noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.
darjeeling
Forumsprofi
Forumsprofi
Beiträge: 236
Registriert: 09.04.2009, 14:55
Wohnort: Hangzhou - 老余杭

noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von darjeeling »

Hallo,

bin mir nicht sicher ob es den Beitrag schon gab, auf jeden Fall habe ich nichts dazu gefunden.

Stimmt es wirklich, dass viele Chinesinnen nach der Geburt mindestens einen Monat im Bett ruhen und nur für das Nötigste aufstehen ?? Gehe davon aus, dass währenddessen die Oma auf Kind und Haushalt aufpassen. .... Gibt es dazu vielleicht irgendwelche Erfahrungen von Forenmitgliedern die dies miterlebt haben ?? Mir fehlt dazu auch etwas der Standpunkt, ob es nun eine etwas veraltete Tradition ist oder wirklich für die Genesung der Mutter sinnvoll ist.

LG,
darjeeling
Benutzeravatar
ingo_001
Titan
Titan
Beiträge: 12205
Registriert: 02.09.2008, 14:41
Wohnort: Berlin
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 21 Mal

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von ingo_001 »

darjeeling hat geschrieben:Gibt es dazu vielleicht irgendwelche Erfahrungen von Forenmitgliedern die dies miterlebt haben ?? Mir fehlt dazu auch etwas der Standpunkt, ob es nun eine etwas veraltete Tradition ist oder wirklich für die Genesung der Mutter sinnvoll ist.
Das läuft unter chin. Traditition und hat (objektiv) nichts mit einer schnelleren Genesung zu tun.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.
Benutzeravatar
Babs
VIP
VIP
Beiträge: 2237
Registriert: 14.06.2005, 09:48
Wohnort: OA

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von Babs »

Hier hatten wir das Thema schon mal und hier wurde es kurz gestreift.
darjeeling
Forumsprofi
Forumsprofi
Beiträge: 236
Registriert: 09.04.2009, 14:55
Wohnort: Hangzhou - 老余杭

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von darjeeling »

Danke für die Info und Entschuldigung für mein Unwissen.

...zum Glück haben wir ja unsere VIP Korinthenkacker !
otternase
VIP
VIP
Beiträge: 1506
Registriert: 06.02.2007, 15:53
Hat sich bedankt: 34 Mal
Danksagung erhalten: 29 Mal

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von otternase »

a) ist in der Tat Tradition

b) früher war diese Tradition auch durchaus sinnvoll, zum Teil in ärmeren Regionen auch heute noch. Da der Körper der Frau durch die Geburt geschwächt ist, wäre es sicher nicht sinnvoll, Belastungen einzugehen wie Waschen in bestenfalls mäßig erwärmtem Wasser, in ungeheizten Räumen, unabgekochtes Wasser trinken, ggf. sogar Arbeit auf dem Feld...

c) diese Tradition wird von nicht wenigen ziemlich stur verfolgt, ohne über Sinn oder Unsinn nachzudenken, ich kenne Mütter, die vier Wochen streng Bettruhe gemacht haben und sich nicht gewaschen haben, dann aber pünktlich am ersten Tag nach diesen vier Wochen wieder Vollzeit zur Arbeit (in dem Fall in einer Näherei) gegangen sind... Dass am 30. Tag nach der Entbindung Waschen hochgefährlich, am 31. Tag aber körperlich anstrengende Arbeit den ganzen Tag völlig OK ist, kann man wohl nicht erklären, sondern nur als Aberglauben betrachten...

d) bei heutigen Umständen (sauberes Wasser, geheizte Räume) ist die Gefahr einer verzögerten Erholung durch mangelnde Bewegung, durch Nicht-Waschen nach der Entbindung weitaus höher zu werten als die oben angeführten Gefahren, heute ist diese Tradition also eher gesundheitsschädlich als gesundheitsförderlich; aber bis dies als Erkenntnis durchdringen wird, dürften noch einige Generationen vergehen, bis dahin wird es stur als "chinese tradition" durchgezogen...
Bernhard
VIP
VIP
Beiträge: 2459
Registriert: 17.01.2009, 23:34

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von Bernhard »

Manche Chinesinnen behaupten ja, die Frau merke tatsächlich den Unterschied, ob sie nach der Geburt einen Monat Bettruhe hält oder nicht. Wenn sie diese einhalte, sei sie danach wesentlich kräftiger und gesünder. Wenn sie schnell wieder arbeite, könnten chronische gesundheitliche Schwierigkeiten auftreten. In diesem Zusammenhang wird auch behauptet, dass das vor allem für asiatische Frauen gelte, weil diese naturgemäß schwächer seien als westliche.

Ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll...
Benutzeravatar
serenita
VIP
VIP
Beiträge: 1664
Registriert: 18.09.2006, 01:11

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von serenita »

darjeeling hat geschrieben:Danke für die Info und Entschuldigung für mein Unwissen.

