Friedensnobelpreis

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aquadraht
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von aquadraht »

Ting Budong hat geschrieben:..
Ich habe dich gar nicht gemeint, sondern die Jungs von der Karl-Eduard von Schnitzler Journalistenschule. Übrigens danke für den Link. Elf Jahre für ein paar Zeitungsartikel. Respekt, hätte nicht gedacht, dass es so schlimm um die Justiz hier bestellt ist.
Naja, in NYC kann ich bis zu nem halben Jahr kassieren, wenn ich mit ner Bierflasche in der Subway sitze oder auf der Strasse rumlaufe. In California reichen 3 Downloads aus einer Tauschbörse, um lebenslänglich zu kassieren.

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Ting Budong
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Ting Budong »

Bernhard hat geschrieben: Wieso blamieren? Ich fand den Artikel in People's Daily sehr moderat. Natürlich finden sich da die "typisch KP"-Forumulierungen wie "zur Harmonie im Land beitragen" und "gegen das Gesetz verstoßen". Aber das ist die logische Sicht der chinesischen Regierung. Und es ist klar, dass sie protestiert. Jedenfalls ist der Artikel sehr sachlich und nicht einmal übermäßig belehrend oder von oben herab.

B., der in diesem Fall teilweise der chinesischen Regierung zustimmen muss.
Ich würde vielleicht inhaltlich selbst der Regierung zustimmen. Zumindest erkenne ich nicht was Liu zum Weltfrieden beigetragen hat. Aber wenn man Infos über Liu sperren muss, den Mann in den Knast steckt und dann nicht mehr als Standartfloskeln als Gegenrede zustande bringt, dann finde ich das ganz schwach.
Die könnten doch die Steilvorlage nutzen und mal mit stichhaltigen Argumenten den Spieß umdrehen, wenn sie sich so im Recht fühlen. Aber genau das können sie absolut nicht kommunizieren. Da kommen hohle Phrasen oder eben gar nichts.
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Ting Budong
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Ting Budong »

aquadraht hat geschrieben:
Ting Budong hat geschrieben:..
Ich habe dich gar nicht gemeint, sondern die Jungs von der Karl-Eduard von Schnitzler Journalistenschule. Übrigens danke für den Link. Elf Jahre für ein paar Zeitungsartikel. Respekt, hätte nicht gedacht, dass es so schlimm um die Justiz hier bestellt ist.
Naja, in NYC kann ich bis zu nem halben Jahr kassieren, wenn ich mit ner Bierflasche in der Subway sitze oder auf der Strasse rumlaufe. In California reichen 3 Downloads aus einer Tauschbörse, um lebenslänglich zu kassieren.

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Ja, die Amis haben teils seltsame Gesetze, das ist bekannt. Aber wir wissen auch, dass solche Strafmaße niemals wirklich verhängt werden. Liu Xiaobo sitzt real im Knast. Und egal wie falsch er liegen mag, seine Meinung muss er sagen dürfen ohne elf Jahre in den Knast zu wandern.
Bernhard
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Bernhard »

Ting Budong hat geschrieben: Die könnten doch die Steilvorlage nutzen und mal mit stichhaltigen Argumenten den Spieß umdrehen, wenn sie sich so im Recht fühlen. Aber genau das können sie absolut nicht kommunizieren. Da kommen hohle Phrasen oder eben gar nichts.
Ich glaube, sie könnten durchaus "den Spieß umdrehen", wenn sie wollten. Aber sie wollen es eben nicht. Ihnen ist (meiner Einschätzung) nach eher daran gelegen, den Ball flach zu halten. Denn von irgendwelchen internationalen Querelen oder gar Spannungen und hochkochenden Emotionen im eigenen Land können sie nur verlieren.
Und in dieser Hinsicht sind sie m.E. klüger als diverse Über-Patrioten und Möchtegern-Chinesen.
Bernhard
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Bernhard »

Ting Budong hat geschrieben:Aber wir wissen auch, dass solche Strafmaße niemals wirklich verhängt werden. Liu Xiaobo sitzt real im Knast.
wie kommst du da drauf?

