Die Freiheit im "Westen"

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robbe
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Re: Die Freiheit im "Westen"

Beitrag von robbe »

aquadraht hat geschrieben: Die Idee von Liu ist die gewalttätiger Kreuzzüge ohne Rücksicht auf die hunderttausenden Menschenopfer, die Privatisierung ohne Rücksicht auf das damit ausgelöste Leid, die Zerschlagung des Zentralstaats ohne Rücksicht auf das Risiko von Bürgerkriegen und ethnischen Pogromen. Man kann die Inhaftierung kritisieren, das Strafmass oder beides. Aber ein Friedenspreis für diesen Mann ist ein Hohn.
Die Zerschlagung etc. wäre der radikale Weg. Die Idee zur Durchsetzung einiger Menschenrechten ist was anderes. Die einzelne Person die es fordert ist weniger relevant. Wieso Liu ausgesucht wurde, weiß ich nicht.
Man mag es kaum glauben, aber ich bin zum Teil ein echter Fan von dem pragmatischen Vorgehen der chinesischen Regierung. Und ich will auch gar nicht die Verleihung gut heißen oder irgendwie anders kommentieren (der Preis interessiert mich nämlich überhaupt nicht). Die chinesische Reaktion halte ich einfach nur für kindisch und unprofessionell. Da hat die chinesische Paranoia wieder an überhand gewonnen.
Naja ich frag mich immer noch was der chinesischen Regierung so sehr an der ausländischen Berichterstattung stört. Wieviele Chinesen haben Zugang zu dieser Berichterstattung (bzw. wollen überhaupt den Zugang)? Oder will sich die chinesische Regierung vor der Weltbevölkerung rechtfertigen? Wenn ja, waren sie mal wieder sehr kontraproduktiv.
Bernhard
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Re: Die Freiheit im "Westen"

Beitrag von Bernhard »

robbe hat geschrieben: Die Zerschlagung etc. wäre der radikale Weg. Die Idee zur Durchsetzung einiger Menschenrechten ist was anderes. Die einzelne Person die es fordert ist weniger relevant. Wieso Liu ausgesucht wurde, weiß ich nicht.
Das sehe ich überhaupt nicht so. Wenn die einzelne Person ein Symbol sein soll, dann sollte das Kommittee sehr genau hinschauen, was das für eine Person ist. Symbole wollen mit Bedacht gewählt sein. Wenn man z.B. ein Zeichen gegen die Rassendiskriminierung in den USA hätte setzen wollen, wäre es von großer Bedeutung gewesen, ob man Martin Luther King oder ein gewalttätiger Aktivist ausgesucht worden wäre.
OK, Liu Xiaobo ist persönlich nicht gewalttätig. Aber bei der Verwirklichung seiner Ziele kalkuliert er sehr wohl Gewalt mit ein.

robbe hat geschrieben: Naja ich frag mich immer noch was der chinesischen Regierung so sehr an der ausländischen Berichterstattung stört. Wieviele Chinesen haben Zugang zu dieser Berichterstattung (bzw. wollen überhaupt den Zugang)? Oder will sich die chinesische Regierung vor der Weltbevölkerung rechtfertigen? Wenn ja, waren sie mal wieder sehr kontraproduktiv.
Vor der Weltbevölkerung sicher nicht. Sowieso habe ich den Eindruck, die chinesische Führung denkt so ungefähr "die Mehrheit der Weltbevölkerung ist auf unserer Seite. Na ja, mit Ausnahme des kriegstreiberischen Westens".
Ich verstehe auch nicht, warum die Regierung dem so viel Bedeutung beimisst. Das Beispiel vom Mond und dem Hund, das Grufti brachte, ist m.E. durchaus zutreffend.
Allerdings reagiert die deutsche Regierung auch sehr "angepiekst", wenn jemand die "freiheitlich-demokratische Grundordnung" in Frage stellt.
aquadraht
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Re: Die Freiheit im "Westen"

Beitrag von aquadraht »

Mein Punkt war nicht, die chinesische Regierung zu verteidigen. Die hat gewiss nicht geschickt agiert. Andererseits war die Preisverleihung mit allem Drum und Dran eine wohlorchestrierte Propagandakampagne, in der sie vermutlich nicht richtig hätte agieren können.

Darum war es mir aber nicht gegangen. Es ging mir eher darum, dass Liu mit seinen Äusserungen eher ein aggressiver Militarist, Antikommunist und Kreuzzügler ist als ein Menschenrechtler. Das zeigen diverse seiner Artikel, die sehr wohl authentisch sind. Liu sagt kein Wort der Kritik gegen südamerikanische oder arabische Folterstaaten, solange sie an der Seite der USA sind.

Man kann gewiss die Inhaftierung kritisieren, das Strafmass, und die heftige Reaktion Chinas auf die Preisverleihung. Aber ein Friedenspreis für Liu ist ein Hohn.

Ich hatte auf Deinen Artikel nur geantwortet, weil Du die Authentizität des Artikels angezweifelt hast (was ich nicht kritisiere). Das war nicht als Vorwurf zu verstehen.

Gruss, a^2
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