Wie wird man eigentlich...

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beowulf
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von beowulf »

blur hat geschrieben:Sind die Mitglieder denn nur Strafrechtlich geschützt oder auch Zivilrechtlich?
Warum gehts jetzt? Natürlich kann ein KP Mitglied ins Gefängnis kommen oder zivilrechtlich verklagt werden. Kommt auch häufig vor, da es ja viele "Karteileichen" gibt. Die Frage ist ob ein Ausschluss aus der KP mit einer strafrechtlichen Verurteilung Hand in Hand geht. Davon gehe ich aus, aber in China dürfte wie immer gelten, es kommt darauf an. Eine KP Mitgliedschaft impliziert mit Sicherheit nicht, dass man über den Gesetz steht. Nur weil die Partei de facto darüber steht, bedeutet es nicht, dass dies auch für die Mitglieder zutrifft.
blur
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von blur »

beowulf hat geschrieben:Warum gehts jetzt? Natürlich kann ein KP Mitglied ins Gefängnis kommen oder zivilrechtlich verklagt werden.
Genau darum ging es. z.B. eine Person wird von einem Parteimitglied angefahren. Strafrechtlich kann man hier in China vermutlich so oder so nichts machen, aber die Genesungskosten, evtl. auch Schmerzensgeld würde man auch von einem Parteimitglied bzw. dessen Versicherung bekommen. Hier gehen die Opfer dann nicht automatisch leer aus nur weil sie vom falschen angefahren wurden.
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serenita
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von serenita »

VielUnterwegs hat geschrieben: Wenn man 3 hat ist es nicht so leicht.

1.) 3 Kinder zu bekommen war in den 80igern nicht leicht. Ich kenne Frauen persoehnlich, die waehrend ihrer zweiten Schwangerschaft monatelang auf der Flucht waren, nie laenger als 1 Woche am selben Ort, um nicht zur Zwangsabtreibung geholt zu werden. Ich kenne Frauen die zur Zwangsabreibung geholt wurden auch persoehnlich.

2.) Um die illegalen Kinder dann mit einem Hukou zu versorgen oder die Schule zu bestechen damit sie ohne Hukou angenommen werden kostet schonmal einen Haufen Asche. Bei der Uni wird es dann erst so richtig teuer.
Ok. Damit sind wir aber bereits beim Thema "Familienpolitik"...Und weniger darum, ob und wie chinesische Eltern ihre Kinder zur Uni schicken.

Durch die Familienpolitik ist es schwierig bis unmöglich geworden, mehr als ein Kind legal zu bekommen. Allein mit der Geldstrafe ist es nicht getan. Eltern, die beispielsweise Beamten/ 公务员 sind, riskieren damit ihren sicheren Job. Auch die Praxis der Zwangsabtreibung in China ist bekanntlich nicht gerade zimperlich.

Um aber auf die ursprüngliche Frage zurück zu kommen, es ist nicht selten, dass chinesische Eltern trotz knapper Kasse ihre Kinder den Besuch der Hochschule zu ermöglichen. Weil, wie bereits erwähnt, dies der einzige Weg ist, sich von ihrem Ursprungsumfeld, das oft ländlich und perspektivearm ist, zu verabschieden. Dazu sagt man auch oft 鲤鱼跳龙门. Und jeder möchte der Karpfen sein, der die Hürde hinter sich bringt. Es gibt in diesem Zusammenhang nichts Vergleichbares in Deutschland, das man als Beispiel nennen könnte. Und viele dieser Eltern sind sogar einfache Bauer, deren gesamte Hoffnung auf ein besseres Leben eben auf diesen Hochschulbesuch setzen. Es sind oft herzzerreißende Schicksalsgeschichten, die sich dahinter verbergen. Die Freundin des Threaderöffners scheint aber aus einer deutlich besser situierten Familien zu stammen. Da aber inzwischen die chinesische Hochschulen ordentlich was kosten, erklärt noch einmal deutlich, welche Gewichtung ein Hochschulstudium einnimmt. Weshalb sie den Beruf ihrer Eltern verschweigt, da habe ich auch keine Ahnung.
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von blur »

serenita hat geschrieben:Die Freundin des Threaderöffners scheint aber aus einer deutlich besser situierten Familien zu stammen.
Das ist nur eine Vermutung meinerseits, da sie sonst keine 3 Kinder haben könnten und auch nicht alle studiert haben könnten wenne s nicht so wäre. Wenn man es als Bauernfamilie schafft ein Kind zur Uni zu schicken wäre das sicherlich schon eine Meisterleistung, aber bei dreien?
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Aremonus »

Warum gehts jetzt? Natürlich kann ein KP Mitglied ins Gefängnis kommen oder zivilrechtlich verklagt werden.
Erst nachdem ein Mitglied ausgeschlossen wurde. Implizit geht das bereits aus Artikel 40 der Parteistatuten hervor, da ein Mitglied der Partei ein solches nicht ohne Zustimmung der Disziplinarkommission bestrafen darf - auch nicht in seiner Funktion als Richter. Zudem müssen Kriminelle zwingend ausgeschlossen werden.

