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Laogai
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Herz-Stritt-matters

Beitrag von Laogai »

Das...
beowulf hat geschrieben:Kai Strittmatters Abrechnung mit den bösen Sinologen, die dermassen bedeutend ist, dass inzwischen 1/3 des Wikipedia Artikels zu Liu Xiaobo davon handelt:
http://www.sueddeutsche.de/politik/frie ... -1.1034531" target="_blank" target="_blank
... und den verlinkten Artikel in der SZ habe ich leider erst jetzt gesehen/gelesen. Wie schlecht und billig ist das denn? Willkürlich herausgerissene Zitate von Leuten. Im Teaser unrichtig zusammengefasst zu "weil China gewogene Akademiker mit Geld und Doktorwürden lockt".

Kai, deine Zeit scheint abgelaufen. Schritt mal zur Seite :evil:
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ingo_001
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von ingo_001 »

Aremonus hat geschrieben:Ohne jetzt Sinologen diskreditieren zu wollen... aber wären sie die richtigen Experten für die Thematik? Hier wäre doch eher ein Feld für Politikwissenschaftler, Historiker und Soziologen?
Sehe ich auch so.
Aremonus hat geschrieben:Mit was genau beschäftigt sich eigentlich die Sinologie? Befasst sie sich nicht eher mit der chinesischen Sprache? Welche Erkenntnisphilosophie liegt ihr zu Grunde? Strukturalismus?
Gute Frage.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von Andy_yi »

ingo_001 hat geschrieben:
Aremonus hat geschrieben:Mit was genau beschäftigt sich eigentlich die Sinologie? Befasst sie sich nicht eher mit der chinesischen Sprache? Welche Erkenntnisphilosophie liegt ihr zu Grunde? Strukturalismus?
Gute Frage.
Sinologie ist aber keine reine Sprachwissenschaft.

Die Sinologie beschäftigt sich doch hauptsächlich mit Geschichte, Philosophie und Kulturwissenschaften. Kommt auch drauf an, was für einen Schwerpunkt man wählt.
Die Erkenntnisphilosophie liegt dann auch dem jeweiligen Teilgebiet zugrunde, das kann man für den Oberbegriff Sinologie wohl schlecht pauschalisieren.
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Taiyang
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Re: Herz-Stritt-matters

Beitrag von Taiyang »

laogai hat geschrieben:Wie schlecht und billig ist das denn? Willkürlich herausgerissene Zitate von Leuten. Im Teaser unrichtig zusammengefasst zu "weil China gewogene Akademiker mit Geld und Doktorwürden lockt".
Von der Uni Goettingen gibt es darauf bereits eine Mitteilung, dass weder SZ noch der Autor Kontakt mit der Uni aufgenommen haette, um die Informationen in dem Artikel zu verifizieren. So ist das allerdings so ziemlich aus der Luft gegriffen.

http://www.uni-goettingen.de/de/199971.html" target="_blank

:roll:
beowulf
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von beowulf »

laogai hat geschrieben:
beowulf hat geschrieben:Daweil ist die Situation der deutschen Sinologen leicht nachzuvollziehen - Es sind Wissenschaftler und keine Journalisten oder Demokratieaktivisten. Wenn man sie nach ihrer Meinung fragt, gibt es auch eine Antwort darauf. Nur gibt es selten bis gar keine Anfragen an Sinologen. Warum? Weil Sinologen über Expertenwissen verfügen und der wissenschaftlichen Verpflichtung unterliegen, sachlich zu bleiben und möglichst objektiv die komplexe Realität darzustellen.
Hüstel, hüstel, hier werden Sinologen in den Rang "Halbgötter in Gelb" gehoben :shock:

