Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, etc.

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.
Someone
Neuling
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Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, etc.

Beitrag von Someone »

Hallo Leute,

gleich vorab: Ich komme hier noch nicht ganz mit der Suchfunktion zurecht, also freue ich mich über jeden Querverweis, wenn ich ein Thema anschneide, dass hier schon diskutiert wurde - und sorry für diese möglichen Dopplungen! :oops:

Wie im Vorstellungsthread geschrieben, werde ich wahrscheinlich bald für eine längere Zeit (6-12 Monate) in China in der Provinz Shaanxi verweilen, um dort ein Praktikum bei einer Sprachschule zu absolvieren. Dort soll ich für ~6800 Yuan (offenbar um die 780€) im Monat 30 Stunden pro Woche als Deutschlehrer arbeiten und werde selbst intensiv betreut mit Schulungen, bei Visumsfragen, etc. Unterkunft sowie einige Extras bekomme ich von der Schule auch gestellt.

Da ich jedoch kein Sinologie studiert habe, sondern Japanologie, ergeben sich für mich einige allgemeine, aber auch einige sehr spezielle Fragen, so dass ich hoffe, dass man mir helfen kann - und sei es auch nur durch vielsagende Links, die Freund Google mir noch nicht hatte ausspucken können. :)

Meine allgemeinen Fragen:
  • Inwiefern ist die VRC mit Japan vergleichbar? Durch ein paar chinesische Bekannte habe ich hier und da kulturelle Übereinstimmungen gefunden (z.B. Geschenkkultur, Bildungssystem, etc), glaube jedoch nicht, dass andere Bereiche beider Länder miteinander vergleichbar sind. Besonders die politische Struktur erinnert mich als Laie stark an die DDR.
  • Wie sieht der Lebensstandard in Shaanxi aus? Ich vermute bereits, dass man einige Abstriche machen sollte, konnte mir bei meinen bisherigen Quellen aber kein richtiges Bild davon machen.
  • Stimmt es, dass man in Xi'an - bei nicht übermäßigem Kneipenbesuch - mit circa 250€ im Monat gut leben kann? Miete werde ich nicht zahlen müssen, sondern nur die sog. "Nebenkosten".
  • Wie hoch muss man die Nebenkosten eigentlich schätzen? Bei umgerechnet 50€, 100€ oder mehr?
  • Kriegt man in China auch als stämmiger, kleiner Europäer problemlos Klamotten oder herrschen da japanische Verhältnisse (d.h. Size-Zero-Mentalität)?
  • Wie hoch ist die Kriminalitätsrate in Shaanxi - kann man sich als Ausländer problemlos allein auf die Straße wagen oder sollte man sich immer eine Begleitung suchen? Ich würde mir nämlich schon gern die Gegend und benachbarten Provinzen anschauen wollen. 8)
  • Wie hoch sind die Chancen, sich mit Englisch, Japanisch und rudimentärem Chinesisch (absolut elementares Level) halbwegs im Alltag zurechtzufinden?
  • Funktionieren in China deutsche Chat-Plattformen und MSN? Skype, Twitter, Youtube und Facebook scheinen ja geblockt zu werden.
  • Es gibt - gefühlt - vier Milliarden Bücher über China, insbesondere Reiseratgeber und China-Knigges. Ein Lehrbuch für Chinesisch habe ich bereits, suche aber etwas über die Kultur und den Alltag in China. Könnt ihr mir da irgendein Werk besonders empfehlen? :D
Und nun zu den spezielleren Fragen - diese sind für mich sehr wichtig, deswegen möchte ich darum bitten, das jetzt nicht als Witz abzustempeln oder mit Ironie zu beantworten. :?

