Inflation

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mandarine
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Inflation

Beitrag von mandarine »

Hallo!

Im Oktober letzten Jahres stig die Inflation um 4,4% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres und bracheinen 25-Monats-Rekord. Die Preise der Nahrungsmittel stiegen sogar um 10,1%.
Shanghai ist von der Inflation so beschädigt, dass die Menschen nach Hongkong fahren, um sich mit Nahrungsmitteln wie Milch oder Eiern zu versorgen.
Meiner Meinung nach war diese Situation abzusehen und die Regierung kannden Yuan das künstliche, niedrige Niveau nicht ewig halten.
Welche Meinung habt Ihr zu dieser Entwicklung und was denkt Ihr, welche wirtschaftliche Zukunft das Land hat?

Lieben Gruß
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happyfuture
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Re: Inflation

Beitrag von happyfuture »

mandarine hat geschrieben:Shanghai ist von der Inflation so beschädigt, dass die Menschen nach Hongkong fahren, um sich mit Nahrungsmitteln wie Milch oder Eiern zu versorgen.
und diese Milch / Eier sind dann unterm Strich günstiger in HK? :P
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SimonSayz
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Re: Inflation

Beitrag von SimonSayz »

[Kein Text]

Simon, ist gerne 1.200km unterwegs um Milch und Eier billiger einzukaufen
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i18n
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Re: Inflation

Beitrag von i18n »

Interessant. Woher hast Du denn die Zahlen? Sicher gibt es eine Inflation in China, spürbar (ich lebe seit sieben Jahren hier, man merkt es deutlich). Aber, daß es in Hongkong billiger sein soll, glaube ich kaum. Und, wie SimonSayz schon sagt, dann noch die Flugkosten? Zweifelhaft, diese Deine Meldung.
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Topas
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Re: Inflation

Beitrag von Topas »

SimonSayz hat geschrieben:[Kein Text]

Simon, ist gerne 1.200km unterwegs um Milch und Eier billiger einzukaufen

...jaja, solltest demnächst etwas mehr Inhalt bringen :mrgreen:

Und: Wo färst du denn so hin ? Auch in die Ukraine ? oder nach Spanien ? 8)
Topas grüsst recht herzlich WHSAP
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Re: Inflation

Beitrag von Aremonus »

Die Inflation war offensichtlich schon Markant. Die Zahlen sind korrekt und fielen für den November noch höher aus (über 5 Prozent) - siehe NBS. Wenn man den KPI noch an die heutigen Gegebenheiten anpasst, liegt die Inflation sogar noch höher.

Meine Meinung dazu? Meine Meinung ist, dass wenn man soviel Geld druckt wie die chinesische Regierung in den letzten beiden Jahren, es kein Wunder ist, wenn die Preise steigen. 2009 und 2010 wurde gleich viel neues Geld in China gedruckt wie von 1984 bis 2008...
In Europa wird die Inflationsrate auch spürbar ansteigen, wenn die Banken wieder mehr Kredite vergeben (wobei man sich hierzulande noch an Basel III zu halten hat), aber deswegen hat sich der Euro ja auch abgewertet. In den USA werden die Preisanstiege noch weitaus markanter ausfallen (auch wenn dort weniger Geld gedruckt wurde als in China: die Mindestreservevorschriften sind dort viel lockerer als im Reich der Mitte).

Die Unterbewertung des Yuans ist aber nicht unbedingt ein Problem und hätte sehrwohl beibehalten werden können. Nur möchte das China nicht, da China so die Schuldenwirtschaft der USA finanziert und sein Geld nie wieder sieht. Schon jetzt hat das Land viel zu hohe Dollar Reserven...

Dass Leute aus Shanghai in Hongkong Grundnahrungsmittel einkaufen gehen, halte ich aber auch für eher Unwahrscheinlich. Meintest Du nicht Shenzhen?
Milch ist definitiv billiger in Hongkong - zu Eiern kann ich keine Angaben machen, da kenn ich die Preise nicht.

Die PBOC muss die Zinsen noch viel weiter erhöhen, um Liquidität aus dem Markt zu nehmen. Nur so kann die Stabilität wiederhergestellt werden...