Sinologen sind Menschen aus Fleisch und Blut. Sie haben eine eigene Meinung und vertreten diese meist auch knallhart. Genau wie alle anderen Exemplare der gleichen Gattung. Also humanoid.
Sinologen (wann ist man eigentlich ein solcher?) verfügen nicht per se über "Expertenwissen" und unterliegen schon gar nicht der "wissenschaftlichen Verpflichtung" (was ist das genau?).
Gut man kann das naiv nennen, aber das sind die Grundvoraussetzungen die ich an einen Wissenschaftler richte, um ihn als seriös einzustufen. Wenn ich über mein Fachgebiet interviewt werde oder Fragen gestellt bekomme die an meine Rolle als Wissenschaftler gerichtet sind, versuche ich sie so möglich sachlich, objektiv, wie auch umfassend zu beantworten. Das ich privat vielleicht (was heißt da vielleicht, ziemlich oft) eine andere Meinung habe, und diese auch privat (Internet, Freundeskreis, Diskussion mit anderen guten Bekannten aus dem Fachkreis im kleinsten Rahmen) vertrete ist eine andere Sache. Aber da trete ich nicht als "Wissenschafter" bzw. als "Fachkraft" auf. Ich kann z.B. "authentic leadership" persönlich als dumpfen pseudo new age mist betrachten, der alleine dazu dient, diversen Managern eine gefällige Theorie zu verkaufen, die ihr "arschlochmäßiges" Verhalten als authentisch und ergo "gut" rechtfertigt, aber in meiner Rolle als z.B. Vortragender oder Wissenschaftler werde ich mit einer sachlichen Distanz herangehen. Zwar auch kritisch (sollte man als Wissenschafter immer), aber nicht polemisch.

Was natürlich stimmt, ist die Kritik am "Expertenwissen". Das ganze Thema China ist dermassen komplex und vielschichtig (Kultur im Sinne von sozialen Werten oder Normen, Geschichte, Politik, Geographie, Ethnien, Literatur, Wirtschaft etc.), dass es den universalen "China-Kenner" oder "China Experten" gar nicht geben kann. Es hat demnach auch wenig Sinn einen Experten für frühe Tang Poesie zum Thema kulinarische Spezialitäten in der inneren Mongolei oder zur Textilproduktion in Südchina zu befragen. Man konzentriert sich in seiner Laufbahn auf ein gewisses Feld und spezialisiert sich darauf zunehmend.

Der im Text angeführte Spengler hat übrigens einen ganz eigenen, wenn auch interessanten Zugang:
"„Für die Intensität der genauen Beobachtung ist mir das Gefühl der Fremdheit sehr wichtig. Nach ein paar Wochen sieht, hört und riecht man die Besonderheiten nicht mehr. […] China ist für mich ein Ort mit ziemlich hoher Verdichtung in sehr vielen Lebensbereichen. Wie lange das das Nachdenken anregt, weiß ich nicht. Ich habe China immer früh genug wieder verlassen, bevor es in eine Flachphase übergehen konnte."

Für mich deutet alles daraufhin, dass er dem chinesischen Denken nie nahe genug herangekommen ist und bewusst an der Oberfläche bleibt. Will gar nicht sagen, dass dies schlecht ist, da eine Vielfalt an Perspektiven durchaus wünschenswert ist. Aber Spengler urteilt aus seinem oberflächlichen Zugang negativ über andere Sinologen. Er wirft ihnen indirekt vor, nicht das zu machen, was er gemacht hat. Weiters ist sein Zugang zwar sehr interessant, aber ihn als ausschliessliche oder primäre Kontaktperson zu betrachten, um zu verstehen, was in China z.B. politisch abläuft, finde ich für mehr als gefährlich. Die Wahrscheinlichkeit ist extrem hoch, dass man die eigenen oberflächlichen Eindrücke nur noch extra bestätigt bekommt und andere Perspektiven einfach als falsch oder gar "gekauft" klassifiziert. Von daher verwundert es auch nicht, dass Spengler bei der Mainstream Presse relativ gut gefragt ist.
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Re: Ai Weiwei: "Der Wandel kann jeden Moment kommen"

Beitrag von Xian »