Speziellere Fragestellungen:
  • In den deutschen Medien bekommt man hauptsächlich negative Meldungen aus China serviert, insbesondere in Richtung Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Gewalt gegen Journalisten. Da ich gerne meine Zeit in China in Form von Fotos, Blog-Einträgen und Interviews (z.B. mit Kollegen oder der englischsprechenden Bevölkerung) dokumentieren möchte, habe ich Angst, dass dies für Schwierigkeiten sorgen könnte. Wie weit darf man also gehen bei der Dokumentation? Ich arbeite derzeit nicht für irgendeine journalistische Vereinigung, habe aber bereits etliche Erfahrungen durch Praktika und Ehrenämter in dieser Branche machen können.
  • Ich leite auf einer deutschen Chat-Plattform eine Rollenspielgruppe, in der es öfter mal zu expliziten Inhalten (sowohl Gewalt als auch hin und wieder Erotik) kommt. In meinen bisherigen Quellen stand, dass die VRC recht konsequent gegen sämtliche an Pornographie erinnernde Inhalte und "Verbreiter" vorgeht, was wohl auch mit der Administrativhaft gern mal durchgesetzt wird. Wie realistisch ist es, dass ich wegen diesem deutschsprachigen Textrollenspiel Ärger in China bekommen könnte?
  • Ich bin Frau-zu-Mann-transsexuell, lebe in Deutschland rechtlich und sozial in allen Bereichen als Mann, habe die nötigen Beschlüsse schon bekommen und bin seit März 2009 in hormoneller Behandlung. Leider hat die Krankenkasse bisher gegen geltendes Recht verstoßen und damit meine angleichenden Operationen vorerst verhindert. Bis zum Abflug nach China werde ich keine Operation durchgeführt haben, das Gesundheitszeugnis will ich in Deutschland von meiner Hausärztin ausfüllen lassen. Inwiefern kann es passieren, dass das Gesundheitszeugnis nicht anerkannt wird und ich nochmal in China "strippen" muss?
  • Könnte mir das Gesundheitszeugnis wegen der fehlenden Operationen verwehrt und damit mein Visumsantrag abgelehnt werden?
  • Bekommt man in China problemlos Hormonpräparate, wenn man eine englischsprachige Indikation vom Endokrinologen vorlegt, oder sollte ich meine Präparate aus Deutschland einführen?
  • Wie sehr muss ich in China wegen meines "speziellen" Körpers mit Diskriminierung auf der Arbeit und im Alltag rechnen?
  • Ich bin pansexuell, tendiere aber meistens zum männlichen Geschlecht. In einer Quelle las ich, dass Homosexualität noch bis vor einigen Jahren in der VRC strafbar war und als Krankheit angesehen wurde. Wie ist die Allgemeinheit in China gegenüber Homosexuellen eingestellt?
  • Auf einer internationalen LGBT-Seite las ich, dass Transsexuellen seitens der chinesischen Polizei zu gern Prostitution unterstellt wird und man teilweise mit fragwürdigen Indizien (z.B. durch den Besitz eines Kondoms) in Haft gehalten wird. Könnte mir das auch passieren? Und wenn ja: Käme ich dann in einen Männer- oder Frauengefängnis - sofern es diese Unterteilung in China gibt?
  • Wo könnte ich mir im Fall der Fälle Hilfe holen? Als Praktikant gehe ich ja allein nach China und bei dem, was ich bisher so gelesen habe, darf man bei einer möglichen Inhaftierung nicht einmal jemanden anrufen, so dass ich in dem Moment einfach von der Bildfläche "verschwände" ...
Tut mir Leid, wenn einige Fragen vielleicht an den Haaren herbeigezogen wirken - aber ich mache mir so meine Gedanken, und lieber eine doofe Frage zu viel als zu wenig ... :shock:
blur
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von blur »

Im ernst? :shock: Es gibt zwar Schwulenbars soweit ich weiß, ob es Gesellschaftlich anerkannt ist wage ich aber zu bezweifeln.
Such die für deinen Internetverkehr einen zuverlässigen VPN Dienst. Dann kriegt keiner in China mit was du treibst und somit sollte es auch keine Probeme geben.
In China kommst du nur mit Chinesisch wirklich weiter, die Wahrscheinlichkeit jemanden zu treffen der dich auf Englisch versteht ist gering. Nicht ausgeschlossen, aber gering.
Als Mann kann man sich Nachts durchaus in Xian auf die Straße trauen. Wie es als Frau ist kann ich nicht beurteilen.
Someone
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von Someone »