Cheers!
Aremonus, der oft in Deutschland einkaufen geht, um zu sparen.
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Re: Inflation

Beitrag von SimonSayz »

Topas hat geschrieben:
SimonSayz hat geschrieben:[Kein Text]

Simon, ist gerne 1.200km unterwegs um Milch und Eier billiger einzukaufen

...jaja, solltest demnächst etwas mehr Inhalt bringen :mrgreen:

Und: Wo färst du denn so hin ? Auch in die Ukraine ? oder nach Spanien ? 8)
Na was wohl? Bratislava natürlich! 50km die Donau runter und vollgepackt wieder rauf schwimmen, ist zwar nicht soooooo weit, aber hält fit.
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robbe
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Re: Inflation

Beitrag von robbe »

Aremonus hat geschrieben:Schon jetzt hat das Land viel zu hohe Dollar Reserven...
Hätte es mal lieber damit seine eigenen Schulden getilgt :lol:

Mal eine Frage: Wieso hat China eigentlich so hohe Dollar Reserven? Ist ja nicht gerade risikoneutral/krisentauglich, wenn man alles auf eine Währung setzt...
xyz678
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Re: Inflation

Beitrag von xyz678 »

Bei mir ist es klar, ich werde jetzt keine Eier in Deutschland kaufen und essen.
On September 17, 1955, Tsien Hsue-shen:
“I plan to do my best to help the Chinese people build up the nation to where they can live with dignity and happiness.”
Aremonus
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Re: Inflation

Beitrag von Aremonus »

Mal eine Frage: Wieso hat China eigentlich so hohe Dollar Reserven? Ist ja nicht gerade risikoneutral/krisentauglich, wenn man alles auf eine Währung setzt...
Naja, das ist eben Geldpolitik.

LM+IS+G=0

Handelsüberschüsse aus der Realwirtschaft (LM) müssen also entweder durch den Finanzmarkt (IS) oder die Zentralbank (G) ausgeglichen werden. Da der Yuan nicht frei handelbar ist, fällt IS weg. Also muss die Zentralbank ausgleichen.
Fällt nun ein Überschuss an Verkäufen an, frägt das Ausland Yuan nach und die Zentralbank muss eben dem Ausland diese Yuan geben und nimmt stattdessen Dollar (oder was sonst nachgefragt wird). Da China seine Währung an den Dollar gebunden hat, war es am naheliegensten, auch gleich Dollar zu halten, da somit keinerlei Wechselkursrisiko bestand - die Zentralbank bestimmte ja den Kurs.
Durch die Flexibilisierung in jüngster Zeit legte China dann aber massiv drauf...

Aber eine Zentralbank ist auch nicht da um zu investieren, sondern um die Wirtschaft mit Geld zu versorgen und Stabilität zu schaffen. Ein Bewertungsverlust der Zentralbank ist bloss verschobener Gewinn, da sie ihr Geld ja ohnehin selber druckt.
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Re: Inflation

Beitrag von RoyalTramp »

robbe hat geschrieben:
Aremonus hat geschrieben:Schon jetzt hat das Land viel zu hohe Dollar Reserven...
Hätte es mal lieber damit seine eigenen Schulden getilgt :lol:

Mal eine Frage: Wieso hat China eigentlich so hohe Dollar Reserven? Ist ja nicht gerade risikoneutral/krisentauglich, wenn man alles auf eine Währung setzt...
Deswegen hat China auch einen ganzen Arsch voller Euro-Scheine im Laufe der Zeit gekauft, um sich gegen eine Abwertung des Dollars zu wappnen. Gleichzeitig wurde China aber jetzt in den "Arsch" getreten, weil die Europäer einfach vorne und hinten nicht wirtschaften können, dass China jetzt gezwungen war, auch noch Stützungskäufe in Europa vorzunehmen, wie z.B. Staatsanleihen zu kaufen, damit nicht auch noch seine Euro-Reserven verfielen. China finanziert eigentlich im Moment die gesamte Welt, wenn man es mal ohne die antikommunistische Brille sieht (interessant übrigens...nachdem der Westen den Sieg des Kapitalismus über den Kommunismus gefeiert hat, ist es jetzt eben dieser Kommunismus, der die Abenddämmerung noch verhindert). Die Medien auch in Deutschland haben darüber übrigens bereits berichtet, dass Europa durch diese Stützungskäufe noch wesentlich mehr am Anus wäre, als es eh schon sei. Wobei...mich begeistert das nicht unbedingt, denn solange das System nicht kollabiert, wird halt die Implosion auf die lange Bank geschoben, dabei gilt: Je länger, desto heftiger werden die Auswirkungen sein. Daher wäre es mir eigentlich definitiv lieber, China würde gar nix machen, Länder, wie die Griechen und andere wären dann im Nu zahlungsunfähig, und kurzgsagt: der Euro, so wie er existiert, Geschichte, um so Platz für eine neue Art von Währungsunion zu fundieren. Hierbei gilt: Je früher man in Europa eine neue Währungsunion begründet, um so besser für alle Beteiligten. Ich halte die Idee eines währungstechnisch geteilten Europas für absolut sinnvoll.
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Re: Inflation