Bernhard hat geschrieben: Ich will jetzt nicht Ai Weiwei irgend etwas in den Mund legen, aber du willst doch nicht behaupten, dass die chinesische Regierung nur böse, niederträchtig und inkompetent ist.
Was könnte man den an ihnen positiv hervorheben ? Meiner Meinung nach haben sie bisher nicht bewießen das sie von ihrer Totalitären Politik abweichen wollen. Es wurde immer wieder versprochen sowie Premier es vor dem letzen 5 Jahresplan wieder mal gemacht hat, wurde aber auch direkt wieder von kehrt gemacht.
Es ist ein Fakt das sie Rechte bieten, aber man sich nicht selbstverständlich in Anspruch nehmen kann. Siehe die Petitionisten die in Beijing eigentlich nur von ihrem Recht gebrauch machen wollen.
Außerdem hat ihre totale Zensur dazu geführt das Lokalregierungen oftmals ihr eigenes Ding machen und sich gar nicht daran halten was die Zentralregierung will. Passiert was wirds dann zensiert, was dazu führt das nur noch mehr Willkür passiert, weil man eh weiß das man nicht offengelegt wird.
Gehandelt wird dann wenn man merkt das im Volk der Aufruhr zu groß ist, sowie sie es bei den 10000 Offiziellen gemacht haben.
Von ihrer Politik weichen sie aber nicht ab was dazu führt das es immer wieder vorkommt. Sie können scheinbar auch nicht mehr anders, weil wie sagte mal ein Ex KGB Mann "Wer auch A sagt muss auch B sagen und dann das ganze Alphabet durch"
Wie gesagt ich wäre interessiert zu Wissen was man positiv hervorheben kann, an ihrer Politik und Aktionen die sie die letzen 60 Jahre betrieben haben.


Liebe Grüße,
Xian
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von Xian »

Bernhard hat geschrieben:
Xian hat geschrieben: Dann hätten sie es ausgeschlachtet.Entweder wird total zensiert, oder das Thema wird angegriffen und ausgeschlachtet. Siehe zb. die Kampagne gegen Korruption, wo man bei Xinhua dann lesen konnte das sie über 10000 Beamte aus Ämtern entfernt, verurteilt usw.. haben wollen.
Klug war das ganze nicht zeigt auch auf was für eine Lage im Land ist, wenn man den Fall Liu unter den Tisch hat kehren müssen.
Das ist nicht gesagt. Es gibt verschiedene Varianten und Abstufungen, diese Dinge handzuhaben. Und ich wage zu behaupten: Ganz egal, wie die chinesische Regierung reagiert hätte, ihre Gegner hätten immer einen Grund gefunden, sie zu verurteilen.
Xian hat geschrieben: Wurde falsch wiedergegeben. War vor nicht all zu lang hier im Forum auch. Wenn ich mich Recht entsinne ging es um einen Vergleich was passieren müßte damit China sich verändert. Als Vergleich nahm er das China 300 Jahre vom Westen kolonalisiert werden müßte, hat aber selbst angefügt das das unrealistisch ist.
Na ja, schön. Das unterscheidet sich ja nicht sonderlich von dem, was Aremonus gesagt hat.
Und es ist klar, dass so etwas auf wenig Gegenliebe stößt. So ein Sich-Anbiedern an den Westen ist nun mal extrem einseitig und für Chinesen potentiell bedrohlich.
Es wäre das gleiche, wenn ein Deutscher sagte, Deutschland müsse 100 Jahre von China kolonisiert werden, damit die Deutschen endlich Friedlichkeit, Respekt vor dem Alter und den Vorfahren sowie einen Sinn für Nachhaltigkeit lernen. Würde hier auch nicht gut kommen...
Momentan biedert sich aber eher der Westen an. Ich betrachte das Wirtschaftlich. Der "Westen " will die Märkte China und Indien erschließen. Darum schauen sie über das ein oder andere Weg, genauso wie man über die Millitärstärke manch anderer Länder wegschaut, weil sie einfach die "größeren Bomben" haben.
Und so muss man für mich auch diese Sache betrachten. Für mich ist Liu kein KP Kritiker, er hat selbst im selben Interview wo er dieses Statement gebracht hat das Kommunistische Manifest zitiert um seine Sicht auszudrücken. Das machen Regime Kritiker nicht.

Außerdem ist Norwegen an seinem Deal mit China interessiert. Das läßt man durch keine wirklichen politischen Entscheidungen beeinflußen. Und selbst wenn, ist eh irrelevant, solang man auf der anderen Seite den Deal trotzdem unterzeichnet.
Verstehst du ?


