rpm-U hat geschrieben:derVilk hat geschrieben:..
Sobald es aber mal zu einer groesseren wirtschaftlichen Krise in China kommt, kann es mit der Geduld auch schnell am Ende sein.
Ich finde genau das ist sehr gut formuliert.
Klar. Je weniger man im Kopf hat, desto tiefsinniger erscheinen einem Platitüden
Bisher (also seit Deng Xiao Ping's Öffnung) hat es ja so gut wie keine Krise in dem Land gegeben. Also seit Ende der 1970-er ging es nur aufwärts.
Auch vorher gab es nur zweimal einen Einbruch des Wirtschaftswachstums.
In den Gedanken der Menschen gibt es keinen Plan-B.
Was also wenn es doch eine wenn auch kleine Krise gibt in der eine bestimmte, vielleicht nicht unbedeutend große Anzahl von Menschen Angst um das erworbene Vermögen hat?
Das heutige China ist ja im Gegensatz zum Westen da-hingegen überhaupt nicht trainiert ?
Klar nicht. Ignoranz hoch drei ist das, schon mehr als peinlich.
Richtig ist zwar, dass es in China seit der Öffnung keine zyklische Wirtschaftskrise gab, eine Leistung, die keines der "klassisch kapitalistischen" Länder seit 1805 geschafft hat. Das ist in der Tat bemerkenswert und spricht für die chinesische Wirtschaftslenkung.
Aber der gesamte Rest des Dahergeplapperten ist Mist. Die Umwälzungen auf dem chinesischen Dorf ebenso wie in den Städten brachten Verwerfungen mit sich, die für den einzelnen Menschen nicht weniger schlimm waren als Wirtschaftskrisen woanders, oft sogar deutlich schlimmer als die Folgen von Wirtschaftskrisen etwa in der BRD bis Hartz-IV und sogar darüber hinaus.
Schon vergessen, 1989? Nicht das Märchen von "Tienanmen-Massaker", aber sehr wohl das, was zu den landesweiten Protesten führte, zweistellige Inflation, die bis zur Jahrtausendwende anhielt, Umstrukturierungen in den Grossbetrieben, die die automatische Einstellung jeder neuen Generation beendeten. Mitte der 90er unter Zhu Rongyi die Reform der Staatsbetriebe mit "Freisetzung" von 40 Millionen Menschen, ein erheblicher Teil in Frühpension (teilweise mit 45) mit deutlich gekürzter ohnehin nicht üppiger Rente. Die Auflösung der Volkskommunen, die eine Viertelmilliarde Landloser (oder Pächter im Hektarbereich zurückliess, die auf Wanderarbeit angewiesen waren und sind. Der Exporteinbruch in der Weltfinanzkrise 2008, als 25 Millionen Wanderarbeiter ihre Jobs verloren. 5-10 Millionen Abgänger der Universitäten, die jahrelang auf Anstellung warten oder in Jobs deutlich unter Wanderarbeiterlohn arbeiten.
Ganz abgesehen davon ein wirtschaftlicher und sozialer Strukturwandel, der in drei Jahrzehnten das nachholt, was in Europa fast zweihundert Jahre gedauert hat, mit dem entsprechenden dauernden Umsturz der Lebenswelten und Lebensgewohnheiten.
Ausgerechnet ein fetter deutscher Wohlstandsbürger plappert da, die Menschen hätten keinen Plan B. Das ist schon tolldreist.
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