@ blur: Ich habe den Text "The Legal Status and Position of Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender People in the People’s Republic of China" (68-seitige PDF) über das Thema gelesen und bin daher etwas verunsichert, da die VRC wohl teilweise sehr radikal gegen Homo- und Transsexualität vorgeht. Laut Text werden gerne einmal "Versammlungen" (d.h. Treffen von 2 oder mehr LGBT-Personen) zerschlagen, bis zu 48-stündige Verhöre vollführt und teilweise auch von den Polizisten Geld gefordert, damit diese die Veranlagung des "Delinquenten" nicht an den Arbeitgeber, Freunde, die Familie o.ä. weitersagen. Da ich in dem Moment offensichtlich Ausländer wäre, weiß ich nicht, ob das mir noch zum Vorteil oder Nachteil dienen könnte, wenn ich denn in die Verlegenheit komme, dem Staatsapparat irgendwie aufzufallen. Ich plane eigentlich nicht, Schwulenbars zu besuchen, da dies für mich bereits in Deutschland aufgrund verschiedener Faktoren schwierig ist.

Wäre es allgemein ratsam, den Praktikumsgeber darauf anzusprechen, was meine "besondere Situation" angeht oder sollte ich es lieber lassen und dann "auf gut Glück" nach China fliegen? Für mich wäre das Praktikum eine riesige Chance, weil ich nach dem Praktikum nach einen Master in "Deutsch als Fremdsprache" machen will. Aktuell beende ich meinen Bachelor in Japanologie und Germanistik.

Welchen VPN-Dienst würdest du empfehlen? Ich plane, meinen Laptop mit nach China zu nehmen und per TrueCrypt zu verschlüsseln, so dass man mir (eigentlich) auch nicht heimlich etwas aufspielen kann. Internet bekäme ich dann durch die Sprachschule in der gestellten Unterkunft.

Wie sieht es in Xi'an mit Kleinkriminalität aus, also in Richtung Diebstahl und ähnlichem?
Bernhard
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von Bernhard »

ich bin in diesem speziellen Fall zwar auch überfragt, aber im Prinzip kann ich qpr beipflichten: In China geht es allgemein (und besonders im Bereich der Sexualität) nach dem Motto: Nichts sagen, nichts an die große Glocke hängen, dann gibt es auch keine Probleme. Also es möglichst privat halten.

Mit VPN und derartigen Dingen kenne ich mich nicht so aus; aber bei den Inhalten, die du im Internet veröffentlichst, solltest du natürlich schon ein bisschen Vorsicht walten lassen. Wobei es wohl auch darauf ankommt, in welcher Sprache du diese Blogeinträge etc. schreibst. Bei deutsch dürfte es weniger Probleme geben als bei englisch (weil einfach weniger Leute deutsch verstehen).
Aber so schlimm ist es auch nicht. Man sollte eben nicht die kommunistische Partei direkt kritisieren und vor allem nichts schreiben, was irgendwie als "Staatsgeheimnis" gewertet werden könnte. Und wie mir scheint, sind die chinesischen Behörden da sehr "flexibel" oder erfinderisch, was nicht alles als "Staatsgeheimnis" gelten könnte. Aber ähnliche Dinge bzw. Beschränkungen gibt es hier auch. Vielleicht sollte man als Faustregel nehmen: Das, was ein arabischer Student hier schreiben darf, darf man als Westler auch in China schreiben ;)

Meine Erfahrung ist, dass man in China schon immer noch jemanden finden kann, der englisch spricht. Natürlich kann von den Taxifahrern oder Imbissbuden-Betreibern kaum jemand englisch (was im Fall der Taxifahrer oft sehr schwierig sein kann). Aber wenn man in einer Großstadt nach dem Weg fragen will, findet man doch immer noch einen...
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Taiyang
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von Taiyang »

Someone hat geschrieben: [*]Wie hoch sind die Chancen, sich mit Englisch, Japanisch und rudimentärem Chinesisch (absolut elementares Level) halbwegs im Alltag zurechtzufinden?

Mh, Ich konnte anfangs auch gar kein Chinesisch, aber wenn du gut mit Kanji bist, dann kannst du dich hier relativ gut zurecht finden. Kurzzeichen sind manchmal ein bisschen anders, und die Bedeutung nicht immer gleich, aber mir hat das anfangs sehr geholfen.
Gesprochenes Chinesisch ist da natürlich anders & ich meine, Shaanxi-Leute haben einen mehr oder weniger ausgeprägten Akzent, d.h. man verstehts anfangs ein wenig schlecht.
Wie gut bist du mit 音読み? kA ob nur mir das so ging, aber ich habe oft vom (chinesischen) Klang her ein entsprechendes Kanji in meinem Kopf gesucht & oft hat das irgendwie zu einem Verständnis geführt :roll:
Grammatik & soweiter ist natürlich komplett anders & du solltest schon Chinesisch lernen, um im Alltag gut über die Runden zu kommen. Englisch gibts zwar immer öfter, aber drauf verlassen würde ich mich nicht. Japanisch ist gut, aber zur Kommunikation unnötig, versteht eh keiner.

