Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

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Aremonus
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von Aremonus »

Unklar ist mir, warum der Angeklagte in der Pflicht ist, was zu beweisen und nicht der Kläger. Vielleicht liegt es an den unterschiedlichen Rechtssystemen? Ich weiß es nicht so genau.
In China gilt das römische Recht und der Rechtsgrundsatz in dubio pro reo. Demnach sollte bei Strafprozessen die Beweislast beim Staat liegen (also der Beweisst für die Schuld des Angeklagten erbracht werden müssen), nicht umgekehrt. Es kann natürlich schon auch sein, dass hier in gewissen Fällen eine Spezialregelung herrscht...

Was aber die meisten Abschrecken dürfte, ist nicht eine mögliche Gefängnisstrafe. Dank Kameras und so ist der Beweis der Unschuld ja heute auch denkbar einfach zu erbringen - ich würde das Risiko auf mich nehmen.

Das grössere Problem ist der zivilrechtliche Aspekt. Als Westler ist man, wie bereits beschrieben, in einer komfortableren Lage als der Durchschnittschinese und riskiert im schlimmsten Fall empflindliche Geldzahlungen (was natürlich unschön ist, aber durchaus das Retten eines Menschenlebens wert ist).
Als Chinese droht einem jedoch der Privatkonkurs, wenn man plötzlich ein paar hunderttausend Yuan bezahlen muss. Und einfach ins Ausland abhauen kann man da auch nicht.
Somit riskiert ein Chinese quasi das Wohl seiner ganzen Familie, wenn er eine helfende Hand reicht. Das braucht schon sehr viel Grösse, um da zu reagieren. Ich wüsste wie gesagt nicht, ob ich wenn ich ein Chinese wäre den Mut hätte, einem Unfallopfer zu helfen, wenn ich damit riskiere, das Schulgeld meiner Kinder und das Geld für die Krankenversorgung meiner Eltern zu verlieren.

Grundsätzlich glaube ich kaum, dass hier ein Unterschied zwischen den Völkern besteht - der einzige Unterschied besteht in der jeweiligen Situation der Individuen. Daher würde ich nicht von einer kranken Gesellschaft, sondern von einem kranken politischen System in China sprechen.
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
Geist

Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von Geist »

Puh, das Video habe ich jetzt zum allerersten Mal gesehen bzw. überhaupt davon gehört. Da dreht sich einem wirklich der Magen um und man zweifelt wieder einmal am Wesen einiger / vieler Menschen. Ich bin bei aller Liebe nicht Stolz darauf solche Menschen (es gab solche Vorfälle schon zu genüge - teils auch gestellt um die Reaktionen der Menschen zu prüfen) Artgenossen zu nennen, weiß aber das es noch genügend gibt, die trotz empfindlicher Zahlungen an div. Kassen oder anderweitiger Kosten, hier eine helfende Hand reichen würden.

Fast schlimmer wären dann solche, die daneben stehen und gaffen und sich ggf. noch am Leid der anderen erfreuen. Wut, Verzweiflung, Verwunderung und teils Hass die sich da auf einem Schlag in einem zusammenfinden.

Wie schrieb Thomas Gray doch noch: "Where ignorance is bliss, 'tis folly to be wise". Oh wie Recht er doch hat!

Gruß
Geist
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von otternase »

no1gizmo hat geschrieben:oder hier: http://www.youtube.com/watch?v=AuvCsYQe ... re=related
wobei dieser dritte Test nicht ganz vergleichbar ist. Wie schon an anderer Stelle diskutiert, in die Streitigkeiten eines Paares würde ich mich, auch wenn sie handgreiflich werden, nicht einmischen, höchstens die Polizei rufen, wenn ich den Eindruck habe, dies sei erforderlich.
Ich finde, dieser Test passt nicht zu den anderen beiden Tests und auch nicht zu dem hier besprochenen Fall...
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Laogai
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Moralvorstellungen

Beitrag von Laogai »

sanctus hat geschrieben:Unsere Gesellschaft hat auch ihre Probleme, ueber die die Chinesen auch den Kopf schuetteln koennten. Ein paar Stichpunkte dazu:
-Jugendliche die in U-Bahnen wahllos Leute krankenhausreif- oder auch schonmal tot schlagen mit dem Motiv: "Mir war einfach danach"
-Vergewaltigung von Kindern mit anschliessendem Mord
Die Beispiele finde ich nicht besonders gut gelungen für -wie soll ich sagen?- kulturelle Unterschiede, denn über Schlägereien in der U-Bahn und Kinderschändung schütteln auch die meisten Deutschen den Kopf.
Ich schlage dieses vor: Chinesen schütteln heftigst den Kopf und können nicht verstehen, wenn Deutsche bzw. Westler sich nicht ein Bein ausreißen und das letzte Hemd verpfänden, um die eigenen Eltern im Alter zu versorgen.