Liebe Grüße,
Xian
Bernhard
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Re: Ai Weiwei: "Der Wandel kann jeden Moment kommen"

Beitrag von Bernhard »

Xian hat geschrieben: Was könnte man den an ihnen positiv hervorheben ? Meiner Meinung nach haben sie bisher nicht bewießen das sie von ihrer Totalitären Politik abweichen wollen.
Was verstehst du unter totalitär?

Ich zitiere einmal Wikipedia:
"Totalitarismus bezeichnet ... eine diktatorische Form von Herrschaft, die ... in alle sozialen Verhältnisse hinein zu wirken strebt, oft verbunden mit dem Anspruch, einen „neuen Menschen“ gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen. Während eine autoritäre Diktatur den Status quo aufrechtzuerhalten sucht, fordert eine totalitäre Diktatur von den Beherrschten eine äußerst aktive Beteiligung am Staatsleben sowie dessen Weiterentwicklung in eine Richtung, die durch die jeweilige Ideologie angewiesen wird."

Dies trifft auf das China der Mao-Zeit sicherlich zu. Aber wo bitteschön heute noch?

Weder will die chinesische Regierung noch einen "neuen Menschen" schaffen (selbst wenn das in irgendwelchen verstaubten Memoranden noch stehen sollte, ist in der Praxis nichts mehr davon übrig), noch fordert sie von den Bürgern eine äußerst aktive Betiligung am Staatsleben in Richtung einer bestimmten Ideologie. Vielmehr ist die heutige chinesische Regierung froh, wenn die Leute sich mit Geldverdienen beschäftigen und sich über Politik nicht so viel Gedanken machen.

Xian hat geschrieben: Es ist ein Fakt das sie Rechte bieten, aber man sich nicht selbstverständlich in Anspruch nehmen kann. Siehe die Petitionisten die in Beijing eigentlich nur von ihrem Recht gebrauch machen wollen.
Das ist richtig. Wie Petitionisten zum Teil behandelt werden, ist verwerflich und kann nicht gutgeheißen werden. Wobei man auch nicht weiß, wie vielen solche Ungerechtigkeiten widerfahren, die allenthalben öfter mal aufgewärmt werden.

Es ist ebenfalls zutreffend, dass man seine Rechte nicht selbstverständlich in Anspruch nehmen kann. Da muss man aber berücksichtigen, dass die Idee eines verbrieften "Rechts" ein westliches Konstrukt (je nach Standpunkt kann man auch sagen: eine westliche Errungenschaft) ist, zu dem es im chinesischen Denken und in der chinesischen Rrechtsprechung noch nie etwas Vergleichbares gegeben hat. Wenn man verlangt, dass die chinesische Regierung wie selbstverständlich von "Rechten" ausgeht, dann verlangt man von ihr eine westliche Denkweise.

Xian hat geschrieben: Außerdem hat ihre totale Zensur dazu geführt das Lokalregierungen oftmals ihr eigenes Ding machen und sich gar nicht daran halten was die Zentralregierung will. Passiert was wirds dann zensiert, was dazu führt das nur noch mehr Willkür passiert, weil man eh weiß das man nicht offengelegt wird.
Das ist ein wichtiger Punkt: Lokalregierungen machen oftmals ihr "eigenes Ding". Also mit "totaler Kontrolle" von Seiten der Zentralregierung ist es nicht weit her. Darüber hinaus machen die Bürger oft auch ihr "eigenes Ding", weitgehend unbekümmert von irgendwelchen Gesetzen.
Nach meiner Wahrnehmung (ich habe noch nie fest in China gelebt, muss ich dazu sagen) bekommen die staatlichen Behörden dann irgendwann einmal einen "Rappel" und ziehen irgend etwas übertrieben streng durch. Wenn dies passiert, ist es ebenfalls sehr bedauerlich. Aber mit "Totalitarismus" hat das nun auch weniger zu tun, eher mit typisch chinesischer Mentalität.

Xian hat geschrieben: Gehandelt wird dann wenn man merkt das im Volk der Aufruhr zu groß ist, sowie sie es bei den 10000 Offiziellen gemacht haben.
Ist das irgendwo anders? Wann haben sich die USA aus Vietnam zurückgezogen?

