1. Was haltet ihr von den Reisezielen und dem dafür gewählten Zeitraum?
Zeitraum Juli-August; naja, geht so. Da sind hier aber eben auch noch bischen Sommerferien im Juli und gutes Wetter, da reisen die Chinesen gerne auch etwas. Ich bin oft im Winter gereist und da war schon alles erheblich einfacher.
Reisedauer: Ist ein anspruchsvolles Program, aber in 50 Tagen kann das durchaus hinhauen wenn du dich ein klein wenig ranhältst. Keine übertriebene Hatz, aber eben nicht zuviel trödeln.
2. Es werden nur Visa für 30 Tage ausgestellt. Ich würde meinen Rückflug aber schon gerne vor Reiseantritt buchen. Bei Antragsstellung wüsste ich ja dann schon im Vorfeld, dass ich länger als 30 tage in China bleiben möchte. Geht es dann nur für 30 tage und ich müsste für die restliche Zeit mich China um Eine Visaverlängerung bemühen? Wenn ja, ist das kompliziert?
Gute Frage. Und zu viele Faktoren, um das klar beantworten zu können. Ideal wäre es natürlich, wenn du schon in Deutschland 50 Tage Visum erhalten könntest. Da wirst du aber ein wenig Überzeugungsarbeit leisten müssen, und ob es hinhaut ist nicht unbedingt wahrscheinlich. Aber: Wenn du es gar nicht erst versuchst wird es natürlich schonmal gar nicht klappen, also einfach mal probieren.
Das hiesse also: Besser persönlich beantragen gehen, um selbst zu erklären worum es geht. Ordentlich und übersichtlich die Reiseroute präsentieren (schriftlich), die Hotels auch brav vorbuchen (stornierbare). Die Züge vielleicht auch schonmal raussuchen (dazu mehr unten). Und auch wichtig: Bedenken dass die Dame am Schalter auch noch was anderes zu tun hat! Also auf den Punkt kommen, die Sache gut aber konzentriert vortragen.
Ordentliche Einleitung: "Warnen" im ersten Satz, dass es bei dir einen Moment dauern kann, um Verstandnis bitten und darstellen dass DU eine Sorge und ein Problem hast und um Hilfe bitten möchtest. Auch wenn man es nicht vorhat: Mit ein bischen Ungeschick (oder Gedankenlosigkeit) kommt man schnell so rüber, als wenn man glaube, einen Anspruch zu haben, eine Extrawurst gebraten zu bekommen. Tunlichst vermeiden, das ist nicht der Fall. Du bist derjenige, der denen eine dampfende Extrawurst auf den Tresen legst und den Betrieb aufhält. Entsprechend also benehmen und um Verständnis werben.
In der Hinsicht: Bischen aufs Timing achten. Also vielleicht nicht der erste in der Reihe sein, so dass alle anderen hinter dir warten müssen (so was findet Schalterpersonal oft auch nicht toll). Eher vielleicht als letzter aufschlagen und hoffen auf wen zu treffen, der auch mal 2-3 Minuten überzieht für dich.
Gut zuhören, was man dir als Lösung anbieten kann und drauf eingehen. Und wenn man dir nicht helfen kann / will: Nachfragen, wie du dann weiter vorgehen sollst in China mit der Verlängerung. Kann sein, dass du da weitere Tips bekommst (mehr oder weniger hilfreiche) oder aber dir doch noch geholfen wird (weil es vielleicht doch weniger Mühe ist, als dir den Rest noch zu erklären).
Hört sich in der Breite jetzt vielleicht etwas viel an. Aber wenn du die Chance nutzen willst, solltest du schon ein bischen vorher überlegen, wie du das dort präsentierst. Denn wenn es klappt und du bekommst ausnahmsweise mal mehr als 30 Tage, bist du alle weiteren Sorgen los. Andernfalls musst du vor Ort in China verlängern. Und das wird von Ort zu Ort
sehr unterschiedlich ausfallen. Hinbekomen wirst du es schon irgendwie, aber wie genau hängt stark davon ab, wo du das machen wirst. Für mich Grund genug, es schonmal in Deutschland dein Glück zu versuchen (als Plan A).