Internet- und Blogtechnisch würde ich dir auch einen VPN empfehlen. & kA, ich würde vllt nicht unbedingt stets und ständig über irgendwas negatives berichten.

Medikamente und der gleichen würde ich lieber aus Deutschland mitbringen. Gerade wenn es etwas spezielles ist. Hier gibt es zwar auch massenhaft Medikamente, aber exakt das gleiche zu finden, was nicht auf den chinesischen Körper dosiert ist, kA, wäre mir ein wenig riskant. Bring besser deine Pillen mit (je nach Menge evtl. auch ein Schreiben vom Arzt, dass du die nehmen musst, keine Ahnung inwiefern der Zoll da sonst Theater macht)

Ansonsten, ich glaube, die wenigsten hier interessiert es wer du bist. Für die meisten bist du nur ein Ausländer von vielen & da werden eher andere Fragen kommen, als ob du Männlein oder Weiblein bist :wink:
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von blur »

Wenn du dem Arbeitgeber sagst wie du tickst wird er dich denke ich wieder ausladen oder den Aufenthalt auf jeden Fall etwas unangenehmer machen.

Einfach mal swissvpn.net anschreiben, die haben ne Lösung für China.
Und per VPN kannst du dann auch kritisieren wie du willst, solange es keine Rückschlüsse auf deine Person gibt (indem du deinen echten Namen in diesen Rollenspielen benutzt) macht es nichts.
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von VielUnterwegs »

In deinem Fall gilt in China sicherlich mindestens "Don't ask, don't tell". Auch auf explizite Nachfragen, wie "Sind sie verheiratet?" oder "Haben sie eine Freundin? Wann heiraten sie?" wuerde ich nur mit "no" und "don't know" antworten. Die Reaktionen werden sonst sicher nicht positiv.

Ich habe die Untersuchung fuer den Residence Permit in China hinter mir. Da man sich da nicht ausziehen muss, kontrolliert auch keiner ob du einen Piepmatz hast. Die glauben dir was im Pass steht. Es wird aber eine Blutuntersuchung gemacht, wegen HIV, Syphilis, usw. Ich kann dir nicht sagen welche Blutwerte die sich anschauen und ob die dann festellen koennen, ob du z.B. viel zu wenig Testosteron und viel zu viel Oestrogen hast, oder was auch immer es sonst noch so fuer Differenzen der Normalwerte zwischen Mann und Frau gibt. Die Roentgen auch den Brustkorb. ich weiss aber nicht, ob man da am Knochenbau u.U. auch einen "Verdacht" ableiten kann.
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von Taiyang »

VielUnterwegs hat geschrieben:Es wird aber eine Blutuntersuchung gemacht, wegen HIV, Syphilis, usw. Ich kann dir nicht sagen welche Blutwerte die sich anschauen und ob die dann festellen koennen, ob du z.B. viel zu wenig Testosteron und viel zu viel Oestrogen hast, oder was auch immer es sonst noch so fuer Differenzen der Normalwerte zwischen Mann und Frau gibt.

Das nicht, aber eventuell koennten bestimmte Werte erhoeht bzw. abweichend der Norm sein, durch die Hormonzugabe.
Im Gesundheitszeugnis selber wird weder Oestrogen noch Testosteron aufgelistet (warum auch?), sondern nur die ueblichen Blutbildbestandteile. Allerdings muessten da die Werte schon extrem abweichend sein, um allein deswegen abgewiesen zu werden.
Hauptsache HIV negativ und kein Syphillis...
Davon abgesehen, meine "Untersuchung" damals dauerte ungefaehr eine halbe Stunde. Zum Roentgen konnte ich die Klamotten anbehalten und der Sehtest erfolgte mit Brille auf.