Wenn man in Amerika keinen guten (und vor allem teuren) Anwalt hat, dann werden solche Strafmaße durchaus verhängt.
Die von aquadraht zitierten Urteile werden bei Wiederholungstätern gefällt. Diese Praxis ist auch in Amerika sehr umstritten und vielleicht sogar gesetzeswidrig (soweit ich informiert bin), wird aber angewendet.
Es ist durchaus vorgekommen, dass Leute für das herunterladen von ein paar Videos jahrelang in den Knast gewandert sind (wenn sie vorbestraft waren).
zebresel
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von zebresel »

mmhhh, meine Meinung:

Ich denke, dass Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis zumindest mehr verdient hat als Obama :D
Er setzt sich für die Menschenrechte und Meinungsfreiheit in China ein. Das mag für den Weltfrieden jetzt keine konkreten Auswirkungen haben, doch ist China das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Das der explosionsartige Aufstieg Chinas nur durch das Ein-Partein-System möglich war und auch nur mit diesem anhalten kann, ist mir klar. Doch mit dem wirtschaflichen Aufschwung kommt auch eine soziale Verantwortung. Mit der Ein-Kind-Politik und Förderung des wirtschaflich schwachen Westens sind erste Schritte gemacht. Doch es muss mehr geschehen. Zensur, Unterdrückung, Korruption, Verurteilungen ohne gerechtes Verfahren, Medienkontrolle usw muss sich auch verändern. Und kämpft dafür nich Liu Xiaobao? Mehr Menschenrechte für 1/6 der gesamten Weltbevölkerung? Also warum nicht?

Die Frage die für mich viel wichtiger ist: War ihre Entscheidung wirklich das Beste für Liu Xiaobao? Wird die chinesische Regierung nicht noch mehr tun um seinen Namen, seine Schreibstücke und ihn selber tiefer in der Versenkung verschwinden zu lassen?
ich glaube, die Regierung wird keinesfalls von ihrem Urteil ablenken und der arme Liu Xiaobao sitzt noch tiefer drin.

Mein Fazit ist, dass Liu hier das Opfer ist. Das Opfer der westlichen Idealisierung. Ich hoffe nur, dass er nicht dafür den Preis bezahlen muss.

so weit so gut :)

grüße
beowulf
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von beowulf »

An den Herren bzw. die Dame welche meine Posts kopiert und unter unterschiedlichen Namen in diverse Foren (z.B. Spiegel) stellt. Lassen Sie das in Zukunft bitte oder erwähnen sie zumindest, dass es sich um ein Zitat handelt und der Text nicht von ihnen stammt.

Im Spiegelforum wird das wiederkehrende auftauchen des Textes schon als Beweis dafür gesehen, dass "kommunistische Schläfer" schon längst in Deutschland ihr Untreiben führen.
robbe
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von robbe »

zebresel hat geschrieben:
Ich denke, dass Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis zumindest mehr verdient hat als Obama :D
Er setzt sich für die Menschenrechte und Meinungsfreiheit in China ein. Das mag für den Weltfrieden jetzt keine konkreten Auswirkungen haben, doch ist China das bevölkerungsreichste Land der Erde.
grüße
....Mehr Menschenrechte für 1/6 der gesamten Weltbevölkerung? Also warum nicht?
Das finde ich interessant. Man kann es ja auch so sehen: Es gibt sicherlich einige Personen, die in China für Menschenrechte usw. eintreten. Wie soll man die jetzt alle mit dem Nobelpreis ehren. Da muss man einen rauspicken. Vielleicht gab es auch keine Konkurrenz, wie auch immer.
Finde es auf jeden Fall lächerlich, dass sich China so aufregt. Ich denke China weiß, was der "Westen" von China hält (im positiven und negativen). Da wird dieser Nobelpreis nicht viel in den Köpfen der "Westler" ändern. Wenn man nicht diesen inhaftierten Menschenrechtler hätte, würde man jemand anderen finden, mit dem man China negativ darstellen kann... Wie gesagt, China reagiert mal wieder beleidigt. Bis das aufhört, müsste noch unendlich viel geschehen in China.
zebresel hat geschrieben: Die Frage die für mich viel wichtiger ist: War ihre Entscheidung wirklich das Beste für Liu Xiaobao? Wird die chinesische Regierung nicht noch mehr tun um seinen Namen, seine Schreibstücke und ihn selber tiefer in der Versenkung verschwinden zu lassen?
grüße
In China steckt er doch eh schon so tief in der Versenkung oder? Da wird der Nobelpreis wenig bewirtk haben...
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von aquadraht »

Eine weitere wichtige Stellungnahme:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33468/1.html" target="_blank
"Nobels Ideen wurden von inkompetenten Politikern verraten"

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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von aquadraht »

robbe hat geschrieben:In China steckt er doch eh schon so tief in der Versenkung oder? Da wird der Nobelpreis wenig bewirtk haben...
In der Versenkung steckt China aber nur für Ideologen, bei allen seinen Mängeln. Sicher hat diese Propagandaveranstaltung in Oslo wenig bewirkt. Für den Frieden in der Welt war sie eher ein Schlag ins Gesicht. Statt sich um Versöhnung zu bemühen, betreibt man lieber etwas Kalten Krieg.