Explizit wurde dies so von Peng Zheng in seinem Bericht zu Handen des Nationalen Volkskongresses 1979 (BR1979, 28.11) so dargelegt, womit auch recht klar ist, wie Richter dies handhaben müssen.

Trotzdem ist es heute (im Gegensatz zu früher) eigentlich unüblich, dass kriminelle Vergehen die öffentlich bekannt werden nur durch parteiinterne Disziplinarmassnahmen und nicht auch durch strafrechtliche Massnahmen geahndet werden. Meist wird dies so gehandhabt, dass die Disziplinarmassnahme der Ausschluss ist und der Angeklagte dann dem Gericht vorgeführt werden kann.
Auch die Praxis der Zwangsabtreibung in China ist bekanntlich nicht gerade zimperlich.
Existiert die heute überhaupt noch? Ich kenn eigentlich viele Leute, die mehrere Kinder haben... soweit ich weiss, drohen, wie du geschrieben hast, nur den Parteioffiziellen Strafen, die über eine reine Geldzahlung herausgehen. Ein guter Grund für eine Geburtsreise nach Hongkong :) (wobei derzeit ein Gesetzesvorschlag in der Vernehmlassung ist, der so etwas verunmöglichen wird).
Wenn man es als Bauernfamilie schafft ein Kind zur Uni zu schicken wäre das sicherlich schon eine Meisterleistung, aber bei dreien?
Stipendien?
Ich kenn Fälle von armen Familien, wo es so zumindest bei zweien geklappt hat. Aber man muss 10 Jahre arbeiten, bis man sein Stipendium los ist.
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von serenita »

blur hat geschrieben:
Wenn man es als Bauernfamilie schafft ein Kind zur Uni zu schicken wäre das sicherlich schon eine Meisterleistung, aber bei dreien?
Zurecht die Frage, die Leidensfähigkeit oder auch -bereitschaft mancher Eltern in China ist schon erstaunlich...
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von serenita »

Aremonus hat geschrieben:
Auch die Praxis der Zwangsabtreibung in China ist bekanntlich nicht gerade zimperlich.
Existiert die heute überhaupt noch? Ich kenn eigentlich viele Leute, die mehrere Kinder haben... soweit ich weiss, drohen, wie du geschrieben hast, nur den Parteioffiziellen Strafen, die über eine reine Geldzahlung herausgehen. Ein guter Grund für eine Geburtsreise nach Hongkong :) (wobei derzeit ein Gesetzesvorschlag in der Vernehmlassung ist, der so etwas verunmöglichen wird).
Jaha, des ist noch sehr aktuell. Ein guter Freund von mir hat neulich erst gejammert, wie sehr er und seine Frau sich ein zweites Kind wünschen und dass dieser Wunsch nicht realisierbar ist, eben weil er Beamte ist.
Wenn man es als Bauernfamilie schafft ein Kind zur Uni zu schicken wäre das sicherlich schon eine Meisterleistung, aber bei dreien?
Aremonus hat geschrieben:Stipendien?
Ich kenn Fälle von armen Familien, wo es so zumindest bei zweien geklappt hat. Aber man muss 10 Jahre arbeiten, bis man sein Stipendium los ist.
Hm, Stipendien sind rar.
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Aremonus »

Jaha, des ist noch sehr aktuell. Ein guter Freund von mir hat neulich erst gejammert, wie sehr er und seine Frau sich ein zweites Kind wünschen und dass dieser Wunsch nicht realisierbar ist, eben weil er Beamte ist.
Es gibt zumindest in Beijing Agenturen, die dafür sorgen, dass seine Frau für c.a. 150.000 Yuan in die USA ziehen und dort das Kind gebähren könnte. Hongkong wäre billiger, aber da kann sie nicht so lange bleiben, d.h. es könnte vor der Geburt Probleme geben.
Er sollte sich möglichst schnell informieren und das Problem angehen - denn wenn die Gesetzesänderung in Kraft tritt, könnte es zu spät sein. Ich bin aber auch kein Experte auf dem Gebiet, daher sollten sie wirklich einen guten Anwalt suchen und das Problem professionell lösen.

Hier ein Artikel dazu: http://german.china.org.cn/culture/txt/ ... 405155.htm
Hm, Stipendien sind rar.