Beitrag von robbe »

RoyalTramp hat geschrieben:interessant übrigens...nachdem der Westen den Sieg des Kapitalismus über den Kommunismus gefeiert hat, ist es jetzt eben dieser Kommunismus, der die Abenddämmerung noch verhindert
Das mit dem Kommunismus meinst du nun nicht ernst oder?
RoyalTramp hat geschrieben: Ich halte die Idee eines währungstechnisch geteilten Europas für absolut sinnvoll.
Wäre das eventuell auch für China gut? Dann gäbe es eventuell nicht so starke Inflationsprobleme. Manche Regionen profitieren ja nicht so sehr wie andere, aber bezahlen dennoch die gleichen Preise für Nahrung. Oder ist das in China komplett anders geregelt? Subventioniert der Staat in manchen Provinzen mehr als in anderen?
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Re: Inflation

Beitrag von RoyalTramp »

Das mit dem "Kommunismus" ist nicht Ernst gemeint, spinnt aber noch vielen Menschen im Westen genau so im Kopf herum, insbesondere god's own country. Auch in den deutschen Medien wird immer wieder diese latente Drohkulisse aufgebaut, "Kampf der Systeme" pi-pa-po...
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Re: Inflation

Beitrag von Aremonus »

Sorry Royal, aber deine Vorschläge und Aussagen machen aus einer geldmarkttheoretischen wissenschaftlichen Sicht wenig Sinn...
Gleichzeitig wurde China aber jetzt in den "Arsch" getreten, weil die Europäer einfach vorne und hinten nicht wirtschaften können, dass China jetzt gezwungen war, auch noch Stützungskäufe in Europa vorzunehmen, wie z.B. Staatsanleihen zu kaufen, damit nicht auch noch seine Euro-Reserven verfielen
China hat sich zum Kauf europäischer Staatsanleihen entschlossen, da es eine Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar erwartet und sein Portfolio diversifizieren will. Der Zeitpunkt war natürlich gerade sehr günstig. Die sehen ihre Fremdwährungsreserven aber nicht primär als Investment, sondern als notwendiges Übel, um den Yuan billig zu halten. Falls es die Währungsreserven wieder verwenden will, muss sich das Land verschulden - also einen Importüberschuss aufweisen.
China finanziert eigentlich im Moment die gesamte Welt, wenn man es mal ohne die antikommunistische Brille sieht
China wird aber eher von der ganzen Welt finanziert. Die aggregierten Auslandinvestitionen der gesamten chinesischen Volkswirtschaft werden einfach durch die PBOC verwaltet, während sie im Westen durch private Investoren verwaltet werden. Insgesamt besitzt das Ausland mehr Kapital in China als China Kapital im Ausland (was sich auch am Verhältnis von BIP zu BSP direkt ablesen lässt).
Die Medien auch in Deutschland...
... machen dann eben einen auf "China kauft Europa auf und wird uns alle Kontrollieren", weil die Journalisten selber nicht den Durchblick haben. Eigentlich hätte China eher das Recht zu jammern und zu sagen "der Westen hat China aufgekauft, unsere Arbeiter arbeiten billig für westliche Konzerne, die dann den ganzen Gewinn einsacken!"
Ich halte die Idee eines währungstechnisch geteilten Europas für absolut sinnvoll.
Das wäre leider eine sehr kurzfristige Lösung, die am Ende wieder in einer Krise münden wird.
Es gibt genau zwei nachhaltige Lösungen:
1. die EU wird wieder aufgeteilt, der Euro abgeschafft und die Zeit quasi ins Jahr 1995 zurückgedreht.
Vorteil: bewährt und einfach umseztbar.
Nachteil: Effizienzgewinne durch den Euro wären dahin, Skaleneffekte durch die grösser der Eurozone futsch.

2. Europa integriert sich weiter. Alle Regierungen erhalten eine Schuldenbremse, an die sie sich verbindlich halten müssen. Halten sie sich nicht daran, werden sie bestraft.
Das war ja ursprünglich die Idee - die idiotischerweise von einem deutschen Finanzminister im Jahr 2003 (name vergessen) untergraben wurde. Dabei war DE das einzige grosse Euro-Land, welches ein starkes Interesse an der Schuldenbremse gehabt hätte.