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TaugeNix

Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von TaugeNix »

Ich - als Jurist - bin ja an sich ein großer Verteidiger der universellen Rechte, mit allem, was dazu gehört. Jedoch: ich komme aus dem Westen und bin daher ideologisch geprägt, auch wenn ich mir einen "offenen" Geist bewahrt habe (was ich zumindest von mir behaupte).

Daher empfehle ich mal wieder die Lektüre: Legal Orientalism, um ein wenig zu verstehen, wie sehr wir die meisten Dinge aus unserer Sicht bewerten und unsere Wertungen von westlicher Seite geprägt sind.

Zusätzlich, als Diskussionsbeitrag vielleicht noch dies hier, um die Aufregung der Führung hinsichtlich der Charta 08 zu verstehen: Economist: The debate over universal values

Gruß,
TaugeNix^sagt voraus, dass wir hier in China eh nichts mehr davon hören werden und im Westen die "Schadenfreude" bald auch verflogen sein wird..
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Laogai »

robbe hat geschrieben:Man kann es ja auch so sehen: Es gibt sicherlich einige Personen, die in China für Menschenrechte usw. eintreten. Wie soll man die jetzt alle mit dem Nobelpreis ehren. Da muss man einen rauspicken.
Sehe ich auch so. Die Vorgabe war wohl "Sucht einen chinesischen Dissidenten der diesen Preis bekommen soll, wen auch immer!". Nobels Vorgaben wurden dabei nicht mehr berücksichtigt.
robbe hat geschrieben:Finde es auf jeden Fall lächerlich, dass sich China so aufregt.
Wie und wo regt sich "China" dazu auf? Wer ist denn "China"? Die Partei? Die Bevölkerung? Die chinesische Presse? Die Bewohner von Hongkong oder gar Taiwan? Und wenn ich mich über die Nominierung aufrege, macht sich dann Deutschland eventuell lächerlich?
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Red Duck
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Red Duck »

Ich finde es schade, dass der Nobelpreis so von der Politik instrumentalisiert wird. Genauso wie die Olympiade instrumentalisiert wird, in dem ein Boykott den nächsten jagt. Der Sinn und Zweck beider Institutionen, nämlich die internationale Verständigung und Stärkung des Weltfriedens zu fördern, ist leider verloren gegangen. Daher ist der Friedensnobelpreis für mich genauso unwichtig geworden, wie das Bundesverdienstkreuz, bei dessen Vergabe fast nur Vereinsmeyer und hochdotierte Vorstandsvorsitzende berücksichtigt werden, statt Menschen, die sich tagtäglich für unser Land und dessen Bürger aufopfern.
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Grufti »

Hier eine Liste von Dissidenten, die in der Vergangenheit Träger des Friedensnobelpreises waren:


Nobel Peace Prize-winning dissidents

* 2003 Iranian lawyer and activist Shirin Ebadi
* 1991 Aung San Suu Kyi, Burmese pro-democracy campaigner and opposition leader
* 1983 Lech Walesa, head of Poland's Solidarity trade union movement that spearheaded the east European anti-communist movement
* 1980 Adolfo Esquivel, Argentine human rights activist imprisoned during the country's "dirty war"
* 1975 Andrei Sakharov, Russian top nuclear physicist, human rights campaigner
* 1960 Albert Lutuli, South African anti-apartheid campaigner
* 1935 Carl von Ossietzky, German journalist imprisoned by the Nazis in 1933

siehe auch Wiki-Liste

Ich bin mir 100 Pro sicher, daß die VR China in keinem Falle etwas dagegen gehabt hatte, daß die betreffenden Personen diesen Preis bekommen hatten...

Der Preis für Carl von Ossietzky war damals übrigens der Anlaß für Nazi-Deutschland, jedem Reichsbürger zu verbieten , einen Nobel-Preis entgegennehmen zu dürfen.

Bin mal gespannt, ob die VR China ebenso konsequent ist.... :roll: :lol:
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
TaugeNix

Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von TaugeNix »

Grufti hat geschrieben: Ich bin mir 100 Pro sicher, daß China in keinem Falle etwas dagegen gehabt hatte, daß die betreffenden Personen diesen Preis bekommen hatten...
Warum sollte China was dagegen habe? Das wäre eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der jeweiligen Staaten... :mrgreen:

Gruß,
TaugeNix^hat gestern mit ca. 15 Chinesen gesprochen: "刘晓波是谁?" - wird also wohl recht behalten mit der Annahme, dass man hier in China nix davon hören (um Grufti zu beruhigen: außer in dem Insel-Teil des sacred territory der VR und den SAR) wird und der Westen sich damit keinen Gefallen getan haben wird..
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