...zum Glück haben wir ja unsere VIP Korinthenkacker !
Was bist Du so aggressiv?! Nur weil man Deine Frage beantwortet hat?
我是四川人。
Benutzeravatar
Natal
Forumsprofi
Forumsprofi
Beiträge: 242
Registriert: 02.11.2009, 20:44
Wohnort: Gräfenhainichen

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von Natal »

Das mit der ruhe und sehr wenig bewegung macht meine frau schon seit sie schwanger ist :lol: ---aber zumindest steht sie morgens ( spät ) auf.......

Den monat im bett gab es früher auch in europa , zumindest für die reichen leute , da blieb man auch einen monat im bett wegen der gesundheit , so man es sich leisten konnte und die entsprechende bedienung hatte . Das ganze ist eine auf erfahrung beruhende tradition , die sich sicher lange bewährt hat .
Heute werden die jungen mütter im krankenhaus schon sehr zeit aus dem bett geholt .

Welche variante nun die bessere ist , muß wohl jeder selbst entscheiden . Chinesinnen tendieren da wohl eher zur 1.variante und Deutsche vielleicht eher zur 2. variante .
Wobei , wenn die geburt in einem deutschen krankenhaus ist - es sich wohl erübrigt , was da wird ... :wink:
Benutzeravatar
punisher2008
VIP
VIP
Beiträge: 4932
Registriert: 26.07.2008, 12:35
Hat sich bedankt: 108 Mal
Danksagung erhalten: 28 Mal

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von punisher2008 »

darjeeling hat geschrieben:Gibt es dazu vielleicht irgendwelche Erfahrungen von Forenmitgliedern die dies miterlebt haben ?? Mir fehlt dazu auch etwas der Standpunkt, ob es nun eine etwas veraltete Tradition ist oder wirklich für die Genesung der Mutter sinnvoll ist.
Bei uns war es so, dass meine Frau das ganze so halb mitmachte, zwar meist ausruhte aber nicht so extrem "wasserscheu" war wie vielleicht manche Chinesinnen. Ich war mal bei Bekannten in Taipei, und da hatte die Frau gerade ein Baby bekommen. Da erfuhr ich zum ersten Mal, dass die sich dort wirklich einen ganzen Monat nicht waschen. Und das war im Hochsommer! Ich bin zwar kein Arzt, aber was daran gesund sein soll, kann ich mir nicht vorstellen. Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass schlechte hygienische Zustände sich eher negativ auswirken. Ich halte diese Sitte für Aberglauben. In China nennen sie sie übrigens 坐月子.
Bei der Geburt unseres Sohnes waren wir im kalten München. Meine Frau blieb zwar den Monat meist zuhause, aber ich konnte sie überreden, wenigsten zu Familienbesuchen mit uns mitzufahren (es war in der Weihnachtszeit). In Deutschland ist das sowieso anders, Wohnungen und Autos sind alle geheizt, und man hat immer warmes Wasser zum duschen.
otternase hat geschrieben: d) bei heutigen Umständen (sauberes Wasser, geheizte Räume) ist die Gefahr einer verzögerten Erholung durch mangelnde Bewegung, durch Nicht-Waschen nach der Entbindung weitaus höher zu werten als die oben angeführten Gefahren, heute ist diese Tradition also eher gesundheitsschädlich als gesundheitsförderlich; aber bis dies als Erkenntnis durchdringen wird, dürften noch einige Generationen vergehen, bis dahin wird es stur als "chinese tradition" durchgezogen...
Sehe ich genau so. Manche Sitten (oder besser Unsitten) halten sich hartnäckig, ohne dass jemand darüber nachdenkt, ob sie sinnvoll sind. :roll:
Ich finde, gerade im Süden und vor allem in Guangdong, ist man ganz besonders abergläubisch. Aber sich einen Monat nicht zu waschen ist noch längst nicht das schlimmste: :shock:
http://www.asiaone.com/Health/Women%252 ... 64167.html
Benutzeravatar
arrow
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 679
Registriert: 17.03.2010, 19:01
Wohnort: Schweiz

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von arrow »

punisher2008 hat geschrieben: Ich finde, gerade im Süden und vor allem in Guangdong, ist man ganz besonders abergläubisch. Aber sich einen Monat nicht zu waschen ist noch längst nicht das schlimmste: :shock:
http://www.asiaone.com/Health/Women%252 ... 64167.html
Das ist ja schon fast Kanibalismus..... :shock:
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null.... und das nennen sie ihren Standpunkt.
Benutzeravatar
punisher2008
VIP
VIP
Beiträge: 4932
Registriert: 26.07.2008, 12:35
Hat sich bedankt: 108 Mal
Danksagung erhalten: 28 Mal

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von punisher2008 »

arrow hat geschrieben:Das ist ja schon fast Kanibalismus..... :shock:
Nicht nur fast, für mich ist das Kannibalismus. ABER, es kommt noch schlimmer: :shock: :evil: :cry:

http://www.trosch.org/lif/baby-eat.html
http://www.abortiontv.com/Glitch/Aborte ... thFood.htm
http://www.weirdasianews.com/2007/04/02 ... or-health/