Und bei uns sind nicht 10000 Offizielle (oder, auf deutsch: Beamte) verurteilt worden. Ich bin kein xyz und kein anderer chinesischer Überpatriot oder westlicher Ultralinker, aber wenn ich einer wäre, könnte ich sagen: Wo sind die Beamten oder Politiker, die bei Schmieder, Jürgen Schneider, Karl-Heinz Schreiber etc. mit "drinsaßen"? Die wurden von ihren Parteifreunden in der Regierung gedeckt, oder gingen auf Tauchstation, bis Gras über die Sache gewachsen war.
Sicherlich war die Verurteilung der 10000 ein Showprogramm für die Öffentlichkeit. Ich möchte nur sagen: Bei uns gibt es ebenfalls Korruption oder sonstige "krumme Dinge".

Xian hat geschrieben: Von ihrer Politik weichen sie aber nicht ab was dazu führt das es immer wieder vorkommt. Sie können scheinbar auch nicht mehr anders, weil wie sagte mal ein Ex KGB Mann "Wer auch A sagt muss auch B sagen und dann das ganze Alphabet durch"
Von welcher Politik?

Das Problem ist doch eher, dass sich in den ersten paar Jahrzehnten der Volksrepublik die Politik laufend geändert hat. Was gestern erstrebenswert war, war morgen schon "pfui". Das führte dazu, dass die Menschen oft für frühere Äußerungen gedemütigt oder ins Arbeitslager geschickt wurden.
Jetzt ist mehr Kontinuität in der chinesischen Politik. Besonders in der Außenpolitik. In der Innenpolitik gibt es immer noch Fälle von unvermittelten Brüchen. Ein Beispiel ist das vielzitierte und bis zum Zerreißen strapazierte Verbot von Falun Gong.
Aber von "der" Politik der KP lässt sich kaum sprechen. Bzw. mit Abstrichen erst seit Deng Xiaoping. Und die ist bei weitem nicht so, wie du sie beschreibst.

Das mit dem A, B und das ganze Alphabet durch ist sicherlich zutreffend. Aber das sagte ein *KGB*-Mann. Also ein Geheimdienstler. Dass es in Geheimdiensten so ist, glaube ich gern. Oder glaubst du, ein BND-ler (oder noch extremer: einer von der CIA) kann im "laufenden Betrieb" aussteigen?


Es ist bestimmt nicht alles ideal in China. Gerade diese Diskontinuitäten und diese abrupten Wechsel von laissez-faire und über-harschen Reaktionen sind sicherlich ein großes Problem. Ebenso die fehlende Rechtssicherheit. Aber man sollte darauf achten, was die Chinesen dazu zu sagen haben. Wenn sie etwas geändert haben wollen, dann soll es von ihnen kommen.
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von Bernhard »

Xian hat geschrieben: Momentan biedert sich aber eher der Westen an. Ich betrachte das Wirtschaftlich. Der "Westen " will die Märkte China und Indien erschließen.
Das ist sicherlich nicht falsch. Obwohl das auch nicht "der Westen" ist. Es sind starke Interessensgruppen, vor allem aus der Wirtschaft.
Xian hat geschrieben: Darum schauen sie über das ein oder andere Weg, genauso wie man über die Millitärstärke manch anderer Länder wegschaut, weil sie einfach die "größeren Bomben" haben.
Welche Länder sollen das sein? Nach dem Zusammenbruch des Sowjetunion ist Amerika unbestritten die einzige Supermacht mit einem Waffenarsenal, an das kein anderes Land heranreicht. Und deswegen kann es sich auch leisten, einzelne Länder einfach so mal anzugreifen und hauszuhalten, wie es ihm beliebt.
Dass die Wirtschaftsbosse über einige (und nicht nur einige) Ungerechtigkeiten hinwegsehen, dass sie selbst an großem Unrecht beteiligt sind, steht außer Frage. Aber bist du der Ansicht, westliche Länder sollen nicht "über die Militärstärke manch anderer Länder" hinwegsehen, sondern gleich mal zuschlagen, wenn es geboten erscheint?

