Luntan hat geschrieben:beowulf hat geschrieben:[Kubin gefällt also das Chinabild nicht, das sich dem Leser nach der Lektüre von Liaos Büchern erschließen könnte. Sein Vorwurf aber war ein ganz anderer: nämlich dass Liao übertrieben habe. Und dafür konnte er keine Beweise erbringen.
Es ist richtig nach Beweisen zu fragen, nur sollte man dies auch beim Liao machen
Das Problem seiner "Aussagen" ist, wie die Foltergeschichten erst Jahrzehnte später erzählt werden, und wie sie immer extremer werden. Offenbar hat er entdeckt, wie man mit dem Mitleidseffekt abkassieren kann.
Es gibt genug andere Personen die damals auch inhaftiert waren, aber alle Folterknechte wollten scheinbar immer nur den armen Liao noch ein weiteres Mal quälen. Darunter leidet seine Glaubwürdigkeit, und es ist nicht nur Kubin der das so sieht.
Auch meiner Meinung nach verschwimmen bei Liao ständig Anekdote, Heilandsphantasien und Seemannsgarn - z.B. bei dieser Geschichte von ihm musste ich laut lachen:
June 4, 2003: ...I went into exile in a small town in the southwestern province of Yunnan. I spent the evening with a new girlfriend at a bar where a group of out-of-town drunkards were hanging out. Out of the blue, a stranger in the crowd yelled: “Does anyone know what day it is?” People shook their heads. One person said: “Who gives a fuck what day it is. Just enjoy the day!” I felt as though an electric shock had singed my scalp. I blurted out: “It’s June 4.” Everybody looked at me strangely. My new girlfriend, under the influence of beer, said: “Liao was a well-known poet in the eighties. He wrote a wonderful poem called ‘Massacre.’” Everybody applauded me, pouring more beer in my mug and urging me to read my poem. I went on the stage and jumped up and down, chanting and performing the poem. I hadn’t realized that this old, faded poem could still bring so many people to tears.
Das einzige was an der Geschichte realistisch klingt, ist, das er in einer Bar mit seiner Freundin war und ein Bier getrunken hat. Ich würde ihm vielleicht noch abkaufen, dass er dort jemanden gefunden hat, der sich seine Ausführungen zu 1989 angehört hat und ihm dann sein Gedicht vorgetragen hat. Mehr aber auch nicht.
Der Rest von diesem Schnulz hingegen könnte aus einem Jesus Film aus den 1950ern stammen. Kubin fällt das auf auch und stellt zurecht fest, dass bei dem Poeten Liao Yiwu nicht ganz klar ist wo die Dokumentation aufhört und wo die Fiktion anfängt. Natürlich kann aber niemand jemals das Gegenteil beweisen.