Persönlich habe ich in China bisher nur in Peking vor Ort verlängert und das ist schon etwas her. War zwar nie problematisch, aber Peking ist auch kein kleines Nest und die haben bei sowas Routine. Das ganze fand für mich immer bei der Ausländebehöre in der Nähe vom Lamatempel statt. Einmal musste ich Bankbeleg über finanzielle Mittel vorlegen, das war aber zur Olympiade, also unter verschärften Bedingungen.
Zu Bedenken ist auch: Die nächsten 30 Tage galten damals ab Antragstellung, der Rest der alten Visas "verfiel" dann also quasi. Also nicht zu früh verlängern (wenn das immer noch so ist), sonst darfst du das ganze am Ende vielleicht nochmal machen.
Wie das nun in anderen Städten aussieht, kann ich dir nicht sagen. Ich denke aber mal Shanghai und Kanton sind da auch schon sehr routiniert in solchen fällen. Xian? Keine Ahnung, ist keine kleine Stadt und hat viele Touristen, die kennen sich vielleicht auch aus und es läuft reibungslos. JiuZhaiGou? Weiss der Himmel, war schön als ich da war, aber ob die dir da eine Verlängerung machen? Wer weiss? Vielleicht? Vielleicht sogar unkomplizierter als anderswo? Oder vielleicht schicken sie dich in die nächste grössere Stadt?
Und das wäre bei dir ja Chengdu. Das ist nun wieder etwas grösser. Und(!): Da hat Deutschland ja auch ein
Konsulat. Vielleicht kannst du ja einmal dort um Rat fragen. Wie schon oben für die Chinesische Botschaft / Konsulat beschrieben: Das Anliegen dort übersichtlich und auf den Punkt schildern, klare Frage formulieren und um Hilfe bitten. Das ganze ist natürlich an sich keine direkte Angelegenheit des deutschen Konsulates (die stellen dir nun ganz sicher keine Visum aus). Aber die wissen u.U. trotzdem ein bischen, wie es dort vor Ort aussieht und können dir evtl. Tips geben.
Das wäre also vielleicht ein guter Plan B - mal recherchieren, ob / wie eine Verlängerung in Chengdu möglich wäre. Passt das zeitlich, dass du den Rest der Reise von dort in 30 Tagen erledigen kannst?
Als letzte Möglichkeit (Plan C sozusagen) kann man sicher auch das ganze in China über Reisebüros oder Visaagenturen erledigen lassen. Ich denke gerade Backpacker Hotels können dir da wen vermitteln oder machen das vielleicht sogar selbst. Wäre für mich aber nur die letzte Möglichkeit in deinen Fall. Bei dir wirkt das alles wie ein grösseres Projekt und da würde ich kritische Elemente eher selbst erledigen, statt das in die Hände Dritter zu geben wenn ich nicht muss.
Also mein Vorschlag wäre:
A) Erstmal in Deutschland versuchen, direkt 50 Tage zu bekommen. Persönlich beantragen und schauen, ob man da schon was für dich machen kann.
B) Recherchieren, wie du selbst in Chengdu verlängern kannst. Fragen kannst du dort mal beim deutschen Konsulat.
C) In China über Agentur / Reisebüro verlängern lassen. Vielleicht mal an Backpacker Hotels wenden.
3. Ich als gewohnter Frei-trekker, der immer ein Ein-mannzelt und Schlafsack dabei hat, mag es eigentlich nicht nur in Hotels zu übernachten. Wie mir scheint legt man im Visaantrag jedoch viel Wert darauf. Gibt es irgendwelche Lücken im System, die mir freies Trekking erlauben?
Nicht das ich wüsste. Und spontan würde ich mich laogai anschliessen und das mit dem Trekking fallen zu lassen.
Was die Chinesen als Wandergebiet bezeichenen ist nicht wie bei uns mal in den Taunus fahren um mal ein wenig ungestört im Wald spazieren zu gehen. Stell dich statt dessen mal ein auf: Schön vertreppte Wege (teilweise schon seit Jahrhunderten so, ich glaube nicht, dass der Kaiser den Huangshan auf Trampelpfaden hoch ist), voller Leute, Tempel hier, Tempel da, voller Leute, regelmässige Kioske, voller Leute, auch gerne mal beschallt. Hatte ich schon die ganzen Leute erwähnt? China ist ja bekannt dafür, dass da unheimlich viel Leute leben. Stell dich in der "Natur" also mal auf eine ganze Reihe Leute ein. Das ist so in China (was ja frei übersetzt "Mitten drin in vielen Leuten" bedeutet). Hoffe mal ich habe das hier so halbwegs anschaulich gemacht.