Ich denke eher nicht dass Someone wegen seines speziellen Koerpers irgendwelche Probleme kriegt - es sei denn er moechte seine Geschichte jedem Ottonormal-Zhang auf der Strasse erzaehlen oder nackt durch die Strassen rennen..., dann koennte das uU etwas negativ ankommen. Fuer alles weitere, du bist ein Kerl & fertig ist.
Es gibt etliche chinesische Kerle auf der Strasse, die weiblicher aussehen als manch chinesische Frau :wink:
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von Someone »

Hallo Leute,

danke schon einmal für die zahlreichen Antworten!

Was Fragen wie "haben Sie eine Freundin?" und dergleichen betrifft, hatte ich eh nicht vor, da jedem direkt auf die Nase zu binden, dass mich das weibliche Geschlecht eher tertiär tangiert. Zumindest in Deutschland könnte ich aber mittlerweile jederzeit eine Frau heiraten, müsste also nicht auf etwas wie "eingetragene Partnerschaft" zurückgreifen.

@VielUnterwegs: Da ich in endokrinologischer Betreuung bin, ist da nichts mit "zu viel Östro und zu wenig Testo" - das ist alles im Normalbereich dank meiner Medikamente. Die müsste ich dann aber mit nach China nehmen, da mein Körper - unabhängig von den möglichen Operationen - lebenslang nicht in der Lage sein wird, genügend Testosteron zu produzieren. Zum Glück kenne ich einige andere Transmänner, die eine gescheite "Ausrede" mit ihrem Arzt gefunden haben, warum sie die Medikamente brauchen, so dass sich das sicher auch bei mir irgendwie drehen lässt, ohne dass ich mich outen muss. :)

@Taiyang: Mit der sinojapanischen Lesung kann ich meist eher weniger glänzen, da ich - Asche auf mein Haupt - ständig die "anderen" möglichen Lesungen beim Lernen vergesse und daher das nur intuitiv ab und an ohne bekanntes Vokabular richtig zuordne. Chinesisch zu lernen habe ich aber bereits angefangen: Aktuell lerne ich mit dem "Lex:tra"-Buch für A1/A2-Niveau und werde dann, sobald ich einen Grundstock habe, eine chinesische Kommilitonin fragen, ob sie mir helfen mag.

@blur: Ich möchte es eigentlich vermeiden, es dem Arbeitgeber zu sagen - habe aber einfach Angst, dass es vor Ort (z.B. bei der Untersuchung) herauskommt und es dann erst richtig Ärger hagelt. Deswegen habe ich mit dem Gedanken gespielt, es evtl. vorher zu sagen, aber andererseits stimmt es schon, dass ich damit sehr wahrscheinlich meine Chance verspiele ... ach Mann, alles kompliziert. :(

Wie schaut's mit Antworten auf meine anderen Fragen (Lebenshaltungskosten, Klamotten, MSN, Bücher, etc...) aus, um bei den "einfacheren" und im schlimmsten Fall schon fünfmal durchgekauten Themen wieder anzukommen?
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von blur »

Someone hat geschrieben: eigentlich vermeiden, es dem Arbeitgeber zu sagen - habe aber einfach Angst, dass es vor Ort (z.B. bei der Untersuchung) herauskommt und es dann erst richtig Ärger hagelt. Deswegen habe ich mit dem Gedanken gespielt, es evtl. vorher zu sagen, aber andererseits stimmt es schon, dass ich damit sehr wahrscheinlich meine Chance verspiele ... ach Mann, alles kompliziert. :(

Wie schaut's mit Antworten auf meine anderen Fragen (Lebenshaltungskosten, Klamotten, MSN, Bücher, etc...) aus, um bei den "einfacheren" und im schlimmsten Fall schon fünfmal durchgekauten Themen wieder anzukommen?
Der Arbeitgeber führt die Untersuchung nicht durch, kann es also eigentlich nicht rausfinden.
MSN wurde beantwortet, einen VPN Anbieter suchen und gut ist. Kleidung ist natürlich in erster Linie in kleineren Größen erhältlich, aber es gibt auch größere Chinesen die es schaffen sich einzukleiden, möglich ist es also was zu finden.
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von no1gizmo »

Someone hat geschrieben: @blur: Ich möchte es eigentlich vermeiden, es dem Arbeitgeber zu sagen - habe aber einfach Angst, dass es vor Ort (z.B. bei der Untersuchung) herauskommt und es dann erst richtig Ärger hagelt. Deswegen habe ich mit dem Gedanken gespielt, es evtl. vorher zu sagen, aber andererseits stimmt es schon, dass ich damit sehr wahrscheinlich meine Chance verspiele ... ach Mann, alles kompliziert. :(
Mit dem Risiko wirst du leben müssen, denn wie schon gesagt wurde: Mit einem Outing im Vorfeld wirst du alle Chancen verspielen. Da kannst du es gleich sein lassen..