Das nur als Beispiel und es soll keineswegs eine Rechtfertigung dafür sein, was in Foshan passiert ist; das ist meiner Meinung nach nicht zu rechtfertigen!
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von serenita »

no1gizmo hat geschrieben: [Die Videos kannst Du serenita dir ruhig anschauen, sind nicht grausam, sondern nur Tests. Allerdings solltest du dir auch das Video aus China anschauen, denn die Augen vor der Wahrheit zu verschließen vermittelt auch kein realistisches Weltbild]
Danke für die Empfehlungen.
Ich verschließe mir nicht die Augen, im Gegenteil. Mir reicht es zu wissen, dass es passiert ist. Für mich selbst reicht allein die Überschrift, was das Kleinkind angeht. Als ich noch selbst kein Kind hatte, konnte ich mir ähnliches Bildmaterial noch angucken, inzwischen geht es nicht mehr. Wirkt einfach zu nah.
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von serenita »

Aremonus hat geschrieben: Daher würde ich nicht von einer kranken Gesellschaft, sondern von einem kranken politischen System in China sprechen.
Und ein rechtliches System, das nicht funktioniert.
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von Laogai »

serenita hat geschrieben:
Aremonus hat geschrieben: Daher würde ich nicht von einer kranken Gesellschaft, sondern von einem kranken politischen System in China sprechen.
Und ein rechtliches System, das nicht funktioniert.
Mir fällt es ziemlich schwer dieses dem politischen oder rechtlichen System in China vorzuwerfen. Die chinesische Gesellschaft war noch nie durchdrungen vom Samariter-Gedanken, egal welches politische oder rechtliche System in der Geschichte gerade vorgeherrscht hat.
Schwer fällt mir aber auch das mit "krank" zu bezeichnen.
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von no1gizmo »

laogai hat geschrieben:Die chinesische Gesellschaft war noch nie durchdrungen vom Samariter-Gedanken, egal welches politische oder rechtliche System in der Geschichte gerade vorgeherrscht hat.
Ehrlich gesagt, denke ich das zum Teil doch auch. Irgendwie kam mir schon öfter die Botschaft "lass mal, Chinesen gibt es doch genug"* rüber (von Chinesen wohlgemerkt!). Das gilt natürlich nicht, wenn Chinesen im Ausland bzw. durch Ausländer umkamen, dann scheint es aber auch eher um den Nationalstolz zu gehen, als um die Opfer.


*Dieser Satz soll ja schon öfter soagr wortwörtlich gefallen sein.
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von arrow »

:shock:
Hab mir das Video jetzt auch angeschaut. Das Verhalten der Passanten ist ja ausserhalb aller sozialen Normen.
Ich kann nicht nachvollziehen, dass keiner geholfen hat. Es ist auch nicht damit zu erklären, dass der Helfende zur Verantwortung gezogen wird, denn es ist ja eindeutig zu sehen, dass das Kind überfahren wurde.
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von ItsmeSusan »

Ich bin eigentlich jeden Tag erschrocken über den chinesischen Straßenverkehr in Guilin; ich bin nahezu täglich mit dem Rad unterwegs, sowohl im Stadtzentrum als auch außerhalb des Stadtgebiets.

Schon zig Male habe ich nach Erklärungsversuchen für die Verhaltensweisen der Verkehrsteilnehmer gesucht. Ich denke, Menschen die erst seit wenigen Jahren als Privatmenschen Autos besitzen dürfen, Städte in denen es seit wenigen Jahren Kreuzungen mit Ampelanlagen gibt, da bricht Chaos aus. Gerade noch mit dem Büffel auf dem Feld, nun im Auto mit tausenden anderen Autofahreren im Straßenverkehr. Rücksicht, das Einhalten von Verkehrsregeln, vorausschauendes Fahren, Vorsicht. Das sind hier Fremdwörter. Das Denken ist auf das eigenen Vorankommen und Überleben beschränkt.


