Tempelablauf

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.
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Vulverin
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Tempelablauf

Beitrag von Vulverin »

Hey Leute, ich hab mich in letzter Zeit viel mit Buddhismus beschäftigt, da ich mich dafür sehr interessiere!!
Und ich behaupte mal ich habe die hauptaussage verstanden, obwohl das wohl nur ansatzweise möglich ist wenn man sich nur als hobbie damit beschäftigt!!!

mein problem jedoch ist, dass alles was ich bis jetzt lesen konnte um die wurzeln und die entstehung gehen.

was mich jedoch wirklich interessieren würde ist, ist das gegenstück zu einem besuch in einer christlichen messe im buddhismus! ich würde euch bitten jetzt nicht irgendwelche offiziellejn abläufe zu beschreiben, sondern wenn möglich das ganze aus sicht eines zb. chinesischen Studenten

dinge wie:

1) wie sieht das dort aus:
*auch vorne ein altar, hinter welchem die vertreter des glaubens reden
*sitzt man dort, kniet man, oder steht man
*ist das ganze geschlechter getrennt (ich würde mal zwecks religion auf nein tippen)
2) den groben ablauf einer solchen "messe" (oder wie nennt man das dort)
3) wer ist anwesend als vertreter des glaubens?


hoffe ihr könnt mir da einen kleinen einblick verschaffen, denn bei wikipedia hab ich nichts gefunden!!!

1000 dank,
vulv
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devurandom
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Beitrag von devurandom »

hehe, dazu eine kleine zen-budhistische Geschichte,
erstmal die chin. Version
有次,有源律师去见大珠慧海禅师,问道:“和尚修道,还用功否?”“饥来吃饭,困来即眠”,大珠这样答覆。“是不是一切人都像师父用着功呢?”“不像!”“为什么不像?”“他们吃饭时不肯吃饭,百种须索;睡觉时不肯睡觉,千般计校,所以不像了
grobe Übersetzung:
einmal besucht der Mönch 有源 (sagen wir Mönch A) den Mönch 大珠慧海 (sagen wir Mönch B, der übrigens ein sehr berühmter budihistischer "Theologe" war) und fragte ihn. "meditierst Du auch fleissig, Mönch?". Mönch B antwortete: "(ja ich bin fleissig, indem) Ich esse wenn ich Hunger habe und schlafe, wenn ich müde bin" . Mönch A fragte (erstaunt): "alle normale Menschen verhalten sich so, wenn das so ist, dann würde das ja heissen, dass sie alle so fleissig meditieren wie Du?!". Mönch B sagte darauf: "Nein, das tun sie nicht". (Mönch A)"warum nicht?" (Mönch B) "wenn sie (normale Menschen) essen sollen, essen sie nicht richtig. Stattdessen machen sie sich tausende Gedanken. Wenn sie aber schlafen sollen, schlafen sie auch nicht richtig, sondern zerbrechen sich die Köpfe über alles mögliche, daher können sie nicht so meditieren wie ich."
:-D

Moral der Geschicht? Ein Zen-Budhist legt keinen Wert aufs formale. Die Tempel werden nur gebaut, damit die Mönche eine Unterkunft zwischen den Wandertagen haben und die Mensch, die nicht anders können, auch mal irgendwo hingehen und Götzen anbeten können.

Gruß
/dev/urandom[/u]
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Vulverin
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Beitrag von Vulverin »

danke für die schnelle antwort, aber das sind alles sachen welche ich in uralten büchern über die entstehungsgeschichte schon gelesen habe!!!

aber was mich interessieren würde ist, wie so ein tempelbesuch für zb. einen studenten der heutigen zeit abläuft, welcher kein mönch ist und auch kein heiliger!!
einfach das gegenstück zu dem durchschnitts christen in europa der zu gewissen anlässen in die kirche geht!!!

danke,
vulverin

PS: die geschichte an sich muss ich sagen ist recht sprechend, werde versuchen sie mir zu merken!!!
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bossel
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Beitrag von bossel »

Vulverin hat geschrieben:aber was mich interessieren würde ist, wie so ein tempelbesuch für zb. einen studenten der heutigen zeit abläuft, welcher kein mönch ist und auch kein heiliger!!
einfach das gegenstück zu dem durchschnitts christen in europa der zu gewissen anlässen in die kirche geht!!!
So wenig, wie Du hier den Durchschnittschristen findest, wirst Du wohl in China den Durchschnittsbuddhisten finden. Ich denke mal, es hängt ganz vom Anlaß & Individuum ab. Die einfachste (& wohl häufigste) Form in China ist, daß die Leutchen zum Tempel gehen, ein paar Räucherstäbchen abbrennen & etwas beten (evtl. bringen sie auch noch ein kleines Opfer oder spenden ein bißchen Geld).