Nicht dass ich alles im Internet glaube. Es ist für den Laien sicher schwer nachprüfbar, aber zu dem Thema gibt es genug Quellen, oben sind nur einige wenige. Irgendwo müssen die ja herkommen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles nur "China bashing" sein soll. Wäre mir lieber wenn es so wäre. :(
Zumindest das mit Placentas hat mir eine bekannte Ärztin bestätigt. Und wenn man weiß, wie fanatisch in China alles gegessen wird, was man irgendwie für "gesund" oder potenzsteigernd hält (wie bedrohte Tierarten), ist es gar nicht so undenkbar, dass manche noch einen Schritt weiter gehen. Wer Geld oder entsprechende Beziehungen hat und sich einen gesundheitlichen Nutzen erhofft, wird es in China nicht schwer haben, solche Perversionen zu befriedigen. Dagegen finde ich ehrlich gesagt Organhandel noch harmlos. :?
Bernhard
VIP
VIP
Beiträge: 2459
Registriert: 17.01.2009, 23:34

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von Bernhard »

punisher2008 hat geschrieben: Nicht nur fast, für mich ist das Kannibalismus. ABER, es kommt noch schlimmer: :shock: :evil: :cry:
........
Na ja, die Plazenta ist ein Organ, das den Fötus mit dem Körper der Mutter verbindet. Es ist kein eigenständiges menschliches Wesen. Von "Kannibalismus" kann daher keine Rede sein. Auch eine Deutsche hat mal wärmstens empfohlen, nach der Entbindung aus der Plazenta "Kügelchen" (so wie in der Homöopathie verwendet) machen zu lassen. Die sollen dem Baby bei Blähungen helfen.

Dass Chinesen (vor allem in Guangdong) Föten essen, ist ebenso oft propagiert wie bestritten worden. Auch Chinesen haben mir gegenüber das sowohl bestätigt als auch heftigst abgestritten. Ich belasse es einfach dabei und vertiefe das nicht weiter. Was ich moralisch davon halte, dürfte klar sein...

Aber das ist jetzt sowieso reichlich OT.
Benutzeravatar
punisher2008
VIP
VIP
Beiträge: 4932
Registriert: 26.07.2008, 12:35
Hat sich bedankt: 108 Mal
Danksagung erhalten: 28 Mal

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von punisher2008 »

Bernhard hat geschrieben: Na ja, die Plazenta ist ein Organ, das den Fötus mit dem Körper der Mutter verbindet. Es ist kein eigenständiges menschliches Wesen. Von "Kannibalismus" kann daher keine Rede sein.
Aber grundsätzlich ist es dasselbe. Genauso gut könnte man argumentieren, dass eine menschliche Hand oder ein Organ auch kein eigenständiges Lebewesen ist, und man sie daher essen kann. Ich sehe da vom Prinzip her keinen Unterschied. Ob man ein ganzes Lebewesen isst, oder einen Teil davon, ist hier eigentlich nicht entscheidend. Definitionsgemäß fällt auch das unter Kannibalismus. Zitat aus Wikipedia:
Als Kannibalismus wird das Verzehren von Artgenossen oder Teilen derselben bezeichnet. Insbesondere versteht man darunter den Verzehr von Menschenfleisch durch Menschen (Anthropophagie). In fast allen menschlichen Gesellschaften ist Kannibalismus mit einem Nahrungstabu belegt.
Aremonus
VIP
VIP
Beiträge: 2214
Registriert: 07.03.2007, 14:45
Wohnort: Basel / Chengdu

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von Aremonus »

Naja, vielleicht heisst es ja deswegen auch Mutterkuchen...

Wird die Plazenta nach der Geburt gegessen, kann man ja eigentlich nicht mehr von Kannibalismus sprechen, weil die Plazenta ja vom Körper ausgeschieden wird. Es geht also eher um das Verspeisen von Ausscheidungen. Widerlich ist es trotzdem...
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
Benutzeravatar
Grufti
Titan
Titan
Beiträge: 24874
Registriert: 30.09.2004, 22:25
Hat sich bedankt: 21 Mal
Danksagung erhalten: 52 Mal

Re: noch eine Frage zu chinesischen Müttern

Beitrag von Grufti »

Meine Ex hätte es 1 Monat im Bett garnicht ausgehalten.. Die Placenta hatte sie auch nicht gegessen, da ich, der ich bei der Geburt meines Sohnes anwesend war und ihn früher als seine Mutter in den Armen gehabt hatte, es -- soweit ich mich erinnern kann -- nicht gesehen hatte. Ich glaube, "Rechts der Isar" hätten die Leute auch was dagegen gehabt.. :roll: :lol:


aber das muß ja nicht representativ sein, denn die Mutter meines Sohnes stammt ja aus Taiwan...

und da weiß man ja nicht sooo genau, ob die "Fengsu xiguan" .. und der Rest mit "China" was zu tun hat... 8)
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste