist in China normal, das Gesundheitssystem ist nun mal anders als wir es gewohnt sind, Privatspaehre ist ein Fremdwort in China - ein Thema fuer andere Laender andere Sitten und wieder nen typischer Expat-Aufreger

- 3 Minuten zu spät = 30min Lohnabzug oder Zeitabzug, 10 min = 1h, 30min = 0,5 Tage, 1h = 1Tag. Keine Möglichkeit, durch Überstunden wieder zu rauszuarbeiten.
Traurig muss aber auch sein

- Überstunden müssen geleistet werden, soviel wie "notwendig", für alle, die als Kader eingestuft wurden, ohne Bezahlung oder Kompensationsmöglichkeit
Wen die Arbeitsleistung entspr. waere braeuchte man keine Ueberstunden...

- bei Problemen, z.B. Stromausfall werden die Leute heimgeschickt und Überstunden abgezogen, bei "Kaderleuten" Urlaub. Heim geschickt vor dem Mittag = ganzer Tag, nach dem Mittag = halber Tag
Was kann der Arbeitgeber dafuer? Wen entschaedigt der?

- Es wird vorgeschrieben, in welches Krankenhaus man bei Krankheit gehen darf. Besucht man ein anderes, wird der Krankenschein nicht anerkannt. Wer krankgeschrieben wird, muss seine persönliche Krankenakte plus Krankenhausrechnung bei der HR abgeben. Krankenschein allein reicht nicht. Ein Fall wurde bekannt, dass die HR beim Arzt angerufen hat, um die Krankschreibung (erfolgreich) zu annulieren. Der Mann kam nächsten Tag mit 40 Fieber in die Firma und ist dort zusammengeklappt.
Das ist ueblich - es werden keine pauschalen Krankenversicherungen abgeschlossen sondern ein Vertrag mit dem lokalen Krankenhaus - die Leute muessen erst einmal dort hin und werden dann ggf. in eine Spezialklinik verwiesen - komisch erinnert mich sehr an Deutschland - aber nein halt wir sind ja in China und da ist das was boeses und gemeines...wenn man keine Ahnung hat.... Den Einzelfall der anulierten Krankschreibung mal ausgenommen - das ist die einzige wirkliche Sauerei die ich in deinem InChinaIstAllesScheisse-Posting finden konnte.
Die Kosten muessen offen liegen da es ggf. einen Eigenanteil der Fa. gibt, bzw. die Kosten erst spaeter erstattet werden, einerseits beschweren sich Leute wie du ueber Korruption, andererseits wird dann wieder gemeckert wenn was offen gelegt werden muss. Leute wie du legen immer Europa als Masstab an - hier ist man pragmatischer, aber naja das hatten wir bei dir ja schon oft - Tellerrand und so...


- bei kleinsten Fehlern erfolgen harte Strafen, z.B. öffentliche Abmahnungen usw.
ach und das ist in D anders? komisch wir hatten hier schon fast weinende Einkaeufer aus Deutschland zu sitzen die wegen minimaler Fehler x-male abgemahnt wurden... nicht zu vergessen der Pfandbon.... und die finden im Gegensatz zum gemeinen Chinesen nicht mal eben so eine neue Arbeitsstelle

...
Wie kommt es zu solchen Zuständen?
Indem man ein Expat ist der zu jedem seinen Senf abgeben muss aber nicht den kleinsten Plan hat...
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egon
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von egon »

@Shenzhen: Wieder ein sehr aufschlussreicher Beitrag von Dir, insbesondere die Schlussfolgerungen und Kommentare haben wirklich geholfen. Werde es ausdrucken und über den Schreibtisch hängen.
PS: In dieser Firma gilt gemäss Reglement 5 Tage Woche mit 40 Stunden.
Übrigens: Der Kollege mit der annulierten Krankschreibung war mein französischer Kollege. Meine Frau hat ihm an dem Tag ein Taxi bestellt, damit er von der Firma nach Hause kommt, da sich die HR geweigert hatte, dies zu machen und die anderen Kollegen nicht den Mut fanden.
Am Abend sind wir dann mit ihm in ein anderes Krankenhaus, wo er krank geschrieben wurde.
Gab dann etwas Ärger für mich, als sie rausgefunden hatten, wer mit ihm in ein anderes Krankenhaus gefahren war.
Er hat sich dann bei der HR in der Schweiz beschwert. Da hiess es: Man sei sich sicher, die HR in Changzhou beachte die lokalen Gesetze und Vorgaben, so dass mein keinen Hnadlungsbedarf sehe, einzugreifen.

@Cayman:
Kann dir die entsprechenden Mails gern mal zukommen lassen.
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von life4living »

Oh nein, ich hoffe das geht am Ende noch irgendwie gut aus. Viel Erfolg!
Shenzhen
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von Shenzhen »

Tja Egone da hat deine Fa. ja einen Riesen Bonus gegenueber den allermeisten Firmen in China, 6 Tage Woche ist die Regel, soviel Freizeit bei voller Bezahlung koennen sich wohl nur Schweizer Firmen leisten, dann sollten sie nicht meckern wenn sie mal 2 Tage Gruppenbespassung und Ueberstunden verordnet bekommen.