Dafür sich nun die Mühe zu machen, das Einmannzelt mitzunehmen, lohnt sich denke ich nicht auf deiner Route. Und Schlafsack auch nur bedingt (eher vor Ort mal Decke leihen, wenn überhaupt Not am Mann wäre). Neben dem Gepäck kommt ja noch dazu, dass das mit dem irgendwo mal Zelten nun eben von den Behörden nicht ganz so gerne gesehen wird. "Da könnt ja jeder kommen" und wenn in China mal jeder kommt ... naja, wirst du auf der Reise ja selbst sehen, wie das dann aussieht. Viel Spass am Bahnhof schonmal (war ein Highlight für meine Freundin beim letzten Besuch in Xian.). Du kannst es natürlich trotzdem versuchen, und den Sack bekommst du sicher auch nicht abgeschnitten, wenn du beim Zelten erwischt wirst.
Die Frage bleibt aber: Lohnt sich der Extra-Aufwand wirklich für den Verdacht wider alle Erwartungen doch mal irgendwo das Zelt aufbauen zu können (bis dir die Polizei beim Abbauen hilft)? Ich denke jeder kann dir hier versichern: Mit deiner Reise wirst du auch ohne dein Zelt schon genug erleben und zu tun haben. Die Sache mit dem Visum ist ja schonmal Abenteuer genug, da wirst du schon deinen Spass mit haben. Chinesische Bürokratie und so. Besichtige doch lieber, was das Land von sich aus anbietet (Bürokratie) statt das, was du von zu Hause kennst und magst, aber eben nicht wirklich im Angebot ist (mal zelten gehen). Andere Länder, andere Sitten und so (blablabla).
Ach ja: Eines der grossen chinesischen Naturwunder die du auf jeden Fall wahrnehmen solltest ...
4. Bahnfahrten! Komme ich spontan von einem Reiseziel zum anderen?
Die Bahn! Ein Abenteuer ganz eigener Art
Spontan Zugtickets kaufen: Njein.
Kommt wieder ganz stark drauf an. Saison und Route und wo du kaufst. Ich wollte diese Woche zum JiuHuaShan (über Nanjing). Pustekuchen, alle Tickets nach Nanjing ausverkauft. Und ich
war 10 Tage vorher an meiner Ticketbude um die Ecke um zu kaufen. Hat mir eben keiner gesagt, dass man neuerdings 12 Tage vorher online kaufen kann. Nanjing ist eben eine schöne Stadt und da wollten wohl ausser mir zum Totenfest noch ein paar Millionen Chinesen hin.
Andererseits: Ich habe letzten Herbst vor Ort am WuYiShan für den nächsten Tag nach Nanjing ohne Probleme ein Ticket bekommen. WuYiShan ist zwar auch was für Touristen, aber es war eben nicht Saison und vor allem kauft wohl auch kaum wer in WuYiShan vor Ort.
Wie du siehst: Zugtickets wieder alles sehr, sehr unterschiedlich. Wird dir hier keiner genau sagen können, wie das am Ende bei dir laufen wird. Hier aber mal ein paar Tipps:
1) Es hilft ungemein, wenn du schonmal weisst, welche Züge fahren. Dazu mal zwei Webseiten:
http://www.travelchinaguide.com/china-trains/
Die Seite ist schön auf Englisch, da kommst du also sprachlich gleich zurecht mit. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass sie manchmal nicht ganz korrekt ist bei den Verbindungen. Und die Preise fand ich immer sonderbar hoch. Ich vermute mal, dass der Betreiber hier eine Gebühr draufschlägt.
Deshalb benutzte ich schon seit längerem das hier statt dessen:
http://www.huochepiao.com/
Da musst du zwar Abfahrtsort und Ziel auf Chinesisch eingeben (bzw. reinkopieren) aber dafür waren die Angaben dann immer korrekt bei mir.