Xian hat geschrieben: Und so muss man für mich auch diese Sache betrachten. Für mich ist Liu kein KP Kritiker, er hat selbst im selben Interview wo er dieses Statement gebracht hat das Kommunistische Manifest zitiert um seine Sicht auszudrücken. Das machen Regime Kritiker nicht.
Das ist jetzt sehr vielschichtig, ich möchte nur zwei Punkte herausgreifen:
Wenn man ein Mal ein Zitat bringt, heißt das noch lange nichts. Wenn ein Kirchenmann in irgend einem Zusammenhang Nietzsche zitiert, heißt das nicht, dass er Atheist ist.
Und es ist nicht wichtig, ob er ein "KP"-Kritiker ist. Er achtet anscheinend die chinesische Kultur oder seine Landsleute gering. Und so etwas ist meiner Meinung nach nicht auszeichnungswürdig.

Xian hat geschrieben: Außerdem ist Norwegen an seinem Deal mit China interessiert. Das läßt man durch keine wirklichen politischen Entscheidungen beeinflußen. Und selbst wenn, ist eh irrelevant, solang man auf der anderen Seite den Deal trotzdem unterzeichnet.
Verstehst du ?
"Norwegen" ist genauso wenig wie "der Westen" ein monolithischer Block.

Es gibt in Norwegen bestimmt Wirtschaftsbosse, die an Geschäften mit China interessiert sind und denen diese Preisverleihung ungelegen kommt. Das Nobelkommittee meinte hingegen, es müsse so entscheiden. Es ist aber auch nicht die norwegische Regierung. Diese sitzt gegenwärtig wohl eher zwischen den Stühlen...
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Grufti
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von Grufti »

Bernhard hat geschrieben: Das ist jetzt sehr vielschichtig, ich möchte nur zwei Punkte herausgreifen:
Wenn man ein Mal ein Zitat bringt, heißt das noch lange nichts. Wenn ein Kirchenmann in irgend einem Zusammenhang Nietsche zitiert, heißt das nicht, dass er Atheist ist.
.
Dieser Herr heißt Nietzsche, denn sein Name fällt nicht unter die Rechtschreibreform :wink:
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von Bernhard »

Grufti hat geschrieben: Dieser Herr heißt Nietzsche, denn sein Name fällt nicht unter die Rechtschreibreform :wink:
Danke. Hab's korrigiert.
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von aquadraht »

Aremonus hat geschrieben:..Ich habe nicht gesagt, dass die chinesische Regierung die norwegischen Wissenschaftler dafür bezahlt hat, Liu den Preis zu verleihen. Aber sie hat eben versucht, das beste aus der Situation zu machen und irgendwie davon zu profitieren - und das gelang ihr auch. Wie hätte sie dann Deiner Meinung nach reagieren sollen?
Naja, sie hätte kurz Stellung nehmen können, dass sie es Scheisse findet - die Äusserungen Lius geben da genug Anlass. Das machen die chinesischen Medien (Renmin Ribao und die englischsprachigen regierungsnahen Zeitungen und Webauftritte) inzwischen gar nicht so verkehrt.