An den guten Unis gibts einige Studenten, die solche erhalten. Gerade die Studiengebühren werden einem recht schnell gestunded, sodass man sie erst nach Ende des Studiums bezahlen muss.
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Werner P. »

Aremonus hat geschrieben: Ich kenn eigentlich viele Leute, die mehrere Kinder haben...
So wie ich es mal verstanden habe greift die 1-Kind Politik auch nur, sofern ein Sohn geboren wurde.
Wahrscheinlich konnten sich die Leute die du kennst mehrere Kinder leisten oder die ersten Kinder waren alle Mädchen.
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AngelofMoon
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von AngelofMoon »

serenita hat geschrieben:Durch die Familienpolitik ist es schwierig bis unmöglich geworden, mehr als ein Kind legal zu bekommen.
Wenn Ihr das auf die Großstädte bezieht ja, aber die Landbevölkerung und Ethnische Minderheiten sind davon ausgenommen.
Sie können bis zu drei Kinder bekommen wenn die ersten beiden Mädchen sind.
Das hatten wir letztes Jahr bei einen Essen angesprochen, wo die Schüler die Lehrer zum Abschluss zum Essen eingeladen haben.
Ist das erste Kind ein Junge dann ist diese Regelung außer Kraft.
Konfuzius sprach: “Mach’ Dir keine Sorgen darüber, dass die Menschen Dich nicht kennen, sondern darüber, dass Du sie nicht kennst.”
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Aremonus »

Wahrscheinlich konnten sich die Leute die du kennst mehrere Kinder leisten oder die ersten Kinder waren alle Mädchen.
Ersteres war der Fall.
Die Sohn-Regelung gilt glaub ich nur für Bauern...
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von serenita »

AngelofMoon hat geschrieben:
serenita hat geschrieben:Durch die Familienpolitik ist es schwierig bis unmöglich geworden, mehr als ein Kind legal zu bekommen.
Wenn Ihr das auf die Großstädte bezieht ja, aber die Landbevölkerung und Ethnische Minderheiten sind davon ausgenommen.
Sie können bis zu drei Kinder bekommen wenn die ersten beiden Mädchen sind.
Und Menschen mit Doktortitel dürfen mehr als ein Kind bekommen. Das mit der Landbevölkerung bin ich mir nicht sicher, ob da nicht bestimmte Einschränkungen doch gibt. Denn ich weiß von Fällen, wo die empfindliche Strafe zahlen mussten.
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von blur »

Mir hatte eine Bäuerin mal erzählt das sie zwei Kinder haben durfte, beides sind Jungen. Kann natürlich sein das dann nur eines zur Schule durfte.
Lassen wir das spekulieren, die Infos über die Partei habe ich bekommen, zumindest ist sie kein schlechterer Mensch nur weil sie da Mitglied ist.
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Darf's vielleicht noch ein Kind mehr sein?

Beitrag von Laogai »

Ist zwar weiterhin weg vom Thema (sorry, blur!), aber dennoch:
AngelofMoon hat geschrieben:
serenita hat geschrieben:Durch die Familienpolitik ist es schwierig bis unmöglich geworden, mehr als ein Kind legal zu bekommen.
Wenn Ihr das auf die Großstädte bezieht ja, aber die Landbevölkerung und Ethnische Minderheiten sind davon ausgenommen.
Sie können bis zu drei Kinder bekommen wenn die ersten beiden Mädchen sind.
Das hatten wir letztes Jahr bei einen Essen angesprochen, wo die Schüler die Lehrer zum Abschluss zum Essen eingeladen haben.
Ist das erste Kind ein Junge dann ist diese Regelung außer Kraft.
Die Ein-Kind-Politik wird teilweise von Region zu Region unterschiedlich gehandhabt. So stimmt es zum Beispiel nicht, dass die Nationalen Minderheiten generell davon ausgenommen sind. Zum einen ist das von Minderheit zu Minderheit unterschiedlich geregelt, aber auch innerhalb einer Minderheit kann es Unterschiede geben und ist dann z.B. Abhängig davon, wo man seinen Hukou hat (Stadt oder Land).

In manchen -überwiegend ländlichen- Regionen darf man nochmal in den Kreissaal, wenn das erste Kind "nur" ein Mädchen war. In manchen -überwiegend städtischen- Regionen dürfen Ehepaare, die selbst gesetzbedingte single kids sind, zwei Kinder in die Welt setzen.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Ein-Kind-Politik erst 1979 eingeführt wurde und anfangs nicht so streng umgesetzt wurde wie viele Jahre später, nämlich Anfang der 1990er Jahre. Von daher ist es nicht ungewöhnlich oder eine große Ausnahme, wenn ein heute 25-jähriger Chinese (♀ wie ♂) Geschwister hat. Bei den <20-jährigen ist das schon seltener.

Weblink: Die Bevölkerungsexplosion in China im 20. Jahrhundert (chinaweb.de)
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Re: Wie wird man eigentlich...

Beitrag von Sepel »

Hat es eigentlich irgendwelche Auswirkungen/Vorteile, wenn man Mitglied in einer anderen erlaubten Partei als der KP ist?
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