Was das Spenden angeht: bei der Verbotenen Stadt in Beijing ist ein sehr kleiner Höhlentempel auf einem Berg. Da kommt man vorbei, wenn man hochklettert um sich Beijing von oben anzusehen. Wer ein bißchen Geld übrig hat, könnte da ein bißchen spenden. Die Mönche sind sehr nett & brauchen das Geld. Danke!
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devurandom
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Beitrag von devurandom »

Mönche sind keine Priester, sie halten keine Rede, verdonnern einen nicht zu ave maria oder Rosenkränze, nehmen keine Beichte ab, veranstalten keine Gemeindeaktivitäten, schliessen keine Ehe, taufen keine Babies, halten auch keine Grabrede (Bei "Totenmesse" sind sie allerdings manchmal dabei, aber nur um die Reise des verstorbenen ins Jenseits zu "begleiten", lustigerweise treten bei solcehn Angelegenheiten häufig budhistische und Taoistische Mönche zusammen auf.) Der alltägliche Budhismus kennt sowas wie Sonntagsmesse nicht. Man geht in die Tempel meistens um was zu wünschen oder auch nach der Erfüllung der Wüsche sich zu bedanken. Manchmal auch nur weil der Tempel ein "spritueller" Ort ist. Die Mönche bewegen sich in der Regel in einem Teil des Tempels, zu dem kein normaler Besucher Zutritt hat. Häufig sieht man beim einem Tempelbesuch nicht mal einen "richtigen" Mönch, sondern nur die, die Eintritt kassieren und Duftkerze verkaufen. :-)
Ein durchschnittliche Chinese ist in der Regel zugleich polytheistisch und atheistisch. Das Glaubenssystem ist sehr schwer mit westlich von monotheistischen Religionen geprägten Gesellschaftsbildern vergleichbar. Du denkst zu sehr im Rahmen Dir bekannter Bilder, die Geschichte, die ich im letzten Posting erzählt habe, diente eigentlich unter anderem dazu, den krassen Unterschied zu verdeutlichen.....;)

Gruß
/dev/urandom
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Vulverin
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Beitrag von Vulverin »

ich muss zugeben dass es das recht genau auf den punkt trifft was ich mir erhofft habe!!

1)
also wenn ich das richtig verstanden habe, läuft hier alles direkt zwischen dem gläubigen und buddha ab und nicht wie bei uns urch "mittelsmänner" wie priester!!

2)
und die mönche an sich erfüllen nicht direkt eine aufgabe oder um als vermittler zwischen buddha und dem gläubigen zu dienen. sie werden einfach nur als spirituell angesehen und verehrt!!!

3)
hab ich es richtig verstanden, dann gibt es eigentlich keine "geleiteten" zeremonien, sondern nur individuelle besuche zwecks gebete!!

neue Frage:
was für fixpunkte gibt es in diesem glauben.
* Geburt
?
?
?
?
* Tod

gibt es da wie beim christentum etwas dazwischen? taufe, firmung, letzte ölung???????

auch bezogen auf eine hochzeit, denn es wird wie in europa primär eine staatliche offizielle hochzeit geben, aber gibt es auch eine vor gott oder besser gesagt vor buddha, da dieser ja kein gott ist!!!


tut mir leid dass ich hier so viele fragen stelle, aber bin jetzt einfach auf den geschmack gekommen, da die antworten hier einfach realitätsnah sind und nicht nur theoretisch wie in den büchern!!!
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bossel
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Beitrag von bossel »

Vulverin hat geschrieben:3)hab ich es richtig verstanden, dann gibt es eigentlich keine "geleiteten" zeremonien, sondern nur individuelle besuche zwecks gebete!!
Es gibt schon "geleitete" Zeremonien, wie z. B. die Waschung Buddhas. Aber Du bist nicht so ein Schäfchen wie im Christentum.
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Beitrag von LeChef »

@bossel: kannst du das mal ein wenig konkretisieren?