Ich fand da auch den Vorwurf der ARD, das sei eine Hetzkampagne und alles aus dem Zusammenhang gerissen, hilflos und ein Zeichen, dass die Chinesen da nicht alles falsch machen. Aber offizieller Druck, ein Übermass offizieller Statements etc., das fand ich over the top. Grufti schreibt ja z.B. auch, dass auch seine Frau es übertrieben fand.
Warum hast Du das Gefühl, dass die Regierungen im Westen Einfluss auf das Nobelpreiskomitee nahmen?
Das Komittee für den Friedenspreis ist ein politisch handverlesenes reichlich rechtsgestricktes und hundertfünfzigprozentig NATO-treues Gremium, das von norwegischen Parlament bestimmt wird. Wenn ich mir die Lage von Menschenrechten und der Behandlung von Oppositionellen anschaue, dann ist China im Vergleich zu etwa Honduras oder Kolumbien, oder auch Ägypten, Saudiarabien und Kuwait in dieser Hinsicht ein Damenkaffekränzchen. Der Liu bekommt regelmässig Besuch, seine Frau kann aus dem "Hausarrest" fröhlich twittern und telefonieren, die anderen Verfolgten sind eher von westlichen Nachrichtenagenturen verfolgt. In den Vergleichsländern sind dagegen 10.000 Verschwundene in 5 Jahren, die sich dann in irgendwelchen Massengräbern wiederfinden, Alltagspraxis, Journalisten, Gewerkschafter, politische Aktivisten und einfache "Verdächtige", die unter die Räder gekommen sind.
Der Hase läuft doch ganz anders: wir haben hier im Westen eine individualistisch-liberale Kultur, in der das Wohl des Einzelnen im Zentrum steht. China ist jedoch noch immer ein kollektivistischer Staat, ähnlich wie Europa noch vor knapp 100 Jahren - und entsprechend ähnlich ist auch die Situation und Argumentation der chinesischen Regierung.
Ach Quatsch. Ich habe schon von Chinesen gehört, dass sie die Deutschen, nicht nur mit ihrem Regel- und Ordnungssinn, sondern auch mit ihrem Mangel an Kritik an der Regierung, als reichlich autoritär und überangepasst empfunden haben, und ehrlich gesagt ist da was dran. Die Platitüde westlicher Individualismus vs. östlicher Kollektivismus ist schlicht Grütze.
Da müssen die Regierungen keinen Einfluss ausüben, damit China kritisiert wird - Individualisten fürchten sich vor dem Gedanken, dienen zu müssen.
Das nenne ich nun mal Realitätsverlust. Ich kenne reihenweise Expats, die stockkonservativ und dabei ultraindividualistisch sind und sich in China als Flüchtlinge vor Regelwut und Anpassungsdruck empfinden. Auch wenn ich das in China zum Teil als Modernisierungsdefizite und damit als Teil des Problems, nicht - oder nicht ausschliesslich - der Lösung sehe, ist da was dran. Dienen und buckeln muss man eher in unserem freiheitlichen Westen. Ok, dafür haben wir mehr Wohlstand und Sicherheit.
Meiner Meinung nach stammt Liu Xiaobos Argumentation, dass China kolonialisiert sein müsste, daher, dass er an eine kulturelle Anpassung glaubt und Hongkong als Beispiel nimmt. Er hat sich aber zugegebenermassen ziemlich dämlich ausgedrückt - er sollte doch die Situation der chinesischen Mehrheit kennen und wissen, wie das verstanden wird.
Das verharmlost Du. Er hat Chirac und Schröder rüde beschimpft, weil sie nicht beim Überfall auf Irak mitgemacht haben. Er hat nie ein böses Wort gegen Pinochet oder Uribe gesagt, geifert aber hasserfüllt über Cuba. Er hat auch den Überfall auf Jugoslawien gutgeheissen, und die Intervention in Afghanistan sowieso. Das mit der Kolonisierung hätte man als Jugendsünde abtun können, aber er hat das letztlich eher bekräftigt als widerrufen.

Sicher ist er kein Monster. Er glaubt fest daran, dass die gewalttätigen Umstürze und Kreuzzüge, die er gutheisst oder erhofft, zu etwas Besserem führen. Allerdings sind für Ihn auf diesem Weg ein paarhunderttausend oder selbst ein paar Millionen Tote und millionenfaches menschliches Leid kein Problem. Darin ist er nicht anders als Stalin, Mao oder Pol Pot. Ich halte eine solche Position aber nicht mehr für zeitgemäss, wenn sie das je war.
Ohne jetzt Sinologen diskreditieren zu wollen... aber wären sie die richtigen Experten für die Thematik? Hier wäre doch eher ein Feld für Politikwissenschaftler, Historiker und Soziologen?
Naja, sie können Chinesisch, was für ein glaubensfestes Urteil über China eher ein Hinderungsgrund ist. Ansonsten, gewiss ist ein Sprachwissenschaftler nicht automatisch ein Experte in Recht, Wirtschaft oder Kultur des Sprachraums, dessen Sprache er beherrscht. Bloss würde jeder einen Lateinamerikakorrespondenten, der kein Spanisch kann, so wenig ernstnehmen wie einen UK-, USA- oder Canadakorrespondenten, der kein Englisch kann.

Man muss eigentlich nicht mal Sinologe sein, um die chinesischen Medien, die ungeheuer vielfältig (und meist extrem trashig) sind, zu verfolgen und kommentierend zu begleiten. Aber wer ausser Sinologen tut das? Da will doch jeder von den vom allmächtigen Politbüro zentral gelenkten Ameisen hören. Das Problem ist nicht, dass Sinologen ein Monopol in der Beurteilung Chinas beanspruchen, sondern dass das generelle Chinaurteil im Westen so vernichtend inkompetent ist.

