Hier jetzt jedenfalls der versprochene Bericht, der auch als Leitfaden genommen werden kann.
Am Anfang war die Frage, Agentur ja oder nein.
Wir haben uns recht schnell gegen eine Agentur entschieden, weil kaum zu erkennen ist, welche der Agenturen seriös sind. Abgesehen davon kann man sich darüber streiten, ob es überhaupt seriös ist Hunderte von Euro dafür zu kassieren, dass man einen Stapel Dokumente einmal vorkontrolliert, bevor das Standesamt genau das gleiche macht.
-> Keine Agentur
Der nächste Schritt war dann, uns für eines der Standesämter zu entscheiden.
KO-Kriterium war dabei die Geburtsurkunde, für meine Frau können wir fürs erste keine bekommen.
In manchen Standesämtern benötigt man eine Geburtsurkunde, in anderen nicht.
Aus der dann verbliebenen Menge haben wir das Standesamt ausgesucht, was am nächsten an der Grenze ist und nach Möglichkeit weniger als drei Tage Pflichtaufenthalt hat.
Die Entscheidung fiel dann auf das Standesamt in Haderslev, der Ort liegt etwa 50km hinter der Grenze und verlangt einen Aufenthalt von zwei Übernachtungen.
Die nötigen Kontaktinformationen findet man auf der Internetseite der Stadt Haderslev:
http://www.haderslev.dk/sprogvalg/deutsch/trauung
Wir haben dann per E-mail die benötigten Dokumente hingeschickt.
Wie uns dann mitgeteilt wurde, muss die Prüfungsgebühr von 70€ überwiesen werden, bevor irgendetwas geprüft wird
Die Überweisung kann direkt in Euro erfolgen, für fünf Euro mehr gibt es eine weitere Ausfertigung der Urkunde
Nachdem dieser Punkt nun geklärt wurde, wurden unsere Unterlagen geprüft.
Dies hat sich etwas in die Länge gezogen, weil die gesamte Verwaltung mit den Kommunalwahlen beschäftigt war. Mit einem Dringlichkeitsvermerk hätten die das aber wohl angeblich auch schneller gemacht.
Folgende Dokumente wurden benötigt:
Von mir:
- Personalausweis oder Reisepass
- Aufenthaltsbescheinigung mit Familienstand (5€ beim Bürgeramt)
Ein Ehefähigkeitszeugnis oder sämtliche anderen "höherwertigen" Dokumente würden natürlich auch akzeptiert, falls man die sowieso schon haben sollte.
- Chinesischer Pass
- Deutscher Aufenthaltstitel (ein (Schengen-)Visum würde beim Standesamt wohl auch akzeptiert, wäre aber in D mit vielen Problemen verbunden)
- (deutsche) Aufenthaltsbescheinigung mit Familienstand (auch vom Bürgeramt hier)
- Dokument der Heimatbehörde, das Ledigkeit bestätigt
oder Ersatzweise eine notarielle Erklärung der Ledigkeit, in unserem Fall haben wir diese Erklärung beim chinesischen Konsulat in Hamburg abgegeben (Persönliche Anwesenheit notwendig). Dies erschien uns am sichersten. Kosten dafür: 25€+20€ Expresszuschlag (Abholung am gleichen Tag, Zustellung per Post ist nicht möglich)
- Die Dokumente dürfen am Tag der Abgabe beim Standesamt maximal vier Monate alt sein.
- Dokumente auf Deutsch oder Englisch werden akzeptiert, für die in Deutschland ausgestellten Dokumente wird keine Überbeglaubigung benötigt, das Dokument der deutschen Behörden kann direkt in Dänemark genutzt werden
Dies gilt auch für das Dokument des chinesischen Konsulats.
Dieser Termin kann auf einem Donnerstag liegen, oder auf einem Freitag.
Anreise erfolgt zwei Tage vorher, also am Dienstag oder Mittwoch.
Am Tag der Anreise müssen die Dokumente zwischen 1000 und 1200 im Rathaus abgegeben werden, dort füllt man dann auch die eigentliche Eheerklärung aus.
Trauzeugen kann man dort gestellt bekommen, oder selbst mitbringen.
Am Tag der Anreise müssen Name, Geburtsdatum und Anschrift der Trauzeugen angegeben werden, die Trauzeugen selbst müssen erst bei der Hochzeit anwesend sein und sich zu keinem Zeitpunkt ausweisen.
Trauung:
Das gesamte Rathaus ist wohl neu oder zumindest saniert (vor ein paar Jahren erst), es ist sehr lichtoffen und nett gestaltet, wir fanden die Atmosphäre angenehm und herzlich.
Für die Trauung wird der Beratungssaal genutzt, in diesem steht dann in der Mitte ein Tisch für Paar und Standesbeamten. Die Gäste sitzen ringsherum an den Konferenztischen.
Der Tisch in der Mitte ist mit Kerzen und Orchideen schlicht aber stilvoll dekoriert, die Ringe wurden auf einem Samtkissen in der Mitte deponiert.
Wir hatten uns für eine Trauung auf Deutsch entschieden, Englisch ist auch möglich.
Die Standesbeamtin hat eine kleine Ansprache gehalten, insgesamt hat alles zusammen keine zehn Minuten gedauert.
Wir waren an dem Tag vermutlich die einzige Trauung, deswegen war für uns von Massenabfertigung keine Spur.
Wir waren sehr positiv überrascht, wie viel Mühe man sich dort doch gibt, ein Hochzeitsgeschenk gab es vom Standesamt auch (eine Glasschale mit dem Wappen der Stadt Haderslev).
Im Nachhinein können wir das Standesamt dort nur empfehlen
Allerdings mit dem Hinweis, dass man denen öfters sagen sollte, dass man es eilig hat. (Wenn man es denn eilig haben sollte)
Bei uns hat es vom ersten Kontakt bis zur Trauung etwa drei Monate gedauert.
Das ist letztendlich akzeptabel, vor allem wenn man vergleicht, dass es beim deutschen Standesamt drei Monate gedauert hat, nur herauszubekommen, dass wir hier nicht heiraten konnten.
Wie es jetzt mit der Anerkennung der dänischen Dokumente weitergeht, schreibe ich, sobald ich das erledigt habe.
Stellt bitte Fragen, falls ihr welche habt, ich versuche die soweit ich kann zu beantworten