Und was heißt "richtig Ärger hageln"? Er wird dich entlassen, basta. Wenn er dir eine Unterkunft gestellt hat, ist die auch weg. Mehr kann nicht passieren. Dass du immer Geld auf der hohen Kante haben musst, um dich im Hotel einquartieren zu können und dir ein Rückflugticket kaufen zu können ist doch klar und würde ich auch als nicht-transexuelle Person machen.
Someone hat geschrieben: Wie schaut's mit Antworten auf meine anderen Fragen (Lebenshaltungskosten, Klamotten, MSN, Bücher, etc...) aus, um bei den "einfacheren" und im schlimmsten Fall schon fünfmal durchgekauten Themen wieder anzukommen?
MSN funktioniert und ist nach QQ der beliebteste Chat-Messenger.
Klamottengrößen wie in Japan, es gibt aber immer irgendwo Sondergrößen z. B. auf Russenmärkten und und und. Wie es in Shaanxi ist, weiß ich nicht. War noch nie dort.

Shaanxi soll recht arm sein. Übrigens nur dass du im Vorfeld schon mal gewarnt wurdest: In China ist nicht so viel mit Sauberkeit, Hygiene und Ordnung wie in Japan. Mag sein, dass du da schon eine Vorstellung hast, aber stimm dich drauf ein, weil das bei vielen zum besonders starken Kulturschock führt. Etwas gegen Durchfall und Übelkeit solltest du in deine Reiseapotheke packen. Ansonsten 頑張ってください。
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von Taiyang »

Someone hat geschrieben: @blur: Ich möchte es eigentlich vermeiden, es dem Arbeitgeber zu sagen - habe aber einfach Angst, dass es vor Ort (z.B. bei der Untersuchung) herauskommt und es dann erst richtig Ärger hagelt. Deswegen habe ich mit dem Gedanken gespielt, es evtl. vorher zu sagen, aber andererseits stimmt es schon, dass ich damit sehr wahrscheinlich meine Chance verspiele ... ach Mann, alles kompliziert. :(
Aber es ist ja nicht so, dass du unter einem falschen Namen oder mit falschen Angaben einreist. Dein Pass sagt, du bist ein Mann, also bist du das auch. Mach das Gesundheitszeugnis in Deutschland (komplett), das brauchst du ja theoretisch eh um ein Z Visum zu kriegen. Normalerweise sollten sie dann in China nicht nochmal die ganze Prozedur machen (normalerweise...), und selbst wenn, mach dir nicht so viele Gedanken darum. Im schlimmsten Fall schicken sie dich eben wieder nach Hause.
Als Auslaender geniesst du in vielerlei Hinsicht eben noch diesen "Joker", wohingegen sie einen Chinesen sicherlich anders behandeln wuerden. Sofern du dir nicht andersweitig straffaellig auffaellst ist das alles kein Problem. Homo/Pan/wasauchimmer-Sexualitaet ist zwar immernoch nicht wirklich gesellschaftlich akzeptiert, aber in groesseren Staedten gibt es schon einige entsprechende Bars und Lokalitaeten. Wenn du allerdings in eine Provinz-Kleinstadt gehst, dann eher nicht; da waere ich mir auch bei der Offenheit deiner Mitmenschen diesem Thema gegenueber nicht so erwartungsfreudig. Da gilt immernoch, besser nicht auffallen.