Natürlich muss die EU sich näher zum Volk hin bewegen, föderalistischer werden und Verantwortungen an nicht-EU-organisationen abgeben sowie mehr demokratische Elemente implementieren. Ein mächtiger europäischer Präsident, welcher durch die Verfassung beschränkt wird, wäre hier eine brauchbare Lösung. Die USA machen es eigentlich vor - Europa ist nur zu stolz, sich dort etwas abzukupfern und vergisst, dass die USA ihrer Zeit auch die besten Ideen aus Europa mitnahmen und die weniger guten dort zurückliessen.
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Re: Inflation

Beitrag von RoyalTramp »

Aremonus hat geschrieben:China hat sich zum Kauf europäischer Staatsanleihen entschlossen, da es eine Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar erwartet und sein Portfolio diversifizieren will. Der Zeitpunkt war natürlich gerade sehr günstig. Die sehen ihre Fremdwährungsreserven aber nicht primär als Investment, sondern als notwendiges Übel, um den Yuan billig zu halten. Falls es die Währungsreserven wieder verwenden will, muss sich das Land verschulden - also einen Importüberschuss aufweisen.
1. China nimmt nicht erst seit der Finanzkrise Euro-Anleihen auf.
http://www.eurasischesmagazin.de/artike ... elID=41203
Bereits 2002 stellte der Euro die zweitgroesste Fremddevise im Portfolio der chinesischen Staatsfinanzen nach dem US-Dollar dar und hatte den japanischen Yen damit abgeloest. Das die Chinesen demnach ein grosses Interesse daran haben, diesen Haufen nicht verfallen zu lassen, versteht sich von selbst.