@vulverin: was ist denn das wesen des buddhismus? sofern man das in einem posting überhaupt erklären kann.
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bossel
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Beitrag von bossel »

LeChef hat geschrieben:@bossel: kannst du das mal ein wenig konkretisieren?
Da verlangst Du was! (bei meinem miserablen Gedächtnis)

IIRC, findet bei der Waschung eine richtige Zeremonie statt, mit Gebet (& Gesang?). Danach dürfen die Gläubigen Buddhastatuetten mit Wasser übergießen (die eigentliche Waschung).

Werde aber mal sehen, ob ich noch nähere Informationen dazu finde.
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Beitrag von devurandom »

bossel hat geschrieben:
LeChef hat geschrieben:@bossel: kannst du das mal ein wenig konkretisieren?
Da verlangst Du was! (bei meinem miserablen Gedächtnis)

IIRC, findet bei der Waschung eine richtige Zeremonie statt, mit Gebet (& Gesang?). Danach dürfen die Gläubigen Buddhastatuetten mit Wasser übergießen (die eigentliche Waschung).

Werde aber mal sehen, ob ich noch nähere Informationen dazu finde.
ist mir ehrlich gesagt unbekannt, klingt nach einem Ritual aus den Ländern oder Regionen, wo Buddhismus zu einer durchorgnaniserten, gewöhlichen Religion mutiert ist, wie z.B. Tibet, Burma usw. Ich kann mich natürlich auch irren. :-D

Gruß
/dev/urandom
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Beitrag von bossel »

devurandom hat geschrieben:ist mir ehrlich gesagt unbekannt, klingt nach einem Ritual aus den Ländern oder Regionen, wo Buddhismus zu einer durchorgnaniserten, gewöhlichen Religion mutiert ist, wie z.B. Tibet, Burma usw. Ich kann mich natürlich auch irren. :-D
Hab mich mal ein bißchen schlau gemacht: scheint tatsächlich mehr so in Südostasien verbreitet zu sein. Aber mal abgesehen davon, daß das Ritual hier in Düsseldorf von einer Taiwanesin geleitet wird (& fast ausschließlich Chinesen teilnehmen), kann man ja auch nicht unbedingt behaupten, daß Buddhismus wesentlich einheitlicher als das Christentum sei. Hier gibt's diese, dort jene Form, da ist alles gemischt & hier alles verwischt.
Naja...
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Beitrag von bossel »

Nochmal zum Thema Waschung Buddhas:

Es handelt sich um Buddhas Geburtstagsparty (sozusagen) & hier in Düsseldorf nehmen fast ausschließlich Chinesen daran teil. Die verkleiden sich dann allerdings auch mal, um traditionelle Darbietungen anderer Nationen zu zeigen.

Hier sind paar Bilder aus Düsseldorf (leider nur 6, habe irgendwie nie Zeit, wenn dieses Fest stattfindet).
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LuLin
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Beitrag von LuLin »

Also den Buddhismus so auf die Kürze zu erklären ist insbesondere in einem Forum fasst unmöglich.

Ich bin selbst Buddhist und gehöre der chinesichen Tradition an.
Folglich gibt es mehr als eine Tradition. Jedes Land im asiatischen Raum hat aus geschichtlichen Gründen seine eigene Tradition. Dazu kommt noch der örtliche Volksglaube, der meist aus den alten Religonen mit integriert wurde.

Dann muss man noch zwei Zwei Hauptrichtungen unterscheiden.
Die Theravada und die Mahajana-Tradition.

Im Kern ist die buddhistische Lehre jedoch stets identisch.

Auch ich habe mit Büchern angefangen und dann kommt der Augenblick, wo man Fragen hat, die beantwortet werden müssen, sonst kommt man nicht voran. Dann ist der Besuch in einer buddhistischen Gemeinschaft der nächste Schritt.

Zeremonien/Andachten gibt es übrigens in fast allen Traditionen und Schulrichtungen.
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