Also mehr als den Kranken-Einzelfall hast du nicht entgegen zu setzen? Wie ich bereits erwaehnte Tellerrand, wenn man keine... und so weiter....
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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von GigiPineapple »

Shenzhen hat geschrieben:Tja Egone da hat deine Fa. ja einen Riesen Bonus gegenueber den allermeisten Firmen in China, 6 Tage Woche ist die Regel, soviel Freizeit bei voller Bezahlung koennen sich wohl nur Schweizer Firmen leisten, dann sollten sie nicht meckern wenn sie mal 2 Tage Gruppenbespassung und Ueberstunden verordnet bekommen.

Also mehr als den Kranken-Einzelfall hast du nicht entgegen zu setzen? Wie ich bereits erwaehnte Tellerrand, wenn man keine... und so weiter....
Obwohl ich dir prinzipiell nicht ganz Unrecht gebe, muss ich dir bei der Sache mit der Arbeitszeit widersprechen. Denn das muss nicht sein, man kann das Zuspätkommen auch anders und gerechter regeln. Warum soll auch eine halbe Stunde abgezogen werden, wenn man nur ein Zehntel davon gefehlt hat?
Gut, ich habe noch nie in China gearbeitet und kann daher nicht sagen, was die Norm ist; aber bei meinem ehemaligen Arbeitgeber war das mehr als human geregelt und das hat so gut funktioniert.

Erinnert mich irgendwie an Berufsschulzeiten. 10 Minuten zu spät wurde als halber Fehltag gesehen, musste vom Arbeitgeber schriftlich entschuldigt werden und wurde ins Zeugnis eingetragen...
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I cook with wine, sometimes I even add it to the food.

All generalizations are false, including this one.

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Re: "Super" Deutsche Firma in Changzhou

Beitrag von Canis Lupus »

Was hat das mit Berufschulzeiten zu tun?

Dass du in deiner Firma pünktlich erscheinst ist deine Pflicht und das ist absolute Grundvoraussetzung.
Weiß garnicht was es da zu diskutieren gibt...

Ich kenne einige deutschen Firmen, da kommst du einmal zu spät, dann gibts zwar diese "Urlaubstage-Abzug-Regel" nicht, aber dann gibt's ne Abmahnung...
Dann kommst du vielleicht nochmal zu spät, dann bekommst die zweite und wenn das nicht reicht, sind aller guten Dinge Drei und du bekommst die Kündigung in die Hand gedrückt....

Das ist euer Arbeitgeber - das ist doch nicht "Wünsch-dir-was". Das mögen harte Regelungen sein, aber solche harte Regelungen gibt's auch in DE und ich bin mir sicher in jedem anderen Land...
Ich mein ein bisschen "Zucht und Ordnung" muss ja herrschen und es ist ja nicht unbedingt zu viel verlangt, dass der Arbeitnehmer der entsprechend bezahlt wird pünktlich zu seiner Arbeit erscheint.
Was gibt's denn da zu disktuieren....



Wo ich schmunzeln musste... ist dieser Satz hier:
Shenzhen hat geschrieben:- Überstunden müssen geleistet werden, soviel wie "notwendig", für alle, die als Kader eingestuft wurden, ohne Bezahlung oder Kompensationsmöglichkeit
Wen die Arbeitsleistung entspr. waere braeuchte man keine Ueberstunden...
Ich dachte zuerst das wäre Spaß bzw. Ironie... Dann hatte ich am Ende aber wirklich das Gefühl der Satz ist ernst gemeint.
Dieser pauschale Satz ist - mit verlaub - etwas lächerlich.
Das würde ich aber auch nicht nur als "chinesisches" Problem abtun, das hast du in Deutschland auch, dass die Arbeitszeitregelung massiv missbraucht wird.
Geh mal in den Bereich der Speditionen, speziell Dispo etc....
Da arbeiten Leute teils 12-13 Stunden ohne Pause.
Da pauschal zu sagen "Wen die Arbeitsleistung entspr. waere braeuchte man keine Ueberstunden..." ist - sorry - aber sehr beschränktes Denken.....
Das hat doch neben der Arbeitsleistung hauptsächlich den Faktor wieviel Arbeitskräfte dein Arbeitgeber für Aufgaben bzw. Stellen einstellt.
Und wenn von den Zahlen 1,5 oder 2 Personen gebraucht werden, ich aus Kostengründen allerdings nur eine Person einstelle, dann kann ich noch so ein Arbeitsmonster und effektiv sein, dann funktioniert es halt nicht.

Dann hast du vielleicht das Glück, dass du einen gemütlichen Arbeitsplatz hast aber pauschalisier das doch bitte nicht.
Da kenne ich einige Firmen wo das ganz anders läuft - Auch in Deutschland...

Als "Kader" bzw. Führungskraft sind "Überstunden" allerdings wohl "normal". Das wird ja, bzw. sollte ja im Gehalt auch entsprechend entschädigt werden.
Das ist ja in Deutschland auch nicht anders... Eine Führungskraft "stupft" ja in der Regel auch nicht. Da sollte man sich wohl auch nicht wundern oder beschweren wenn man mal etwas mehr als 40 Stunden die Woche arbeitet... Dafür muss ich nicht nach China um von so einer Kraft Mehrarbeit zu erwarten... Bzw. das Nötigste seines Tun's verlangen um die Zielsetzung zu erreichen.
Alles natürlich wieder in einem gesunden Rahmen...

In wie Weit in China MbO bzw. Zielvereinbarung/setzung nach SMART etc. gelebt wird vermag ich nicht zu beurteilen. Aber das muss ja in DE auch nicht unbedingt Standard sein.... Sondern ist Firmenindividuell
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