2. Das eine schliesst das andere nicht aus. Die taktischen Aufkaeufe fremdlaendischer Devisen nutzt natuerlich vor allem auch dazu, den RMB billig zu halten.
China wird aber eher von der ganzen Welt finanziert. Die aggregierten Auslandinvestitionen der gesamten chinesischen Volkswirtschaft werden einfach durch die PBOC verwaltet, während sie im Westen durch private Investoren verwaltet werden. Insgesamt besitzt das Ausland mehr Kapital in China als China Kapital im Ausland (was sich auch am Verhältnis von BIP zu BSP direkt ablesen lässt).
Vielleicht habe ich es falsch ausgedrueckt: China finanziert weltweit die Regierungen.
... machen dann eben einen auf "China kauft Europa auf und wird uns alle Kontrollieren", weil die Journalisten selber nicht den Durchblick haben. Eigentlich hätte China eher das Recht zu jammern und zu sagen "der Westen hat China aufgekauft, unsere Arbeiter arbeiten billig für westliche Konzerne, die dann den ganzen Gewinn einsacken!"
Ich bin nur ein Wirtschaftslaie, aber ich habe eher das Gefuehl, dass die chinesische Regierung selbst ein progressives Steigen der Gehaelter in China durch seine Fiskalpolitik verhindert, aus Angst, dass dann chinesische Arbeiter den auslaendischen Investoren zu teuer und ihr Kapital aus China zurueckziehen wuerden. Vielmehr muesste man dann wohl sagen: "China hat sein Humankapital an den Westen verkauft!" :P
Das wäre leider eine sehr kurzfristige Lösung, die am Ende wieder in einer Krise münden wird.
Es gibt genau zwei nachhaltige Lösungen:
1. die EU wird wieder aufgeteilt, der Euro abgeschafft und die Zeit quasi ins Jahr 1995 zurückgedreht.
Vorteil: bewährt und einfach umseztbar.
Nachteil: Effizienzgewinne durch den Euro wären dahin, Skaleneffekte durch die grösser der Eurozone futsch.
Ich weiss nicht, wie du dann gedenkst, die Inflation in einigen Laendern unter Kontrolle zu bringen. Nein, der Euro ist und war eine Einbahnstrasse! Ein "Zurueck" kann es nicht mehr geben.
Aber ein "weiter so", wie bisher geht eben auch nicht. Die Euro-Zone als solche, wie sie heute besteht, hat sich selbst ins Ungemach katapultiert, indem sie einfach den zweiten Schritt VOR dem ersten getan hat. Statt das der Waerungseinheit eine politische Einheit voranging, hat man dies schlicht verpennt. Von daher teile ich deine 2. Auffassung:
2. Europa integriert sich weiter. Alle Regierungen erhalten eine Schuldenbremse, an die sie sich verbindlich halten müssen. Halten sie sich nicht daran, werden sie bestraft.
Das war ja ursprünglich die Idee - die idiotischerweise von einem deutschen Finanzminister im Jahr 2003 (name vergessen) untergraben wurde. Dabei war DE das einzige grosse Euro-Land, welches ein starkes Interesse an der Schuldenbremse gehabt hätte.
Nur, ist das Kind nun einmal in den Brunnen gefallen und es wird auch da unten bleiben, denn einmal in die Schuldenfalle geraten, gibt es daraus kein Entkommen. Eine bittere Wahrheit, der man sich lieber frueher als spaeter stellen sollte. Die ganzen Sparprogramme, die da z.B. in den EU-Laendern aufgebracht werden, bringen doch alle nichts, so sehr loeblich auch die Sparbemuehungen sein moegen, aber sie sind definitiv zu spaet. Es braucht einen Reset und einen Neustart. Vertrauen ist verloren und muss erst muehsam wieder neu errungen werden. Am besten mit einer neuen Waehrung bzw. mit einer Ko-Union bestehend aus einem schwachen und einem starken "Neuro". Die einzige Hoffnung die uns sonst in Europa naemlich bliebe, dass die USA noch vor allen anderen ploetzlich zahlungsunfaehig und der Dollar enorm an Wert verlieren wuerde. Das ist in meinen Augen derzeit das einzige Szenario, welches uns unter den gegebenen Bedingungen, will man an der EU, wie sie derzeit besteht, festhalten, noch irgendwie hilft. Aber ich bin lieber jemand, der sich sagt: Man ist Schmied seines eigenen Schicksals. Jetzt darauf zu hoffen und zu warten, dass die USA "pleite" gehen ist nicht wirklich eine langfristig ausgelegte Strategie.
Natürlich muss die EU sich näher zum Volk hin bewegen, föderalistischer werden und Verantwortungen an nicht-EU-organisationen abgeben sowie mehr demokratische Elemente implementieren. Ein mächtiger europäischer Präsident, welcher durch die Verfassung beschränkt wird, wäre hier eine brauchbare Lösung. Die USA machen es eigentlich vor - Europa ist nur zu stolz, sich dort etwas abzukupfern und vergisst, dass die USA ihrer Zeit auch die besten Ideen aus Europa mitnahmen und die weniger guten dort zurückliessen.
Ich bin eigentlich in der Sache entschiedener "Europaer". Gerade die immer noch foederalistisch strukturierte EU hat uns doch gerade eben diesen Brocken eingebracht, weil jeder macht was er will, als wenn es keine EU-weite Regelungen gaebe, denen man verpflichtet sei. Du hast es ja oben selbst gesagt, auch Deutschland bekleckert sich diesbezueglich nicht mit sehr viel Ruhm. Ich vertrete im Gegenteil die Auffassung, dass der Foederalismus endlich ein Ende finden muss. Europa braucht die politische Einheit, die Nationalstaaten sind ein Konzept aus dem letzten Jahrhundert. Diesen Schritt zu gehen setzt natuerlich sehr viel Mut voraus, der den Menschen in Europa leider haeufig fehlt (Stichwort "Euroskepsis"). Man muss nur einmal an die vielen historischen Beispiele denken: Die Situation des heiligen roemischen Reiches oder China zur Zeit der streitenden Reiche gibt eigentlich am treffendsten die derzeitige Situation in Europa wieder (minus der immerwaehrenden Kriege). Deutschland hat das Konzept des heiligen roemischen Reiches ueberworfen und an dessen Stelle ist im Laufe der Zeit ein "Einheitsstaat" getreten, genauso wie dies auch in China geschah. Dem historischen Beispiel folgend, halte ich einen europaeischen Einheitsstaat ebenfalls fuer geboten, ABER natuerlich nicht von heute auf morgen und nicht zig aufeinmal sondern poe-a-poe. Doch muessen wir allmaehlich in diesen Prozess eintreten und dabei nicht schon wieder das Pferd von hinten aufzaeumen wollen (d.h., zuerst politische, dann wirtschaftliche Einheit und nicht umgekehrt, wie es bisher betrieben wurde)

Meine rein subjektiven Gedanken aus Sicht eines "Historikers"...
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