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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von HK_Yan »

sanctus hat geschrieben:-Jugendliche die in U-Bahnen wahllos Leute krankenhausreif- oder auch schonmal tot schlagen mit dem Motiv: "Mir war einfach danach"
Andere Länder. Andere Probleme. Diese grundlose Zerstörungswut gibt es in China (noch) nicht.
sanctus hat geschrieben:-Vergewaltigung von Kindern mit anschliessendem Mord
Triebtaten gibt es in China genauso. Es wird nur kaum davon berichtet. Wurde vor 40 Jahren in DE auch kaum.
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von Luntan »

Und das ist inzwischen geschehen:

Chen Xianmei , the rubbish scavenger who came to the aid of a two-year-old girl who was run over by two vehicles and ignored by more than a dozen passers-by in Foshan , Guangdong, on Thursday, has been awarded 20,000 yuan (HK$24,000) by local governments.
South China Morning Post, 19.10. 2011

Und so wird in Chinesischen Medien darüber berichtet:
http://www.chinadaily.com.cn/china/2011 ... 928968.htm

http://news.163.com/11/1019/03/7GMR89G500014AED.html
30'000 Leserkommentare bis jetzt...
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von VielUnterwegs »

Es ist aber auch ignorant, zu sagen die Menschen sind ueberall gleich und es kann nicht an der chinesischen Kultur oder Mentalitaet liegen. Es geht in China generell respektlos und ruecksichtslos zu, ausser die beteiligten befinden sich irgendwie in einer persoehnlichen Beziehung (direkt oder indirekt). Man schaue sich nur das Gedraengel und Geschubse vor jeder U-Bahn und jedem Bus an. Da dreht sich ein Rentner langsam um um sich hinzusetzen, da springt noch schnell jemand vor ihm auf dem Sitz. Oder auch heute wieder in der Firma. Man steht vor der Mikrowelle, oeffnet gerade die Pizzaschachtel waehrend das Essen des Vorgaengers fast fertig ist, sprich die Mikrowelle noch so 10s auf der Uhr hat. Da sprintet irgendeine Tussi die auch hier arbeitet an, reisst die noch laufende Mikrowelle auf, schmeisst das Essen das drin war davor, schmeisst ihr Essen rein und laeuft weg. Das ganze noch ohne denjenigen der offensichtlich als naechstes dran war auch nur anzuschauen. (Natuerlich schuetteln alle mit anwesenden Westler nur den Kopf und fragen sich wo sie hier eigentlich gelandet sind.) Solche Dinge, wie man sie in china jeden Tag hundertfach beobachten kann, sagen schon etwas darueber aus wo beim durchschnittlichen Chinesen die Mitmenschen eingeeordnet werden, naemlich ganz unten.
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von Andy_yi »

VielUnterwegs hat geschrieben:Da dreht sich ein Rentner langsam um um sich hinzusetzen, da springt noch schnell jemand vor ihm auf dem Sitz.
Daran sieht man das es wohl nicht 'die chinesische Kultur und Mentalität' gibt. Ich habe nämlich in diesem Punkt genau gegenteilige Erfahrungen gemacht, dass jugendliche noch Platz in den Bussen und U-Bahnen für ältere Menschen und Schwangere Frauen machen. In Shenzhen ist das beispielsweise selbstverständlich. In Wuhan ist mir das erstmals aufgefallen. Da war ich positiv überrascht und hab mir nur gedacht, 'so etwas' müsste es in Deutschland auch geben'. Hier wird ja statt kommentarlosen aufstehen bei nachfragen wahrscheinlich sogar noch Schläge angedroht...
VielUnterwegs hat geschrieben: Man schaue sich nur das Gedraengel und Geschubse vor jeder U-Bahn und jedem Bus an.
Ja das geht einem wirklich auf den Keks. Da gebe ich dir Recht.
Da haben die chinesischen irgendwie so einen Urtrieb, ich hatte in irgendeinem Buch mal eine interessante These gelesen woher das kommt. Da muss ich noch mal nachschlagen 8) ...
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Re: Kleinkind zweimal überfahren und liegengelassen

Beitrag von Capt. »

ItsmeSusan hat geschrieben:Ich bin eigentlich jeden Tag erschrocken über den chinesischen Straßenverkehr in Guilin; ich bin nahezu täglich mit dem Rad unterwegs, sowohl im Stadtzentrum als auch außerhalb des Stadtgebiets.

Schon zig Male habe ich nach Erklärungsversuchen für die Verhaltensweisen der Verkehrsteilnehmer gesucht. Ich denke, Menschen die erst seit wenigen Jahren als Privatmenschen Autos besitzen dürfen, Städte in denen es seit wenigen Jahren Kreuzungen mit Ampelanlagen gibt, da bricht Chaos aus. Gerade noch mit dem Büffel auf dem Feld, nun im Auto mit tausenden anderen Autofahreren im Straßenverkehr. Rücksicht, das Einhalten von Verkehrsregeln, vorausschauendes Fahren, Vorsicht. Das sind hier Fremdwörter. Das Denken ist auf das eigenen Vorankommen und Überleben beschränkt.


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