Egal welche Seite du aber benutzt: Planen und kaufen wird schonmal sehr viel einfacher, wenn du weisst was im Angebot ist. Macht sicher auch besseren Eindruck bei der Chinesischen Botschaft, wenn du zeigen kannst, dass du dir zum Transport schonmal soweit Gedanken gemacht hast.
2) Busse auch in betracht ziehen (hatte qpr ja schon gesagt). Wenn du bei
http://www.huochepiao.com mal Jiuzhaigou 九寨沟 und Chengdu 成都 reinkopiert wirst du sehen, da kommen keine Treffer. Fährt wohl also gar kein Zug - und so war das auch als ich letztes mal 2009 von Chengdu nach Jiuzhaigou gefahren bin. Ausser Bussen gab es da nichts, war aber eine sehr schöne Strecke. Ging zwar der ganze Tag drauf, hat mir aber trotzdem gut gefallen.
Busse ist allerdings schwerer Online zu recherchieren. Nach sowas frage ich dann immer vor Ort, allerdings ist mein Chinesisch auch ganz gut. Aber mehr zur Sprache weiter unten. Bei Bussen ist es mir auch nie passiert, dass die ausverkauft gewesen wären. Das keiner mehr fuhr, schon. Aber wenn was fuhr war immer noch ein Platz zu haben.
3) Zugtickets kann man manchmal noch während der Fahrt upgraden. Wenn du also über Nacht nur noch einen Sitzplatz bekommen hast nachfragen, ob nicht doch noch ein Bett irgendwo frei ist. Gibt ja immer mal wen, der den Zug verpasst hat oder die Reise hat ausfallen lassen. Und ich glaube auch, dass jede Station ihr eigenes Kontingent an Tickets hat. Heisst also nicht, dass nur weil an deiner Station schon ausverkauft war, gar nichts mehr frei ist. Kann sein, dass bei einer späteren Station noch Tickets übrig waren, da kannst du dann reinrutschen mit deinem Anliegen.
Ist schon länger her, dass ich sowas gemacht habe. Damals gab es in den Zügen einen Extraschalter für dieses Upgraden. War wohl auch immer der selbe Waggon. War aber auch ein schönes Gedrängel dort.
5. Obwohl ich seit einigen Wochen chinesisch lerne und mich wirklich bemühe und auch glaube in kleinen Situationen durchaus bestehen zu können, wird es sicherlich nicht einfach. Daher meine Frage... Welche guten Hilfsmittel gibt es bezüglich Kommunikationsproblemen? Ein kleiner Sprachführer ist klar, aber vlt. eine gute app mit Übersetzungsfunktion oder ein Sprachcomputer? Mich würden eure Erfahren dazu interessieren.
Vorweg mal: Ausser dir sind hier noch ein ganze Reihe anderer Individualtouristen unterwegs. Bei mir sind so 3-4 Backpacker Hotels um die Ecke, viele junge Leute, die mit dem Rucksack unterwegs sind. Und irgendwie kommen die auch alle ganz gut klar.
Was qpr sagt stimmt schon, die Einheimischen versuchen schon dir zu helfen wenn es geht. Ob sie's immer können ist eine andere Frage. Das kann manchmal dazu führen, dass der Einäugige den Blinden führt. Naja, besser als gar keine Hilfe. Dann gibt es an den Touristenecken natürlich auch die suuuuuuper-freundlichen, die dich nur abzocken möchten, aber mit ein bischen gesundem Menschenverstand passiert da auch nicht viel.
Was du mal andenken kannst an Hilfsmitteln: Kann dein Handy chinesische Schriftzeichen darstellen? Taxifahren oder nach dem Weg fragen ist oft viel leichter, wenn man sich die Zieladresse als SMS hat zuschicken lassen. Die kann man dann vorzeigen und sagen "Da will ich hin, bitte." Grundsätzlich ist es ganz gut, wenn du dein Handy in China irgendwie zum laufen bekommst. Da kannst du im Notfall irgendwen, der Englisch kann (z.B. im Hotel) als Übersetzer antelefonieren.