Als Fach ist die Sinologie eine Sprach- und Kulturwissenschaft, insofern ohnehin eine Human- und Sozialwissenschaft. Strukturalismus ist eine bestimmte kulturwissenschaftliche oder kulturphilosophische Strömung, die von dem französischen Philosophen Claude Levi-Strauss ausging. Ich wüsste offhand keinen einzigen strukturalistischen Sinologen. Mag aber welche geben.

Gruss, a^2
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von Bernhard »

Mathias hat geschrieben:Skandal in Beijing!

Weihnachtsmänner von Pekings Tiananmen vertrieben

Die Epochtimes meint dazu: "... Es könnte ja sein, dass Weihnachtsmänner sich für Menschenrechte einsetzen ..."
Die Epochtimes hat, wie so oft, eine ziemlich verquere Sicht der Dinge.

Aber irgendwie gibt es mir doch zu denken, wenn solche (doch recht harmlosen) Gesellen vertrieben werden. Ich habe über den Vorfall in mehreren Zeitungen gelesen, und nirgendwo war ein Hinweis darauf, dass sie massiv gestört hätten. Warum sie also vertreiben?

Ist nach Ansicht der Führung eine Gruppe Weihnachtsmänner der "Ernsthaftigkeit des Ortes" nicht angemessen? Wird der Tiananmen bei der Führung doch als so eine Art "Heiligtum" gesehen?
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von beowulf »

Bernhard hat geschrieben:
Mathias hat geschrieben:Skandal in Beijing!

Weihnachtsmänner von Pekings Tiananmen vertrieben

Die Epochtimes meint dazu: "... Es könnte ja sein, dass Weihnachtsmänner sich für Menschenrechte einsetzen ..."
Die Epochtimes hat, wie so oft, eine ziemlich verquere Sicht der Dinge.

Aber irgendwie gibt es mir doch zu denken, wenn solche (doch recht harmlosen) Gesellen vertrieben werden. Ich habe über den Vorfall in mehreren Zeitungen gelesen, und nirgendwo war ein Hinweis darauf, dass sie massiv gestört hätten. Warum sie also vertreiben?

Ist nach Ansicht der Führung eine Gruppe Weihnachtsmänner der "Ernsthaftigkeit des Ortes" nicht angemessen? Wird der Tiananmen bei der Führung doch als so eine Art "Heiligtum" gesehen?
Die feierseligen Teilnehmer des Gruppenfotos, unter denen sich viele Ausländer befanden, hatten sich zuvor nach angelsächischem Brauch in Pekings Kneipen die Nasen begossen.
Ein Haufen angesoffener Expats in Weihnachtsmänner Kostüme am Tiananmen - Ich würde sie in die Ausnüchterungszelle einsperren :lol:

Natürlich ist Tiananmen ein politisch hochsensibler Ort und unter starker Bewachung. Da herrscht so oder so ein strengeres Regiment. Ist aber auch nicht anders, als vor dem Weißen Haus. Ein paar besoffene - und vor allem maskierte - Ausländer, würden da auch relativ schnell verscheucht werden.
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Re: Diskussionsordner zum "Interessante Artikel"-Thread

Beitrag von Bernhard »

beowulf hat geschrieben: Ein Haufen angesoffener Expats in Weihnachtsmänner Kostüme am Tiananmen - Ich würde sie in die Ausnüchterungszelle einsperren :lol:

Natürlich ist Tiananmen ein politisch hochsensibler Ort und unter starker Bewachung. Da herrscht so oder so ein strengeres Regiment. Ist aber auch nicht anders, als vor dem Weißen Haus. Ein paar besoffene - und vor allem maskierte - Ausländer, würden da auch relativ schnell verscheucht werden.
In Washington war ich noch nie, aber ich glaub nicht, dass hier ein paar Besoffene in Gewahrsam genommen werden, wenn sie auf der Wiese vor dem Reichstag herumblödeln. Solange sie friedlich bleiben....
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