Deinen Praktikumsverantwortlichen wuerde ich auch nichts erzaehlen, wozu auch, das interessiert die nicht & du musst dir den Aufenthalt damit nicht komplizierter machen, als es ist.
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von corneta »

Someone hat geschrieben:Funktionieren in China deutsche Chat-Plattformen und MSN? Skype, Twitter, Youtube und Facebook scheinen ja geblockt zu werden.
Also Skype geht. Blogen geht auch, hier ein Beispiel :Wenn du dich da ein bisschen einliest, erfährst du auch das ein oder andere über das Land.
Someone hat geschrieben:Es gibt - gefühlt - vier Milliarden Bücher über China, insbesondere Reiseratgeber und China-Knigges. Ein Lehrbuch für Chinesisch habe ich bereits, suche aber etwas über die Kultur und den Alltag in China. Könnt ihr mir da irgendein Werk besonders empfehlen?
Ich hab da schon ne ganze Reihe gelesen, aber ein richtig Gutes war nicht dabei. Es werden in allen mehr oder weniger gängige Klischees bedient. Was ich aber ganz lustig fand, war das Büchlein. Ich glaube, dass man sich da auch nicht verrückt machen lassen sollte. Sei offen und beobachte dein Umfeld, dann wird das schon. Chinesen sind zwar anders, aber vom Mars sind sie jetzt auch nicht :wink:
Someone hat geschrieben:Wie hoch muss man die Nebenkosten eigentlich schätzen? Bei umgerechnet 50€, 100€ oder mehr?
Was meinst du mit Nebenkosten? Strom, warm Wasser ect? Ich kenne nur die Preise von Shanghai, aber selbst da waren sie eher übersichtlich. Für Gas (warm Wasser und kochen) kauft man sowas wie Aufladekarten. Für Strom bekommt man eine Rechnung, die man in diversen Läden bezahlen kann. Wenn du da zusammen auf 100 RMB im Monat kommst, ist das schon viel. Die Sonne hat in Peking ähnliche Erfahrungen.

Wenn du wieder erwarten nichts zum anziehen in den Läden oder auf den Märkten findest, dann kann man auch für relativ wenig Geld zum Schneider. Und ganz ohne Klamotten wirst du sicher auch nicht losfliegen :wink: .
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von Chris8080 »

Um es kurz zu machen - das meiste wurde ja schon gesagt:

Witopia ist super als VPN Dienst. Hätte ich von Anfang an machen sollen.
Transsexuell: Das ist dir ja nicht auf die Stirn tätowiert? Sag einfach nichts.
Lebenshaltungskosten: Extrem niedrig (also 50€ / Monat bekommt man hin wenn man will - 5000€ gehen aber auch).
http://www.amazon.de/Lonely-planet-Spra ... 3829716850
Da lernt man ein wenig Kultur, Essen, Sprache und hat sehr viele Sachen drin die nützlich sind.
Medikamente: Immer wenn du etwas suchst musst du den Wirkstoff auf Latein suchen und damit in die Apo rennen. Besser noch auf chin. übersetzen. Erwarte 0 Englisch-Kompetenzen, dann kann nichts schief gehen.
Kurz: Besser das wichtigstes von D mitbringen ;)
Kleidung: Klein und rundlich gibt es hier viel - da solltest du fündig werden.
Im Großen und Ganzen: Mach dir weniger Gedanken.
Wenn du problemlos als Mann durchgehst, dann mach dich auf Saufgelage gefasst (also "Abendessen" mit deinem Chef und Kollegen oder so). Aber selbst wenn du so komisch bist wie ich und keinen Alkohol trinkst, wirst du durch kommen - findest dann nur keine "Freunde".
Aber das würde ich sowieso nicht erwarten (Sprachbarriere).
Ansonsten: Alles was in D problemlos durchgeht nach der sexuellen Revolution, bleibt in China am besten zu Hause. Also überlege dir auch eine Story die du immer gleich erzählst (Falls du 30 oder älter bist und keinen festen Lebenspartner hast ist das verwunderlich (wenn nicht sogar psychisch krank :P), aber es wird dich sicher niemand mit weiteren Fragen entblößen).
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Re: Fragen zum Alltag, Meinungsfreiheit, Diskriminierung, et

Beitrag von Linnea »

Someone hat geschrieben:Es gibt - gefühlt - vier Milliarden Bücher über China, insbesondere Reiseratgeber und China-Knigges. Ein Lehrbuch für Chinesisch habe ich bereits, suche aber etwas über die Kultur und den Alltag in China. Könnt ihr mir da irgendein Werk besonders empfehlen? :D
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